Herr der Ringe-welche Übersetzung?

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Herr der Ringe-welche Übersetzung?

Beitragvon Gast » 7. Jan 2010 15:23

Ich habe letztes Jahr die HdR-Übersetzung von Wolfgang Krege gelesen.
Eine Freundin hat mir jetzt die Übersetzung von Margaret Carroux in die Hände gedrückt mit der Aussage, diese sei um einiges besser.

Ich wollte demnächst sowieso mal wieder den HdR lesen...hat jemand von euch die Carroux Übersetzung gelesen oder sogar beide Übersetzungen und kann vergleichen?


LG
Trevor
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Beitragvon Cellmorbasg » 7. Jan 2010 18:37

Die herrschende Meinung unter den Fans ist: die Carroux-Übersetzung ist die bessere.

Ich persönlich habe drei mal die Kreege-Übersetzung gelesen. Beim vierten Mal habe ich ab der Hälfte (Buch vier) die Carroux-Übersetzung gelesen.
Wenn ich drastisch sein will: Ich habe keinen Unterschied gemerkt. Das Feeling beim Lesen, wenn man es so ausdrücken kann, war für mich dasselbe.
Natürlich gibt es zahlreiche Beispiele die sich im Internet tummeln an denen eine schlechte Übersetzung von Kreege festgemacht wird. Der Vorwurf ist: er benutzt moderne Wörter. So wird Frodo von Sam Chef genannt anstatt Herr.

Der Grund dafür ist folgender: Tolkien hat im Englischen viele unterschiedliche Sprachstile für die einzelnen Leute/Gruppen verwendet (habe ich mir so sagen lassen), Carroux dagegen verwendet nur einen einzigen Sprachstil. Kreege wollte mit seiner Übersetzung wie Tolkien vorgehen, das Problem das entstanden ist: das modernste Englisch bei Tolkien war logischerweise das der 1940er, Kreege hat aber als Ausgangspunkt das heutige Deutsch genommen. Dadurch die vielen modernen Wörter, die nach Meinung vieler einfach nicht passen.

Das ich mich daran nicht so störe liegt vermutlich daran, dass ich einfach nicht so den Sinn für die Sprache habe. Ich lese den Inhalt - den Stil überlese ich. So zumindest meine vereinfachte Selbstanalyse.


Da du nun vielleicht damit nicht sehr viel anfangen kannst, nun mein ultimativer Tipp: Auf Englisch lesen!

Beim Hobbit habe ich das schon selbst getan - ich hab alles verstanden und hatte keine Probleme, beim HdR habe ich das beim nächsten Lesen (wahrscheinlich aber frühestens 2011) vor. Die englischen Bücher sind schon besorgt ;-)
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Beitragvon Demona » 7. Jan 2010 19:31

Ich habe auch die Krege-Übersetzung aus dem Jahre 1999.

Krege schreibt auch selber im Anhang, dass sich Margaret Carroux an die Anleitungen und Wünsche von Tolkien gehalten hat. Allerdings hat sich Tolkien selbst an die Namensfindungen für das Deutsche gehalten. Er fand vieles im Deutschen schöner wie im Englischen, da sich in unsere Sprache bei der Übersetzung bessere Gelegenheiten ergaben wie im Englischen. Es ist auch allgemein bekannt, dass Tolkien das englische Wort "elves" eher peinlich fand und sich "Elben" im deutschen besser anhörte wie "Elfen".
In der Ursprache heißt"Auenland" auch Suza und im englischen (einfaltslos) "shire". Das wurde dem Land der Hobbits nicht gerecht, da das Land der Hobbits ein Idyll ist.

Natürlich gibt es zahlreiche Beispiele die sich im Internet tummeln an denen eine schlechte Übersetzung von Kreege festgemacht wird. Der Vorwurf ist: er benutzt moderne Wörter. So wird Frodo von Sam Chef genannt anstatt Herr.


Mir ist aufgefallen, dass es da immer mal wechselt. Mal sagt Sam einfach nur "Chef", aber manches mal sagt er auch "Herr Frodo".

Bei HdR hat mich die Übersetzung nicht gestört. Allerdings fand ich es auch beim "Hobbit" auffallender. Scherf fand ich schöner geschrieben, obwohl ja bei Krege die Gedichte wohl alle drin waren.
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Beitragvon Gast » 7. Jan 2010 21:04

Ich danke euch für die schnelle Antwort :-)

Hm, dann werde ich wohl trotzdem mal die Carroux Übersetzung lesen, aber das mit dem Englischen ist auch ein guter Tipp...dann habe ich ja viel vor in den Ferien.


LG
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Beitragvon frared » 8. Jan 2010 14:33

krege klang oft flacher. carroux benutzt meines erachtens evokativere sprache, oder schien der geschichte der woerter eher nachzustoebern.

frodo als 'chef' finde ich schon stark daneben besonders da krege sich mit der materie (tolkien) auskennt und auch das silmarillion uebersetzte. warum immer alles irgendwie modernisiert werden muss, ist mir sowieso ein raetsel.

ich habs auf englisch gelesen, weil ich es so hatte, und hatte weniger schwierigkeiten. du weiss ja eh was ungefaehr passiert, sollte also ok gehen.
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Beitragvon Cellmorbasg » 8. Jan 2010 20:08

besonders da krege sich mit der materie (tolkien) auskennt und auch das silmarillion uebersetzte. warum immer alles irgendwie modernisiert werden muss, ist mir sowieso ein raetsel.

Eigentlich beantwortest du die Frage selbst. Kreege hat genau deshalb modernisiert, weil er sich so mit der Materie auskannte. Die Hobbits sind der moderne Fremdkörper in einer an sich alten, vergangenen Welt. Die Hobbits sind genau die Brücke zwischen Mittelerde und dem Leser die dem Silmarillion fehlt.
Diesen modernen Fremdkörper seiner Bestimmung zurück zu führen indem man die Sprache nach 60 Jahren wieder modern anpasst finde ich legitim. Natürlich käme niemand auf die Idee, dies auch im Original zu tun und da rumzupfuschen. Übersetzungen sind aber nunmal etwas fundamental anderes. Es ist nichts ungewöhnliches bekannte Texte neu - d.h. in der Regel in moderne Sprache - zu übersetzen. Eine Übersetzung ist nie perfekt. Sie ist eine Hilfestellung für uns da wir nicht alle 6000 Sprachen dieses Planeten verstehen können.

Hier noch ein Auszug aus Ardapedia:
Die neue Übersetzung versucht stärker als die alte, Tolkiens zwischen den verschiedenen Figuren der Handlung stark wechselnden Sprachstil auch im Deutschen wiederzugeben. In der alten deutschen Übersetzung ist der deutsche Stil durchgehend ziemlich einheitlich ? gemäßigt altmodisch; im Original findet man dagegen Sprachebenen vom ausgesprochen ?Bibelstil? des 16. Jahrhunderts bis hin zum ländlichen und städtischen, teilweise derben Alltagsenglisch der 1940er Jahre. Krege versuchte dies im Deutschen zu imitieren, legte aber das Deutsch der 1990er statt der 1940er als seinen ?Endpunkt? fest.

http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Der_Herr_der_Ringe
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Beitragvon Demona » 8. Jan 2010 20:14

@ Cellmo

Da stimme ich schon zu, allerdings nicht, was die Beziehung zwischen Frodo und Sam betrifft. Dahin gehend hatte sich Tolkien mal geäußert, dass es eine Beziehung wäre, wie zwischen ihm und seinem Adjudanten im Krieg.
Das heißt, Tolkien war der "Herr" und der Adjudant war der "Diener". Sein Adjudant sorgte für seine Kleidung und seine Verpflegung und genauso war auch die Beziehung zwischen Frodo und Sam. Obwohl sie aus Frodos Sicht im Laufe der "Reise" Freunde wurden, war Frodo für Sam immer noch der höhergestellte, da seine Familie halt für Frodos Familie immer die Gärtner waren.

Chef klingt für mich da dann eher abwertend und Herr hört sich da besser an.
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Beitragvon frared » 9. Jan 2010 01:03

ich verstehe schon was eine übersetzung so macht. ich würde nciht unbedingt von perfektion anfangen, der tolkiensche text ist ja auch nicht perfekt oder so. du kannst eigentlich nur appropriieren.

ich fand nciht, dass die englische ausgabe so verhältnismässig starke modernisierungen wirklich brauchte, um lebendiger oder sonstwas zu sein. ich finde nciht, dass margaret carroux irgendwas gravierend falsch gemacht hat, dass sie so 'korrigiert' werden muss.

mir kam es wie ein marketing ploy vor, dass klett nochmal übersetzen liess, weil ihre sprache vermutlich zu antiquiert war. well, tough. die übersetzung, wie der text, auf dem sie basierte, ist aus ihrer zeit. das ist lesbar, genauso wie wir heute noch goethe etc lesen können, können wir auch etwas antiquiertere sprache lesen. und es ist auch nciht zuviel vom leser verlangt.

mir kam es vor, als hätte krege mit gewalt etwas verändern müssen, damit er überhaupt was verändern konnte. das finde ich nciht hilfreich.

edit: nochmal deine post gelesen: ich habe die hobbits bisher nicht als fremdkörper gesehen. wie meinst du das?
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Beitragvon Demona » 9. Jan 2010 11:01

@ frared

edit: nochmal deine post gelesen: ich habe die hobbits bisher nicht als fremdkörper gesehen. wie meinst du das?


Ich würde nicht als das deuten, wie es Cellmo geschrieben hat. Die Hobbits sind halt anders wie die anderen Völker. Lt. Tolkiens Beschreibung sind sie ja sogar noch kleiner wie die Zwerge. Und sie sind ja auch nur wenigen auf Mittelerde bekannt, noch nicht einmal Baumbart konnte mit ihnen etwas anfangen und die Ents sind ja schon sehr lange auf Mittelerde (Na gut, die haben ihre Frauen verloren und können sie nicht mehr finden. :mrgreen: )
Jedoch sind die Hobbits auch sehr untypisch in ihrer Art und wie sie leben. Und sie wurden von den wenigen, die von ihnen wussten beschützt und auch nach dem Ringkrieg wurden sie wieder beschützt. Wie etwas besonderes, was man unbedingt erhalten will.
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Beitragvon frared » 9. Jan 2010 11:41

danke. macht sie wahrscheinlich trotzdem nicht zu modernen menschen, was die neue übersetzung leider suggeriert.
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Beitragvon Demona » 9. Jan 2010 14:57

Ich persönlich habe die Hobbits eigentlich eher für "altmodisch" gehalten und ich denke, aus dem Grund hat Tolkien sie auch mit drin gehabt.
Während alle anderen - das Böse zu allererst - auf das moderne hin strebten, blieb bei den Hobbits alles beim alten und sie waren glücklich damit.

Es ist allgemein bekannt, dass Tolkien in der Industrialisierung (Moderne) nichts gutes gesehen hat, da dadurch die Kriege, die Armut und die viel zu schnelle Veränderung kam. Niemand achtete mehr das Alte und Althergebrachte.
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Beitragvon frared » 9. Jan 2010 16:56

diese trennung kann man schon sehen, es ist halt ein sehr konservatives buch.

die verschiedenen völker von mittelerde haben schon verschiedene idiome. das muss man aber nciht herausstellen, indem man modernes vokabular verwendet.
ich habe mich eine weile mit übersetzung beschäftigt. ich verstehe schon, dass es diesen einen ultimativen text nicht gibt, aber es gibt welche, die sich näher oder entfernter von der quelle aufhalten.

ich hab mir mal verschiedene übersetzungen von alice im wunderland angeschaut und kam zu keinem richtigen ergebnis. die sensibilität gegenüber dem material ist halt manchmal mehr oder weniger gegeben. mir fällt allerdings auch nix ein, dass margarat carroux falsch gemacht hätte.
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Beitragvon Cellmorbasg » 11. Jan 2010 18:46

macht sie wahrscheinlich trotzdem nicht zu modernen menschen, was die neue übersetzung leider suggeriert.

Doch genau das wollte ich damit sagen. Fremdkörper mag ein unpassendes Wort sein. Modernes Element würde die Hobbits vielleicht besser beschreiben.

Das ist keine Idee die meinem Geist entstammt und ich weiß nicht ob ich es selbst erkannt hätte. Inzwischen hab ich soviel Sekundärliteratur zu Tolkien gelesen, dass ich leider nicht sagen kann wo das am besten ausgearbeitet ist.

Das die Hobbits auf uns altmodisch wirken steht ja nicht im Widerspruch. Erstens sind wir 60 Jahre von Tolikien entfernt und zweitens ist es natürlich nicht ein moderner Stadtmensch der uns dort vorgestellt wird. Es sind Gemütsmenschen wie Tolkien selbst - ländliche Engländer, aber eben auch der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - der Zeit in der Tolkien selbst großgeworden ist. Shire - das ist findet sich ja auch in zahlreichen Lokalbezeichnungen wieder - ist die perfekte Bezeichnung für das Auenland.

Natürlich ist Tolkien konservativ, aber konservativ heißt ja nicht unmodern und Kritik an Übertechnisierung heißt ebenfalls nicht unmodern zu sein. Verschiedene Bezeichnungen - verschiedene Dinge.

Die Hobbits sind moderne Helden. Ihre größte Auszeichnung - ihr Mut - ist ihre größte Unterscheidung zum altertümlichen Helden. Denn der Mut der Hobbits trägt ganz andere Züge als die Heldenhaftigkeit eines Beren, Turin oder auch Aragorn.

Moderne, das ist eben nicht nur Technik, das ist auch Menschenrechte, das ist Demokratie, das ist Freiheit. Wenn modern nur Technik bedeutet, dann sind die Bösen bei Tolkien modern. Das sie es nicht sind, liegt wohl auf der Hand.



Ich musste mich leider erstmal nach Greifswald durchkämpfen, deshalb so verspätet und erstmal so kurz.
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Beitragvon Demona » 11. Jan 2010 19:04

@ Cellmo

Das ist das, was ich damit ausdrücken wollte. Die Industrialisierung brachte nicht nur gutes. Und das die Hobbits diesen Mut aufbrachten, der Mittelerde veränderte (sicher auch viele Bewohner Mittelerdes, die sie auf dieser Reise fanden), zeigt auch, dass sie den Mut zur Veränderung hatten. Diese 4 Hobbits brachten, gewollt oder ungewollt, andere Hobbits dazu über ihren Horizont hinaus zu sehen und für ihr Auenland zu kämpfen.
Dies brachten sie auch ganz alleine zustande - im Gegensatz zu den Völkern Mittelerdes.


Edit:

Wie sieht es bei euch schneetechnisch aus? Lt. meiner Mutter war es auch heute wieder in Strelitz ziemlich am schneien.
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Beitragvon Cellmorbasg » 11. Jan 2010 19:42

Gerade gefunden - ich zitiere mich mal selbst (vom 25. Okt. 2008):

So ich hab jetzt das Kapitel "I Der Hobbit" aus dem Buch "J.R.R. Tolkien Autor des Jahrhunderts" von Tom A. Shippey gelesen und möchte euch einen kurzen Überblick über die dortigen Aussagen geben:
- es wird gezeigt, dass Bilbo eine Person aus der Moderne ist - genauer aus der Bourgoisie, der wie ein Fremdkörper in der Welt von Mittelerde wirkt
- Bilbo soll für den Leser die Verbindung in diese fremde Welt sein
- Mittelerde ist eine Welt die auf alten Märchen und Sagen basiert und viele daraus bekannten Wesen enthält: Zwerge, Elfen, Orks, Trolle...
[...]
- Bilbo wächst im Verlauf der Geschichte und wird den anderen Teilnehmern der Geschichte durch seinen moderen Mut überlegen - das erste Mal ist er ihnen überlegen, als er sich innerlich dazu entschließt zu den Orkhölen zurückzugehen und den Zwergen zu helfen; während die Zwerge (auch wenn Gandalf sie vermutlich umgestimmt hätte) nicht zurüch wollen um Bilbo zu retten
- die Rätsel von Gollum und Bilbo haben alle (teilweise: alte) literarische Quellen - obwohl Bilbo also ein Fremdkörper ist, wird er mehr und mehr in dieser Welt heimisch
[...]
- Smaug ist wie Bilbo ebenfalls ein Anachronismus in Mittelerde, Smaug spricht zunächst nicht so heroisch wie Beorn, Thorin, Thranduil, sondern wie ein moderner Engländer aus der Oberklasse -erst als Bilbo "Rache" erwähnt, wird Smaug heroischer als alles was der Leser zuvor gelesen hat: "... unter seinem Volk habe ich mich sattgefressen, wie der Wolf unter den Schafen..."
- Smaug gleicht also Bilbo, indem sie beide in beiden Welten zugleich stehen
[...]
- Bard ist in seinem Handeln ebenfalls modern, in dem er bei der Verteidigung der Seestadt vorgeht wie im 1. Weltkrieg gekämpft wurde
- es ist mit dem Verhältnis Schlacht des Mittelaltters und des 1. Weltkrieges wie mit dem Verhältnis Gollum und Bilbo - äußere Verschiedenheit, bei ähnlichen Zügen unter der Oberfläche - in Bard ist dieses Verhältnis der Schlachten vereinigt, in dem er am Ende den Drachen allein mit dem alten Pfeil tötet
- wichtigste Lektion des Hobbit: Kollision der Stile führt zu einer tieferen Erkenntnis ihrer Einheit


http://anderswelten.plusboard.de/lesezirkel--und-quot%3Bder-kleine-hobbit-und-quot%3B-von-jrr-tolkien-t77-105.html&highlight=#2056
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Beitragvon frared » 16. Jan 2010 00:19

ähh... ich weiss ja nciht, ob ich das so stehenlassen kann, dass 'modern' nicht auch eine kritik an industrialisierung etc bedeutet.

ich kratz mir etwas den kopf deswegen.

ich denke ich verstehe, dass die hobbits schon so halbmodern sind, sesshaft und eher an ihrer ruhe interessiert. sag ich mal so. ich sag aber einfach auch mal , dass man ob dieser erkenntnis nicht die übersetzung dieses buches ändern muss. kann man auch so lassen. übersetzungen sind auch aus ihrere zeit, genauso wie texte aus ihrer zeit sind, da ist ja ncihts schlimmes dran, tut mir echt leid, deswegen erzählen wir doch hier oder nicht.

mit dem gleichen recht könnte ich die ilias jetzt nochmal übersetzen oder hamlet (ist ja noch nicht einmal zu oft passiert) und sagen, naja, so würde der moderne hamlet sprechen, das kommt ja bei versen nciht so rüber.

ich weiss nicht. das ist schon ein bisschen anmassend von einem verlag, eine neue übersetzung zu kommissionieren, obwohl an der alten nix falsch ist, oder nichts fehlt. ich behaupte einfach mal, dass den lesern diese feinheiten der betrachtung auch beim alten text einrieselten, nicht wahr :mrgreen:
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Beitragvon Cellmorbasg » 16. Jan 2010 17:43

das ist schon ein bisschen anmassend von einem verlag, eine neue übersetzung zu kommissionieren, obwohl an der alten nix falsch ist, oder nichts fehlt.

Nein, ich finde nicht, dass es anmaßend ist. Die alte Übersetzung ist auch nicht fehlerfrei - allein schon, weil das eine Übersetzung nie sein kann. Man findet auch durchaus andere Meinungen als die, dass Krege nur Mist verzapft hat und bei Carroux eitel Sonnenschein herrscht.
Der Verlag wollte wohl eine neue Übersetzung. Warum? Keine Ahnung, im Zweifel würde ich sagen wegen Geld. Dem Übersetzer würde ich ein solches Motiv aber nicht zuvorderst ankreiden. Er war offensichtlich der Meinung es besser machen zu können. Teilweise ist es ihm wohl auch gelungen.

Krege hat geschrieben:"[...] Die Übersetzerin Margaret Carroux hat also an etlichen Stellen die auch aus meiner Sicht richtigen Worte schon gefunden. [...] Dennoch wird der Leser auch ohne peniblen Textvergleich Unterschiede bemerken. Die alte Fassung ist eine getreue Nacherzählung einer fremden Geschichte. Sie gibt den englischen Text im allgemeinen zuverlässig wieder; doch der Ton klingt neutral und gedämpft [...]. Die neue Fassung maßt sich einen Versuch an, die Geschichte so vorzutragen, wie Tolkien es tun würde, wenn er heute, 1999, schriebe und wenn er sie aus dem Westron gleich ins Deutsche brächte, ohne den Umweg über das Englische."


Ich persönlich halte es für falsch, dass Krege die 1990er als Bezugspunkt gewählt hat und das ein oder andere moderne Wort zu viel in die Übersetzung gerutscht ist. Den Anspruch überhaupt neu zu übersetzen finde ich aber legitim.

ich behaupte einfach mal, dass den lesern diese feinheiten der betrachtung auch beim alten text einrieselten, nicht wahr

Ich weiß ehrlich gesagt nicht von welchen Feinheiten du sprichst.

mit dem gleichen recht könnte ich die ilias jetzt nochmal übersetzen

Ist geschehen. Wäre ja auch schlimm, wenn wir uns mit der erstbesten Übersetzung von vor 500 Jahren zufrieden gegeben hätten.
Gerade bei Homer wird es ja schwirig. Denn wenn man bei Übersetzungen das Versmaß des Originals beibehält kommt man noch leichter in Schwirigkeiten. Deshalb machen es ja manche auch nicht und lösen sich vom Versmaß.

Auch der Parzival wird ja übersetzt - von (mittelhoch)deutsch zu (neuhoch)deutsch. Mit allerhöchster Anstrenung konnte ich dem mittelhochdeutschen Text einigermaßen folgen, aber wir wollen ja lesen nicht als Arbeit sondern als Vergrügen.
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Beitragvon frared » 17. Jan 2010 17:57

die feinheiten die hobbits und deren welt und werden betreffend. ob sie modern oder vormodern sind etc.

klar kann ein verlag eine übersetzung in auftrag geben. ich überlege gerade, inwieweit copyright die auch betrifft. egal. ich glaube ich mag einfach nicht unbedingt, eine geschichte erzählt bekommen, als wäre sie in den neunzigern oder wannimmer passiert. ich habe das gefühl, dass sie sich dadurch stärker verankert, und für spätere generationen nicht unbedingt leichter zu verstehen ist. ein bisschen, als würde man sie in bayrisch nacherzählen oder so. is ja nett, aber spiegelt das die geschcihte gut wieder?

bei vornehmlich mündlich vorgetragenen stücken kann ich mir das schon eher vorstellen, da sich der fokus da wohl eher auf der gesprochenen sprache befindet.

und sieh mal, das problem von versmass und sprache ist bei jeder übersetzung. egal wie alt der kram ist oder von wo her. den kompromiss müssen wir immer akzeptieren. ich finds halt unnötig, sich die ganze arbeit nochmal zu machen ohne richtigen nutzen (wenn die carroux übersetzung jetzt unverständlich wäre oder so, klar...) deswegen eigentlich nur.
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Beitragvon Cellmorbasg » 17. Jan 2010 18:28

ich glaube ich mag einfach nicht unbedingt, eine geschichte erzählt bekommen, als wäre sie in den neunzigern oder wannimmer passiert.

Das geht doch aber ebenso wie gegen Neuübersetzungen gegen Übersetzungen überhaupt. Wenn ich eine Geschichte übersetze, verändert sie sich. Sie wurde ja in einer ganz anderen Sprache, in einer anderen Kultur oder eben auch in einer ganz anderen Zeit geschrieben. Natürlich geht der englische Charakter einer Geschichte verloren wenn ich sie ins Deutsche übersetze - es sein denn die Geschichte spielt ausdrücklich in England und man behält englische Eigennamen und so bei. So wie man also bei einer Übersetzung die komplette Geschichte eindeutscht, so überführt man die Geschichte bei einer Neuübersetzung in die Gegenwart.

Natürlich trifft das mal stärker und mal weniger stark zu. Ich glaube schon, dass jeder der den HdR liest, nicht auf die Idee kommt, das hätte sich vor zehn Jahren ereignet. Auch nicht, wenn der HdR auf feinstem Businessenglisch geschrieben wäre.

den kompromiss müssen wir immer akzeptieren. ich finds halt unnötig, sich die ganze arbeit nochmal zu machen ohne richtigen nutzen (wenn die carroux übersetzung jetzt unverständlich wäre oder so, klar...) deswegen eigentlich nur.

Das scheint unsere Hauptdifferenz zu sein. Du siehst den Nutzen nicht, ich schon.
Denn du sprichst es ja an: Übersetzung ist Kompromiss. Ich finde es daher als Gewinn, wenn ich zwei verschiedene Übersetzungen, also zwei verschiedene Kompromisse habe. Da kann ich entscheiden welchen ich besser finde und wenn ich mich intensiver damit befasse, dann lerne ich sogar 'ne Menge über meine Muttersprache, mein eigenes Sprachgefühl.

Am Schreiben des gestrigen Beitrags war ich auf einer Seite die etwas längere Zitate aus beiden Übersetzungen und dem Englischen hatte. Carroux konnte ich nicht flüssig lesen - Tolkien und Krege dagegen schon.
Es ist doch schön, wenn man Alternativen hat.

Und zum Schluss vielleicht noch ganz gewagt: Tolkien selbst hat doch Sachen neu übersetzt. Er liebte das Spiel mit Sprache. Eine Neuübersetzung ist vielleicht eine Art - im positiven Sinn - Spielerei.
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Beitragvon Demona » 17. Jan 2010 20:29

Und zum Schluss vielleicht noch ganz gewagt: Tolkien selbst hat doch Sachen neu übersetzt. Er liebte das Spiel mit Sprache. Eine Neuübersetzung ist vielleicht eine Art - im positiven Sinn - Spielerei.


Das ist gar nicht so gewagt. ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt, aber Tolkien fand manche Wörter, Eigennahmen und Begriffe in deutscher Sprache besser wie im Englischen. Er fand auch, dass einige Wörter die Bedeutung dessen, was er im elbischen oder anderen Sprachen, die er entwickelte, besser wieder gab.
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Beitragvon frared » 17. Jan 2010 20:59

ich streite mich ja auch ganz schlecht hier: ich habe weder noch richtig gelesen. :blush:
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