A Game of Thrones

AbonnentenAbonnenten: 1
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 1426

A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 15. Jan 2014 22:16

Heiß erwartet, auch von mir: Trailer zu Staffel 4: http://www.youtube.com/watch?v=xZY43QSx3Fk

Mein Avatar zeigt ja meine Lieblingsperson der Serie :)
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 26. Jan 2014 11:05

Staffel 3 in Deutsch auf RTL 2 ab März: http://www.wunschliste.de/tvnews/m/game ... en-staffel


Die von Fans sehnlichst erwartete dritte Staffel von "Game of Thrones" kommt ab 2. März ins deutsche Free-TV. RTL II zeigt zum Einstieg die ersten vier neuen Folgen im Rahmen einer Eventprogrammierung ab 20.15 Uhr am Stück. Danach geht es sonntags ab 22.00 Uhr jeweils mit einer Doppelfolge weiter. Zur Einstimmung können Neueinsteiger die ersten beiden Staffeln in der Woche zuvor nachholen.

In der dritten Staffel geht die Geschichte um die fünf Könige, die um den Eisernen Thron kämpfen, weiter. Während sich Stannis Baratheon (Stephen Dillane) von seiner Niederlage beim Kampf um King's Landing (dt: Königsmund) erholt, streitet die dort ansässige Lannister-Familie zunächst genüsslich um Kompetenzen. Drachenkönigin Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) begibt sich erneut auf die Suche nach Streitkräften, um ihre Vorbereitungen für einen späteren Angriff auf Westeros voranzutreiben, während sich die Starks in Harrenhal auf weitere kriegerische Auseinandersetzungen vorbereiten.

In den Vereinigten Staaten konnte die dritte Staffel im Vergleich zu den ersten beiden Jahren noch einmal an Zuschauerzahlen zulegen. Werden Wiederholungstermine, zeitversetzte Aufnahmen und Ausstrahlungen über Dienste wie 'HBO Go' und 'HBO on Demand' mitgerechnet, lag der Staffelschnitt bei 13,6 Millionen Zuschauern.

Die deutsche Erstausstrahlung der dritten Staffel fand im Mai 2013 auf dem Pay-TV-Sender Sky Atlantic HD statt. Dort wird ab kommenden Juni auch die vierte Staffel zu sehen sein, die im April in den USA startet.

Um die Wartezeit auf die neuen Folgen der HBO-Hitserie etwas zu verkürzen, wiederholt RTL II vorher noch einmal die bisherigen beiden Staffeln. Neueinsteiger haben somit die Gelegenheit, das bisher Versäumte rasch nachzuholen. Der Münchner Sender zeigt ab 24. Februar täglich ab 23.15 Uhr jeweils drei Folgen am Stück. Am 28. Februar und am 1. März geht es bereits um 22.15 Uhr los.



Gestern habe ich mit 3 Freunden das Strategie-Brettspiel "Game of Thrones" gespielt - aber - wie immer bei Strategiespielen - kläglich verloren. :) :)
Man kann das Spiel zu dritt, viert, fünft oder sechst spielen - mit entsprechend mehr Häusern.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Demona » 30. Jan 2014 20:27

Am Anfang habe ich die Serie sehr gern gesehen. Es ist aber auch echt zum Mäuse melken, warum muss immer der Charakter eines meiner Lieblingsdarsteller, Sean Bean, so früh sterben??? :x :x :x :x

Da war ich erst einmal sauer und habe sie mir nicht mehr angesehen. Ich habe ja TNT Serie und da sind sie etwas weiter und mit der dritten Staffel schon durch und fangen wieder vom Anfang an oder sind jetzt schon wieder bei der zweiten Staffel. Da dürfte es nicht mehr lange dauern bis dann die 4. Staffel beginnt.

Aber derzeit schlafe ich immer beim Fernsehen auf meiner neuen Couch ein. Deshalb ist meine Festplatte auch ziemlich voll mit Sachen, die ich mir ansehen will. Letzten Sonntag habe ich mir mal einen Fernsehtag gegönnt und die bisherigen Teile der zweiten Staffel von "Once upon a time" angesehen, die ich mir aufgenommen hatte.
"Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

"Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)
Benutzeravatar
Demona
Administrator
 
Beiträge: 3079
Registriert: 06.2008
Wohnort: Nimmerland
Geschlecht: weiblich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 11. Sep 2014 21:57

FAZ kommentiert die Staffel 4: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/m ... 42114.html

Hervorragende Besprechung der Staffel bei Darth Destructo hier: http://hemator.wordpress.com/2014/06/24 ... staffel-5/
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 12. Apr 2015 21:43

FAZ kommentiert die 5. Staffel, die ab heute ausgestrahlt wird: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/m ... 32833.html
Die Serienfolge mal wieder sehr gut kommentiert von Darth Destructo hier: https://hemator.wordpress.com/2015/04/1 ... s-to-come/
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Demona » 23. Apr 2015 22:10

Ich finde es toll, dass es auch deutsche Darsteller in diese Serie geschafft haben und dies mit nicht mal kleinen Rollen.
"Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

"Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)
Benutzeravatar
Demona
Administrator
 
Beiträge: 3079
Registriert: 06.2008
Wohnort: Nimmerland
Geschlecht: weiblich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 24. Apr 2015 17:32

Ja, vor allem die Darstellerin der Shae (Geliebte Tyrions) spielt sehr eindrucksvoll und ihre Figur ist in der Serie eine deutlich eigenwilligere Persönlichkeit als in der Buchvorlage.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 30. Mai 2015 10:49

Review zu Folge 7 Staffel 5:

Ja, ich nenne das, was jetzt folgt, einfach mal ein Review, wobei ich zugebe, nach wie vor mich an Eindrücken zu orientieren und ich werde keinesfalls formal Szene für Szene "abharken".

Zunächst halte ich es für das wichtigste Ereignis dieser Folge der Staffel 5, dass - im Gegensatz zur literarischen Vorlage - Tyrion sich Daenerys zu erkennen gibt. Er ist das "Geschenk" (Serientitel: The gift) welches Sir Jorah Mormont Daenerys Targaryen überreicht. Ob er die Rolle Quentins oder die von Sir Barristan Selmy nach Daenerys Drachenflucht (vermutlich in Episode 9) übernehmen wird, ist sicherlich die spannende Frage, die sich hier stellt. Auch Jorah Mormont gibt sich Daenerys zu erkennen, doch er findet (zunächst) bei ihr keine Gnade. Was bedeutet dies: dies bedeutet für mich, dass Tyrion möglicherweise den Part von Quentyn Martell in der literarischen Vorlage übernehmen könnte und die Drachen Viserion und Rhaegar befreit. Oder Jorah Mormont übernimmt diesen Teil, stirbt dabei und Tyrion "übernimmt" die Rolle von Sir Baristan Selmy. Wir werden es sehen. Tyrions Eloquenz konnten wir schon zuvor bewundern, als er als Sklave verkauft wurde und alles daran setzte, dass er mit Jorah Mormont zusammen verkauft wurde. Hier halten sich die Autoren in etwa an die Buchvorlage, wenn auch - leider - die Zwergin Hella ebenso fehlt wie ihre Tiere. Ich bin sehr gespannt, wie sich Daenerys und Tyrion miteinander arrangieren werden. Ich finde es auch gut, dass Tyrion jetzt - im Gegensatz zur literarischen Vorlage - in Meereen angekommen ist. Zu viele Handlungsstränge "stagnieren", dieser hier aber nicht. Auch die Kampfszenen von Sir Jorah in der Arena sind "erste Sahne" und gut gemacht. Noch ein Wort zu Hyzdar: im Gegensatz zur literarischen Vorlage finde ich ihn durchaus sympathisch und auch ehrlich. Natürlich weiß man nicht - auch nicht beim derzeitigen Stand des Buchwissens - inwieweit er der "heimliche" Anführer der Söhne der Harpyrie ist, allerdings wirkt er ruhig und besonnen. Im Gegensatz zu Daario ist er eine Persönlichkeit, die in sich zu ruhen scheint. Kurz noch zur Bettszene von Daario und Daenerys: ja, sie ist nicht nötig, aber sie zeigt doch Daenerys als Frau und nicht nur als Königin. Bei der Liebe, die sie Daario entgegenbringt, erscheint ihr Opfer, sich aus politischen Gründen mit Hyzdaar zu vermählen, groß. Sie erkennt, dass sie eben nicht nur gefürchtet werden darf, um eine dauerhafte stabile Herrschaft in Meereen zu etablieren, sie muss auch integrieren und Traditionen achten. Dies tut sie. Daenerys Targaryen gefällt mir - auch durch die Schauspielkunst Emilia Clarkes - in dieser Staffel sehr sehr gut - besser als in allen Staffeln zuvor.

Zu Winterfell:
Ich hatte erwartet, dass Sansa in dieser Folge entweder aus Winterfell fliehen oder Ramsey Snow umbringen (lassen) würde. So weit ist die Folge noch nicht. Sansa fleht zwar Theon um Hilfe an, den sie bei seinem wirklichen Namen nennt. Doch er verrät Sansa an Ramsey Bolton, der zur Strafe für Sansas Pläne die alte Dienerin, die Sansa in den vorherigen Folgen Trost gespendet hatte, häuten und töten lässt. Er hat noch nicht einmal Skrupel, Sansa die Leiche der alten Frau zu zeigen. Ein perverser Sadist, mehr kann man dazu nicht sagen. Doch Sansa scheint durch ihre Vergewaltigung nicht gebrochen zu sein; sie erinnert Ramsey an seine - durch die Schwangerschaft seiner Schwiegermutter in Zukunft möglicherweise - bedrohte Stellung, was Ramsey mit Hinweis auf die offizielle Anerkennung als Erbe durch seinen Vater zurückweist. Aber welche Auswirkungen Sansas Worte haben, können wir nur ahnen. Auch, welchen Plan sie verfolgt (offensichtlich will sie Vater und Sohn Bolton gegeneinander aufbringen), wird m.E. nur in Umrissen klar.
Mittlerweile habe ich hier "meine" Theorie entwickelt, die aber spekulativ ist und durchaus falsch sein kann: ich glaube, dass die Serienmacher hier eine drastischere Wendung als in der literarischen Vorlage planen: ich meine gesehen zu haben, dass Sansa eine Waffe in ihren Besitz nimmt - um sich zu verteidigen. Nicht umsonst sagt sie ja zur Geliebten Ramseys, Winterfell sei ihr Zuhause, man könne sie nicht erschrecken. Sie wird ihr Zuhause mit Zähnen und Klauen verteidigen. Wenn der grausame Anblick der gehäuteten alten Magd nicht Theon dazu bringt, seine sklavische Ergebenheit gegenüber Ramsey aufzugeben, wird Sansa selber handeln: sie wird sich mit ihrer Flucht von ihrem Zuhause nicht zufriedengeben und zumindest versuchen, Ramsey Bolton zu töten oder Theon dazu zu bringen, dies zu tun. Warum wird Ramseys Grausamkeit seit Staffel 2 so überbetont, nimmt so viel (kostbare) Sendezeit in Anspruch? Wenn dies nicht nur "Quotengrausamkeit" sein soll, dann muss dies einen Sinn im Rahmen der gegebenen Handlung haben: und dies kann nur sein, Sansa aktiv werden zu lassen. Sansa werde etwas "Unerwartetes" tun, ließ Autor George R.R. Martin verlauten. Einen Mord begehen oder begehen lassen? Die gehäutete Magd mag der "letzte" Tropfen sein (für Sansa oder/und für Theon), endlich ihre lähmende Passivität zu überwinden und aktiv zu werden: durch einen Mord. Eine Flucht wie in der literarischen Vorlage erscheint mir hier "zu wenig": wofür wird Ramseys Grausamkeit so betont, er - neben Joffrey - zu "der" Hassfigur der Serie? Wie kann man eine "passive" Sansa verhindern, denn dies wäre als Charakterentwicklung total enttäuschend, nachdem Sansa aktiver wurde und zu "dark Sansa" wurde. Soll dies alles wieder aufgegeben und die Ereignisse zwischen Sansa und Joffrey aus Staffel 1 und 2 lediglich wiederholt werden? Dann hätten die Winterfell-Szenen wirklich einen rein redundanten Charakter und wären nutzlos und lediglich "quotengrausam"; ein Vorwurf, mit dem die Macher der Serie spätestens seit dem Finale der Folge 6 sowieso leben müssen. Soweit also meine Theorie. Inwieweit dann auch Brienne und Podrick eingreifen, Sansa retten oder bei ihren Plänen unterstützen werden, bleibt eine offene Frage. Bisher ereignet sich lediglich dies:
Brienne wartet vergeblich auf ein Lichtzeichen, welches ihr ein Signal gibt, Sansa zu befreien. Ihre zukünftige Rolle bleibt zunächst unklar, der Plot entfernt sich hier ja sehr von der Buchvorlage. Ob diese Szenen also redundant sind oder Stagnation bedeuten, wird sich noch erweisen. Wenn meine obige Theorie zutreffen sollte, dann wären sie ein Präludium für einen - zumindest versuchten - Mord, denn Flucht wäre nach den Hinweisen und Andeutungen einfach zu wenig. Eine Jeyne Pool hat Winterfell nicht als Heimat betrachtet, auch keinen Grund, sie zu verteidigen. Sansa allerdings wird in ihrer Heimat gequält: der Wunsch, die verbrecherischen Eindringlinge zu vertreiben und sich zu rächen - und sei es durch Mord - ist m.E. in ihr übermächtig. Es würde auch zu ihrer Charakterentwicklung passen: "dark Sansa". Wozu wurde diese Entwicklung in der Serie - Sophie Turner spielt herausragend - angefangen, wenn sie nicht weitergeführt wird?
Nein, hier wird unheimliche Spannung aufgebaut - und bis ich vom Gegenteil überzeugt werde, bleibe ich daher optimistisch: die Szenen - klar, ich hatte zunächst auch in dieser Folge schon "mehr" in Winterfell erwartet - bieten suspense vom feinsten: warten wir die weiteren Entwicklungen einfach ab.


Zu Dorne:
Der - aus meiner Sicht weiterhin - schwächste Teil der ganzen Staffel besteht letztlich aus zwei Hauptszenen: Jaime schafft es nicht, Myrcella dazu zu bringen, nach King`s Landing zurückzukehren, denn sie liebt Tristan, ihren Verlobten und denkt nicht dran, nach Cerseis und Jaimes Pfeife zu tanzen. Jaimes Reise nach Dorne war also überflüssig. Wer hätte das gedacht? Wenn nicht sein Treffen mit Fürst Doran noch Spannung bringt, dann kann man den Dorne-Strang m.E. in dieser Staffel "abharken". So krass und deutlich muss man es sagen. Bei mir herrscht diesbezüglich bislang reine Enttäuschung vor. Aber die erste Szene ist ja noch halbwegs erträglich. Was dann folgt, hat den Charakter einer Seifenoper: In einer weiteren Zelle beginnt eine Unterhaltung zwischen Bronn, der durch das Gift des Speeres von Tyenne, einer der Sandsnakes, dem Tode nahe ist und Tyenne. Passenderweise sind die "Sandsnakes" und Bronn nebeneinander eingekerkert und können miteinander kommunizieren. Tyenne erklärt Bronn hönisch, ihr Speer sei vergiftet und Bronn dem Tode geweiht. Aber jetzt kommt die Überraschung: sie ist von Bronn so fasziniert oder in ihn verliebt, dass sie bereit zu sein scheint, Bronn ein Gegengift zu verabreichen und sein Leben zu retten, falls er sie als die schönste Frau in Dorne bezeichnet, was er dann auch tut. Tja, ich sagte ja: Seifenoper pur und mein diesbezüglicher Eindruck hat sich hier nicht geändert. Einer der schwächsten Momente nicht nur dieser Staffel, sondern der gesamten Serie.

Zur Wall:
Aemon Targaryen stirbt an Alterschwäche, bis zuletzt umsorgt von Sam, der auch dessen Beisetzung leitet. Wie Sir Alyser Thorne ironisch feststellt, hat Sam nun alle seine Freunde auf der Mauer verloren (in der Folge versuchen zwei seiner Kameraden, Goldy zu vergewaltigen und Sam wird bei dem Versuch, ihr zu helfen, verletzt. Doch Ghost, Jons an der Wall verbliebener Schattenwolf, greift ein. Wir wissen aus der Buchvorlage, dass bei Jons Tod Ghost eingesperrt ist - wegen eines Ebers, der durch die Wildlinge ins Lager gebracht wurde. Die Frage ist, ob Sam nach diesen Ereignissen an der Wall bleiben und so Zeuge von dem Attentat auf Jon werden oder nach den Ereignissen - möglicherweise mit "Ghost" - nach Oldtown aufbrechen wird um dort "Master" zu werden. Wir werden es ja in der nächsten Folge sehen. Hier deute ich Ghosts Auftauchen (wie rechtzeitig er immer zur Stelle ist) als diskreten Hinweis der Macher darauf, was folgen könnte (und wie Buchleser wissen, ja auch wird), wenn er nicht rechtzeitig zur Stelle ist, seine Freunde und seinen Herrn zu retten. Düstere Aussichten für Jon in der nächsten Staffel. Unschwer zu prognostizieren, was der Cliffhanger von Staffel 8 werden dürfte: Jons Tod. Doch ich greife vor. In aller Deutlichkeit ist bei diesen Ereignissen die Frage angebracht, warum die Serie mal wieder nicht ohne Vergewaltigungen oder versuchte Vergewaltigungen auskommt. Und hier wird Goldy nicht nur versuchsweise vergewaltigt, sie bittet, nachdem Sam verletzt und die Vergewaltiger durch Ghost vertrieben worden sind, noch um Sex mit Sam. Was haben sich die Serienmacher dabei nur gedacht? Besonders nach den Protesten in Folge 3 Staffel 4 und der Vergewaltigung von Sansa in der vorherigen Folge? Ich verstehe dies nicht und dies geht nicht nur mir so. Ein starker Minuspunkt der Folge, weshalb ich auch in der 5-Punkte-Wertung einen Punkt abziehe.

Allerdings bewirkt die Szene etwas: sie zeigt den Hass der Männer der Nachtwache, die keine Einheit und eingeschworene Kamaradschaft mehr bilden, sondern in unterschiedliche Fraktionen zerfallen sind: die Atmosphäre voll knisternder Spannung ist buchstäblich greifbar: keine guten Aussichten für Sam und Jon in naher Zukunft. Und dies wird - ich erwähnte es schon - Sam ja durch Alyser Thorne genüsslich unter die Nase gerieben. Sam hat - dies wird an diesen Szenen deutlich - nach dem Tode seines Mentors Aeron Targaryen keinen Freund mehr: Jon Snow ist schon nach Hartheim aufgebrochen, nicht ohne eine Auseinandersetzung mit Sir Alyser Thorne zu haben, der das Vorhaben Jons, sich mit den Wildlingen zu vereinen, als Verbrechen gegen die im Kampf gegen die Wildlinge gefallenen Mitglieder der Wache bezeichnet. Eingeblendet wird auch der Knappe Olli, der ja schon in der vorletzten Folge deswegen von Jons ergebenem Freund (man erinnere sich: er tötete Ygritte)k zu seinem erbittertsten Feind wurde. Ich vermutete schon damals und tue dies jetzt wieder: er wird wohl in der nächsten Folge "Hartheim" den entscheidenden Dolchstoß gegen Jon führen und ihn töten (wobei wir ja noch nicht wissen, ob Jon nicht doch in irgendeiner Form überleben wird).

Zu Stannis:
Er bricht - entgegen den Warnungen von Davos, der ihn - entgegen der Vorlage - hier begleitet, zum Kampf gegen die Boltons in Winterfell auf. Auch wenn er verliere, so sagt Stannis, er müsse jetzt aufbrechen, sonst gäbe es keine Gelegenheit mehr, den Sieg zu erringen. Melisandre fordert von Stannis die Opferung seiner eigenen Tochter, in der Königsblut fließt, was Stannis ablehnt. Wir hatten die Verbundenheit zu seiner Tochter als - vorbereitende - Szene in der vorherigen Folge erlebt. Jetzt sehen wir die Auswirkungen davon: er entfremdet sich von Melisandre, der er befiehlt, den Raum zu verlassen. Ob Stannis auch bei Niederlagen hier fest bleibt? EIn Interview mit dem Darsteller von Sir Davos mit den "Serienjunkies" stimmt nicht gerade hoffnungsvoll. Dennoch wissen wir noch nicht,zu welchen Konsequenzen Melisandres Vorschlag führen wird. In jedem Fall ist die Tatsache, dass - entgegen der Buchvorlage - Melisandre und Sir Davos als "Antipoden" Stannis auf seinem Zug nach Winterfell begleiten, eine Änderung gegenüber den Büchern, die ich begrüße. Hier ist "Spannung pur" garantiert. Für mich ist diese Entfremdung zwischen Stannis und Melisandre, die in der Buchvorlage ja so nicht vorkommt, ein wichtiges - für " Stannis Zukunft (und Charakterentwicklung) möglicherweise sogar entscheidendes - Ereignis . Von "Stagnation" kann also auch hier keine Rede sein, weshalb ich diese Folge trotz der obigen Kritik an Dorne und der Vergewaltigungsszene an der Mauer mit 4 Punkten bewerte. An diese Stelle übrigens noch eine Bemerkung zu Melisandre: in den Büchern wird ihr ein eigenes POV-Kapitel gewidmet und Ghost mag sie auf Anhieb. Dies spricht zunächst - in den Büchern - eher "für" sie (es sei denn, Ghost hat sie verhext). In der Serie ist sie aber eine pure Fanatikerin, wie der "High Sparrow" in Winterfell und deshalb ist sie - wie Sir Davos sagt - "dangerous", gefährlich und böse. Keine Spur der Mehrdimeinsonalität; sie ist in der Serie - im Gegensatz zu den Büchern - kein "grauer" Charakter, sondern m.E. durch und durch böse. A pros pros Fanatiker: ich nehme diese Betrachtungen zum Anlass, gleich zu "Winterfell" überzugehen und den dortigen Ereignissen. Die Szenen in Winterfell gehören zu den stärksten und besten dieser Folge - auch, was die Dialoge etwa zwischen der "Dornenkönign" und dem "High Sparros" angeht und auch dies hat mich zu der relativ hohen Punktzahl für diese Folge veranlasst.

King`s Landing:
Tommen, der ja bei der Verhaftung von Margery und auch in den Folgen zuvor sich als sehr schwacher König erwiesen hatte, verlangt von seiner Mutter ultimativ, alles zur Freilassung seiner Gattin zu unternehmen (endlich scheint er aktiver zu werden und dies finde ich auf jeden Fall gut). Nach heftiger Diskussion mit seiner Mutter erklärt Cersei sich bereit, an seiner Stelle mit dem Hohen Septon zu sprechen, um die Freilassung Margerys zu erreichen. Cersei will letzteres natürlich verhindern, aber die Liebe zu ihrem Sohn scheint echt zu sein. Lena Headley spielt hier großartig. Sie befindet sich im Zwiespalt: wie kann sie Margery schaden ohne die Liebe ihres Sohnes zu verlieren? Großartige Darstellung Lena Headleys, man muss sie sich einfach anschauen. Die kurze Begegnung mit Margery, die sie hasst und nicht in ihrer Zelle sehen will, entsprechen der literarischen Vorlage. Dies gilt auch für Cerseis Begegnung mit dem Hohen Spatzen. Im Gegensatz zur literarischen Vorlage hat sie in der Serie aber aktiver dafür gesorgt, dass der Hohe Spatz dort sitzt, wo er sitzt und so hat Cersei die Falle, in die sie gerät, sich hier selber durch ihr eigenes Handeln - der Billigung des Machtwechsels an der Kirchenspitze - selber zuzuschreiben. Sie hatte den neuen Hohen Septon für ihre Ziele einspannen und manipulieren wollen und überhaupt keine Menschenkenntnis besessen; sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand rein altruistisch agieren und sich dabei fanatisch an seinem eigenen Glauben orientieren werde. Kurz: sie hatte den High Sparrow als Machtfaktor (the many and the few) sträflich unterschätzt. Nun hat sie die Folgen ihres Handelns zu tragen: die Hartnäckigkeit, ja die fanatische Sturheit des High Sparrows, für den Cersei alles Böse in King`s Landing verkörpert, ja sozusagen die "Sünde" selbst, führt für sie ins Gefängnis. Nicht zu vergessen: an der Sturheit des Hohen Spatzen war ja schon kurz zuvor die "Dornenkönigin" trotz Drohungen, die Unterstützung der Tyrells für King`s Landing mit Lebensmitteln einzustellen, gescheitert. Der High Septon dachte nicht daran, Lady Olenna nachzugeben und ihre Tochter und Sir Loras freizulassen. "You won`t dictate me what to do", schleuderte er der alten Dame ins Gesicht. So scheiterten beide Strippenzieher, Cersei und Lady Olenna, an der Hartnäckigkeit und dem Fanatismus des Hohen Septon. Wie in der Buchvorlage lässt der Hohe Septon aufgrund der Anschuldigungen von Sir Loras und Lancel nun auch Cersei verhaften, die zwar tobt, aber - letzte Szene - in eine einsame Zelle gesperrt wird und nun macht- und wehrlos ist. Die Schauspielkunst von Jonathan Pryce ist phänomenal: gab er in seinen ersten Auftritten sich als gutmütiger Mensch, zeigt sich nun die Gefährlichkeit seines religiösen Fanatismus - genauso wie der von Lady Melisandre kurz zuvor bei Stannis.

Etwas Wasser muss ich aber in die Winterfell-Episoden gießen:
1.) Enttäuschend bleiben für mich die Auftritte der "Dornenkönigin", die - im Gegensatz zur vorherigen Staffel - zur Passivität verdammt scheint, auch wenn sie dem Gespräch mit Littlefinger, den sie persönlich wohl verabscheut, entnimmt, dass auch sie ihr "Geschenk", ihr "Gift" erhalten wird: die Verhaftung Cerseis - was ja dann auch geschieht. Was war die Dornenkönigin in Staffel 4 so dynamisch und aktiv. Alles wie weggeblasen.

2.) Littlefinger: kann mir jemand erklären, warum er sich nach seiner Flucht mit Sansa überhaupt nach King`s Landing begibt? Ich hatte ja vermutet, Cersei locke ihn dorthin, um ihn für seine Mitwirkung an Sansas Befreiung verhaften zu lassen. Doch schon in Folge 6 stellt sich heraus: er hat in King`s Landing nichts zu befürchten; er trinkt Tee mit Cersei, die ihm letztlich nicht verübelt, dass Sansa mit seiner Hilfe in Winterfell gelandet ist und jetzt plaudert er munter mit der Dornenkönign. So geistreich diese Dialoge auch sind (sie zeigen den Machthunger und Ehrgeiz von Littlefinger), so unwahrscheinlich ist es doch, dass sein früheres Handeln ohne Konsequenzen, sprich: Verhaftung und Prozess, bleibt. Hier hat sich George R.R. Martin m.E. die bessere Variante ausgedacht: dass in den Büchern Littlefinger eben noch auf der Ayre bleibt. Denn sein Machthunger macht ihm doch nur Feinde: Was soll Sansa denken, die er nach Winterfell verfrachtet und dort im Stich gelassen hat? Und wenn Cersei Sansa wirklich der Mitwisserschaft des Mordes an Joffrey verdächtigt, dann liegt es doch nahe, denjenigen, der Sansa zur Flucht verholfen hat, bei seinem Eintreffen in der Stadt verhaften zu lassen. Dies alles habe ich nicht verstanden. In dieser Hinsicht - und dies ist genauso anzumerken wie bei den Szenen in Dorne - ist mir noch nicht klar, ob die Macher mit ihrer Entscheidung, zentrale Handlungselemente der Bücher zu verändern, eine glückliche Hand hatten. Aber dies müssen wir erst noch sehen.

Fazit: Eine spannende Folge, die - mit Ausnahme der Ereignisse in Dorne, die mir nach wie vor stark missfallen - psychologisch gut gelungen ist: man denke an die Dialoge zwischen Melisandre und Stannis, Jon und Sir Alyser Thorne. Die Sterbeszene von Aemon Targaryen hat mich sehr beeindruckt und auch wenn ich mir die Ereignisse in Winterfell anders vorgestellt hatte, zeigt sich auch hier, dass "Dark Sansa" nicht gebrochen zu sein scheint. Und natürlich der Höhepunkt: die Begegnung zwischen Tyrion und Daenerys Targaryen, auf die der ganze Tyrion-Handlungsstrang in dieser Staffel wohl hinzielte. Welche Konsequenzen dies hat, wissen wir nicht: ich vermute aber nach wie vor, dass Tyrion zumindest die Rolle von Sir Barristan Selmy, möglicherweise auch von Prinz Quentin von Dorne, übernehmen wird.

Überflüssige Handlungsstränge, wie die Reise von Sam und Aemon Targaryen nach Altsass oder die Einführung zahlreicher Nebencharaktere, an der die Bücher 4 und 5 kranken, wurde vermieden. Zunächst war mir nicht klar, warum dies so war und ich vermisste auch diese Figuren am Anfang der Staffel. Jetzt muss ich aber konzedieren, dass der Plan, die Handlung zu straffen und sich auf wesentliche Orte und Charaktere zu konzentrieren, durchaus Sinn macht.
Für mich daher durchaus 4 Sterne. Den Punktabzug gebe ich wegen der Szenen in Dorne, die für mich nach wie vor "Seifenoper"-Charakter besitzen und mit denen ich nicht mehr warm werde. Auf jeden Fall ist diese Folge trotz Schwächen deutlich besser als die grausame Folge 4 und die Folge 6.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Demona » 10. Jul 2015 06:40

Ich habe jetzt letzten auf SWR3 ein Interviev mit einem der deutschen Darsteller von GoT gehört. Er spielt in der Serie den Gestaltenwandler. Sehr sympathischer Typ, was man von seiner Rolle nicht sagen kann.... :lol:
"Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

"Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)
Benutzeravatar
Demona
Administrator
 
Beiträge: 3079
Registriert: 06.2008
Wohnort: Nimmerland
Geschlecht: weiblich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 2. Mai 2016 19:44

Review Game of Thrones
Staffel 6 Episode 1:
Nachdem ich die Folge jetzt - urlaubsbedingt - 3 X angesehen habe ( 2 X in Englisch, 1 X in Deutsch) wage ich mich an ein Review. Die Folge hatte Höhen und Tiefen. Sehr gut gelungen fand ich alle Szenen an der Wall. Schon die Eingangssequenz war durchdacht: Endete Staffel 5 mit einer Naheinstellung auf Jons verblutenden Körper, so beginnt die Serie mit dem Geheul von Tieren, wohl auch von Ghost, dem Schattenwolf, der - eingesperrt, seinem Herrn nicht zu Hilfe eilen konnte. Sir Davos findet die Leiche Jons im Schnee und beschließt, sie zu seinen Getreuen in eine Kammer zu holen. Dort findet sich auch Ghost und Melisandre stößt hinzu. Es bleibt verwunderlich, dass Sir Davos Melisandre noch nicht genauer nach ihrer Rolle beim Tode von Stannis und seiner Tochter befragt hat (sonst würde er wohl nicht so freundschaftlich mit ihr umgehen). Ihm ist klar, dass Sir Alliser Thorne Jon ermordet haben muss. Die Szene, in welcher sich Sir Alliser Thorne für den Mord an Jon vor der versammelten Nachtwache rechtfertigt (Jon habe die Ziele der Nachtwache durch seine Verbindung mit den Wildlingen, die er in das Tor gelassen habe, verraten und ihn, Alliser Thorne, der - obwohl er Jon nie mochte, diesem immer loyal gedient habe, und seine Männer in einen Loyalitätskonflikt gestürzt, da sie ihr Leben für die Ziele der Nachtwache in den Dienst gestellt hätten, die Jon verraten hätte), klingt nicht nur ehrlich. Sie gehört zu den besten Szenen von Sir Alliser überhaupt. Sie macht ihn nicht zum gewissenlosen hinterhältigen Schurken wie Ellaria Sand und ihre Sandsnakes wenige Szenen später, sondern sie gibt seiner Tat eine Begründung. Natürlich ist Mord nicht zu rechtfertigen, aber Anklänge an die Ermordung Caesars und den Konflikt, in dem sich dessen Anhänger im Jahre 44 v. Chr. befanden, sind, wenn man das Video der GOT-Macher betrachtet, wohl nicht zufällig. Eine gelungene Szene.

Dann geht es nach Winterfell. Ramsey, nun einer der wenigen undifferenzierten eindimensionalen Charaktere der Serie, trauert um seine Geliebte, die von Theon in den Tod gestürzt wurde, und schwört den beiden Entflohenen blutige Rache. Doch sein Respekt vor Charlotte geht nicht so weit, sie würdig zu begraben. Sie sei "gutes Fleisch", lässt er seine Untergebenen wissen und sie solle weder vergraben noch verbrannt, sondern den Hunden zum Fraß vorgeworfen werden. Typisch Ramsey eben.

Differenzierter urteilt da schon dessen Vater, der umsichtige Stratege Roose Bolton, der Ramsey vorhält, durch seine "Spiele" mit den Erben der Starks und der Graufreunds deren Flucht verursacht und eine Vereinigung des Nordens erschwert bis unmöglich gemacht zu haben. Ob Ramsey denn glaube, gegen die gut ausgebildete Lannister-Armee genauso gut zu bestehen wie gegen Stannis und seine Mannen? Nein, dies wohl nicht, muss Ramsey zugeben. Dann solle Ramsey aber alles tun, um Sansas und Theons wieder habhaft zu werden, denn sonst habe er keinen Erben. Wie gut, dass Roose Boltons Frau Wanda schwanger sei...
Da bahnt sich - ähnlich wie bei Tyrion und Tywin Lannister - ein Vater-Sohn-Konflikt an und wenn man den Trailer sich genau anschaut, kann man sich denken, wie der enden könnte: im erneuten Vater- bzw. Elternmord? Ich fürchte, so wird es kommen. Gut gelungene Szenenfolge, denke ich.

Es kommt so,wie Roose Bolton es befürchtet: Sansa und Theon (mir plötzlich nach den Geschehnissen um Sansas Geschwister zu vertraut zusammen) flüchten über einen Fluss, werden von Ramseys Leuten mit Hunden gestellt und - man sieht schon Ramseys fieses Gesicht, welches an beiden Rache nehmen möchte - , da taucht wie ein Deus ex machina Brienne mit Podrick auf, besiegt mal eben zu zweit die Verfolger und tötet sie. Die Hunde? Verschwunden. Das ganze wirkt wirklich zu Deus-ex-machina-mäßig, um wirklich so von George R.R. Martin übernommen zu werden. Brienne als Sansa-Retterin. Na ja. Die Szene, in der Brienne sich erneut Sansa - wie damals Cathelyn Stark - anbietet und ihren Eid umsetzen möchte, halte ich hingegen für gelungen. Sansa akzeptiert - auf Anraten Theons - die Bitte von Brienne dieses Mal. Zumindest vorerst sind sie der Rache der Boltons entkommen. Wir müssen sehen, wie es weitergeht. Eine Sequenz mit Licht und (viel) Schatten, wie ich finde.

Mit zu den Highlights nicht nur dieser Folge, sondern wohl der gesamten Staffel und möglicherweise zu den Höhepunkten der Serie zählend, finde ich die nun folgende Szene in King`s Landing. Jaime trifft - mit Myrcellas Leiche im Sarg - in King`s Landing ein. Cercei, mit kurzem Haarschnitt noch vom Walk of Shame, von ihrer Dienerin benachrichtigt, trifft am Kai ein, zunächst hocherfreut - bis sie Jaimes starres Gesicht und den Sarg an Bord des Schiffes sieht.
Wie Lena Headey Cercei in diesem Moment spielt - wie alle ihre Freude aus ihrem Gesicht weicht, die Schockstarre kommt und sie dann schließlich weint, sodass man mit Cersei wirklich Mitleid bekommt (ihre Liebe zu ihren Kindern habe ich ihr immer abgenommen), dies ist eine der großartigsten Leistungen der Schauspielerin und gehört zu den bestgelungenen Szenen der Serie.
Auch das Gespräch mit Jaime, in denen beide ihre Entfremdung vergessen und wieder eine seelische Einheit bilden, gehört zu den Highlights der Serie. Cersei, am Boden zerstört, gibt nicht Jaime die Schuld am Tod von Myrcella, sondern erwähnt die Prophezeiung der Hexe: diese hatte - man denke an die 1. Folge von Staffel 5 - ja prophezeit, Cersei werde ihre Kinder verlieren. Jaime könne also nichts für Myrcellas Tod, dies sei Schicksal, Vorherbestimmung. Ihre Liebe zur Tochter, die im Gegensatz zu ihr ohne Gemeinheit und vollster Reinheit gewesen sei, wird hier wirklich sehr deutlich. Eine wirklich eindrucksvolle Leistung. Doch nicht nur von Lena Headey. Auch Nikolaj Coster-Waldau bietet hier Spitzenleistungen: Jaime tröstet seine Schwester: zum Teufel mit den Prophezeiungen, er glaube nicht daran! Beide würden sich zurückholen, was ihnen genommen sei. Ja, Myrcella "is gone". Beide sind sich einig, wie wichtig es ist, nun zusammenzustehen und sich nicht erneut zu entfremden.

Für mich sind diese Szenen das Highlight dieser Folge, ganz eindeutig.

Eine kurze Szene zeigt dann noch Margery im Kerker, die jedoch weder vor Septa Urnella ihre Sünden gestehen will, sondern zu ihrem Bruder gebracht werden möchte. Septa Urnella lehnt dies ab, doch kommt der Hohe Septon dieses Mal selbst in die Zelle, ohne dass Margery dem Druck nachgegeben habe. Ob sie denn glaube, ohne Sünde und Fehl zu sein? Niemand sei dies, antwortet Margery. Sie habe noch einen weiten Weg zu gehen, antwortet der Septon, bevor er sie verlässt. Es bleibt abzuwarten, wie der Konflikt zwischen der Kirche um den neuen Septon und den Lannisters, die sich zumindest für Cerseis Demütigung des "Walk of Shame" an diesem rächen wollen, noch ausgeht. By the way: ich glaube selber nicht an Tjommens Tod. Gerade weil aufgrund der Prophezeiung nun jeder damit rechnet, könnte zumindest Buchautor George R.R. Martin, der ja das Unberechenbare liebt, den Lesern hier ein Schnippchen schlagen. Wie es mit Tjommen hingegen in der Serie weitergehen wird, ist offen.

Dann kommt der Tiefpunkt der Serie: Dorne. Eigentlich ist hier jedes Wort verschwendet. Der Fürst von Dorne wird heimtückisch Ellaria Sand ermordet, nachdem erdie Nachricht von Myrcellas Tod erhalten hat sein getreuer Leibwächter ebenfalls. Die anderen Leibwachen schauen regungslos zu. Er habe nichts getan, um den Tod seiner Verwandten zu rächen, hält ihm Ellaria, nachdem sie ihn hinterrücks schon erstochen und der Fürst sein Leben aushaucht, vor. Als der Sterbende auf seinen Sohn verweist, bekommt er zu hören, "weak men" würden nicht erneut Dorne regieren. Nur um kurz darauf eine Szene im Schiff zu zeigen, in der der junge Trystan heimtückisch von den beiden Sandsnakes ebenfalls brutal ermordet wird. (By the way: wie kommen die Sandsnakes eigentlich auf das Schiff, nachdem sie diesem doch in der letzten Dorne-Szene noch nachgewunken haben? M.E. völlig unlogisch, aber na ja). Zu Dorne ist alles notwendige gesagt worden. Einzig positiv ist, dass Dorne jetzt wohl keine Handlungsminuten mehr vergeuden wird, denn die Gegnerschaft zu den Lannisters ist - wie bei den Starks und den Boltons - nun offen ausgebrochen, der Konflikt da. Möglicherweise haben die Macher selber erkannt - oder durch Rückmeldungen erfahren - wie misslungen der Dorne-Handlungsstrang in Staffel 5 gewesen ist und sie haben diesen seifenopermäßigen Handlungsstrang mit seinen eindemensional-platten Charekteren jetzt mit dieser unerwartet brutalen Mordaktion (die irgendwie dennoch vorhersehbar war) endgültig ad acta legen wollen. Dies ist aber auch mehr als notwendig, denke ich.

Die folgenden Episoden sind m.E.weniger ergiebig, sie werden von mir nur kurz gestreift. Wir sehen Tyrion und Varys. Beide sind ja Fan-Lieblinge und sie zusammen zu sehen, ist immer ein Highlight. Beide fahnden nach den Anführern der Söhne der Harpyrie, der Gegner von Daenerys in Mereen. Varys glaubt, sie durch seine Vögelchen bald zu finden (ich vermute ja, er, Varys, ist es selber, aber da kann ich mich irren). Tyrion erwähnt, dass es in der Stadt von Mördern wimmele und sie nicht sicher seien. Da brennt es plötzlich, am Hafen gehen Schiffe in Flammen auf. Wer ist für den Brand verantwortlich? Die Söhne der Harpyrie oder Victarion, den wir in der Serie - im Gegensatz zu den Büchern - noch nicht kennen. Und da kommt wieder einer der herrlichen trockenen Tyrion-Sätze, für die er so berühmt ist: angesichts der Situation könnten sie wohl jetzt nicht so bald nach Westeros reisen. Einfach klasse in dieser Situation! Peter Dinklage bringt dies wunderbar rüber. Dennoch muss m.E. ein bisschen Wasser in den Wein gegossen werden: Handlungsmäßig ist die Szene m.E. nicht so ergiebig. Mir drängt sich der Verdacht auf, die Serienmacher hätten hier den Fans nochmal nachgegeben, um Varys und Tyrion zusammen in eine Unterhaltung vertieft zu zeigen: ihre Ironie und Witz würzen die Serie zugegebermaßen - aber handlungsmäßig bringt dies nicht weiter.

Es gibt dann noch Szenen um Arya, die blind zunächst ihr Brot erbetteln muss, um sich dann der Ausbildung oder dem Kampf durch die Frau zu stellen, die sie bereits im "Haus of Black and White" kennen lernte. Dafür, dass Arya blind ist, schlägt sie sich recht gut. Offenbar scheint sie trotz ihres Fehltritts in Staffel 5,wo sie den "falschen Mann" ermordet hatte, nicht verstoßen zu sein, ihre Ausbildung als Assassinin geht offenbar weiter. Oder hat die Frau, die auf sie einschlägt, nur Spaß daran, sie zu verprügeln? Auch hier kann ich keinen wirklichen Fortschritt im Handlungsstrang erkennen, mir scheint, es soll lediglich Arya und das "Haus of Black and White" den Zuschauern wieder in Erinnerung gebracht werden.

Jorah und Daario suchen derweil nach Daenerys und Jorah findet auch den zurückgelassenen Ring von Daenerys. An den Spuren erkennt er, dass die Dothraki Daenerys gefangen haben. Es scheint aber nicht - wie Buchkenner dachten - Khal Jaquo, sondern ein anderer Khal zu sein, der Daenerys gefangen hat. Sie wird ihm vorgeführt, gibt sich ihm zu erkennen und er bestimmt, dass sie als Witwe von Khal Dragho an einen Dothraki-Ort gebracht werden soll, an dem die Witwen der verstorbenen Khals den Rest ihrer Tage in Quasi-Gefangenschaft zu verbringen haben. Immerhin wird sie nicht getötet und lebt. Ich vermute, dass wir bald Drogon in einer Befreiungsaktion sehen werden, zumal, wenn Daenerys wirklich (möglicherweise zusammen mit Jon Snow) der Azor Ahai sein sollte, auf den die Westeros-Welt wartet (vgl. das von mir eingestellte Video weiter oben). So sehr der Cliffhanger um Daenerys hier aufgelöst wird, auch hier passiert mir "handlungsmäßig" zu wenig, es geht mir nicht wirklich voran. Daenerys wird wohl - wie Tyrion auch - nicht so schnell in Westeros ankommen. 8|

Das wichtigste dieser Folge ereignet sich am Schluss: es geht wieder zurück zur Wall. Sir Davos erhält von Sir Alliser Thorne die Zusicherung für freien Abzug nach Süden, seine Begleiter sollten sich ergeben, dann würden sie nicht getötet. Sir Davos, der für einen Abzug nach Süden Essen erbittet, bittet um Bedenkzeit, damit er Sir Allisers Forderungen mit seinen Leuten diskutieren könne. Dort herrscht Fatalismus und Pesssimismus vor: was könnten die wenigen Leute um Sir Davos gegen den Rest der Nachtwache ausrichten (trotz Schattenwolf?) Da verweist Sir Davos auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Melisandre, die er selber miterlebt habe ( er spielt auf den Schatten an, den Melisandre kreiert und damit Renley getötet hatte). Prompt schaltet die Kamera in das Gemach von Melisandre um. Und nun wird ein Geheimnis ihrer Halskette offenbar: Melisandre, die nun erkennen muss, dass ihre Visionen sie in Bezug auf Stannis (wohl aber nicht in Bezug auf Jon, denke ich) in die Irre geführt haben, ist durch die Ereignisse ebenfalls am Boden zerstört und zutiefst verunsichert. Sie nimmt ihre Brosche ab und verwandelt sich damit in eine alte Frau. Ihre Schönheit war ein Illusionszauber, hervorgerufen durch die Brosche am Hals. Natürlich zeigt dies einerseits ihre Macht und diese ist der Trumpf, auf den Sir Davos hofft. Doch wird sie sie noch einsetzen? Oder hat sie bereits resigniert? Denn war nicht Shireens Tod der Preis dieser Macht? Wird Melisandre durch eigenen Tod dafür sühnen? Ist die letzte Szene also eine Demonstration ihrer Macht oder ein Abgesang auf diese Mittel? Ist die Hoffnung von Sir Davos in Melisandre berechtigt oder - wie die Hoffnung Theons auf Rettung durch Lord Commander Jon Snow, der zu diesem Zeitpunkt, an dem Theon die Äußerung gegenüber Sansa tut, ja schon tot ist - eine Illusion? Dies ist die Frage, die die nächsten Folgen hoffentlich beantworten werden. Wenn Melisandre allerdings die "Wiedererweckung" Jon Snows bewirken kann, also Tote zum Leben oder diese in ihren Tierkörper transferieren kann (Mann, Wolf, Mann), dann wäre diese Schlussszene in der Tat die wichtigste dieser Folge, die nicht umsonst mit "The Red Woman" ("Die rote Priesterin") betitelt ist und dieser Titel bezieht sich nun einmal auf diese finale Szene. Diese war besonders spannend.

Fazit: eine insgesamt gute Folge, die allerdings mit der Handlung in Dorne auch einen absoluten Tiefpunkt aufweist und auch Szenen enthält, die eher die Funktion haben, die Zuschauer an die vielen Handlungsorte und Protagonisten zu erinnern, als die Handlung wirklich voranbringen. Insgesamt trotz allem - vor allem wegen der Szenen in King`s Landing - eine gelungene Staffelauftaktfolge. 4 Punkte kann man geben, aber m.E. nur mit gutem Willen, 3,5 wären auch angebracht.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 2. Mai 2016 19:45

Staffel 6, Episode 2: Home

Review:
"Vor dem Sturm" - so heißt der erste - und meines Erachtens in seiner Bedeutung unterschätzte - Roman Theodor Fontanes, der während der Befreiungskriege 1813 spielt. "Vor dem Sturm" könnte auch gut der Titel der Episode 2 von Staffel 6 GOT heißen. Denn der "rote Faden", also das, was alle Folgen dieser Staffel verbindet (und sogar mit Dorne aus Folge 1 verbindet) ist ein atemberaubendes Voranschreiten der Handlung, in welcher Nägeln mit Köpfen gemacht werden. Ausgleichende oder zumindest abwartende Charaktere, die strategisch weitblickend denken, zum Teil den Frieden wahren wollen, zum Teil einfach aus Vorsicht agieren, werden in Folge 1 und jetzt in Folge 2 einfach "aus dem Weg" geräumt. Trifft es in Episode 1 den auf Ausgleich bedachten Fürsten von Dorne (mag dieser in der Buchvorlage noch so machiavellistische Pläne gehabt haben), traf es am Ende von Staffel 4 Tywin Lannister, so ist es jetzt der Tywin Lannister der Boltons, Roose Bolton, der "dran glauben" muss. Wie ich in meinem Review zu Episode 1 bereits vermutete, wird der Vatermord hiervollzogen. Nachdem Ramsey Bolton die Nachricht erhält, dass Lady Walder ein gesundes Baby zur Welt gebracht hat, zögert er nicht lange, ersticht seinen Vater und wirft die lästige Stiefmutter samt neugeborenem Kind den Hunden zum Fraß vor (letzteres mal wieder, wie leider zu häufig in GOT, eine extrem grausame Szene, wie ich finde, die aber leider - was Ramsey Bolton angeht - "in character" zu sein scheint.) Mit dem Mord ist Ramsey Alleinerbe der Boltons und Herrscher des Nordens. Aber wie lange wird er sich halten können? Auf jeden Fall deutet nun alles auf Kampf und bevorstehende Konfrontation hin. Ganz ähnlich wie in Dorne in der Episode zuvor, als die mordlustigen Sandsnakes dort das Ruder übernahmen (man beachte auch die Parallelität der Szenen: die Ermordung des Fürsten von Dorne erfolgt, nachdem er die Nachricht von Myrcellas Ermordung gelesen hat; Ramsey entschließt sich zum Mord an seinem Vater, nachdem die Nachricht vom geborenen Erben eingetroffen ist). In Dorne und jetzt in Winterfell Psychopathen die "Chefs" ihrer jeweiligen Häuser. Das kann ja nicht gut gehen, wir befinden uns wahrlich "vor dem Sturm."

"Im Sturm" befinden wir uns buchstäblich auf den Eiseninseln. In der Buchvorlage war es nur angedeutet, hier wird es wahr: Euron entledigt sich seines Bruders, stößt ihn von der sturmumwehtenBrücke, um selber beim bevorstehenden Königs-Thing zum neuen Herrn der Eiseninseln gewählt zu werden. Halten sich die Macher an die Buchvorlage, dürfte Euron dies auch werden. Die Konflikte, etwa mit Tochter Asha, die zuvor noch eine Auseinandersetzung mit Balon wegen ihres Bruders Theon auszustehen hatte und nun Rache schwört, sind auch hier vorprogrammiert. Erneut befinden wir uns buchstäblich "vor dem Sturm".

"Vor dem Sturm" befinden wir uns auch in King`s Landing: der Machtkampf zwischen den kirchlichen Fanatikern um den High Sparrow erreicht mit einer hitzigen Auseinandersetzung zwischen Jaime und dem High Sparrow einen ersten Höhepunkt. Liest man die Beschreibung zur nächsten Episode, so gilt auch hier: die Konfrontation ist wohl nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Dies wird verstärkt dadurch, dass der zögernde und schwache Tommen sich bei seiner Mutter für seine Weigerung, sie an den Sarg Myrcellas zu lassen, entschuldigt und von ihr Hilfe erbittet. Cersei, die ihren Sohn liebt (wer bleibt ihr sonst noch?), sichert ihm diese Hilfe zu und verzeiht ihm. Tommenist aber auch hier der letzte auf Ausgleich bedachte Charakter in King`s Landing. Sollte er - wie Doran, der Fürst von Dorne, und - so unsympathisch er war - Balon, der Herr der Eiseninseln - ebenfalls sterben, so wäre die letzte Person, die einen Frieden oder eine Art Kompromiss in den sieben Königslanden erzielen könnte, auch tot. Kevan Lannister ist nicht mehr in der Serie aufgetreten, sein Schicksal aus dem Epilog des letzten Bandes kennen wir.

Auf Ausgleich bedacht in diesem Kampf um Throne scheint noch Bran zu sein. Doch der ist jenseits der Mauer und wird vom dreiäugigen Raben, hervorragend verkörpert durch Max von Sydow, darin unterrichtet, gezielt in seine Träume einzudringen. Doch auch hier zeigt sich erneut der "rote Faden" der Staffel: die friedliche Vergangenheit (er sieht seinen Vater, seinen Onkel und seine Tante Lyanna Stark als Kinder (die Einführung der letzteren dürfte ein weiterer Hinweis auf die R + L = J-Theorie sein, auf die ja schon die Unterhaltung von Sansa mit Littlefinger hingedeutet hatte)) gehört der Vergangenheit ein. Der dreiäugige Rabe mahnt Bran, auf die zukunft zu achten und auch das Kind des Waldes ahnt, dass Bran bald Hilfe brauchen wird. Auch hier zeigt sich wieder: wir stehen "vor dem Sturm."

Auch der Handlungsstrang um Tyrion und Varys geht, nachdem er in Episode 1 m.E. stagniert hatte, nun einen deutlichen Schritt voran. Wir erfahren, dass die Sklavenjäger in den Nachbarstädten von Mereen die Macht übernommen haben, wir wissen, dass dies auch in Mereen versucht wird (so brannten ja die Schiffe nicht umsonst in dem Mereen gewidmeten Teil von Episode 1). Auch hier stehen wir vor kämpferischen Auseinandersetzungen, auch hier könnte "Vor dem Sturm" das Leitmotiv der Episode sein. Dass Tyrion mit Daenerys Drachen Rhaegon und Vyseris so gekonnt umgeht und wir erfahren, dass es sein Wunsch war, Drachen zu besitzen, könnte die Theorie erhärten, dass entweder Tyrion selber oder zumindest seine Halbgeschwister Jaime und Cersei keine Lannisters sind. Die Theorien sind ja bekannt. Wunderbar hier auch wieder der trockene Witz Tyrions, der Varys ermahnt, ihn solche gefährlichen Dinge doch nicht wieder tun zu lassen. Wie auch immer: auch hier geht es voran.

Voran geht es auch in dem Arya-Strang, denn Aryawird nach erneutem Zweikampf mit Faif von Jaqen H'ghar wieder als Assassinin aufgenommen. Sie hatte den Test bestanden: trotz mehrfacher Aufforderung durch ihn blieb sie dabei, keinen Namen zu besitzen. Wir dürfen gespannt sein, was Arya als Assassinin im "Kampf der Throne" noch unternehmen wird....
Etwas überraschend - für mich - kommt die Trennung zwischen Sansa, die zur Mauer aufbricht, um bei ihrem Bruder Jon Schutz zu finden und Theon, der beteuert, zwar für Sansas Befreiung alles tun und für sie sterben zu wollen, aber sie - seiner Schuldgefühle gegenüber den Starks wegen - nicht zur Wall begleiten will. Er wird wohl zu den Eiseninseln aufbrechen. Ob er dort heil ankommen wird? Ich habe da so meine Zweifel.... :sorry:

Der Höhepunkt sind natürlich die Ereignisse an der Mauer: die Mörder Jon Snows um Sir Aliser Thorne können festgesetzt werden, weil Ed die Wildlinge (einschließlich des Riesen Wun-Wun) rechtzeitig zur Hilfe geholt hat. Sir Davos bittet Melisandre, ihm zu helfen. Und sie tut es: obwohl voller Selbstzweifel ob ihrer seherischen Fähigkeiten (und auch Selbstzweifel, was ihren Glauben an den "roten Gott" betrifft (so unsicher wie in den letzten 3 Folgen hat man Melisandre noch nicht gesehen), spricht sie eine Zauberformel und schafft es, Jon Snow zum Leben zu erwecken, was auch sein Schattenwolf sofort bemerkt. Mit dieser - von vielen Fans, wenn auch nicht von mir - erwarteten Überraschung endet eine intensive, spannende und gut durchdachte Staffel, die endlich einmal Handlungen "voranbringt". Zu oft hatte ich in Staffel 5 den Eindruck, die Dinge würden stagnieren. Doch nun - der Trailer deutet es ja schon an - ist die Bühne bereitet für "den Sturm": denn stürmische Ereignisse, Kämpfe und Schlachten, ja, möglicherweise der Untergang von Westeros stehen an, wenn nicht Azor Ahai diese Welt vor der Dunkelheit rettet. Ob dies Daenerys (möglicherweise zusammen mit Jon Snow) sein wird? HBO kündigt für die kommende Episode an, Daenerys werde etwas über ihre Zukunft erfahren. Wir dürfen darauf gespannt sein. An Drehbuchautoren und Regisseur Dank für eine gelungene Staffel, die meiner Meinung nach die Höchstwertung von 5 Punkten verdient hat und die wichtigste Episode von Staffel 6 sein dürfte, ja möglicherweise zu den "Highlights" der gesamten Serie gehören wird.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 14. Mai 2016 08:05

Review zur 3. Folge der 6. Staffel GOT "Oathbreaker":

Review:
Ich habe mir die Staffel nun zum zweiten Mal angesehen und denke, dass sie insgesamt recht gut gelungen ist. Ich würde 3 von 5 Punkten geben, da einige gravierende Schwächen - besonders gegenüber den vorherigen Folgen - festzustellen sind.

Der Strang, der mir noch am besten gefallen hat, sind die Ereignisse an der Mauer. Kit Harrington spielt die Verwirrung von Jon Snow nach seiner Wiedererweckung hervorragend. Er fällt in die Arme von Sir Davos und das Gespräch mit Melisandre, seiner scheinbaren Retterin (eine Theorie, an die ich bekanntlich nicht glaube), macht deutlich, was die Serie von Gottheiten und Religion hält. Er sah keinen Gott, sondern "nothing". Religionskritik wird ja an mehreren Stellen in der Serie geübt, v.a. an Intoleranz und religiösem Fanatismus. In dieser Staffel sehen wir dies auch an dem "High Sparrow", der mittlerweile nach Ramsey zu meiner absoluten Hassfigur in der Serie avanciert. Wie er Tommen in dem Gespräch mit ihm einwickelt und ihn buchstäblich manipuliert, zeigt seine machiavellistischen Fähigkeiten. Diese scheint auch Melisandre zu besitzen. Gesetzt den Fall, sie weiß, dass die Wiederauferstehung Jons nicht ihr Werk war, verbirgt sie dies sehr geschickt. In jedem Fall hält sie ihn nun anstelle von Stannis für den "versprochenen Prinzen", den Azor Ahai, eine Wendung, die sie meines Wissens so noch nicht zuvor gebraucht hat. Wire sie Jon nun so manipulieren wie zuvor Stannis? Und wird Jon für ihre Einflüsterungen empfänglich sein? Wie wird sich die Beziehung zu Sir Davos entwickeln? Alles noch offene Fragen. A pros pros offene Fragen: es sind mir zu viele. Das "Pacing" stimmt hier m.E. ganz und gar nicht. Es gibt einfach viele überflüssige oder nicht notwendige Szenen (muss man Sam und Gilly so viel Raum auf dem Schiff geben, während die Serienmacher in 6.1 nicht die Zeit finden, die Sandsnakes das Schiff von Prinz Tristane besteigen zu lassen? Auch die Szenen in Mereen zwischen Tyrion und den beiden bei ihm verbliebenen Getreuen von Daenerys sind zwar durchaus witzig, aber m.E. völlig unpassend. Sie warten und vertreiben sich die Zeit? Hallo, da haben doch zuvor Schiffe gebrannt? Ein Tyrion der Staffel 2 wäre nicht so passiv gewesen, sondern wesentlich aktiver. Wie bei "Warten auf Godot" warten die Protagonisten und die gezeigten Szenen überbrücken diese Zeit; die Handlung geht nicht voran; der "Meerensche Knoten" lässt hier überdeutlich grüßen), die das Tempo allzusehr verlangsamen. Nichts dagegen, dass diese Folge generell einmal einen Gang zurückschaltet. Aber muss dies gleich in diesem Ausmaß geschehen? Ich fand dieses sogenannte "Pacing" in den ersten 3 Staffeln eindeutig besser gelöst als in Staffel 4,5 und jetzt 6. Daher auch mein Punktabzug.
Erst nachdem ich heute die deutsche Fassung gesehen hatte, ist mir die Bedeutung des Titels: "Oathbreaker" aufgefallen. Sie scheinen mir ein dezenter Hinweis der Serienmacher zu sein, dass nicht die Szene an der Mauer, sondern die Ereignisse in Winterfell die Lösung für etwas anbieten, was als "falsche Spur" an der Mauer verborgen liegt. Wenn die Theorie des Users Tizian der Serienjunkies stimmt, der ich mich voll anschließe, dann ist Jons Wiederauferstehung nicht durch Melisandre bewirkt worden, die - möglicherweise durch die Kreation des "Schatten-Stannis" und Renly-Mörders ihre Kraft eingebüßt hat (was die letzte Szene der 1. Folge der 6. Staffel: "The Red Woman" eindeutig zeigt), sondern es ist der Tod des Schattenwolfes von Rickon Stark, der - seine Kraft an Ghost weitergebend - die "Wiederauferstehung" Jons bewirkt. Die Parallelität der Szene zu dem Finale der 2. Folge der allerersten Staffel lässt dies jedenfalls vermuten. Sie würde auch erklären, warum GRRM Schattenwölfe in seine Saga eingeführt hat und welche Funktion sie haben. Natürlich ist diese Theorie rein spekulativ, aber ich denke, sie ist nicht weniger plausibel als die Möglichkeit, dass Jon durch Melisandre wieder zum Leben erweckt wurde. Zurück zu "Oathbreaker": Umber sagt zu Ramsey Bolton (dem er auf den Kopf zusagt, er, Ramsey, habe seinen Vater Roose getötet): "Zum Teufel mit Eiden". Er, Umber, hätte ebenfalls mit Freude seinen Vater getötet, hätte dieser ihm nicht den Gefallen getan, vor ihm zu sterben. Der Vater-Sohn-Konflikt geht in die nächste Runde. Meines Erachtens bezieht sich der Titel "Oathbreaker" auf diese Umbersche Äußerung und zeigt, wie zentral die Winterfell-Szene - sollte die Schattenwolf-Theorie stimmen - für die Handlung der gesamten Saga ist. Hier - in dem kurzen Kamera-Schwenk auf Rickons toten Schattenwolf - könnte der "Schlüssel" für Jons Wiedererweckung liegen. Der Schlüssel für den Titel: "Oathbreaker" liegt m.E. in dieser Umberschen Äußerung, die ich im englischen Original zunächst überhört hatte.

Denn eines scheint mir klar zu sein: Jon musste wiedererweckt werden, weil er von seinem Eid entbunden werden musste. Er muss als "Zentralgestalt" der Handlung an andere Orte können und darf nicht an der Mauer fest"kleben". In der Buchvorlage war es doch seine Absicht, gegen Ramsey Bolton und Winterfell zu ziehen, was ein Motiv für Sir Alliser Thorne und die Verschwörer war, Jon zu töten. Er ist meiner Meinung nach nun von seinem Eid entbunden, da dieser nur bis zu seinem Tod gültig war und danach eben nicht mehr. Und Jon war tot. Zu wenig wird mir übrigens klar, ob es die letzten Worte von Sir Aliser Thorne waren, die Jon zu dem Entschluss geführt haben, sein Amt als Lord Commander der Wall niederzulegen ("My watch has ended") oder ob er dies schon zuvor beschlossen hatte. Sein Zweifel, ob er die Verschwörer wirklich hinrichten sollte und seine Verzweiflung, weil Olli unter diesen zu finden war, ist von Kit Harrington m.E. klasse herübergebracht. Und Sir Aliser Thornes letzte Worte an ihn, dass er, Thorne, sich in einem Zwiespalt befunden habe, da er entweder seinen Eid gegenüber der Nachtwache oder seinen Eid gegenüber dem Lord Commander hätte brechen müssen (auch hierauf dürfte sich der Titel der Folge beziehen), klingt glaubwürdig und macht die Motive, wenn auch nicht das Handeln, von Sir Aliser nachvollziehbar. Er ist jedenfalls kein in schwarz-weiß-Klichées gezeichneter Schurke und dies hebt ihn eben angenehm gegenüber Figuren wie Gregor Clegane, Joffrey und Ramsey Bolton ab (letzterer wird möglicherweise nur deshalb so brutal bösartig und eindimensional gezeichnet, weil Joffrey ja nicht mehr lebt und ein Nachfolger das Schurkenimage noch toppen musste).

Kommen wir kurz zu den anderen Szenen:
Die Szene zwischen Varys und der Verräterin ist mal wieder ein wunderbarer Varys. Er droht - doch so subtil, dass er das, was er möchte, erreicht: er erklärt Tyrion und seinen wartenden Mitstreitern, wer die Söhne der Harpyrie unterstützt: Sklavenhändler von Astapor und Junkai. Ob nicht Varys selber hier eine undurchsichtige Rolle spielt und - zumindest in der Serie - der heimliche Anführer dieser Sekte ist, werden wir möglicherweise noch erfahren. Seine Vögel hat er jedenfalls an Quiburn abgegeben. Dies spricht für mich dafür, dass Quyburn die Funktion übernehmen wird, die Varys im Buch 5 (deutsch 10) im Epilog übernommen hat; ich gebe Pycelle und Sir Kevan, die beide nach längerer Zeit mal wieder im Rat in King`s Landig auftraten, keine großen Überlebenschancen. Doch auf Quyburn wirklich auf Seiten Cerseis steht? Da gibt es so einen Blick zwischen beiden, als Cersei ihn anweist, seine Vögel als Spione in Dorne und Highgarten einzusetzen, die mich fragen lässt, ob er nicht noch andere Ziele verfolgt. Cersei, mehr und mehr von Rachegedanken getragen, möchte wieder aktiv werden und aus ihrer schmachvollen Passivität herauskommen. Im Trailer gibt es ja die Worte: "I choose violence" - spannende Entwicklungen dürften folgen.
Nicht den Weg der Gewalt hingegen wählt ihr Sohn Tommen. Ich dachte ja, es käme zur Konfrontation zwischen ihm und dem High Sparrow doch letzterer schafft es, Tommen zumindest zu besänftigen. Allerdings wäre wohl auch eine stärkere Persönlichkeit den Überredungskünsten des High Sparrows (sieht er nicht aus wie Papst Franziskus?) wohl nicht gewachsen. So dürfte es Jaime sein, der in den nächsten Folgen - zusammen mit Cersei - die Konfrontation mit dem High Sparrow und seinen Kreaturen sucht. Cersei gibt jedenfalls im Gespräch mit Jaime eindeutig zu verstehen, dass selbst Roboter Sir Robert Strong alleine nichts gegen den High Sparrow ausrichten kann, solange der von seinen Wachen umgeben ist. Spannende Entwickungen deuten sich an; ich möchte aber, dass sie nun endlich einsetzen. Wie fast überall gilt: "Mehr Feuer, bitte!"
Sam und Gilly: die Szene wurde wohl nur eingefügt, um zu zeigen, dass sie auf dem Weg zu Sams Familie aufbrechen; ansonsten halte ich dieses auch für eine der überflüssigen Szenen. Wie oben gesagt: mit dem "Pacing", also der Entscheidung, was für den Zuschauer wichtig ist und was nicht, bin ich oft nicht einverstanden. Vielleicht fällt mir dies jetzt noch stärker auf, weil es ja zu den Ereignissen bislang noch keine literarische Vorlage als Orientierungshilfe gibt.

Der Arya-Strang hat mir sehr gut gefallen: sie gibt vor (glauben tue ich es ihr nicht), nicht mehr Arya zu sein und die Schläge der Waif enden daher recht bald, nachdem sie nochmals alle Mitglieder ihrer Familie benannt und die Liste derjenigen benannt hat, die sie sterben lassen möchte. Zwei Dinge fallen hier auf: zunächst wird der Name ihres Bruders Rickon erwähnt - und kurze Zeit sehen wir ihn und Osha wieder in Winterfell. Geschickt gemacht. Und außerdem wird Zweifel daran geweckt, ob der "Hound" wirklich tot ist oder doch noch lebt und wieder in die Handlung eingeführt wird. Die Frage sei erlaubt: warum ist es so wichtig, dass Arya ihre frühere Identität vergisst? Soll sie jemanden töten, den sie liebt? Wir werden es erfahren. In jedem Fall ist die Stagnation dieses Handlungsstranges mal beendet und dies finde ich gut.

Quälend, ja ätzend lang, zieht sich Daenerys Handlungsstrang hin. Erwähnte ich vorhin "Warten auf Godot?" Ja, Daenerys trifft an der Stätte der früheren Khal-Witwen ein und ihr wird vorgehalten, dass sie nach dem Todes ihres Mannes nicht gleich dorthin aufbrach. Na gut. Lange, denke ich, wird sie dort wohl nicht bleiben und wir werden erfahren, ob Sir Jorah sie noch befreien kann, bevor er an seiner Erkrankung stirbt oder ob Drogon oder die beiden anderen freigelassenen Drachen Rhaegar und Viserys hier noch aktiv werden. Aber bitte: Daenerys ist eine Targaryen: "Mehr Feuer" erwarte ich jetzt auch in diesem Handlungsstrang.

Was Winterfell angeht, so habe ich das entscheidende schon oben gesagt: aber bitte bitte, liebe Serienmacher: wenn ihr Rickon schon sterben lassen wollt, dann bitte schnell. Neue lange sadistische Folterszenen an Theon II möchte ich nicht sehen! Erspart sie uns! Ich möchte bald Ramsey Bolton in Richtung Wall aufbrechen sehen und der Kampf mit den Widlingen (oder den White Walkern?) dürfte wohl der Höhepunkt von Staffel 6 werden. Lasst uns nicht zu lange darauf warten, indem Nebenhandlungen endlos in die Länge gezogen und ausgewalzt werden.

Nun noch zur "Tower of Joy"-Szene. Ja, sie ist notwendig, um die R+L = J (+ Meera???)-Theorie anzudeuten. Aber sie hat mir überhaupt nicht gefallen. Erstens finde ich, hätten die Macher besser daran getan, Sean Bean erneut einen jüngeren Eddard Stark spielen zu lassen (der junge Schauspieler des Eddard Stark sieht - besonders fällt dies an der Mundpartie auf - Sean Bean überhaupt nicht ähnlich) und zweitens finde ich es einen billigen Trick, Bran aus der Erinnerung herauszureißen, um die R+L-Theorie in eine der nächsten Folgen unterzubringen. Immerhin wehrt sich Bran deutlich gegen den "Raven" Max von Sydow und lässt sich nicht wie Tommen vom High Sparrow (oder Harry Potter von Dumbledore) einlullen. Ich muss etwas gegen diese Mentoren-Figuren haben: mir war schon der Dumbledore von Band 7 im Harry-Potter-Zyklus unsympathisch und ich mag weder den Dreiäugigen Raben noch den High-Sparrow, die Allwissenheit vortäuschen und ihre Anvertrauten - und hier natürlich auch den Zuschauer - manipulieren, um den Höhepunkt - die Enthüllung der R+L-Theorie - noch etwas hinauszuzögern. Spannend an dieser Theorie bleibt für mich nur noch die Frage, ob Meera wirklich Jons Zwillingsschwester ist, wie ja ebenfalls in Theorien vermutet wird. Zweierlei kurze Anmerkungen noch zu dieser Szene: 1.) Ned Stark wird nicht ohne Hilfe von Howard Reed mit Sir Arthur Dayne fertig. Dies dürfte ein Hinweis sein - das Kind des Waldes sagt es ja schon und der Dreiäugige Rabe ebenfalls - dass Bran nicht ewig bei diesem Raben wird bleiben können, dass er diesen Ort verlassen wird, in Kämpfe verwickelt werden könnte und dabei auf die Hilfe von Meera und den Kindern des Waldes angewiesen sein könnte. Wie der Vater auf die Hilfe Howard Reeds angewiesen war.
2.) Die hinterhältige Ermordung Sir Arthur Daynes zeigt, dass auch "gute" Charaktere sterben, wenn sie im "Game of Thrones" einen unbedachten bzw. den falschen Zug tun. Und sie zeigen, dass Eddard Stark nicht zu den moralisch Guten gehört oder erst nach den Ereignissen geläutert wurde. War er ein Lügner? Hat er möglicherweise Hodor zum Schweigen gebracht (durch Verstümmelung), weil dieser die Wahrheit über Jons Herkunft und die R+L-Theorie kannte. Eddard Stark wird von einer "guten" zu einer "grauen" Figur. Dies dem Zuschauer - und dem darüber verständlicherweise geschockten Bran - zu vermitteln, dürfte der Hauptzweck der Szene gewesen sein, die mich ansonsten enttäuscht hat. Auch hier möchte ich jetzt zum "Ergebnis" kommen, Antworten auf offene Fragen bekommen und nicht länger abgelenkt und "hingehalten" werden. Daher - auch wegen der im Vergleich zu den vorherigen beiden Episoden nicht so perfekten Schnitt- und Kameraführung - nur 3 von 5 Punkten. Möglicherweise beurteile ich die Folge aber besser, wenn ich alle Episoden der Staffel kenne und diese in einen Zusammenhang einordnen kann.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 26. Mai 2016 08:44

Review zu Staffel 5, Episode 5: (The door):
Die erste Szene mit Sansa und Littlefinger fand ich hervorragend gespielt - von beiden Personen. Was die Serie hier allerdings mit Littlefinger veranstaltet, bleibt mir rätselhaft. Abgesehen davon, dass er einen Portschlüssel besitzen muss, weil er immer in ganz Westeros wie immer am zufällig richtigen Ort ist, bleibt mir sein Verhalten schleierhaft. Warum hat er Sansa nach Winterfell geschickt? Es hat ja wohl seinen Grund, dass GRRM - ähnlich wie bei Dorne - direkt um die Zeit, als die Film-Sansa in Winterfell eintraf, das Kapitel ins Netz stellte, in welcher die Buch-Sansa im grünen Tal verblieb. Selbst wenn man Aiden Gillen glaubt, dass Littlefinger einen fatalen Fehler machte und nun Gewissensbisse wegen Sansa haben sollte und dieser wirklich helfen will, so kommt er damit bei "Dark Sansa" wohl zu spät, da er bei ihr jede Glaubwürdigkeit verspielt hat. Sansa scheint mir noch von blinder Rachsucht getrieben, hört aber möglicherweise zu wenig auf rationale Überlegungen.Dennoch bleibt es für mich nachvollziehbar, dass sie Littlefingers Tipp nicht im großen Rat an der Mauer erwähnt, weil sie dann zugeben müsste, aus reinem Hass die Hilfe einer ganzen Armee - nämlich der von Littlefinger - ausgeschlagen zu haben. Außerdem benötigen die Serienmacher Brienne in Riverrun und durch das Verschweigen von Sansas Information gegenüber dem Rat (und nicht nur gegenüber Jon; wir wissen nicht, ob sie Jon, wenn sie mit ihm alleine gewesen wäre, in Bezug auf die Quelle der Information die Wahrheit gesagt hätte), wird die Trennung von Sansa und Brienne für die Mitglieder des Rates plausibler. Ich glaube nicht, dass Sansas Verhalten mit Misstrauen gegenüber Jon zu tun hat; wir werden dies aber noch sehen.

Interessant scheint mir, dass Sansas und Aryas Entwicklungen gegenteilig zu verlaufen scheinen. Der Arya-Strang zeigt, dass Arya selber nicht mehr so von Rachegedanken besessen zu sein scheint, wie in den vorherigen Staffeln. Auch wenn dies vielleicht nicht stimmt und Arya sich nur zusammenreißt, um als Assassinin der Faceless Men weiterhin ausgebildet zu werden, bleibt auffällig: Sansa wird energischer, aktiver und ist von Rachegedanken beseelt, Arya wird hingegen wieder "menschlicher": sie hinterfragt - zu Jaqen H'ghar Verdruss - die Gründe, weshalb sie die Cersei-Darstellerin töten soll und errät diese Gründe richtig. Dabei erfährt sie nicht nur die Entstehungsgeschichte dieser Assassinengruppe, sondern, dass diese eiskalte Auftragskiller ohne moralischen Impetus sind. Der Auftraggeber des Mordes hat dafür bezahlt, also wird der Mord begangen. Egal, ob dieser Mord moralisch gerechtfertigt ist oder nicht. Und selbstständiges Denken und Fragen ist schon gar nicht erlaubt. Das namenlose Subjekt, kein Individuum mehr, hat zu dienen und nicht die Aktionen kritisch zu hinterfragen.

Dies - so Jaqen H'ghar - sei die letze Chance für "das namenlose Mädchen", eine dritte gäbe es nicht. Die "Halle der Gesichter" erhalte in jedem Fall ein weiteres totes Gesicht: entweder dass des geplanten Opfers, der Schauspielerin, oder - wenn sie nicht gehorchen sollte - das von Arya. Bedeutet dies dann doch, dass der Trailer mit den vielen Gesichtern, der als Motto der Staffel dienen könnte, nur die Toten anzeigt? Müssen dann alle diese Personen sterben - also auch Jon und Tyrion? Valar morgulis? Wir werden es sehen. Schade, dass in den mir vorliegenden Reviews - wohl unter dem Eindruck der emotionalen Schlussszenen um Bran - auf diesen zentralen Satz von Jaqen H'gha" in Bezug auf die Bedeutung der toten Gesichter in der Halle nicht genügend eingegangen wird. Für mich ist dieser Satz nämlich der wichtigste in dieser Folge, weil er uns die Bedeutung des oben genannten Trailers erahnen lässt: dass alles Streben und Mühen der Protagonisten von "Das Lied von Eis und Feuer" vergeblich zu sein und die Menschheit - zumindest Westeros - dem Untergang geweiht zu sein scheint.(Dafür, dass diese Szene durchaus eine zentrale Bedeutung für die gesamte Staffel hat, scheint mir zu sprechen, dass Jaqen H'ghar bei seinem Erscheinen an einer Tür lehnt - der Episodentitel ist also durchaus vielschichtig). Daenerys muss also gar nicht dorthin eilen, um Königin über eine untergehende Zivilsation zu werden; so scheint es mir zumindest. Auf jeden Fall scheint Arya in diesen Szenen "menschlicher" zu werden, wieder die "alte Arya" zu werden, während "dark Sansa" immer stärker wie die Arya der Staffeln 4 und 5, der "Rache-Arya", zu agieren scheint. Wir werden sehen, wohin diese Entwickung führt.

Ergreifend fand ich die Wiedersehensszene zwischen Jorah und Daenerys, ihre Versöhnung und Trennung. Ja, sie mag kitschig sein, aber ich fand sie von beiden Schauspielern grandios herübergebracht: Daenerys, nach ihrer Rachetat an den Khals nun mitfühlend und menschlich und Jorah, der freimütig zugibt, Daenerys zu lieben und lieber seinem Leben ein Ende zu setzen, als an Greyscale in langem Siechtum zu sterben. Die Trennung beider wohl notwendig, aber packend inszeniert.

Stichwort: packend inszeniert: mir hat die Szene in Mereen auch gut gefallen, wobei mir der Friedensschluss mit den anderen Sklavenstädten etwas zu plötzlich kam nach der Auseinandersetzung zwischen Tyrion einerseits und Greyworm und Missandei andererseits in der vorherigen Staffel. Musste hier geschnitten werden? Die Auseinandersetzung zwischen der neuen roten Priesterin und Varys war richtig packend, der Gesichtsausdruck von Colin Hill einfach köstlich. Tyrion wirkte mir hier als ewiger Diplomat und Vermittler etwas (zu) blass, aber insgesamt scheint mir die neue rote Priesterin als Nachfolgerin für Melisandre aufgebaut zu werden. Letztere sieht man zwar kurz im Kriegsrat an der Mauer, aber ich denke nach wie vor, dass ihre Kräfte verschwunden sind und sie keine große Rolle mehr im "Game of Thrones" spielen wird, zumal, wenn die Schattenwolf-Theorie (also die Theorie, dass Ghost über Shaggywolfs Tod Jons Wiederauferstehung bewirkt hat und nicht Melisandre) zutreffen sollte.

Die große Enttäuschung für mich in dieser Folge: Pyke. Euron einfach uncharismatisch, blass, ein "Räuber-Hotzenplotz"-Darsteller, aber kein glaubwürdiger König der Eiseninseln. Der Konflikt mit seinem Bruder, dem Priester, der Eurons Wahl in der literarischen Vorlage verhindern wollte und dann verschwand, wird ebenso unterschlagen wie die Einführung des in den Büchern wohl sehr wichtigen Charakters Victarion, dessen Rolle Euron wohl übernehmen soll. Und dann wird die Flucht von Asha und Theon während der "Taufe" Eurons nicht bemerkt und niemand macht Anstalten, dies zu verhindern? In den Büchern hat mir der "Kingsmot", immerhin eine nur sehr selten stattfindende Veranstaltung, gefallen. Hier wurde entweder geschnitten bzw. gekürzt oder es sollte eine Episode, auf die die Serienmacher nicht verzichten konnten, pflichtgemäß umgesetzt werden; dann geschah dies aber äußerst lieblos. Bitte bitte, liebe Serienmacher, macht aus Pyke kein zweites "Dorne"! X( Mir hat der Pyke-Strang nicht gefallen.

Zur Bran-Szene ist viel gesagt worden. Sie ist großartig, allerdings gefallen mir die vielen Schnitte dazwischen nicht. Hier hätte ich die ganzen Ereignisse um Bran entweder zusammengeschnitten oder zumindest die letzten beiden Bran-Abschnitte nicht durch eine andere Szene (hier den Kriegsrat an der Wall) unterbrochen. Mich haben diese Schnittfolgen gestört: Handlungen hätten hier für mich intensiver gewirkt, wären sie zusammen gelassen worden; zumindest gilt dies für die Bran-Szenen. Zur Frage, ob Bran die Vergangenheit beeinflussen kann - ich teile hier die Theorie von Mario aus den Serienjunkies (vgl. hier, Minute 1:23: https://www.youtube.com/watch?v=BktDN_czlM0) - mische ich mich nicht ein, auf die entsprechende Zusammenfassung bei Melty verweise ich der Vollständigkeit halber nochmal:
a) Hodors tragische Mission: http://www.melty.de/game-of-thrones-sta ... a4349.html
b)IIst Bran Stark in der Lage, die Vergangenheit zu ändern: http://www.melty.de/game-of-thrones-sta ... a4196.html

Der Tod von Hodor gehört zweifellos zu den emotionalsten Momenten der Serie, der Tod von Brans Schattenwolf hingegen wurde lieblos inszeniert. Soll am Ende nur der Albino-Schattenwolf Ghost an der Seite des Azor Ahai Jon Snow übrigbleiben (oder ist nur Daenerys der Azor Ahai und Jon stirbt erneut, was zur Folge hätte, dass sich Melisandre erneut in ihren Prophezeiungen geirrt hätte? Auch dies werden wir sehen.
Natürlich hat mich vieles hier an den siebten Harry-Potter und an Star-Wars erinnert (Vergleiche des mentorenhaften Three-eyed-raven mit Obi Wan Kenobi bzw.Dumbledore in den mir vorliegenden Rezensionen sind wohl nicht zufällig), aber dennoch hat der Nights-King, dessen Kreierung wir durch die Kinder des Waldes miterlebt haben (tja, die wurden die Geister, die sie riefen und sich nun gegen sie wendeten, nicht mehr los) ein unheimliches Charisma, wie es selten ein Zombie-Bösewicht hat; zumindest in dieser Folge habe ich dies so empfunden. Die sagenhafte Schluss-Szene - aber auch die musikalische Untermalung - entschädigt vollkommen für die enttäuschende Pyke-Szene und Ungereimtheiten in Bezug auf Littlefinger, der ein Spieler sein mag, im Buch aber nicht derartig planlos agiert wie in der Serie - wenn Martin dies in "Winds of Winter" nicht noch ändert.

Eine - auch musikalisch klasse unterlegte - insgesamt gute Episode mit vielen Stark-Elementen. Ob sich das Haus Stark allerdings wieder im Aufwind befindet, bezweifle ich; die Gegner sind zu stark, auf Littlefinger ist kein Verlass. Aber dies sind offene Fragen, die in den zukünftigen Folgen beantwotet werden.
4 von 5 Sternen.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 27. Mai 2016 19:55

Ich habe vergessen, mein Review zu Staffel 6 Folge 4 ("Oathbreaker") hier einzustellen:

Review:
Ich fand die Folge 4 der Staffel 6 insgesamt hervorragend. Anfangs erleben wir kurz eine erregte Diskussion zwischen Jon und Ed. Letzterem bleibt unklar, warum Jon seinen Posten als Lord Commander niedergelegt und die Mauer verlassen möchte. Jon macht ihm deutlich klar, dass er an dem Ort, an dem er ermordet wurde, nicht bleiben kann. Gerade rechtzeitig treffen seine Schwester Sansa, Brienne von Tartt und Podrick auf der Mauer ein. Glücklicherweise wurde auf eine lange Beschreibung der Reise verzichtet. Sie wurden - ebenso wie Theon, der in der gleichen Folge seine Schwester Asha (Yara) wieder sieht, nicht von den Boltons erwischt. Ein Motiv dieser Folge ist die Wiedervereinigung von Geschwistern, wobei die Schwestern die deutlich aktiveren Parts darstellen. So ist es sofort Sansa, die Jon nach einer emotional sehr eindrucksvollen Wiedersehensfreude mit dem musikalischen Stark-Motiv als Thema an seine Pflichten erinnert. Er soll Winterfell, sein "Heim" wieder erobern und in Besitz nehmen. Am Ende - nachdem der Brief Ramsey Boltons mit schrecklichen Drohungen gegenüber seinen Gefangenen eingetroffen ist (wir kennen ihn bereits aus dem letzten Jon-Kapitel in Buch 5 (1ß deutsch) hat sie damit endlich Erfolg. Aber 2000 Wildlinge gegen 5000 Anhänger der Boltons? Wie dies wohl ausgeht?
Spannender als diese Szene ist die Begegnung zwischen Sir Davos, dem treuen Diener von Stannis, und Brienne von Tartt, der treuen Dienerin von Renly Baratheon und Mörderin an Stannis. Etwas spät - wie ich finde - fällt es Sir Davos ein, sich genauer nach dem Schicksal von Stannis und Shireen bei Melisandre zu erkundigen, nachdem diese ihm erklärt hatte, dass sie nun Jons Befehlen folgen wäre, denn er - nicht Stannis - sei der wiedergeborene Azor Ahai, was Stannis zu einer bissigen Bemerkung über Melisandres Fähigkeiten veranlasst (und meines Erachtens ein weiteres Indiz dafür ist, dass Melisandre außer der Schaffung von Illusionszaubern keine weiteren übernatürlichen Fähigkeiten nach der "Zeugung" von Renlys Schattenmörder mehr besitzt und die "Schattenwolf"-Theorie zutreffen dürfte). Melisandre geht auf Shireens Schicksal nicht ein und erklärt nur, Stannis sei auf dem Schlachtfeld besiegt worden. Es ist Brienne von Tartt, die plötzlich ahnt, welche Rolle nicht nur Stannis, sondern auch die "Rote Priesterin" bei dem Tod von Renly gespielt hat. "I won`t forgive", sagt Brienne von Tartt mit bissigem Blick gegenüber Melisandre. Da es eine entsprechende Szene schon einmal gab, vermute ich, dass Melisandre, die eben m.E. über keine übernatürlichen Fähigkeiten verfügt, von Brienne von Tartt getötet wird - wie Stannis. Melisandre strahlt förmlich Unsicherheit und schlechtes Gewissen aus und Sir Davos scheint nun auch mehr über ihre Rolle beim Tod von Stannis und Shireen zu ahnen, als für Melisandre gut ist.
Spannend sind auch die weiteren Szenen, die dieses Mal sehr gut ineinander verzahnt und endlich so lang geraten sind, dass die einzelnen Personen, ihre Charakterentwicklung und die Dialoge gut zur Geltung kommen. Dies ist - obwohl es sich mit Daniel Sackham um den gleichen Regisseur wie in Folge 3 handelt - der größte Unterschied zur vorherigen Episode 3, finde ich. Besonders spannend für mich das Zusammenspiel zwischen Lady Olenna und Cersei in King`s Landing. Die Spannung vor dem unvermeidlichen Konflikt zwischen Lannisters, Tyrells und den Anhängern des "Hohen Spatzes" ist mit den Händen zu greifen. Tommen macht den Fehler, seiner Mutter zu erzählen, dass der High Sparrow für Margery - wie bei Cersei - einen "Walk of Atonement" plant, also einen Büßermarsch. Cersei berichtet dies dem Rat und bringt so Lady Olenna auf ihre Seite: "Better them then we" (die)" ruft Lady Olenna aus, die - wir sehen es wieder - es mit Cersei an Skrupellosigkeit durchaus aufnehmen kann. Starke Frauen, mal wieder. Dazu passt, dass sich Margery nicht wie der gutmütige Tommen so leicht vom High Sparrow einwickeln lässt, wobei wir über seine Herkunft und seine Hinwendung zum Glauben einiges erfahren. Margery lässt sich nicht beirren und dringt mit ihrem Wunsch durch, ihren - völlig gebrochenen - Bruder Loras zu sehen, den sie wieder aufrichtet. Die Kritik an dem Missbrauch von religiösen Dogmen wird in diesen Szenen wieder einmal sehr deutlich. Der High Sparrow hat jeden Falls Machiavellis "Fürst" sehr gut studiert, so perfekt versteht er es, seine Umgebung zu manipulieren. Wenn es nach Jaime und Cersei geht, die hier erneut perfekt miteinander harmonieren, nicht mehr lange...
Da gibt es noch einen Manipulator: Littlefinger. Diese Szene hat mir insgesamt am wenigsten gefallen, weil mir sein Auftauchen und seine Motive völlig unklar geblieben sind. Hätte ich nicht heute ein Interview mit Aiden Gillen gelesen, in welchem dieser erklärt,Littlefinger habe Ramsey falsch eingeschätzt und wolle seinen Fehler, Sansa nach Winterfell gebracht zu haben, wieder korrigieren (http://www.prosieben.de/stars/news/game-…an-sansa-051287), hätte ich die auf der Ayre spielende Szene nicht verstanden. Littlefinger erfindet einen Überfall durch die Boltons und Lord Royce vom "Grünen Tal" nimmt ihm dies ungefragt ab (gibt es keine Raben?) und lässt sich schnell - allzuschnell - zum Sündenbock und potentiellen Verräter abstempeln. Littlefinger jedenfalls kann sich - ähnlich wie Melisandre zuvor - über seine eigene Rolle in dieser Angelegenheit herausreden und Lord Royce muss froh sein, nicht auf Befehl des launischen Bengelchens Robert Aryn jr. in das Mondtor geworfen zu werden, sondern eine zweite Chance zu erhalten: er soll sich ins Kampfgetümmel stürzen, d.h. gegen die Boltons marschieren. Jon Snow und Sansa bekommen also Verstärkung. Aber ob dies reicht? Gegen die Boltons und den skrupellosen Ramsey damit zu gewinnen?
A pros pros Ramsey: wir sehen in einer kurzen Szene, wie Osha versucht, ihn mit dem Messer umzubringen (wie sie dies in Winterfell erfolgreich bei der Flucht von Bran und Rickon praktiziert hatte), doch sie erreicht das Messer zu spät: Ramsey kommt ihr zuvor und wird seinem Ruf als Monster mal wieder voll gerecht. Allerdings passt diese Szene dieses Mal in die Dramaturgie der Handlung: denn unmittelbar darauf folgt die Szene, in welcher Jon den an ihn gerichteten Brief von Ramsey liest. Er erklärt darin, Rickon in seiner Gewalt zu haben und fordert die Auslieferung Sansas, seiner Braut, sonst....
Vielleicht kann Ramsey noch durch die Drachen und Daenerys Targaryen aufgehalten werden. Hier zeigt sich, dass die Serie eben nicht "vorhersehbar" ist. Ich hätte auf ihre Befreiung in dieser Folge getippt: aber mit Hilfe ihres Drachen Drogon oder seiner Drachengeschwister Rhaegar und Vyseris. Nein, Daenerys, vor den Rat der Khals gezerrt, kriecht nicht zu Kreuze, entfacht ein Feuer und tötet die sie verurteilenden Khals. Sie scheint auf jeden Fall feuerfest zu sein. Ihre Gegner sind vernichtet, sie ist nun unbestritten die Herrscherin der Dothraki. Nach dieser erneuten Machtdemonstration fallen ihr alle Untergebenen der Dothraki samt ihrer beiden Beschützer, Daario Naharis und Sir Jorah, die sie mittlerweile gefunden haben, zu Füßen. Der Eroberung von Westeros steht, wenn es Daenerys denn nun will, nichts mehr im Wege. Oder geht es wieder nach Meereen? Dort versucht Tyrion, für Ordnung zu sorgen und die Söhne der Harpyrie zu entmachten, indem er den Sklavenhändlern der entsandten dortigen Städte einen Kompromiss anbietet: die Sklaverei soll sieben Jahre aufrecht erhalten werden, wenn Mereen dafür Frieden und eine Atempause erhält. Kein Wunder, dass dieser Vorschlag bei Missandei und Grey Worm nicht auf Begeistrung stößt. Erstmals befindet sich Tyrion gegenüber Grey Worm und Missandei in der Defensive: der sonst so schüchterne Grey Worm hält ihm vor, nicht er nutze mit seiner in King`s Landing erprobten Gerissenheit die Sklavenhändler aus: er, Tyrion, werde von diesen "benutzt".
Schön, dass Grey Worm nun endlich einmal aktiv wird und nicht nur devot den Befehlen Tyrions gehorcht, der möglicherweise hier wirklich einmal an seine Grenzen stößt, obwohl Tyrions Motive durchaus nachvollziehbar sind: besser, einen Frieden mit seinen Feinden erreichen als einen aussichtslosen Kampf führen. Doch - wie ich schon in einer früheren Review anmerkte: offenbar schlägt bei "Game of Thrones" nicht die Stunde der kompromissbereiten Führer: es sind - man blicke in dieser Folge auf King`s Landing und die Auseinandersetzung zwischen Lady Olenna/Cersei contra Kevan Lannister - die kompromisslosen Hardliner, die sich durchsetzen. Das "Schachbrett" für den großen Konflikt, der zum Untergang der Zivilisation in Westeros führen könnte (um dann auf deren "Trümmern" die Auseinandersetzung zwischen Eis (Night-King, Untonten) gegen Feuer (Daenerys als Azor Ahai? in einem großen finalen Kampf folgen zu lassen???), ist auf jeden Fall mit dieser Folge, die den Tod vorbereitet (Valar morgulis?) vorbereitet. Der Titel der Episode weist - wie ich heute in einer Rezension gelesen habe - nicht umsonst auf den Todesgott von Westeros hin ("Book of Stranger"). Keine guten Aussichten für die Protagonisten. Aber wer war im "Game of Thrones" je sicher?
Insgesamt eine packende Folge mit emotionalen Höhepunkten. Thematisch sind mir die vielen starken Frauenfiguren und die Vereinigungen bislang getrennter Geschwister als Leitmotiv dieser Folge aufgefallen. Lange Sequenzen, gute Dialoge und passende Musik (etwa das Stark-Thema beim Wiedersehen von Sansa und Jon) runden diese gelungene Episode ab. Sie ist m.E. nicht nur deutlich stärker als Folge 3 sondern die bislang beste Episode der Staffel 6. Einzig der Littlefinger-Strang hat mich nicht so sehr befriedigt, seine Motive, nach Winterfell zu ziehen, werden mir nicht genügend verdeutlicht und Lord Royce lässt sich meiner Meinung nach allzu schnell zum Sündenbock der Ereignisse um Sansa Stark machen. Ansonsten: sehr gute Folge. 4,5 von 5 Punkten
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 20. Jun 2016 20:28

Anmerkungen zu Episode 9: "The battle of the Bastards" von Game of Thrones (Staffel 6):
Die Stunde der Rache ist gekommen

"Revenge" - Rache. So hätte man diese Episode, die meines Erachtens die beste dieser Staffel und - neben "Blackwater" und "Hardhome" die beste Schlachtenepisode von "Game of Thrones" überhaupt ist, auch betiteln können.
Zunächst erleben wir, wie die Söhne der Harpyrie zusammen mit den Sklavenstädten Mereen angreifen und das von Tyrion initierte Abkommen einfach brechen. Die Städte denken, das Recht läge beim Stärkeren und haben nur mit einem nicht gerechnet: "Mad Queen" Daenerys. Diese erwähnt, dass sie aufständischen Städte niederbrennen und ein Exempel statuieren möchte (es ist bezeichnend, dass hier erneut das Niederbrennen von Städten thematisiert wird, wenn wir an die Wildfire-Theorie denken, von der ich sicher bin, dass diese in King`s Landing in der nächsten Staffel eingeleitet werden wird). Doch Tyrion, der hier in der Rolle als Berater wieder zu altem Glanz aufläuft (und viel besser agiert als in den vorangegangenen Episoden mit Varys, vielleicht, weil Varys ihm auch nicht die "Schau" stehlen kann) kann Daenerys diesen Plan ausreden und mäßigend auf sie einwirken. Die verräterischen Sklavenhändler, die das Abkommen mit Mereen gebrochen hatten, werden hingerichtet. Nur einem, demjenigen, der seine Kameraden nicht verraten hatte, wird die Rückkehr in seine Städte gestattet, um von den Geschehnissen zu berichten. Denn Daenerys hat mit ihren drei Drachen - ja, nicht nur Drogon, sondern auch die aus ihren Kerkern entflohenen Rhaegar und Vyseris greifen mit in das Kampfgeschehen ein - die gegnerischen Schiffe in Brand gesetzt und - im Verein mit ihren dothrakischen Verbündeten - den vollständigen Sieg errungen. Der Hilfe von Yara und Theon, die später eintreffen, hatte es nicht mehr bedurft. Daenerys konnte sich auf ihre eigene Kraft verlassen - und ihre Drachen. Während das Gespräch zwischen Tyrion und Theon Graufreund eisig verläuft (Tyrion hatte Theon die Demütigungen aus Staffel 1 in Winterfell nicht vergessen - ebenso wenig, dass Theon - wie Tyrion dachte - die Stark-Kinder ermorden ließ, was Theon zwar richtig stellt, aber dennoch kann das Eis zwischen beiden nicht gebrochen werden), verstehen sich Daenerys und Yara, die beiden "Powerfrauen" mit ähnlichen sozialen Hintergründen, blendend. Beide gehen ein Bündnis ein und wollen zusammenarbeiten. Yara hilft Daenerys, Westeros mit Schiffen zu erobern, falls sich Daenerys hinter sie und nicht ihren Onkel Euron stellt und ihr die Herrschaft über die Eiseninseln überlässt.

Dieser Teil der Episode ist gut und solide, v.a. die Szenen mit den drei Drachen und auch die "Performance" von Tyrion, der hier zu alter Form als Berater "aufläuft". Dennoch kommen Rhaegar und Vyseris mir zu sehr als "Deus ex machina" vor: zu plötzlich sind sie - wie Daenerys eine Folge zuvor - "rechtzeitig" an Ort und Stelle. Perfektes Timing kann - zu häufig angewandt - genau diesen Effekt haben und dies ist in dieser Staffel schon zu häufig geschehen. Doch alles ist in dieser Episode nur die Vorspeise zur großen Schlacht, zur Auseinandersetzung der beiden Bastarde, Jon und Ramsey, die hier ihren Höhepunkt und Abschluss finden.

Ich habe solch eindrucksvolle Schlachtenszenen eigentlich nur aus einem Mittelalter-Film in Erinnerung, Heinrich V. aus dem Jahre 1989 (vgl hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_V._%28Film%29). Die Schlacht einzeln zu beschreiben spare ich mir. Hier sei nur gesagt, dass Ramsey, so bösartig er ist, ein begabter Stratege ist: er schafft es, Jon buchstäblich aus der Reserve und in eine Falle zu locken. Dabei benutzt er Rickon als Köder. Die Szenen um Rickons Tod, der von vielen erwartet worden war, sind die intensivsten Szenen in dieser Folge: eine solche emotionale Wucht hatten zuvor in dieser Staffel nur die Szenen um Hodor am Ende von Folge 5. Sehr an "Herr der Ringe" bzw. den "Hobbit" erinnert das plötzliche Erscheinen von Littlefinger, der in der Tat Sansa zu Hilfe kommt. Welchen Preis er dafür fordern wird, werden wir in der nächsten Episode sehen, der entsprechende Trailer verweist darauf. Visuell sind die Kampfszenen, das Grauen des Krieges ungeheuer eindrucksvoll. Dass diese Episode zu den teuersten der Fernsehgeschichte überhaupt gehört und die Folge die doppelte Drehzeit hatte, glaube ich daher gerne. Zusammen mit "Hardhome" und "Blackwater" gehört diese Episode zu den besten der gesamten Serie und erhebt - dies sei jetzt schon gesagt - Staffel 6 weit über ihre Vorgängerin, die 5. Staffel, auch wenn sich zeigt, dass diese die jetzigen Ereignisse vorbereitet hat.

Der für mich unheimlichste Moment war jedoch der, als Sir Davos sein kleines Geschenk - den Hirsch - am Hinrichtungsort von Shireen findet und nun die Ereignisse um den Tod von Shireen erahnt - und auch, wer dafür verantwortlich war. Er schwört Melisandre Rache.

Der Dialog zwischen Jon Snow und Melisandre (Jon fordet Melisandre auf, ihn im Falle, dass er in der Schlacht fällt, nicht erneut von den Toten ins Leben zurück zu holen und Melisandre lehnt dies mit dem Hinweis ab, sie tue das, was der Lord of Light ihr eingebe, auch wenn sie dessen Zeichen nicht immer korrekt deuten könne), zeigt mir in aller Deutlichkeit, dass Melisandre selber nicht weiß, warum Jon wieder ins Leben kam. "I don`t know" sagt sie auf die Frage, wie ihr die Wiedererweckung Jons ins Leben gelungen sei. Für mich ein erneuter Hinweis, dass es der Tod von Rickons Schattenwolf und nicht Melisandres Fähigkeiten waren, die Jons Rückkehr ins Leben bewirkt hat. Dies könnte interessant werden, wenn Sir Davos - laut Trailer wohl in der nächsten Folge - von Melisandre Aufklärung über das Schicksal von Shireen fordern und sicherlich an ihr Rache nehmen wird. Denn dann wird sich zeigen, dass Melisandre ihre zauberhaften Fähigkeiten verloren hat (Wer ganz kritisch sein möchte, kann sich an dieser Stelle natürlich fragen, warum Melisandre nicht gebeten wird, Rickon ins Leben zurück zu holen oder dies versucht, aber gut). Die Rache von Sir Davos an Melisandre wird sicherlich äußerst spannend werden. Der Gesichtsausdruck von Sir Davos verrät jedenfalls nichts Gutes...

Über das Ende von Ramsey Bolton möchte ich schnell hinweggehen, weil dies nichts anderes ist als Befriedigung der Fans und Bedienung niedrigster Racheinstinkte, um Quote zu machen. Leider. Man mag argumentieren, dass Sansa viel hat durchmachen müssen und von Ramsey vergewaltigt worden war, auch, dass Krieg zu einer allgemeinen Verrohung der Sitten und zivilisierten Rechtsnormen führt und die Tötung Ramseys daher notwendig war. Mich haben diese finalen Szenen - vor allem das Lächeln Sansas - schaudern lassen. Ich hatte sowieso den Eindruck, dass Sansa eine eiskalte Machiavellistin und Realistin ist. Sie ahnte, dass sie Rickon nicht lebend aus Ramseys Gewalt würde befreien können und möglicherweise nahm sie sogar Jons Tod billigend in Kauf.Jetzt steht nur noch der "Bastard" Jon zwischen ihr und dem Erbe von Winterfell. Wenn sie Littlefinger heiraten sollte, wovon ich ausgehe, wäre sie Erbin der Ayre und von Winterfell - wenn Jon stirbt. Ich wieß nicht, ich habe da ein äußerst ungutes Gefühl, was diese beiden Geschwister angeht. Geschwisterrivalitäten ziehen sich - neben dem "Home"-Thema wie ein roter Faden durch diese Staffel und Jons Bemerkung gegenüber Melisandre über seinen möglichen erneuten Tod bzw. Melisandres Hoffen auf Jon als neuen Azor Ahai, lassen mich stutzig werden: wird "dark Sansa" Jons Tod verursachen oder billigend in Kauf nehmen? Wird Littlefinger Jon - wie Lysa - opfern, um Sansa heiraten zu können? Mir schwarnt, wie gesagt, übles. Abwarten.

Dennoch - alles in allem - die beste Folge dieser Staffel und diese Folge wird - zumindest, was die Schlacht in Winterfell angeht - neben "Hardhome" und "Blackwater" zu den "großen Drei" der Serie gehören. :hurra1: :hurra1: :hurra1:
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 27. Jun 2016 20:48

Daran knüpft sich die alte Streitfrage: ob es besser sei, geliebt zu werden als gefürchtet, oder umgekehrt. Die Antwort lautet, daß es am besten wäre, geliebt und gefürchtet zu sein; da es aber schwer ist, beides zu vereinigen, ist es weit sicherer, gefürchtet zu sein als geliebt, wenn man schon auf eins verzichten muß. [...] Es ist wohl zu beachten, daß ein Fürst, zumal ein neuer, nicht alle Tugenden befolgen kann, die den guten Ruf der Menschen begründen, da er oft genötigt ist, um seine Herrschaft zu behaupten, gegen Treue, Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Religion zu verstoßen.



Quelle: Niccolo Machiavelli: Der Fürst. Stuttgart: Reclam-Verl., 1981, S. 101 und S. 105.

Ein Review zu der für mich emotionalsten und wichtigsten Folge von "Game of Thrones" zu schreiben, fällt mir sehr schwer, weil diese finale Folge eine Kompromisslosigkeit im Streben um das Spiel der Throne aufzeigt, wie ich sie - trotz der Steigerungen in Staffel 5 und den bisherigen Folgen von Staffel 6 nicht für möglich gehalten hatte. Die obigen Sätze von Niccolo Macchiavelli sind in dieser Folge meines Erachtens für das Handeln von Cersei Lannister, der "mad queen" entscheidend. Bislang war Cersei Lannister eine "dunkle Königin", deren bösartige und rachsüchtige Züge durch die Liebe zu ihren Kindern gemildert wurden. Cersei Lannister erschien mir daher trotz allem immer als en "grauer Charakter", von denen es in der Buchvorlage von George R.R. Martin nur so wimmelt.

In dieser Folge zeigt sie ihr wahres Gesicht: gebrochen durch den "Walk of Atonement" und die Abwendung ihres Sohnes Tommen, wird sie zur zerstörerischen Mad Queen. Alle ihre Liebe zu ihren Kindern mag vorhanden gewesen sein, aber Macht - und zwar nur Macht für sich selbst ohne Rücksicht auf Treue, Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Religion wird - wenn es hart auf hart kommt - zum einzigen Lebensziel von Cersei Lannister. Diese Enwicklung kommt nicht unerwartet, sie ist keinesfalls "out of character", sie war vielfach prophezeit worden und doch haben mich die Ereignisse in King`s Landing mit einer emotionalen Wucht getroffen wie keine Folge der Serie - nicht nur der Staffel - zuvor. Geschickt haben die Macher - im "Inside the episode" Video wird es deutlich - auf diese entscheidenden Momente hingearbeitet.

Ich hatte schon einmal früher bemerkt, dass alle Figuren, die zu Mäßigung rieten oder den Willen bzw. die Fähigkeit zum Kompromiss besaßen, mehr und mehr "dezimiert" wurden: es begann in der Staffel 6 mit der brutalen Ermordung des Fürsten von Dorne durch seine eigene Familie und endet nun erwartungsgemäß mit Tommens Tod und dem Aufstieg Cerseis zur "dunklen", wahnsinnigen Herrscherin. Und auch ihre Gegenspielerinnen, Daenerys Targaryen und auch Sansa Stark haben dunkle Züge in sich. Die Versöhnung zwischen Sansa und John ist nur eine vorläufige und scheinbare Beruhigung. Die Versuchung für "dark Sansa" lauert in Littlefinger und dies wird sowohl in der Konversation zwischen dem "Erlkönig" Littlefinger und Sansa wie auch in den letzten Blicken zwischen Sansa und Littlefinger deutlich, als John - fatale Parallelität der Ereignisse? - zum "King of North", dem König des Nordens, gekrönt wurde. Gab es da nicht schon Robb? Nachdem Melisandre als Helferin im Kampf gegen den "Knight King" ausfällt, da sie vom ehrenwerten John verbannt wurde (töten wollte er seine - mögliche - Lebensretterin denn doch nicht), fällt sie als Beraterin und Magierin (sollte sie noch über magische Kräfte verfügen) gegen den Nachtkönig aus - und könnte sich aus Rache sogar gegen Jon wenden. Für mich scheint klar, dass Sansa in Staffel 7 den Versuchungen von Littlefinger erliegen und sich gegen Jon wenden wird - der ihr im Weg steht und - wie wir jetzt amtlich wissen - kein reiner Stark ist: die R+L=J-Theoroe wurde ja in dieser Folge bestätigt. Sollten an Jons Ansprüchen als "König des Nordens" und Herrn von Winterfell Zweifel aufkommen; jetzt steht nur noch Bran zwischen der "Lady von Winterfell" und Jon. Da ist doch die Versuchung groß, dem Schicksal ein wenig nachzuhelfen.... Wer die letzten Blicke zwischen Sansa und Littlefinger sieht, den beschleichen schlimme Gefühle. Nicht nur ist die Parallelität zwischen der letzten Folge von Staffel 1 - der Proklamation Robbs zum "King of North" - den jetzigen Ereignissen zu ähnlich; auch Robb wurde letztlich gefällt durch die Zuneigung zu einer Frau. Hier gibt es geschwisterliche Zuneigung, aber auch hier lässt die Versuchung - siehe das Eingangszitat von Machiavellis Fürst - zu eigener Macht verwandtschaftliche Bande wohl brüchig werden. Dass Familienzwiste um der Macht willen in der Serie häufig vorkommen, lässt mich für die zukünftige Beziehung Sansa-Jon nichts gutes erwarten: ich glaube nicht - zumal Wiedererweckein Melisandre fehlt - dass Jon das Finale der Saga erleben wird. Wer dann der Azor Ahai sein wird, werden wir sehen. Ein möglicherweise spannendes Aufeinandertreffen steht in dieser düsteren Dystopie bevor: da wird dem "Knight" King wohl viel Arbeit abgenommen werden, bevor der Endkampf zwischen ihm und dem "Feuer", Daenerys Drachen, erfolgen wird - geritten wohl von den "Drei Köpfen des Drachen", die möglicherweise zusammen den Azor Ahai bilden werden: wer immer das auch sein wird.

Könnte es Samwell Tarly sein, der treue Helfer, dessen Namen nicht von ungefähr an den eines Protagonisten aus dem "Herrn der Ringe" erinnert? Die ihn betreffenden Szenen sind die erfreulichsten in dieser finalen Folge: er trifft in Oldtown ein, um Master zu werden und darf bis zu einer endgültigen Entscheidung über seine berufliche Zukunft dort die Bibliothek benutzen - aber bitte ohne Frau und Kind. Strahlend zieht er ab, aber wenn wir an das finale Kapitel von Band 4 denken, sieht es auch um seine Zukunft nicht rosig aus.

Dass die Zeit der Kompromisse zu Ende geht, sieht man auch daran, dass sich die von dem Tod ihrer Familie durch das Wildfire in King`s Landing schon informierte Lady Olennah voller Rachegedanken mit "den" Psychopathinnen der Serie verbündet: den Schlangen von Dorne. Diese teilen der ganz in schwarz gekleideten alten Dame mit, dass die Lannisters dem Haus Tyrell und Dorne den Krieg erklärt haben und erkären sich bereit, gegen Cersei zu kämpfen und diese zu töten; dem Wunsch von Lady Olennah, die letztlich den Tod ihrer Widersacherin Cersei herbeisehnt (zumal sie sich vorwerfen lassen muss, in Cersei den Plan zur Zerstörung Winterfells und Vernichtung ihrer Gegner durch schonungslose Schilderung ihrer eigenen Isolierung hervorgerufen zu haben; so jedenfalls die Macher der Serie im "Inside of the episode" Video), wird sicherlich entsprochen werden. Für einen Kompromiss steht in der kommenden Konfrontation zwischen den Martells, den Tyrells auf der einen und den Lannisters auf der anderen Seite niemand mehr. Jon dürfte durch die Bedrohung des Knight Kings abgelenkt sein, Daenerys wird Westeros erobern wollen. Ob sie den Martells und Tyrells gegen die Lannisters beistehen wird - zumal Tyrion ja noch eine Rechnung mit Cersei und Jaime offen hat? Wir werden es in Staffel 7 sehen.

Ich erwähnte gerade Jaime und Cersei. Die letzten Bilder der Krönung der "wahnsinnigen" Königin lassen nichts Gutes in der Beziehung zwischen Jaime und Cersei vermuten; die finsteren Blicke, die sie sich beide während der Krönungszeremonie zuwerfen, sprechen doch Bände. Jaimie mag Cersei geliebt haben, wie er ja auch mehrfach betont hat; die Mittel, die Cersei gewählt hat, werden ihm zu weit gegangen sein. Natürlich hat Tommen sich formal selbst getötet und wurde nicht von Cersei umgebracht. Schuldig an seinem Tod ist sie dennoch und dies wird Jaime so sehen. Ich tippe auf den "Queens-layer", den Königinnen-Mörder, den VALONQUAR Jaime Lannister. Nicht Tyrion, sondern Jaime wird Cersei töten - und möglicherweise sich selbst. Davon bin ich jetzt felsenfest überzeugt.

Ja, in gewisser Weise hat sich die Serie als berechenbar erwiesen - dies waren die ersten drei Staffeln meiner Meinung nach nicht. Aber alle bisherigen Theorien sind eingetroffen. Sogar, dass Arya Walder Frey töten würde - nachdem sie schon dessen Söhne getötet und dem Vater als Speise zum Essen vorgesetzt hatte. Die Parallelität zu Sansas Verhalten gegen Ramsey Bolton am Ende der vorherigen Episode fällt auf. Assassinin Arya wurde zu "dark Arya" - noch ein Hinweis mehr, dass Sansa in künftigen Episoden zur "dark Sansa" werden könnte. Beide Szenen - die Rache Aryas an Walder Frey wie auch die Rache Sansas an Ramsey Bolton - dienten zur Befriedigung der Fans und haben meiner Meinung nach niederste Fan-Instinkte bedient. Für mich war dies bislang nicht der Stil von GRRM; wir werden sehen, ob er in den noch zu veröffentlichenden Büchern diesbezüglich einen anderen, differenzierteren Weg geht. Zu hoffen wäre es. Natürlich hat mir auch gefallen, wie Jaime dem alten Walder Frey die Meinung gesagt hat; dennoch gehören die Szenen in den Twins zu den schwächeren Szenen; immerhin ist die Arya-Story nach haarsträubenden handwerklichen Fehlern in den Folgen 7 und 8 nun zu einem konsequenten Abschluss gebracht worden: Arya ist einerseits in der Tat Arya Stark, die ihre Familie rächt, andererseits die gewissenlose Assassinin und "No one" - dies muss "Sexy Jesus", Verzeihung: J H gewußt oder geahnt haben, als er sie lächelnd entließ. Vielleicht besitzt er ja auch - wie Bran - die Fähigkeit der Präkognition.

Schön, dass wir hier auch noch Szenen von Bran sehen und dass die R´+L=J-Theorie noch in dieser Staffel aufgelöst wird. Die Platzierung allerdings - die "Auflösung" erfolgt unmittelbar von den Szenen um Jons Krönung zum König von Winterfell im Norden und Sansas ambivalentem Verhalten - lässt in mir als Zuschauer ambivalente Gefühle zurück: ich sehe schwarz für Jons Zukunft und lege mich hier fest: er wird sterben - und zwar keines natürlichen Todes - und Sansa und Littlefinger werden hierbei m.E. eine entscheidende Rolle spielen. "Mad Queen" Cersei, "Mad Queens" von Dorne, "Mad Queen-Grandmother" Olennah, "Mad Queen" Sansa? Zumindest scheint dem "Knight King" bis zum endgültigen Kampf zwischen "Eis" und "Feuer" - also Daenerys und ihren Drachen - viel Arbeit abgenommen zu werden, da er auf zerstörte Landschaften treffen könnte. "Dark Fantasy" mit düsterem Realismus und den obigen Leitsätzen Machiavellis als Motto von "Game of Thrones" - so stellt sich die finale Folge und die insgesamt doch gute sechste Staffel dar. Leider müssen wir nun ein Jahr warten, bis wir mehr wissen. Ob uns in der Zwischenzeit der langerwartete Band "Winds of Winter" von George R.R. Martin weitere Hinweise geben wird?
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 21. Jun 2017 19:35

"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 17. Jul 2017 18:35

Review von Felix Boehme von den Serienjunkies zur 1. Episode von Staffel 7 hier: https://www.serienjunkies.de/news/game- ... 84447.html

Mein Kommentar hier:
Mir hat diese Auftaktepisode durchaus gut gefallen. Sie war von insgesamt ruhigem Erzähltempo gehalten und wenn man von der grausigen Auftaktszene absieht (Arya schlachtet alle Freys ab) so lag der Schwerpunkt eher auf der langsamen Entwicklung der Charaktere. Mir haben erstaunlicherweise am besten die Szenen mit Samsa gefallen. Sie ist für mich keine Verräterin, sie hat Angst um Jon, der die gleichen Fehler machen könnte wie Ned Stark und sein Bruder Robb. Littlefinger integriert daher auch erfolglos gegen Jon - noch.
Besonders interessant fand ich auch den Dialog zwischen Cersei und Jaimie. Ohne Verbündete - dies macht Jaimie Cersei klar - kann sie nicht siegen. Die in der vorherigen Staffel zu schnell gehende Entfremdung zwischen Cersei und dem verstorbenen Tommen wird nachträglich erklärt: Cersei erklärt Jaimie kaltschneuzig, Tommen habe sie "verraten". Tod des Sohnes damit abgehakt. Keine Mutterliebe, reiner Egoismus von machtgierigen Despoten, die überall nur Verräter sehen - die Geschichte kennt genügend Beispiele. Die Entfremdung zwischen Cersei und Jaimie ist absehbar. Grandiose schauspielerische Leistung beider Charaktere.

Die anderen Szenen - o.k., aber nicht herausragend - die Begegnung von Euron mit Cersei und Jaimie, Aryas Begegnung mit den Lennisters, die häufig als überflüssig empfunden wurde, aber ihr Gelegenheit gibt, ihr nächstes Ziel zu verraten: "die Königin", Cersei Lannister, zu töten, Sams Szenen in der Zitadelle mit dem "Harry Potter"-Moment, alles gut, aber: wenn ich bedenke, dass nur noch 12 weitere Folgen kommen, mir doch etwas "zu wenig Erzähltempo." So weit mein erster Eindruck einer insgesamt soliden Auftaktepisode. Aber nun sollte es auch losgehen, das Tempo m.E. angezogen werden. Die Bewertung der - wie immer hervorragenden - Review von Felix Boehme teile ich.

Ein nachträglicher Gedanke noch zur Anfangsszene: Arya mit dem Gesicht Walder Freys ermordet die Freys. Könnte es sein, dass Arya die Gestalt von Jaimie annimmt und Cersei tötet? Dann hätte die Propzezeiung, ein "Valonquar", der "jüngere Bruder" töte Cersei, durchaus einen Sinn. Jaimie selber wäre nicht der Täter, aber Arya hätte ihr Ziel "als Jaimie" erreicht. Und natürlich sind alle Tode der Serie hinterfragbar: ist Ned Stark wirklich gestorben oder wurde er gerettet und es starb an seiner Stelle ein "faceless man?" Nicht wahrscheinlich, aber für irgendetwas muss die lange Anfangsszene - neben reinem "Fanservice" ja einen Sinn haben.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Ermione » 20. Jul 2017 18:54

Nach Tommens Tod bleibt ohnehin für den Valanquar nur mehr Jaime üblich, denn Tyrion wäre eine etwas zu plumpe Auflösung, da Cersei gerade immer das befürchtet hat. Allerdings wäre es doch ein wenig enttäuschend, wenn Cersei von Arya in Jaimes Gestalt getötet würde, da würde eine ganze Menge Potential verschenkt werden.
Ermione
 
Beiträge: 7
Registriert: 06.2008
Geschlecht: nicht angegeben

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 23. Jul 2017 20:58

Das sehe ich genauso. Das "dramaturgische Potential" läge doch genau darin: Jaimie wird vom Königsmörder zum Königinnenmörder. Und wenn meine Vermutung stimmen sollte, dass Jaime und Cersei nicht Kinder von Tywin Lannister, sondern uneheliche Kinder des irren Königs sein sollten (und Tyrion der einzige Sohn von Tywin Lannister), dann wären Jaimie und Tyrion auch Vatermörder. Das hätte in der Tat die Qualität eines menschlichen Dramas. Dennoch zeigt der Auftritt Aryas als Walder Frey - in einer längeren Szene, denn es "dauert" ja, allen Freys Walder Frey glaubhaft vorzuspielen, bevor man sie alle - mit einer Ausnahme, der jungen Frau von Walder Frey - tötet, dann heißt dies in der Tat: wir können nicht wissen, wer in welcher Gestalt steckt. Morgen abend geht die 2. Folge über die Bühne, darauf bin ich sehr gespannt.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 24. Jul 2017 20:25

Review von Felix Boehme von den Serienjunkies zur 2. Episode: "Stormborn": https://www.serienjunkies.de/news/game- ... 84612.html

Mein Kommentar dazu bzw. mein Eindruck dieser Episode:
Ingesamt - wie immer - eine sehr gute Review von Felix. Die Szene mit Arya und Nymeria gehört zu meinen Lieblingsszenen der gesamten "Game of Thrones"-Reihe. Arya wird - dies zeigte schon die Begegnung mit den Lannisters in der vorangegangenen Folge - wieder "menschlicher" und Maysie Williams bringt dies phantastisch herüber. Emotional hat mich diese Szene - der Blick von Nymeria auf Arya - so mitgerissen wie ansonsten nur Hodors Tod. Wahrscheinlich ein endgültiger Abschied zwischen Arya und Nymeria, aber auch eine Versöhnung. Nymeria und ihr Rudel haben Arya am Leben gelassen und nicht getötet. Eine wunderbare und vielschichtig interpretierbare Szene. Schon deshalb hat sich die Episode gelohnt.
Auch alle Szenen in King`s Landing fand ich spannend, vor allem die Szene, in dem Quyburn Cersei triumphierend eröffnet, eine Waffe gegen Drachen gefunden zu haben.

Insgesamt zeigt diese Episode etwas, was die Spannung erhöht: Der Kampf zwischen Daenerys und Cercei ist längst nicht entschieden; Cersei steht nicht so sehr auf aussichtslosem Posten, wie es am Ende von Staffel 6 schien und in diesem Lichte - Verschiebung von Machtgewichten - ist diese Episode zu sehen und daraus bezieht sie auch ihre unerhörte Spannung. So schafft es Jaimie, Sams Vater auf seine Seite zu ziehen und die Dialoge wirken glaubwürdig. Und im Lager Cerseis brechen die Konflikte auf: wird Varys weiterhin auf Daenerys Seite bleiben, nachdem diese ihm unverhüllt gedroht und ihre Verachtung gezeigt hat? Cercei scheint - und dies ist für mich überraschend - besser in der Lage zu sein als Daenerys, Verbündete zu bekommen und zu erhalten. Das Spiel am Ende der Episode scheint sich mehr und mehr auf ein Unentschieden zwischen beiden Seiten zuzubewegen und bleibt daher spannend.
Sams Handlungsstrang erhält jetzt dadurch mehr Sinn, dass er möglicherweise es schafft, Sir Jorah zu heilen; dieser wird auf Cerseis Seiten dringend gebraucht. Sams Handlungstrang hätte dann diesen "schachspielartigen" Charakter verloren. Bislang - und nach wie vor sehe ich dies so - überzeugt mich nicht, dass Sam nur dafür in die Zitadelle ging, um dem Geheimnis von Dragonglass und dem Ort seiner Lagerung - Dragonstone - auf die Spur zu kommen und darüber Jon zu berichten. Mich beschleicht nach wie vor der Verdacht: Sam durfte beim Attentat auf Jon nicht an der Mauer sein, da er Jon dann geholfen und vermutlich selber getötet worden wäre. Die Motivation für seinen Aufenthalt in Oldtown war mir bislang zu dünn. Eine Heilung Joras - die ihm gegen die Prophezeiung des Erzmasters gelänge - würde seinem Aufenthalt mehr Sinn geben. Ein Fortschritt, wie ich finde.

Beklemmend fand ich den Abschied zwischen Jon und seiner Schwester. Fast beschleicht mich das Gefühl, dass es sich um einen endgültigen Abschied handeln könnte und Jon nicht mehr wiederkehren wird; zumal eben Melisandre, die nicht gerade freundliche Gefühle gegen Jon hegen dürfte, mittlerweile bei Daenerys eingetroffen ist. Jon verlässt - gegen den Rat seiner Freunde - Winterfell. Die Parallelen zu Robb, der als König des Nordens auch nicht dort verblieb, sind mir zu offensichtlich und da ist ja immer noch Littlefinger, den Jon beinahe angegriffen hätte und der sich um den Dank betrogen fühllen dürfte, der ihm seiner Meinung nach - und durchaus mit einem gewissen Recht - zusteht. Was führt er noch im Schilde?Eine ungeheure Spannung baut sich hier auf. Stirbt Jon ein zweites Mal?
Das Aufeinandertreffen von Lady Olenna mit Tyrion und Daenerys war atemberaubend spannend, zumal der Hass zwischen Tyrion und Ellaria Sand, der Geliebten von Oberyn Dorne absolut packend dargestellt wurde. Und da sagt Daenerys, sie wolle nicht "Königin der Asche" werden. Diese düstere Dystopie - und Game of Thrones hat Elemente einer Dystopie - hat schon genug Asche hervorgebracht. Sind die Gegensätze überhaupt noch zu kitten? Diese Frage mag nach der Gefangennahme von Ellaria durch Euron zunächst nicht mehr aktuell zu sein. Diese Szenen zeigen aber, welche Aversionen und unerledigten "Geschichten" zwischen allen Protagonisten immer noch schwelen, sodass deren Hauptaufgabe, ihre Gegensätze aufzugeben, um gegen die White Walkers zusammenzustehen - also das Ziel, für welches Jon kämpft, fast unlösbar scheint. Auch Jon bringt ja, als er dem Treffen mit Daenerys zustimmt, seine eigenen Leute gegen ihn auf. Mal sehen, wie dies endet. Die Szene zwischen Missandei und Grauem Wurm fand ich sehr schön, sie dürfte eine Abschiedsszene werden. Ich glaube nicht, dass beide Charaktere den Kampf, der da kommen wird, überleben werden.

Was mir nicht gefallen hat - und daher stimme ich der Bewertung von 4 Sternen ausdrücklich zu - ist die finale Kampfszene. Viel zu dunkel gedreht - oder kam mir dies nur so vor? - habe ich vieles nicht erkennen können. Wenn man an den Kampf um Schwarzwasser denkt, da muss ich sagen: da kann Game of Thrones durchaus mehr. Nein, an diesem finalen Kampf hat mir nichts gefallen. Der Tod der Sandschlangen: Fanservice. Die Flucht Theons - nachvollziehbar, sie wird aber dazu führen, dass - unberechtigterweise - alte Klischées von Theon wiederkehren. Auf das Leben Yaras gebe ich nichts. Ob es ihr Kopf sein wird, den Euron Cercei als Geschenk präsentiert? Wir werden es ja sehen, als Buchleser habe ich dennoch eine andere Theorie....

Insgesamt eine packende Episode, die meines Erachtens an die Auftaktstaffel heranreicht und aus meiner Sicht nur eine Schwäche hat: den Kampf am Ende, der auf mich wie Fanservice wirkt und auch optisch - die Szenen waren viel zu dunkel gehalten - mich nicht überzeugt hat. Ansonsten sehenswert.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 31. Jul 2017 17:06

Und das Review von Felix Boehme von den "Serienjunkies" zur Episode 3 von Staffel 7: "The Queen`s justice": https://www.serienjunkies.de/news/game- ... 84751.html
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 31. Jul 2017 18:54

Mein Kommentar zur Review und zur Folge 3 von Staffel 7 "Game of Thrones":
Ich finde die Folge sehr gut, bislang die beste der Staffel und würde 4,5 Punkte vergeben - wie Felix auch. Für mich als einziger "Punktabzug" die Szenen auf der Zitadelle. Jorah Mormont ist etwas zu schnell "geheilt", Sams Mission damit beendet. Aber ansonsten: tolle Folge wegen der intensiven Dialoge. Tyrion (Peter Dinklage) in Hochform, sein Dialog mit Jon erste Sahne. Für mich ebenfalls ein Highlight der Staffel: der düstere Dialog zwischen Melisandre und Varys - beide werden wohl sterben, beider Aufgaben scheinen erfüllt. Wunderbare Szenerie. Selbst die Begegnung zwischen Sansa und Bran hervorragend - erst vorbereitet durch das Gespräch zwischen Sansa und Littlefinger, der - man mag von ihm halten, was man will - genau den Punkt anspricht, der in der Serie wichtig wird: siegen die Untoten oder die Lebenden? Seine Anmerkungen, auf alles gefasst zu sein, sind richtig und seine Bemerkungen zur Zeitschiene (alles passiert parallel) bereitet wunderbar die Ankunft von Bran auf Winterfell vor, der Sansa beunruhigt, weil er ihre Vergangenheit kennt und ihre Gedanken lesen kann. Einfach phantastisch. Und dann die Eroberung von Casterlystone, kommentiert aus der Sicht von Tyrion Lannister - einfach perfekt. Natürlich sind die Schlachten nicht so zeitintensiv, aber es "passt" doch: Greyworm wundert sich nach der Eroberung von Casterlystone, wo die Lannisters sind und diese haben Highgarten erorbert. Der Dialog zwischen Lady Olenna und Jaimie einfach fabelhaft: ihre Bemerkungen, dass Cersei ein Monster ist, dürften Jaimie nachdenklich werden lassen. Bringt er Cersei aus Eifersucht um, weil sie Euron heiraten könnte - nach dem Sieg selbstverständlich? Und ein solcher Sieg scheint nicht mehr ausgeschlossen; Cersei hat - bedenkt man das Ende von Staffel 6 - deutlich aufgeholt. Sehr gut die schauspielerische Leistung von Lena Headley als Cersei, als sie Ellaria und ihrer Tochter ihre Rachepläne genüsslich ausmalt. Eben weil die Macher auf Folterszenen verzichten - wie bei Septa Ornella - wirkt Cerseis Rachemotiv - so grausam Cersei auch ist - durchaus nachvollziehbar; ja, Lean Headley schafft es, ein Quentchen Sympathie für die "Monsterkönigin" herüberzubringen. Auch die Schnitte hervorragend, die Landschaftsbilder einmalig. Da ist mir - immerhin ist "Game of Thrones" eine Fantasyserie - die Zeitschiene relativ egal; diesbezügliche Widersprüche stören mich nicht. Dialoge hervorragend, Schnitte hervorragend, Landschaftsbilder hervorragend; nur Jorahs Heilung ging mir etwas zu schnell. Ich werde aber generell mit Sams "Handlungsstrang" in Oldtown nicht so recht warm. Aber wenn dies alles ist, was ich an der - tollen und sehr intensiven Folge - zu bemängeln habe, dann zeigt dies, wie sehr mich "Game of Thrones" beeindruckt hat. Absolut packend und beeindruckend, wie ich finde. Und wieder mal ein tolles Review von Felix.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 2. Aug 2017 20:03

"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 7. Aug 2017 18:54

Kommentar der Serienjunkies zur 4. Episode von Staffel 4: "The Spoils of War":
Mein Kommentar dazu: https://www.serienjunkies.de/news/game- ... 84892.html

Mir hat die Folge gut gefallen, ich fand sie dennoch schwächer als Episode 3, die mir ausnehmend gut gefallen hat. Dies liegt vielleicht daran, dass ich an "Game of Thrones" die Dialoge mag und die hatten wir in "The Queen*s Justice" in besonderem Maße. Mein Kritikpunkt an der Handlung dieser Staffel ist nicht so sehr, dass es "Lückenfüller" gibt; ich denke, gerade die Szene mit der Iron Bank war doch recht interessant. Mein Problem mit dieser Folge ist - Stiepe hat es erwähnt - das Überleben von Jaime und Bronn. Es wird gezeigt, mit welcher Feuer-Macht Drogon die Armee der Lannisters vernichtet - wird eigentlich Sams Vater dabei getötet, mir wurde dies nicht klar - und ausgerechnet Jaimie und wird von Bronn gerettet. Das ist mir persönlich zu unrealistisch und die Serie - obwohl Fantasy - besticht doch durch ihren Realismus. Bei mir bleibt - ähnlich wie bei den Sam-Szenen in Oldtown - mehr und mehr das Gefühl zurück: Personen überleben weil man diese Personen noch "benötigt" - Jaime darf natürlich - wenn er möglicherweise als Queen`s-Layer bestimmt und Cersei töten sollte, wovon ich ausgehe - in dieser Folge noch nicht sterben. Das ist mir zu schachspielartig. Und auch bei Littlefinger frage ich mich allmählich: ja, er hat die Schlacht der Bastarde entschieden, aber er hat Ned Stark verraten - und das merkt Bran nicht mit seinen hellseherischen Fähigkeiten? Da leugnet Littlefinger die Herkunft des Dolches, der zum Attentat auf Bran benutzt wurde - und Bran bemerkt die Lüge nicht?
Nein, mich stört in gewisser Weise die "Vorhersehbarkeit" dieser Folge: Personen müssen überleben, weil sie noch gebraucht werden. Und Dany wird möglicherweise zur "Mad Queen." Am besten hat mir Jons Satz gefallen - an Daenerys gerichtet: wenn sie Drachen dazu benutzt, Städte, Menschen und Land zu verbrennen, dann ist sie keinen Deut besser als Cercei. Ich bin gespannt, wie sich die Beziehung Jon/Daenerys, aber auch Tyrion/Daenerys entwickeln wird. Dies - zugegebermaßen - ist m.E. nicht vorhersehbar.
Ich hätte 4 Punkte gegeben, aber die Geschmäcker sind verschieden.

Ich stehe - sieht man die Kommentare unter dem Review - mit meiner eher etwas reservierten Haltung aber ziemlich alleine da - zugegebenermaßen.
"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich

Re: A Game of Thrones

Beitragvon Bernhard Nowak » 9. Aug 2017 20:30

"Walder Frey is many things - but a brave man - no!"
Tyrion Lannister in "Game of Thrones", Staffel 3, Folge 10
Benutzeravatar
Bernhard Nowak
 
Beiträge: 3007
Registriert: 03.2013
Wohnort: Rödermark
Geschlecht: männlich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron