Michael Kohlhaas im Film

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Michael Kohlhaas im Film

Beitragvon Bernhard Nowak » 22. Sep 2013 08:29

Michael Kohlhaas

Gestern war ich mit einem Freund in "Michael Kohlhaas". Zwei Kritiken stelle ich vorab hier ein: einen Verriss aus der "Zeit" und eine etwas ausgewogenere Kritik von "Filmstarts.de":
a) Zeit online: http://www.zeit.de/kultur/film/2013-09/ ... ettansicht
b) Filmstarts: http://www.filmstarts.de/kritiken/197189/kritik.html
Der Film, der mich teilweise an Barocktheater erinnert hat (oder Edelwestern wie "Spiel mir das Lied vom Tode") verlegt die bekannte Novelle von Heinrich von Kleist, um die auch ich nicht im Deutschunterricht herumgekommen bin, in die französischen Cevennen. Der Held ist nicht geschwätzig und impulsiv, wie dies in der Verfilmung aus den 1960-ger Jahren mit Rolf Boysen (absolut klasse) der Fall war, sondern fast wortkarg. Ruhige, ja fast zu ruhige Bilder erinnern fast gar nicht an die drängende Sprache der Vorlage.

Leider ist der Film einerseits zu lang und andererseits zu kurz geraten. Viele Szenen sind unnötig (etwa die Geburt eines Fohlens, um welches sich Kleists Tochter kümmert), es gibt einige wirklich grausame, ja voyeuristische Gewaltszenen. Und an anderer Stelle zieht sich der Film wie Kaugummi. Muss man den Stoff wirklich 120 Minuten durchhalten? Auch manche Zusammenhänge dürften dem Nicht-Leser unklar bleiben. So bleibt etwa unklar, warum ein Bandenmitglied gehängt werden soll, so plötzlich erscheint die Wendung. Das Erhängen selbst wird hingegen wieder ausführlichst in aller Länge gezeigt.

Auch die Unterredung Michael Kohlaasens mit Luther (im Film übernimmt dies ein Mönch, der am Ende Kleist den göttlichen Segen verweigert) findet statt. Sie bietet einen der wenigen Höhepunkte, bei dem der stoische Held, der "hölzerne Titan" (so heiß einmal eine Biographie über Paul von Hindenburg) mal Emotionen zeigt. Die übrigen Schauspieler bleiben - bis auf Bruno Ganz - relativ blass.

Insgesamt wird die Vorlage mir zu hölzern, zu ruhig umgesetzt, obwohl der Film durchaus mit seiner Stille und ruhigen Kameraführung "etwas hat". Generell mag ich solche ruhigen Filme und vor allem die Hinrichtungsszene am Ende hat mir gut gefallen. Aber mit Kleists Vorlage hat es nichts zu tun. Die Verilmung mit Rolf Boysen gefällt mir - obwohl schon uralt - um Längen besser.

5 von 10 geschundenen Rappen.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
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