Die Päpstin - von Sönke Wortmann

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Die Päpstin - von Sönke Wortmann

Beitragvon Cellmorbasg » 29. Okt 2009 20:45

Ich hatte am Montag das Vergnügen Die Päpstin zu sehen.

Für jene die ihn noch sehen wollen und nicht schon das Ergebnis erfahren möchten: Achtung Spoiler!

Er ist vielleicht nicht unbedingt herausragend und vermag das Mittelalter auch nicht immer nah genug zu bringen, aber er ist ein gut gemachter Film, der doch den ein oder anderen Gedankenanstoß geben kann. Außerdem ist er ein Film für's Kino. Es gibt ja Filme - vor allem habe ich die vielen Romantikkomödien im Blick - die auf großer Leinwand nicht wirklich besser werden, aber dieser wird es zweifellos durch das ein oder andere starke Bild.

Das Buch habe ich nicht gelsen und konnte das Ganze so auch unvoreingenommen genießen. In der Reihe hinter mir hörte ich das ein oder andere Mal: "das ist aber anders als im Buch" - mich tangierte das nicht weiter.

Die für mich stärkste Phase des Films ist die in der das Heranwachsen der kleinen Johanna zur Frau geschildert will - glücklicherweise sehr umfassend ausgestaltet.
Das Heranwachsen ist bei Johanna bestimmt vom Weg zur Bildung. Ihre Lehrmeister sind Mutter, Bruder und ein griechischer Gelehrter - alle drei hervorragend verkörpert durch ihre Schauspieler. Später in der Domschule ist es wohl eher die Schule selbst die zur Bildung anregt als ein bestimmter Lehrer - zumindest wird uns keiner näher vorgestellt.
Johanna ergreift dann die Chance ins Kloster zu gehen - auch weil es kaum Alternativen gibt: wo sollte sie hin als Frau, wenn sie nicht den Weg zurück in Unterdrückung gehen wollte? Das es vielleicht auch eine Flucht vor der Liebe und der Versucheung war, stellt sich erst später heraus.
Das Klosterleben zieht vorbei und dann geht's auf nach Rom. Hier kann sie ihr erworbenes Wissen im großen Stil anwenden und wird schließlich zur Päpstin.

Das ist der eine Handlungsfaden.
Der andere ist ein eher unerfreulicher: ohne eine Liebesgeschichte scheinen Filme nicht auszukommen (da es aber sicher auch hier auf das Buch zurückgeht, kann man das vielleicht auf andere Medien erweitern). Vielleicht transportiert der Film auch nicht den tieferen Sinn dieser Liebesgeschichte die im Buch herauskommt, aber ich kann ja nur das bewerten, was ich gesehen habe.
Als David Wenham (spielt den Faramir in Herr der Ringe) das erste Mal auftritt habe ich mich sehr gefreut, leider erfüllte er die Ansprüche nicht. Seine Figur, wie auch die Liebesgeschichte bleiben oberflächlich. Es wurde mir jedenfalls nie so ganz klar, warum Johanna bei dieser Sache den Pfad der Bildung verlassen hat und eher unklug agiert. Natürlich ist das ein Film der sich für die Frau und ein selbstbestimmtes Leben ausspricht - und beides muss eben auch in der Katholischen Kirche ankommen, aber dieser Teil der Geschichte wirkt eher wie ein Fremdkörper aus der Gegenwart der in die Geschichte gepresst wurde (und ist zuviel Hollywood).

Ganz im Gegensatz dazu der Auftritt von John Goodman. Sein erstes Erscheinen bewirkte im Saal ein herzhaftes Lachen - sah er doch allzu unpassend im Papstbett aus. Hier aber ist es genau anders herum: er spielt den Papst in souveräner Manier und bleibt nicht die Witzfigur als die er anfangs erscheint.

Die Zeit in Rom wird leider nur sehr kurz behandelt - zu kurz um genau zu sein. Bei dem Titel ist das etwas was man vielleicht eher nicht erwartet. Die Zeit der Päpstin bleibt nicht nur eine kleine Fußnote in der Geschichte der Katholischne Kirche - nein, auch im Leben der Johanna ist sie eine (ungeliebte) Randerscheinung. Das verwundert und so war auch das Ende der Geschichte für mich nicht zufriedenstellend. Es waren tolle Bilder, aber es fehlte an substanziellem Inhalt.
So bleiben Fragen: was hätte sie eigentlich gemacht, wenn sie nicht gestroben wäre - wie wollte sie dem Papstthron entkommen? Was hätte sie ohne Schwangerschaft gemacht - wie wollte sie ihre Entscheidungen langfristig sichern, wenn doch spätestens beim Tod ihre Weiblichkeit festgestellt wird?

Die gesamte Motivation das Papstamt auszufüllen bleibt ohne Fundament. Es ist klar, dass alles was sie erreicht nach ihrem Tod wieder zurückgenommen wird. Diese Erkenntnis spricht sie selbst aus - ohne Schlüsse daraus zu ziehen und Taten folgen zu lassen.
Das ist also die Schwachstelle des Films. Eigentlich macht sich so die gesamte Handlung überflüssig. Es gibt dann zwar noch den Auftritt einer weiteren Frau als Bischof und soll implizieren, dass Johanna etwas für die Frauen gebracht hätte, aber das ist mit Verlaub: totaler Blödsinn und Hohn.
Wenn man sich Situation der Frau heute anschaut (und damit meine ich nicht die islamische Welt), dann ist sie immer noch nicht auf Augenhöhe des Mannes angekommen - von der Katholischen Kirche heute und in der Geschichte reden wir da noch gar nicht.

Wenn der Film im Kloster aufhören würde, könnte man wenigstens noch sagen, dass man nur stark sein muss und kämpfen um das was man will (und einem zusteht) - so als Botschaft. Auch hier wäre das schon übertrieben, da Johanna neben diesen Dingen auch eine gehörige Portion Glück brauchte und vor allem angeborene außergewöhnliche Fähigkeiten.
Aber in Rom verliert sich das sowieso.

So bleibt das Ergebnis, dass man zwar einen schönen (sprich: ansehnlichen) Film gesehen hat. Dessen inhaltliches Fundament aber schmilzt wie Eis in der Sonne.

Edit:
Hier übrigens der Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=yjiM4hNbheA (naja, das mit eine wahre Geschichte ist ziemlich übertrieben)
Cellmorbasg
 
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