Dances with Wolves von Kevin Kostner

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Dances with Wolves von Kevin Kostner

Beitragvon Cellmorbasg » 2. Mär 2010 20:10

Ein Problem steckt ja schon in der Überschrift drin: ein Film von und mit Kevin Kostner. Ich habe immer ein kleines Problem mit solcher Selbstinszenierung. Es spricht nichts dagegen das ein Schauspieler ein guter Regisseur sein kann, aber wenn er beides in einem Film sein will, dann habe ich vorweg schon Zweifel.
Nun gut, meine Befürchtungen sind begründet, denn auch dieser Film ist nicht frei davon, aber wahrscheinlich ist dieser Anfang mit dem Ritt vor den Gegnern im Anschlag einfach nur sehr amerikanisch.

Die Landschaft in der dieser Film spielt ist natürlich wunderschön. Kevin Kostner ist in der Rolle gar nicht so schlecht und auf jeden Fall nicht so fehl am Platz wie als Robin Hood. Den Bart hätte er aber bis zum Schluss dran lassen sollen, dieses aalglatte, etwas rundliche Gesicht mag ich irgendwie nicht.

Tja zur Handlung:

Und nun zur Indianerdarstellung: Der Film wird viel dafür gelobt. Ich finde es wunderbar das man die Sprache hören darf - es war ein wahrhafter Genuss für meine Ohren. Ansonsten sind die Lakota sehr friedlich dargestellt - fast ein bisschen utopisch. So als wollte man statt Über-böse-Indianer nun Über-gute-Indianer haben.
Ich habe mich davon verabschiedet in einem Film historische Wahrhaftigkeit zu suchen.

Aber es ist nunmal auch ein utopische Geschichte die eigentlich überhaupt nichts mit Indiandern oder den Wilden Westen zu tun hat. Die Geschichte eines Menschen der von Fremden aufgenommen wird und dort heimischer wird, als er es je war. Nun denn, in diesem Fall halt im 19. Jahrhundert plaziert. James Cameron hat es in die Zukunft gerückt.

Dennoch scheint mir der Film der bessere Avatar zu sein. Die große Abschlachtung wird uns erspart. Das tut dem Film sehr gut.

Wobei: Es soll ja einen zweiten Teil geben. Michael Blake hat wieder ein Buch geschrieben und wird es wieder in ein Drehbuch umschreiben. Mal schauen ob das dann kriegerischer wird. Regie führen soll Simon Wincer - schon bekannt mit dem Gengre aus Into the West.

Natürlich muss ich wenigstens noch ein Wort zum Nichts - also der Handlung verlieren. Ich hab keine so richtig erkennen können. Der Film dient dazu zu zeigen. Wirklich zu erzählen hatte er mir nichts. Wie gesagt, diese Ein-Fremder-wird-von-Wölfen-großgezogen-Nummer ist schon ziemlich ausgelutscht; noch garniert mit einer kleinen Liebesnummer wird es nicht einfallsreicher.

Das soll aber den Film als solches nicht schlecht dastehen lassen. Ich hatte auch meine Freude an den traumhaften Bildern und hab ihn in guter Stimmung gesehen.


So und nun fallt über mich her (und falls nicht, habe ich noch ein Meisterwerk an dem ich allerdings gar nichts finden konnte - nichtmal schöne Bilder).

Achso, was ich beinah vergessen hätte: Der Film heißt im Deutschen Der mit dem Wolf tanzt - falls es einer nicht zuordnen konnte. Ich finde Dances with Wolves einfach so melodisch.
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Beitragvon Demona » 2. Mär 2010 20:43

@ Cellmo

Den Bart hätte er aber bis zum Schluss dran lassen sollen, dieses aalglatte, etwas rundliche Gesicht mag ich irgendwie nicht.


Das liegt daran, dass du keinen Indianer (zu der Zeit zumindest) finden konntest, der einen Bart trägt. Den wenigen Bartwuchs, den die Indianer hatten, haben sich sich gezupft.
Da der amerikanische Soldat sich seinen Freunden auch optisch anpasste, gehörte wohl auch das mit dem Bart ab dazu.


Es spricht nichts dagegen das ein Schauspieler ein guter Regisseur sein kann, aber wenn er beides in einem Film sein will, dann habe ich vorweg schon Zweifel.


Interessant daran ist, dass die Rolle, die Costner dann übernahm, anfangs überhaupt nicht für ihn vorgesehen war. Das Drehbuch war einige Jahre zuvor das Hochzeitsgeschenk an des Autors an seinen Freund Viggo Mortensen. Irgendwie bekam es dann Costner in die Hände, sicherte sich die Rechte und somit auch die Hauptrolle.

Das es Costner auch besser kann (REgie, Produktion und Hauptrolle) zeigte er übrigens in den Western "Open Range".


Was nun die friedliebenden Indianer angeht. So friedlich waren die in dem Film ja auch nicht. Allerdings waren im Film der Stamm der Pawnees die aggressiveren, was in der Realität allerdings nicht ganz so stimmte. Stimmen tut jedoch, dass die Pawnees (acuh Pani genannt) und die Lakota sich immer wieder wegen Land und Büffel kriegerisch in die Quere kamen.
Im Buch war der Indianerstamm, zu dem Dunbar ging auch nicht die Lakota, sondern die Commanchen.
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Beitragvon Cellmorbasg » 2. Mär 2010 21:00

Ja, das mit den Pawnees und Lakotas hatte ich schon nachgelesen. Auch das mit den Commanchen. So macht dann ja auch der Spanierhelm Sinn. Ich hab mich im Film doppelt gewundert. Ich dachte schon wir wären eher im Norden und dann holt der diesen spanischen Helm raus und der schien mir auch älter zu sein als nur vom Urgroßvater, aber gut das kann auch im übertragenden Sinn gemeint sein.

Wie gesagt, historische Wahrhaftigkeit ist da genauso wenig zu finden wie überall sonst auch.

Was Open Range betrifft: den hab ich noch nicht gesehen.

Viggo Mortensen wäre mir natürlich per se lieber, andererseits denke ich nicht, dass es den Film für mich dramatisch besser machen würde - dazu finde ich ihn ja auch nicht dramtisch schlecht genug.

Ich kann es überhaupt nicht erklären, aber Kevin Kostner gehört zu jenen mit denen ich auf der Leinwand nie so recht warm werde, aber gegen die ich auch keine Abneigung habe. Der andere Regieschauspieler Mel Gibson gehört (mit wenigen Ausnahmen) auch dazu.


Und was ich noch nicht erwähnt hab, ist die Filmmusik. Die hat aus meiner Sicht sehr gut gepasst und hat für mich zur positiven Stimmung beigetragen - also nicht das der Film eine positive Stimmung hat, sondern ich gegenüber dem Film.
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Beitragvon frared » 4. Mär 2010 12:45

Dennoch scheint mir der Film der bessere Avatar zu sein.

wir können ja die anderen avatare sammeln und uns so die zeit vertreiben :mrgreen:

pocahontas, dances with wolves, the last samurai... muss endlich mal 'new world' von malick sehen, um rauszukriegen, ob es nach demselben strickmuster abläuft.

ich hab ganz vergessen wie DWW so vergeht, ich hab den vor ungefähr 101 jahren das letzte mal gesehen, leider. damals fand ich es sehr schön.

ich denke auch die besetzungsentscheidung war wirtschaftlich weiser. costner war ein grosser star und es passte sicher einfach besser. würdest du vor über 10 jahren einen indianerfilm mit viggo mortensen angeschaut haben? ich glaube nicht.
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Beitragvon Demona » 4. Mär 2010 12:55

Nicht gesagt. Der einzig bekannte Darsteller aus DWW war ja Costner. Von den indianischen Darstellern hat ja auch nur der Darsteller des Medizinmannes wirklich Karriere gemacht.

Viggo Mortensen hatte da zwar schon Achtungserfolge, aber richtig aufgefallen ist er erst ein Jahr nach der Premiere von DWW in dem ersten Regiefilm von Sean Penn in "Indian Runner".

Mich würde nur mal interessieren, wie Costner zu dem Drehbuch kam.
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Beitragvon Cellmorbasg » 4. Mär 2010 13:11

Also als DWW rauskam war ich drei oder so - von daher hätte ich mir den Film auch mit Viggo nicht angeschaut :mrgreen:

Die interessantere Frage ist eher, wie hätte ich Viggo in Herr der Ringe gefunden wenn ich ihn vorher schonmal woanders gesehen hätte, sei es nun in DWW oder irgendwo sonst.

Anders rum ist es viel einfacher. Ich finde ihn als Aragorn fantastisch und entscheide mich viel leichter für einen Film in dem er mitspielt.
Bei Costner halt umgekehrt. Ich hab ihn das erste Mal als Robin Hood gesehen und fand ihn einfach schrecklich. Das ist ziemlich schwirig für mich sich davon zu befreien.

An The Last Samurai musste ich auch schon denken. Allerdings gibt es da ja am Ende wieder so eine Megaschlacht zu sehen. Ich fand das auch gar nicht schlecht - auch Tom Cruise, da musste ich noch nicht jedesmal an Scientology denken wenn ich ihn sehe.
Der Film hat etwas mehr Fahrt als DWW. DWW gleitet eher so im langsamen Fahrwasser dahin.

Wie auch immer. Ich hab im ersten Beitrag gesagt, diese Geschichte ist schon ausgelutscht. Und das stimmt einerseits, andererseits ist es doch auch eine Geschichte die ich grundsätzlich sehr gerne mag. Zwar kitschig, aber es ist so ein Muster das ich als Kind sehr mochte.

Es kommt halt drauf an, das es gut gemacht ist. DWW bietet schöne Bilder und mit den Indianern eine interessante Umgebung. Avatar bietet noch fantastischere Bilder aber mit einer flacheren Story. The Last Samurai finde ich recht ausgewogen. Auch wenn diese Schlacht am Ende doch wieder zu melodramatisch gerät. Pocahontas habe ich noch nicht gesehen.

Bei Winnetou ist es nicht so tief ausgeprägt. Old Shatterhand wird nicht gleich zum Indianer, er ist "nur" ein sehr enger Freund der sich die Achtung der Indianer erworben hat. Natürlich ist auch das nicht mit weniger kitschig und so weiter inszeniert.
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Beitragvon frared » 4. Mär 2010 18:38

Nicht gesagt. Der einzig bekannte Darsteller aus DWW war ja Costner. Von den indianischen Darstellern hat ja auch nur der Darsteller des Medizinmannes wirklich Karriere gemacht.

tschuldige, ich glaube das war genau was ich sagen wollte... dass es wirtschaftlicher ist, wenigstens einen grossen namen mit einem projekt zu verbinden, dass andernfalls ziemlich nische ist. ist ja nicht so, als wären die amerikaner scharf auf filme, die völkermord breittreten im eigenen land.

Die interessantere Frage ist eher, wie hätte ich Viggo in Herr der Ringe gefunden wenn ich ihn vorher schonmal woanders gesehen hätte, sei es nun in DWW oder irgendwo sonst.

ich glaube nicht, dass man notwendigerweise einen schauspieler immer schrecklich finden muss, das kann sich auch ändern, oder man findet jemanden nur in einer rolle gut oder sonstwas. ich versteh schon, vielleicht ist das mit soviel abstand auch schwierig. für mich und meine freunde war costner ein grosser star, nicht so toll, dass ich traurig über seinen verbleib wäre oder sonstwas, aber doch, dass man anstand um bodyguard sehen zu dürfen. junge, die neunziger halt.

klar kann man nicht mehr verlernen, dass mortensen jetzt vielleicht die interessantere wahl wäre, aber der hat ja auch hidalgo gedreht und ist mit der karriere intakt davongekommen, ne.

Wie auch immer. Ich hab im ersten Beitrag gesagt, diese Geschichte ist schon ausgelutscht. Und das stimmt einerseits, andererseits ist es doch auch eine Geschichte die ich grundsätzlich sehr gerne mag. Zwar kitschig, aber es ist so ein Muster das ich als Kind sehr mochte.

das interessiert mich an avatar eigentlich sehr (oder am allermeisten) und alle sprechen nur von derivation bisher. ich glaube nicht, dass es viele arten gibt, diese sorte geschichte zu erzählen. vielleicht hat avatar sie nicht zur zufriedenheit von vielen erzählt (so doch zur zufriedenheit der meisten). man kann natürlich die geschichte aus der sicht der indianer/na'vi/altkonservativen ordnung erzählen, aber dann verliert man das element der transgression, was ja bedeutet, dass es nur um krieg geht. avatar ist ja interessant (für mich) weil es eine überschreitung visualisiert und ganz streng verbuchstäblicht. es erzeugt ja keine dynamik wenn man nur von dem politischen konflikt erzählt aber keine persönliche geschichte.

ich hab grad an 'hurt locker' denken müssen und wie bigelow den konflikt visualisiert und so, aber sie macht ja was ganz anderes: sie erzählt ganz fokussiert vom krieg, der zuschauer muss sich ja die umgebung und den anderen kram denken... vergessen wir das wieder :-D

aber warum müssen die sich immer verlieben? ist das auch teil des 'rite of passage'? ich denke es hat mit der öffnung zu tun, die entsteht. ich kenne fern gully nicht (noch ein 'avatar') aber bisher sehen die männer (gibt es sowas auch als frauenfilm?) immer sehr uneins mit sich und der welt aus. sie öffnen sich für diese kultur und, whoops, plötzlich lieben sie wieder. ergibt sich vielleicht einfach und ist ja auch nett.
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