Akte X - Staffel 1

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Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 8. Mär 2018 01:24

Die Serie war in dieser Staffel noch sichtbar in den Kinderschuhen. Nur wenige Mytharc-Episoden, und auch sonst so einige, die man in die Tonne treten konnte. Nichtsdestoweniger sind einige sehr gute Folgen außerhalb des Mytharcs drin.

Mytharc-Episoden (kursiv die absolut unerlässlichen):

1X01: Pilot (Pilotfilm)
1X02: Deep Throat (Die Warnung)

1X04: Conduit (Signale)
1X10: Fallen Angel (Gefallener Engel)
1X11: Eve (Eve)
1X17: E.B.E. (Täuschungsmanöver)
1X24: The Erlenmeyer Flask (Das Labor)


Persönliche Lieblingsepisoden außerhalb des Mytharc:

1x03: Squeeze (Das Nest)
1x08: Ice (Eis)
1x13: Beyond the Sea (Die Botschaft)
1x16: Young at Heart (Ewige Jugend)
1x19: Shapes (Verwandlungen)
1x21: Tooms (Ein neues Nest)
1x23: Roland (Roland)
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon Bernhard Nowak » 14. Mai 2018 09:40

Ich habe mir den Auftaktfilm "Gezeichnet" mittlerweile angesehen, weiß aber nicht, was ich davon halten soll und bin verunsichert. Bewusst habe ich noch keine Kommentare und Interpretationen dazu gelesen, um meinen "ersten Eindruck" nicht durch Gelesenes zu verwischen. Zusammenfassung der Handlung nochmals hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeichnet_(Akte_X)]
Was mir aufgefallen ist:
- sehr spannende Mischung aus Thriller und Fantasy-Elementen
- zum Teil richtig beklemmend

Für mich zu schnell geht die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren im Pilotfilm, Scully und Mulder. Erst mögen sie sich gar nicht, die Frau wird vom Mann richtig angefahren, dann auf einmal plötzlich - so empfinde ich dies - "ein Herz und eine Seele?" Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Für mich funktioniert - basierend auf dem Auftaktfilm - die Sache als Thriller oder Fantasy sehr gut, den - möglichen - Realitätsbezug ("beruhend auf wahren Ereignissen") sehe ich skeptisch oder nicht so sehr. Die Erklärung auf Wikipedia: "Am Anfang der Episode erscheint der Schriftzug: „Der folgende Film stützt sich auf Tatsachenberichte.“ Damit ist jedoch nicht gemeint, dass die Agenten Mulder und Scully oder deren Arbeit an den X-Akten wirklich existieren würden. Auch die Ereignisse in Bellefleur, Oregon, und sogar die Stadt selbst sind reine Fiktion. Mit den Tatsachen sind die einzelnen typischen Phänomene gemeint, welche normalerweise mit UFO-Erscheinungen und Entführungen durch Außerirdische einhergehen. Dazu zählen Implantate, verlorene Zeit, Narben an den Körpern von Entführungsopfern sowie das charakteristische gleißende Licht." ist wohl zutreffend, aber dennoch brauche ich wohl noch einige Zeit, mich an die Serie zu gewöhnen. Ich weiß - wie gesagt - noch nicht so recht, was ich von der Pilotepisode halten soll und habe deshalb auch die weiteren Folgen noch nicht gesehen.
Jetzt weiß ich wenigstens, woran mich die Serie "Dark" in Netflix erinnert.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 14. Mai 2018 12:19

Der Schriftzug am Anfang ist ein Übersetzungsfehler (ich weiß schon, warum ich immer empfehle, die Originale anzusehen; die Synchronisation ist einfach unfähig). Es heißt, "The following story is inspired by actual documented accounts". Inspired =/= stützt sich auf. UFO-Entführungen sind dokumentiert, ob man sie nun glaubhaft findet oder nicht. Aber natürlich sind die konkreten Entführungen in Oregon Fiktion.

Der Satz soll einfach aussagen, dass sich die X-Files in unserem Universum bewegen und nicht in einem fiktiven wie der "Galaxy Far, Far Away" oder dem Potterverse mit seiner magischen Welt, wo von vornherein andere Naturgesetze gelten. (Ob man den Satz in späteren Staffeln noch so stehen lassen kann, ist eine andere Diskussion. Aber für den Pilotfilm gilt er.)

Dass Mulder Scully angefahren hat, habe ich nicht so empfunden. Habe aber die deutsche Synchro lange nicht gesehen, kann sein, dass das da so rüberkommt.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 14. Mai 2018 12:32

Da ich im Scifi-Forum an einem Rewatch-Projekt beteiligt bin, kopiere ich was den Pilotfilm angeht, einfach mal die Kommentare rein, die ich dort geschrieben habe.

Was den Piloten angeht: Fünf Sterne von mir. Die Bewertung mag überzogen erscheinen, da die Story jetzt nicht sooo spektakulär und streckenweise etwas behäbig ist. Die Inszenierung ist noch nicht auf dem Niveau späterer Folgen und auch die Schauspielerei lässt noch zu wünschen übrig. Aber Pilotfilme sind ja immer schwierig und rückblickend wird die Aufgabe, Charaktere und wesentliche Handlungselemente einzuführen, bestens bewältigt. Die X-Akten, Mulder und Scully werden vorgestellt, die Charakterisierung in groben Zügen festgelegt. Ganz so schräg hat sich Scully Mulder nach den Berichten wohl doch nicht vorstellt. Interessant, dass die Sonnenblumenkerne auch schon da sind. Der Raucher lauert auch schon im Hintergrund, alles überwachend.

Der Fall ist eine klassische X-Akte, Entführung durch Unbekannte, an denen Experimente vorgenommen wurden. Mulder glaubt natürlich an Aliens, Scully natürlich nicht.

Spoiler:
Die Experimente in Bellefleur sind die Teil der frühen Hybridisierungsexperimente; es sind keine offensichtlichen äußeren Merkmale zu erkennen, aber die Leichen zerfallen nach dem Tod in eine nicht-menschliche Gestalt. Sowohl Billy Miles als auch Theresa Nemman tauchen später in der Serie im Zusammenhang mit Experimenten wieder auf.


Es gibt Implantate, die Auswirkungen auf Krankheiten haben und die Testpersonen lenken können. Es werden fast alle Beweise, die Mulder und Scully gesammelt haben, vernichtet. Den einzig verbleibenden, das Implantat, deponiert der Raucher am Ende der Episode in einem riesigen Archivraum im Pentagon. Klar ist, dass es im FBI Leute gibt, die Bescheid wissen, und auch das Verteidigungsministerium eine Rolle spielt.

Scully ist hier noch sehr naiv, lehrbuch- und autoritätsgläubig (übergibt Blevins den einzig verbleibenden Beweis), aber ihr Vertrauen in die Autoritäten wird schon durch die Vernichtung der Beweise deutlich erschüttert. Ihr Lehrbuch-Glaube ist auch nicht so fest, wie es den Anschein hat, sonst käme sie nicht wegen ein paar Mückenstichen in Panik zu Mulder gerannt. Mulder bereits mit seinen charakteristischen Eingebungen, von denen er selbst nicht so recht weiß, woher sie kommen. Die 9-Minuten Zeitverlust bei außerirdischen Entführungen und das Versagen von Elektronik sind bereits ein Storyelement. Ein gruseliger Wald, beängstigende Szenen bei Nacht und Regen auf Friedhöfen, exhumierte Leichen, undurchsichtige Gesetzeshüter... also wirklich alles, was eine X-Akte ausmacht.


Was mir auffiel, ist, dass die beiden (Mulder und Scully) in dieser Folge doch sehr "nerdy" herüber kommen. Kann sein, dass das an den Brillen liegt? Auch ist Mulder in der Episode schon ziemlich überheblich Scully gegenüber. Obwohl er ihre (formale) Qualifikationen anerkennt (charakteristisch, dass er sich darüber genau informiert hat!), zeigt sich in manchen Szenen, dass er sie doch nicht ganz für voll nimmt. Irgendwie erinnert es mich an die Haltung von Professor Snape aus den Potter-Büchern der Hermine gegenüber. Gilt natürlich umgekehrt erst recht. Natürlich ist Scully am Ende auch gleich mal nicht dabei, als Mulder das Licht sieht. Dass Scully woanders ist / zu spät kommt / bewusstlos ist, wenn irgendwas Unerklärliches passiert, ist ja beinahe schon Running Gag in den ersten Staffeln.

Schlüsselszenen für die Beziehung der beiden sind, als Scully wegen ihrer Mückenstiche in Panik verfällt (und das, nachdem sie zuvor ganz die taffe Wissenschaftlerin war, der so ein läppisches Implantat doch nicht den Schlaf raubt), und als Mulder Scully warnt, sie müsse über ihre Schlussfolgerungen einen Bericht schreiben. Schon da kommt herüber, dass ihm nicht egal ist, wie diese Geschichte für sie ausgeht.

Ich glaube, dass Blevins einen psychologischen Fehler machte, als Scully ihm am Ende berichtete und er sie so ein bisschen abkanzelte, weil sie keine Beweise vorbringen konnte. Damit musste sie gleich einmal ein paar Meter in Mulders Mokassins laufen und kriegte zu spüren, wie es ist, wenn man etwas zweifelsfrei gesehen hat und einem keiner glaubt. Das hat sie schon etwas in Oppositionshaltung und auf Mulders Seite gebracht, wie man an der etwas trotzigen Übergabe des einzig verbliebenen Beweises erkennen konnte.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon Bernhard Nowak » 14. Mai 2018 12:51

Vielleicht werde ich mir die weiteren Folgen - jetzt habe ich ja Urlaub und etwas mehr Zeit - doch im englischen Original ansehen. Danke für die Hinweise. Jetzt habe ich auch den Bezug zu den "Tatsachen" besser verstanden. Dies wirkt in der Tat beklemmend. Diese Wirkung im Pilotfilm resultiert für mich aus einer klassischen Abgrenzung des Phantastischen Genres von Fantasy. Eine - der zahlreichen - Definitionen von Phantastik lautet ja, dass das Phantastische aus einer anderen Welt in unsere wirkliche Welt "eindringt", die Grenze zweier Welten also überwindet. Dies wirkt häufig düsterer oder bedrohlicher (man denke an die Autoren der Phantastischen Literatur, etwa Poe) als reine Fantasy, in der einer eigenen Welt, die von unserer streng abgegrenzt ist, sich Dinge ereignen, es aber keinen Bezug oder eine Überschneidung zu unserer Welt gibt, auch wenn die dortigen Ereignisse auch in unserer Welt spielen könnten (etwa die Werke von Tolkine oder auch G.R.R. Martin). Ich glaube, darauf - auf die Einführung des phantastischen Elementes - beruht die Wirkung von Akte X - zumindest des Pilotfilms.

Was die beiden Protagonisten im Pilotfilm angeht: Mulder wirft Skully ja vor, ihn ausspionieren zu wollen - und dann ist auf einmal Friede, Freude, Eierkuchen. Die Wendung in der Szene mit den Mückenstichen - die plötzliche Angst der vorher doch so rationalen Skully - ist mir auch als Schlüsselszene oder Wendepunkt aufgefallen. Dies meine ich mit der obigen Bemerkung des Eindringen des Phantastischen, bislang "Unglaubhaften" in die Realität - hier die bislang wahrgenommene Realität oder Welt von Skully. Skully erkennt plötzlich, dass die unwahrscheinlichen, phantastischen Ereignisse doch "wahr" sein könnten - dem Zuschauer "gefriert" es an dieser Stelle plötzlich. Das ist in der Tat sehr gut gemacht.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 14. Mai 2018 13:20

Ja, das mit dem Phantastischen Genre im Gegensatz zur Fantasy ist ein guter Punkt. Die X-Files werden ja auch dem Mystery-Genre zugeordnet (das dürfte so in etwa die angelsächsische Entsprechung des deutschen Begriffs Phantastisches Genre sein). Bzw. unter den TV-Serien gelten die X-Files als der wohl wichtigste Vorreiter des modernen Mystery-Genres.

Ich glaube nicht, dass Mulder Scully vorwirft, sie wolle ihn ausspionieren. Sondern dass sie zu diesem Zweck zu ihm geschickt wurde. "I was under the impression... that you were sent to spy on me." Der Vorwurf, wenn es einer ist, geht an Blevins und den Raucher, die hinter der Sache stecken. Scully selber werden hier keine bösartigen Absichten unterstellt, eher schon betrachtet er sie als eine Art willfährige Marionette. "You're a part of that agenda, you know that."

(Transkripts findet man übrigens hier:
http://www.insidethex.co.uk/scripts.htm#one)

Scully passt das übrigens überhaupt nicht ("I'm not a part of any agenda. You've got to trust me. I'm here just like you, to solve this."), diese Vorstellung, von jemanden für dessen eigene Machenschaften benutzt zu werden. Auch das hat Blevins nicht einkalkuliert. Der Plan, die vermeintlich "verlässliche" Scully auf diesen Job anzusetzen, weil man die als schulbuch- und autoritätsgläubig kennengelernt hat, hat schon hier deutliche Kenntnislücken.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 22. Mai 2018 00:07

Folge 2, Staffel 1: "Deep Throat / Die Warnung"

(Kopie von SciFi Forum)

Jetzt weiß ich, was ich beim Pilotfilm irgendwie diffus vermisst habe: Das Intro ist jetzt da!

"Deep Throat" führt so ziemlich alle wesentlichen Elemente der Serie ein, die im Pilotfilm noch nicht eingeführt wurden: Die Regierung ist mit ihrer Technologie, sowohl was Flugzeuge als auch Gedankenkontrolle und Informationsvertuschung angeht, wesentlich weiter, als öffentlich bekannt ist, es wird wahrscheinlich mit UFO-Technologie aus dem Roswell-Absturz experimentiert, auf Leben und Gesundheit des "Versuchspersonals" wird hierbei keinerlei Rücksicht genommen, Mulders Telefon wird abgehört, und Mulder bekommt seinen ersten Informanten.

Mulder ist in diesen Anfangsfolgen wirklich noch sehr enthusiastisch und auf seine Weise genauso naiv wie Scully. So wie sie im Pilotfilm Autoritäten unbesehen glaubt, kauft Mulder diesen bekifften Teenagern sofort ihre Story ab und hält ohne nähere Untersuchung ein UFO-Foto, das ihm eine Barfrau verkauft, für authentisch. :shock: Scully muss sich trotz ihrer Erlebnisse aus dem Pilotfilm bestätigt fühlen, dass sie es hier mit einem äußerst abgedrehten Typen zu tun hat. :angel2: Mit der Herangehensweise wird er ihre Zweifel so schnell nicht beseitigen. Außerdem wird bereits hier schon an seinem Gehirn herummanipuliert.
Soll ja nicht das letzte Mal sein in der Serie, kein Wunder, dass er am Ende etwas durchgeknallt ist.

Andererseits sieht man an verschiedenen Szenen, dass Scully doch nicht nur das unbedarfte Mädchen ist, als das sie im Pilotfilm so ein bisschen erschien, sondern wenn es drauf ankommt, ziemlich unangenehm werden kann. Und die erste Mulder-Rettungsaktion darf sie auch gleich vornehmen :grin:

Deep Throat, der erste von Mulders mehr oder weniger undurchsichtigen Informanten. Wollte er Mulder wirklich davon abhalten, diesen Fall zu untersuchen, oder war das ein Test, wie ernst es Mulder ist?

Am Ende stehen sie wie im Pilotfilm wieder ohne Beweise da, auch wenn Deep Throat Mulder bestätigt, dass "sie" schon lange hier sind.

Da sich das Ganze über weite Strecken der Folge für meinen Geschmack doch etwas zäh hinzog, gibt es gute vier Sonnenblumenkerne von mir :)
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 22. Mai 2018 00:16

Folge 3, Staffel 1: "Das Nest / Squeeze"

(Kopie von SciFi Forum)

Von mir gibt es sechs Pappmache-Nester für den ersten echten Klassiker und für Tooms, einen der besten Monsters of the Week der Serie. Eine spannende Folge mit einem Gruseltäter, der von Doug Hutchison klasse dargestellt wird.

Scully bekommt so langsam die Schattenseiten der Zusammenarbeit mit Mulder zu spüren und der Spott der Kollegen war ihr sichtlich unangenehm. Wir treffen auf bornierte karrieregeile FBI-Agenten, früherer Kommilitone von Scully. Klasse Mulders Ausführungen über kleine grüne, pardon, graue Männchen. Wie der Typ gestrickt ist, zeigt sich in der Frage"Auf welcher Seite stehst du eigentlich?" Um den Fall an sich geht es ihm eher weniger, er will, dass Scully ihm auf der Karriereleiter nach oben hilft. So eine ist Scully aber nicht, und Mulder natürlich schon gar nicht. Obwohl sie sich erkennbar Sorgen um ihren guten Ruf macht, ist sie trotzdem entschieden "Team Mulder".

Interessant, dass Scullys Profil hier richtig ist, sie liegt mit ihrer Einschätzung über den nächsten Schritt Tooms besser als der gelernte Profiler Mulder.

Dies ist einer der Fälle, in denen Mulders Erklärung plausibler wirkt als die Verrenkungen der Kollegen, eine "plausible" Erklärung ohne überatürliche Phänomene zu finden. Ich habe gelernt, dass so etwas als sog. Scully-Syndrom bezeichnet wird: Wenn beim Bestreben, unerklärliche Dinge unter Ausschluss übernatürlicher Faktoren zu erklären, so viele unwahrscheinliche Ereignisse miteinander verknüpft werden müssen, dass der übernatürliche Erklärungsansatz der plausiblere ist.



Ich glaube, Mulder legt gar keinen gesteigerten Wert darauf, von Kollegen ernst genommen zu werden, schon gar nicht von solchen wie diesem Karrierefuzzi. Der fühlt sich in seiner Rolle als verschrobener Außenseiter bzw. verrücktes Genie doch ganz wohl. Das hat auch seine Vorteile. So hat er Narrenfreiheit und kann sich so einiges erlauben, was er als "normaler" Agent nicht dürfte.
Pornofilme im Großraumbüro kämen bspw. nicht so gut.

Ja, Tooms nimmt nicht alles, was ihm so über den Weg kommt. Er scheint auf Qualität zu achten. Kann mir auch gut vorstellen, dass der Kick bei der Nahrungsmittelbeschaffung eine Rolle spielt.

Interessante Beobachtung eines anderen Beteiligten:

Flugscheibe hat geschrieben:Interessant fand ich allerdings, dass Mulder die offizieller Erlaubnis von Oben hatte, in dem Fall mitzuermitteln. Ist das wirklich nur deshalb, weil die X-Akte über den Fall älter ist (obwohl den Zusammenhang da ja noch keiner wirklich glaubt). Oder ist das ein Anzeichen dafür, dass Mulder in der oberen Befehlsstruktur Verbündete hat, von denen er vermutlich selbst nichts wei0? Vielleicht Deep Throat, der Einfluss hat und nach eigenem Bekunden Interesse an der Wahrheit hat (obwohl dieser Fall rein gar nichts mit Außerirdischen und Regierungsverschwörung zu tun hat)? Der Krebskandidat, von dem wir bisher noch gar nichts wissen?

Ich vermute am ehesten den Krebskandidaten. Ist Deep Throat nicht im Verteidigungsministerium zu verorten?
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 22. Mai 2018 00:31

Folge 4, Staffel 1: "Signale / Conduit"

(Kopie von SciFi Forum)

Mit Conduit bin ich nie wirklich warm geworden, und das hat sich auch beim Rewatch nicht geändert. Für mehr als drei Sterne reicht es nicht, und die gibt es auch nur für die Einblicke in Mulders Charakter, die an dieser Episode das eigentlich Interessante sind. Man erfährt etwas mehr über die Entführung seiner Schwester, und wie sehr ihn das immer noch mitnimmt.

Es geht wie schon im Pilotfilm wieder um eine UFO-Entführung, und auch hier hat sie einen Präzedenzfall: Die Mutter des Mädchens wurde auch schon entführt. Ein bisschen was erfährt man noch über die UFOs. Sie erzeugen extreme Hitze, die Glas schmelzen lässt.
das ist irgendwie später in der Serie auch nicht mehr aufgetaucht, oder?

Was die eigentliche Handlung angeht, ist mir das alles etwas zu wirr. Warum schicken Aliens kodierte Signale über den Fernsehsender? Noch dazu solche, die Informationen aus der Voyager-Sonde enthalten?
So eine ähnliche komische Geschichte gibt es auch in Little Green Men Anfang Season 2, wo Aliens Informationen der Voyager an eine SETI-Beobachtungsstelle schicken.

Was sollte das Porträt der verschwundenen Schwester? Und warum veranstalten die NSA-Leute so ein Theater? Übrigens hier wieder ein Beispiel der Obrigkeitshörigkeit der jungen Scully, die denen ohne Not einfach die gewünschten Informationen über den Jungen gibt. Und die Erklärung mit den "statistischen Abweichungen" ist wieder typisch Scully-Syndrom.

Der Schluss der Folge mit der Biker-Gang kam auch irgendwie aus dem Nichts. Immerhin gibt es mit der Unterhaltung zwischen Mulder und der Mutter am Ende noch einen Hinweis, warum Entführte oftmals schweigen.

Insgesamt wirkt diese Folge irgendwie unfertig und nicht durchdacht. Ein paar coole Ideen sind da, aber irgendwie ohne dass sie sich zu einem Ganzen zusammenfügen oder einen Sinn ergeben. Ich meine, ich finde es eigentlich gut, dass in Akte X oft vieles offen bleibt, aber das war mir insgesamt doch etwas zu wirr.
Flugscheibe hat geschrieben:Es besteht ja auch die Möglichkeit, dass diese Experimente von Menschen (vielleicht in Verbindung mit Außerirdischen) gemacht werden und die Informationen auch über menschliche Satteliten übermittelt wurden. Das würde jedenfalls das panische Auftauchen der NSA erklären.

Das klingt auf jeden Fall sinnvoller als die andere Variante, in der Außerirdische die Signale senden. In der kann ich nun gar keinen Sinn erkennen. Es könnte sich um ein Experiment handeln, wie über Fernsehübertragungen Botschaften verbreitet werden können.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 22. Mai 2018 00:50

PS: Wir schauen im SciFi-Forum zwei Episoden pro Woche. Ich werde bis zum Ende dieser Woche meine Kommentare zu den Folgen 5-8 (8 ist der aktuelle Stand im SciFi-Forum) hier einstellen, danach nehme ich den Rhythmus der zwei Episoden pro Woche dort auch hier an.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 24. Mai 2018 20:50

Folge 5, Staffel 1: "Der Teufel von Jersey / The Jersey Devil"

(Kopie von SciFi Forum)

Tja, irgendwie schwierig zu bewerten, diese Episode... sicherlich eine der schwächeren in der ersten Staffel. Es geht hier erstmals, aber nicht zum letzten Mal, um alte Legenden und ihren Wahrheitsgehalt. Die Geschichte um den menschenfressenden Jersey Devil ist jetzt nicht so spektakulär, aber insgesamt finde ich sie gut inszeniert. Mulder mischt sich schon wieder in Ermittlungen ein, die ihn eigentlich nichts angehen (wie schon bei Tooms). Wenn das einer mit seinen Fällen machen würde...

Der örtliche Cop ist auch alles andere als begeistert über die Einmischung. Scullys Versuch, Mulder mit wissenschaftlichen Mitteln von dem Fall abzubringen - sie schleppt ihn zum Anthropologen - führen eher zum Gegenteil, Mulder ist jetzt erst recht entschlossen, der Sache nachzugehen. Dass der Cop Bescheid weiß, wird spätestens klar, als die Leiche des Devils aus der Autopsie verschwindet. Die Verfolgung fand ich gut inszeniert, vor allem, dass man sich reichlich Zeit gelassen hat. Die Auflösung war unspektakulär und dass man am Ende noch das Kind gezeigt hat, war mir etwas zu genre-typisch und vorhersehbar.

In der Nebenhandlung tut sich Scully etwas schwer mit der Entscheidung, ob sie nun "ein Leben haben" will oder nicht. Für ihren relativ biederen Familien- und Freundeskreis heißt das ganz offensichtlich, Ehemann und Kinder (jedenfalls ist ihre Tätigkeit beim FBI für die Verwandte / Freundin wohl "kein Leben", denn sonst müsste sie ja nicht eines suchen). Scully passt das zwar irgendwie nicht, andererseits möchte sie aber doch dazugehören und lässt sich auf das Date mit diesem Steuerberater ein. Das ist natürlich ein totaler Reinfall. Es ist ganz witzig, die beiden "Verabredungen" zum Essen mit dem Steuerberater und mit Mulder (als der aus dem Gefängnis kommt), gegenüberzustellen. Mit Mulder hat sie wieder allen möglichen Ärger, muss sogar das Essen für beide bezahlen, aber langweilig ist ihr da jedenfalls nicht. Auch hier merkt man, wie unsicher bzw. wenig gefestigt die junge Scully hier noch ist. Und außerdem, dass in dieser Familie keiner versteht, wie sie tickt. Immerhin hat das eine Date gereicht, und beim nächsten Mal lässt sie den Steuerberater abblitzen und geht lieber mit Mulder zum Ethnobiologen.

Auch nach der ganzen Schreiberei weiß ich noch nicht recht, wie ich das bewerten soll... ich entscheide mich für knappe vier abgenagte Oberarmknochen.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 24. Mai 2018 20:53

Folge 6, Staffel 1: "Schatten / Shadows"

(Kopie von SciFi Forum)

Also mir hat die Folge gut gefallen. Gute vier fliegende Briefbeschwerer von mir.

Der Fall war eine echte X-Akte, mit Psychokinese und einem richtigen Kriminalfall, der aufzuklären war. Die Hauptfigur Lauren fand ich allerdings etwas überzeichnet, mit der Logik haute es auch nicht immer hin (wie schafft es der Poltergeist, die Badewanne mit Blut zu füllen? Wo kam das Blut dafür her?)

Mir fiel auf, dass hier Mulder und Scully erstmals ernsthaft als Experten für Unerklärliches herangezogen wurden.

Das mit den Fingerabdrücken auf der Brille war natürlich ein echter Geniestreich.

Für meinen Geschmack ist Scully mit ihren Zweifeln hier zu einfach davongekommen. Selbst wenn es einen lebenden Graves oder einen anderen Komplizen gäbe, wie will sie denn bitteschön die von innen zerquetschten Luftröhren erklären?

Mulder sorgt mit seinen Sprüchen wieder für den nötigen Humor. Vor allem das "I would never lie" (mit samtiger Stimme :lol:) und Elvis waren herrlich. Scully kommt natürlich wieder zu spät, um den schwebenden Einbrecher noch zu sehen, und ist am Ende bei der Poltergeist-Action ausgesperrt. Witzig auch, dass während Scully den Fall lösen will, Mulder aber viel lieber Psi-Phänomene beweisen will. :angel:

Achja, schönen Nostalgiefaktor hatte die Folge auch wieder. Informationen werden auf Mikrofiches von Zeitungen gesucht, Fotos in der Dunkelkammer entwickelt... hach, das waren noch Zeiten :grin:
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 27. Mai 2018 21:33

Folge 7, Staffel 1: "Die Maschine / Ghost in the Machine"

(Kopie von SciFi Forum)

Diese Folge hat ja unter X-Philes im Allgemeinen einen ziemlich schlechten Ruf, und aus dem Blickwinkel der heutigen Technologie wirkt sie natürlich auch recht antiquiert. So richtig X-Files ist sie auch nicht, an der Technologie ist ja an sich nichts Übernatürliches.

Nach Scullys ehemaligem Kollegen in "Squeeze" taucht jetzt ein ehemaliger Kollege von Mulder auf, der ihn auch für seine Karriereziele benutzen will. Man merkt in diesen frühen Episoden schon, dass die Autoren sehr darauf aus sind, Mulder als diesen genialen Außenseiter darzustellen, der zu Unrecht von seinen Kollegen verlacht wird. Außerdem wird auch wieder versucht, Misstrauen gegen die Regierung aufzubauen - hier wird mit das erste Mal ein Wissenschaftler gegen Amnestie vom Verteidigungsministerium vereinnahmt.

Mit der Story an sich kann ich mich auch nicht so recht anfreunden, wobei das vielleicht vor allem an der Umsetzung liegt. Für das antiquierte Erscheinen aus heutiger Sicht kann die Serie nichts, aber ein paar Dinge, wie z.B. dass man sich in Scullys abgeschalteten Computer hacken kann (warum zieht sie nicht einfach den Stecker?) waren schon ziemlich schräg. Oder dass man Scully hier durch Jeffreys Röhren, äh, Luftschächte, kriechen ließ. Wieso man Deep Throat jetzt in der Folge unbedingt brauchte, weiß ich auch nicht.

Also insgesamt hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Mehr als drei Überwachungskameras gibt es dafür nicht.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 27. Mai 2018 21:36

Folge 8, Staffel 1: "Eis / Ice"

(Kopie von SciFi Forum)

Ich schließe mich an mit der Bewertung, die Folge hat die sechs außerirdischen Würmer verdient. Definitiv eine besten Folgen nicht nur der ersten Staffel, sondern auch der ganzen Serie.

Was eigentlich etwas komisch ist, denn wie schon andere geschrieben haben, sonderlich originell ist die Geschichte insgesamt und auch einige der Elemente nicht. Die Anlehnung an "Das Ding aus einer anderen Welt", die Würmer, die durch das Ohr eingeführt werden, etc. Einige logischen Fragezeichen gibt es auch (wie wurde die Frau infiziert, wie hat sie den Geologen in den Eisschrank bekommen, warum kriegte man außer der klappenden Tür davon nichts mit, warum wurde sie erst so spät aggressiv? Ihr ganzes Verhalten und die Darstellung der Tat passen nicht zu dem Verhalten der anderen Infizierten.)

Aber die klaustrophobische Atmosphäre und die Spannung vor allem in der zweiten Hälfte machen das alles wieder wett. Die Folge ist durchweg einfach fantastisch inszeniert, schon die Eingangsszene ist extrem dunkel, als sich die beiden Forscher selbst erschießen. Hier wird die Mulder-Scully-Partnerschaft das erste Mal richtig auf die Probe gestellt.

Die Frage "wer ist infiziert" war für mich durchaus glaubhaft herübergebracht. Mulder bringt sich mit einem seiner charakteristischen Alleingänge selber in Verdacht (typisch; wieso muss er sich allein im Finstern aufmachen und nachschauen, was im Camp los ist? Wieso holt er nicht gleich Scully dazu?). Spätestens, als die Heilungsmöglichkeit entdeckt wird, ist für den Zuschauer keineswegs mehr klar, dass er nicht der Infizierte ist. Doch das Dilemma ist klar: Ist Mulder infiziert, rettet man ihn damit, ihm den Wurm einzusetzen. Aber wenn nicht, dann infiziert man ihn damit erst und es gibt dann keinen Wurm mehr, der ihn heilen könnte.

Einer der Höhepunkte, wie auch schon andere erwähnten, natürlich die Szene, in der beide mit der Waffe aufeinander zielen. Fantastisch inszeniert, und von beiden fantastisch gespielt. (Eine der zahlreichen Szenen in der Serie, die diejenigen wohl verpasst haben müssen, die Duchovny als "hölzernen Schauspieler" bezeichnen. Duchovny ist nicht hölzern, sondern Mulder ist ein sehr introvertierter Charakter, der nur selten seine Fassade fallen lässt.)

Auffällig ist hier, dass Mulder Scully mehr vertraut als umgekehrt, er ist derjenige, der zuerst die Waffe runternimmt, und verdächtigt Scully zu keinem Zeitpunkt wirklich, infiziert zu sein. Scully dagegen hat ihre Zweifel, wenn sie auch nie auf die Seite des Arztes wechselt, für den das ausgemachte Sache ist und der Mulder einfach im Eis zurücklassen würde. Ihr ganzes Verhalten erinnerte mich etwas an den Pilotfilm, wo sie in der Sache mit den Mückenstichen auch die Rationalität verließ und an den Rand der Panik geriet. Dennoch hat sie nachher den Mut, alleine in die Zelle zu dem vermeintlich infizierten Mulder zu gehen.

Später dann eine der typischen Mulder/Scully-Diskussionen: Sie will den Wurm vernichten, er will ihn untersuchen, um für mögliche zukünftige Infektionen Erkenntnisse zu gewinnnen und auch am Ende der Episode will er nicht locker lassen und nochmal zurück in das Camp.

Etwas "Foreshadowing" ist in der Episode auch drin, wenn auch nicht klar ist, ob das beabsichtigt war oder sich später eher so ergeben hat (vermutlich eher letzteres):

Die Würmer kamen mit einem Meteoriten aus dem All - wie auch Purity aka das schwarze Öl mit dem Absturz in der ehemaligen Sowjetunion. Und die Tagline "We are not who we are" zieht sich durch die ganze Serie, mit Fremdkontrolle durch Implantate, verborgenen elektronischen Botschaften, etc. oder auch mit Gestaltwandlern und Klonen aller Art.

Typisch auch, dass am Ende wieder alles zerstört wird. War das eine reine Vorsichtsmaßnahme, oder war da den Verantwortlichen klar, dass da irgendwas Außerirdisches dahinter steckt?
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 3. Jun 2018 21:07

Folge 9, Staffel 1: "Besessen / Space"

(Kopie von SciFi Forum)

Auch so eine dieser Folgen, die einen eher schlechten Ruf hat... Ich fand sie jetzt eigentlich gar nicht so furchtbar. Vier sabotierte Spaceshuttles hat sie, wie ich finde, doch verdient.

Die Story erinnert zwar etwas an frühe Star Trek-Folgen mit der Besetzung durch einen Raumgeist, aber ich finde, sie war durchaus spannend inszeniert. Grade bei den X-Akten kann man ja nicht sicher sein, dass so etwas tatsächlich gut ausgeht. Die Sabotagevorfälle fand ich glaubhaft, und mir hat auch gut gefallen, dass die Folge der NASA nicht nur mit blinder Heldenverehrung gegenüber steht. Den Konflikt Belts zwischen der Rettung der Astronauten und dem Risiko, dass die NASA in Schwierigkeiten kommt, oder gar ganz geschlossen wird, fand ich interessant.

Was mit dem Alien war, wurde nicht näher thematisiert. Ich bin nicht ganz sicher, was man damit andeuten wollte, dass das Marsgesicht so ähnlich aussah wie dieser Raumgeist? :think: Es scheint, als ob das Alien wollte, dass die Menschen lieber auf der Erde bleiben sollen. Also eine Motivation, die in Mulders Katalog gar nicht vorkam - komisch eigentlich, da er doch sonst dauernd die Einmischung Außerirdischer wittert.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 3. Jun 2018 21:10

Folge 10, Staffel 1: "Gefallener Engel / Fallen Angel"

(Kopie von SciFi Forum)

Gute fünf unsichtbare Aliens für eine spannende, gut inszenierte UFO-Folge :good: Wird ja Zeit, dass die Rahmenhandlung wieder ein wenig vorangebracht wird.

Ein UFO ist abgestürzt und das Militär unter Leitung von Col. Henderson versucht es zu bergen und die Geschehnisse zu vertuschen, indem der Öffentlichkeit erzählt wird, es handle sich um ein Zugunglück, das eine ökologische Katastrophe herbeiführen könnte. Für Regierungsmitarbeiter hat man eine andere Lüge parat, demnach handelt es sich um einen abgestürzten libyischen Kampfflieger. Die zweite Erklärung ist fast noch unglaubwürdiger als die erste; wieso soll sich ein libyischer Kampfflieger mit einem Atomsprengkopf an Bord in den Norden der USA verirren? Wieso Scully so etwas immer noch so blauäugig glaubt, ist mir unverständlich. Passend dazu gibt Henderson der Flugüberwachung den Befehl, das UFO als "Meteoriten" zu deklarieren (herrlich der trockene Kommentar der Mitarbeiterin, als ein zweites UFO bei der Absturzstelle auftaucht: "The meteor seems to be hovering above a small town".) Lügen und Coverstories überall.

Mulder wird von Deep Throat auf die Spur angesetzt, am Absturzort angekommen aber schon bald gefangengenommen, und legt sich gleich mal mit Henderson an. Scully, vom FBI hergeschickt, um Mulder zurückzuholen, ist wütend, weil Mulder ständig die Grenzen überschreitet, und nervt ihn die ganze Folge wegen der Anhörung und der drohenden Schließung der X-Akten. Mulder hingegen scheint ziemlich egal, was aus ihm (oder den X-Akten) wird. Henderson auf der anderen Seite ist auch alles außer seiner Bergungs- und Vertuschungsaktion egal, er behindert sogar die Notärzte bei der Versorgung seines Personals.

In Gefangenschaft lernt Mulder Max Fenig kennen, in jeder Hinsicht ein archetypischer UFO-Geek. Mit seiner Historie von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen das perfekte Entführungsopfer, da ihm seine Geschichten keiner abnimmt. Ist Max Epilepsie vielleicht durch die Entführungen verursacht? Und Mulder ist also, ohne dass ihm das klar war, unter Max und seinesgleichen eine Berühmtheit. Kein Wunder, dass sich die beiden sofort anfreunden. Scullys Gleichgültigkeit und Kälte gegenüber Max Schicksal gefiel mir hier mal wieder nicht. Auch hier tauchen, wie schon im Pilotfilm, wieder die Implantate auf, die Max erst zur Absturzstelle und dann zum anderen UFO lenkten.

Das Alien ist unsichtbar bzw. kann sich tarnen, und schwerste radioaktive Verbrennungen erzeugen. Außerdem kann es offenbar Materie durchqueren; es gelangte in Maxs verschlossenen Wohnwagen und wurde zusammen mit Max aus dem inneren des Lagerhauses geholt. Max Leiche wird angeblich später in einem Frachtcontainer entdeckt.

Am Ende gibt es wieder keine Beweise; geschenkt, dass Scully bei der Entführung nicht anwesend ist. Dennoch versucht sie, einen vernünftigen Bericht abzugeben und gleichzeitig Mulder zu verteidigen. Mulder dagegen lehnt sich offen gegen seine Vorgesetzten auf und ist kurz davor, gefeuert oder anderweitig aus dem Verkehr gezogen zu werden, mitsamt der X-Akten. Das wird eben noch von Deep Throat verhindert, der offenbar eine Position innehat, die ihm erlaubt, die X-Akten geöffnet zu halten. Im FBI, im Pentagon? So ganz klar ist mir das nicht. Ein gefährliches Spiel, man fragt sich wie lange das und auch Mulders außercurriculäre Aktivitäten noch gut gehen können.


Was Mulders Alleingänge betrifft: Ich hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm, wie oft das eigentlich vorkommt, jedenfalls in diesen frühen Episoden. Das ist jetzt das vierte Mal schon, in nur zehn Folgen. In "Deep Throat", in "Jersey Devil" (ok, da wollte Scully zu ihrem Kindergeburtstag, aber trotzdem - es zwang ihn ja niemand, das alleine fortzuführen), in "Ice" (die nächtliche Aktion im Camp) und jetzt in diser Folge schon wieder. Und jedesmal endet es damit, dass Scully ihn aus dem Schlamassel rausholen muss.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 10. Jun 2018 21:04

Folge 11, Staffel 1: "Eve / Eve"

(Kopie von SciFi Forum)

Eve ist eine meiner Lieblingsepisoden und bekommt sechs vergiftete Colas von mir. :no1: Es ist eine der besten Monster der Woche-Folgen, die aber mit der Thematik der genetischen Experimente an ahnungslosen Frauen in gynäkologischen Kliniken dennoch einen wichtigen Bezug zur Haupthandlung hält. Ist auch das erste Mal, dass in der Serie Klone auftauchen, oder?

Am Anfang denkt man an alles mögliche von Vampiren bis Außerirdischen, auch Mulder ist wieder drauf und dran, auf die Jagd nach Außerirdischen zu gehen, und ist damit so weit von der Wahrheit entfernt wie selten. Scully war in einer Szene sehr nah dran ("I was beginning to suspect the girls"), aber diese Schlussfolgerung war ihr dann wohl doch zu mutig.

Von Deep Throat erfahren wir, dass die Regierung seit dem zweiten Weltkrieg versucht, durch genetische Experimente Supersoldaten hervorzubringen. (Deutet für mich wieder darauf hin, dass er eher im Verteidigungsministerium als im FBI zu verorten ist). Die Eves sind Ergebnis einer dieser Experimentreihen. Sehr beklemmende Szenen in dieser Anstalt/diesem Kerker, in dem die misslungenen "Supersoldaten" weggesperrt wurden. Auch die Unterhaltung mit dieser Eve 6 ... :scare: Dass man auch die Kinder am Ende da einsperrt, rückt die Behörden oder wer immer dafür in letzter Instanz verantwortlich ist, wieder in einer äußerst dubioses Licht.

Hervorzuheben in dieser Episode sind auch die Gastdarsteller. Sowohl die erwachsenen Eves als auch vor allem diese gruseligen Kinder sind super gespielt. Zwei richtige gerissene kleine Monster :devil: Herrlich, die Szene mit "America's most wanted". Wie jemand schon erwähnt hat, offenbar haben die beiden auch irgendwelche telepatischen Kräfte, dank derer sie über 3000 Meilen hinweg miteinander kommunizieren können. Und ja, es hatte durchaus den Anschein, dass die beiden über Mulder Bescheid wussten und ihn gezielt manipulierten (was auch wieder auf Telepathie hindeuten würde - woher sollte sie sonst wissen, dass der hinter Außerirdischen her ist?).

Also ich fand die Folge rundum gelungen, X-Files at its best. Klar, es gab auch ein paar Ungereimtheiten, die in den vorigen Beiträgen erwähnt wurden, aber darüber kann ich hinwegsehen. :)
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 10. Jun 2018 21:07

Folge 12, Staffel 1: "Feuer / Fire"

(Kopie von SciFi Forum)


Argh... irgendwie kann ich diese Episode nicht leiden, und ich kann nichtmal genau sagen warum. :brow:

Komisch ist schon irgendwie, dass man den Fall gleich zu Beginn aufklärt. Sowohl darüber, wer der Mörder ist (es ist immer der Gärtner, äh, Hausmeister) als auch über seine paranormalen Fähigkeiten. Für Spannung sorgt so etwas nicht gerade. Der Täter scheint irgendwie auf einem Rachefeldzug gegen die britische Aristokratie zu sein, wobei (zumindest mir) unklar bleibt, warum.

Dann ist da diese alte Flamme von Mulder, von der er sich anscheinend immer noch sehr eingenommen fühlt. Brauchte es wirklich dieses Kindheitstrauma mit dem Feuer? Von dem hat man nachher nie wieder etwas gehört. :sad: Die Dame selbst fand ich eher nervig, etwas amüsant war lediglich die eifersüchtige Scully.

Ein Lichtblick war Mark Sheppards Feuerteufel, der war wirklich gut gespielt.

Insgesamt aber irgendwie eher zum Vergessen, das Ganze. :sleep: :bad: Zwei Feuerteufel von mir.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 18. Jun 2018 18:10

Folge 13, Staffel 1: "Die Botschaft / Beyond the Sea"

(Kopie von SciFi Forum)


"Beyond the Sea" ist eine Episode, die mir vor allem wegen der - bisher ersten - Charakterstudie von Scully sowie Brad Dourifs Schauspielleistung als Luther Boggs gefällt, während der eigentliche Entführungsfall selber eher zum Vergessen ist. Insgesamt vergebe ich fünf Henkersmahlzeiten dafür.

Scully beginnt in dieser Episode erstmals ernsthaft an übernatürliche Phänomene zu glauben, und das ausgerechnet in einer Situation, in der Mulder (der schon oft genug vergeblich versucht hat, sie genau dazu zu bringen) gar nichts dazu tut, und sogar versucht, sie davon abzubringen. Hat ihn das insgeheim etwas geärgert, dass nun der von ihm so verabscheute Luther Boggs das schafft, woran er selber gescheitert ist? Natürlich profitierte Boggs davon, dass Scully vorher schon mürbe war, weil durch den Tod ihres Vaters emotional angeschlagen, der ihr zu allem Überfluss auch noch als Geist oder Vision erschienen ist. Schon dieses übersinnliche Erlebnis (m.W. das erste, das sie wirklich nicht wegerklären konnte) muss ihrer rigoros wissenschaftlichen Haltung einen ordentlichen Schlag versetzt haben.

Überhaupt wird ihr in dieser Episode emotional schon sehr zugesetzt. Während sich Mulder unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters noch sehr einfühlsam verhält, ist er ihr danach in der Angelegenheit mit Boggs so gar keine Hilfe mehr. Er geht kaum auf ihre durcheinandergewirbelte Gefühlswelt ein, sondern redet in seinem Groll auf Boggs nur ständig auf sie ein, dass sie ihm nicht glauben dürfe. Zu allem Überfluss wird er dann noch angeschossen und landet im Krankenhaus, so dass Scully mit der Situation vollends alleine gelassen ist.

In dieser Episode tritt Scully erstmals richtig aus der Rolle "Mulders Sidekick" heraus und wird von den Autoren zu einem komplexeren Charakter weiterentwickelt. Momente, in denen ihre rationale Fassade fiel, gab es zwar auch vorher schon - so im Pilotfilm, als sie wegen diesen Mückenstichen in Panik geriet. Hier aber weiß sie tatsächlich erstmals nicht mehr, was sie glauben soll. Die Szenen mit Boggs im Gefängnis zeigen ihre innere Zerrissenheit sehr schön. Ihre gefasste Fassade fällt dann vollends, als Mulder angeschossen wird. Sie rastet in der Zelle regelrecht aus, so wütend hat man sie bisher nicht gesehen!

Boggs selber (fantastisch gespielt von Brad Dourif, der mir v.a. auch aus der Babylon 5-Episode "Passing through Gethsemane" als Brother Edward in Erinnerung ist - auch ein sehr faszinierender Charakter) ist ein großartiger Bösewicht. Ständig versucht er Mulder und Scully gegeneinander auszuspielen, die ganze Episode hindurch weiß man nicht so recht, woran man mit ihm ist. Wieviel, wenn überhaupt etwas, von seinen Visionen ist echt, und wieviel inszeniert? Steckte er mit dem Entführer unter einer Decke, und ließ ihn am Ende fallen? Oder wurde er tatsächlich durch sein Erlebnis auf dem Stuhl bekehrt.

Am Ende entscheidet sich Scully, nicht zu Hinrichtung zu gehen, sondern zu Mulder ins Krankenhaus, so dass wir als Zuschauer nicht erfahren, ob Boggs tatsächlich imstande ist, ihr die Botschaft von ihrem Vater zu überbringen. Scully ist nun wieder "die Alte", zumindest hat es diesen Anschein, und versucht für alles eine rationale Erklärung zu finden. Interessant ist ihre Aussage "I'm afraid to believe" (ein schöner, vermutlich bewusst herbeigeführter Kontrast zu Mulders Credo "I want to believe").

Die Gegenüberstellungen der beiden Charaktere in dieser Episode gefallen mir sehr gut, auch, dass sich die Serie hier mit der Konfrontation mit dem Tod und Botschaften aus dem Jenseits erstmals auf eine mystische und metaphysische Ebene begibt. Es ist schade, dass der Entführungsfall selber so nichtssagend war, sonst gäbe es die volle Punktzahl von mir.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 18. Jun 2018 18:12

Folge 14, Staffel 1: "Verlockungen / GenderBender"

(Kopie von SciFi Forum)


Gender Bender ist wieder so eine Episode, bei der ich nicht recht weiß, was ich davon halten und wie ich sie werten soll. Die Geschichte selber ist sehr merkwürdig und das Ende dann völlig abstrus. Andererseits finde ich die Inszenierung so gut gelungen, dass sie aus dem Drehbuch mehr herausholt, als eigentlich drinsteckt.

Die Geschichte - ja, man hat den Eindruck, als seien die Autoren M. Night Shyamalan Fans und wollten unbedingt eine Hommage an The Village und Signs in einem 90er Jahre-Setting unterbringen. Alle möglichen Themen werden aufgeworfen und wie ein Puzzle über die Episode verstreut, das am Ende nicht zusammen passt und nirgendwo hin führt. Da klingt die AIDS-Krise der 90er durch (Sex ist gefährlich), die Debatte um Gender-Rollen und undefinierbare Sexualität (die Annäherung an diese Thematik ist m.E. hier völlig misslungen), die Verführung Unschuldiger durch die sündige moderne Welt (anscheinend reicht schon ein Hochglanz-Magazin, um den guten Bruder Martin vom Pfad der Tugend abzubringen und auch Bruder Andrew wird allein durch Scullys Anwesenheit, von der keinerlei Annäherungsversuche ausgehen, auch schon korrumpiert). Das alles wird transportiert über die Amish-verwandte abgeschottete Gemeinde, die sich am Ende als Aliens entpuppt. Spätestens dann wird die Geschichte völlig verworren und ergibt - zumindest für mich - überhaupt keinen Sinn. Was wollen diese Aliens hier? Weshalb reisen Aliens Lichtjahre durchs Weltall, um sich dann jeglicher Technologie zu entledigen und ein zurückgezogenes religiöses Leben zu führen? Und suchen sich dazu ausgerechnet einen Wald in Massachusetts aus - mitten in den USA? Gäbe es keine geeigneteren Orte dafür? Ohne irgendeinen Hinweis auf die Hintergründe dieser außerirdischen Spezies ist das für mich völlig an den Haaren herbeigezogen.

Irgendwie schafft es Regisseur Rob Bowman trotzdem, daraus eine durchaus ansehnliche Episode zu machen (die sehr gut gelungene Filmmusik tut ihren Teil dazu). Die Atmosphäre der Episode ist wunderbar inszeniert, von der ersten Begegnung Scullys mit dem Kindred Andrew, über die Konfrontation im Wald und den Szenen am Tisch entsteht der Eindruck einer latenten, nicht fassbaren Bedrohung. Auch Mulders Erkundung der unterirdischen Gänge und der Showdown in der dunklen Gasse sind fantastisch in Szene gesetzt. Selbst die Schlussaufnahme im Kornfeld erzielt einen Effekt, der einen beinahe über das absurde Drehbuch hinwegsehen lässt..

Insofern fällt mir eine Wertung hier wirklich schwer. Ich gebe drei Kornkreise dafür.
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