Akte X - Staffel 1

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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 30. Nov 2018 20:24

Folge 6, Staffel 1: "Schatten / Shadows"

Drehbuch: Glen Morgan & James Wong
Regie: Michael Katleman



Mulder und Scully werden auf den mysteriösen Tod zweier Räuber aufmerksam. Offenbar wurde ihnen die Luftröhre von innen zugedrückt. Die Hauptverdächtige ist ihr Opfer, Lauren Kyte. Mulder glaubt, dass sie die Männer mittels Telekinese umgebracht hat.

"Shadows" ist eine der frühen Episoden, die ihre Existenz den Wünschen des Senders Fox verdankt.
Writing partners Glen Morgan and James Wong wrote this episode as a reaction to 20th Century Fox requesting more episodes where Mulder and Scully help people while investigating the paranormal. Morgan and Wong were fond of ghost stories and executives at the company had suggested an episode that would involve poltergeists. "We should do a poltergeist show! We should have relatable characters!" Wong remembered being advised by an executive. The process of writing "Shadows" was fueled by Morgan and Wong hoping to, in Morgan's words, "get them [the Fox executives] off our back," so that he and Wong could pursue some of the more offbeat stories they had in mind.
http://x-files.wikia.com/wiki/Shadows

Diese Art Kuhhandel - eine Episode nach den Wünschen des Senders zu produzieren, um im Gegenzug mehr Freiraum mit anderen Episoden zu haben - ist offenbar besonders bei neuen TV-Serien eher die Regel als die Ausnahme. Besonders in der ersten Staffel gibt es so einige dieser Art. Dabei ist "Shadows" nicht einmal schlecht gelungen. Es ist eine traditionelle Geistergeschichte mit den klassischen Themen Liebe, Tod, Schuld und Rache, die geschickt mit einer Geschichte um Wirtschaftskriminalität verwoben ist.

Mulder und Scully werden von zwei unbekannten Agenten zu dem Fall hinzugerufen - meiner Erinnerung nach das erste Mal, dass sie ernsthaft als Experten für Unerklärliches herangezogen werden. Die aufgefundenen Angreifer sind schon lange tot, die Leichen reagieren aber immer noch auf externe Stimuli. Laut Autopsie wurde ihnen die Kehle von innen her zerschmettert. Die beiden unbekannten Agenten sind sehr unkooperativ - obwohl sie es waren, die Mulder und Scully herbeigerufen haben - und nicht bereit, irgendwelche Informationen herauszugeben. Durch Mulders Geniestreich, mit einer Brille Fingerabdrücke einer der Leichen hinauszuschmuggeln, kommen er und Scully trotzdem hinter die Angelegenheit: Es sind eine Terrorzelle aus dem Mittleren Osten und eine Rüstungsfirma in den Fall verstrickt.

Im Zentrum der Geschichte steht aber nicht der illegale Waffenhandel, der die Handlung lediglich transportiert, sondern die Sekretärin Lauren Kyte und ihre Beziehung zu ihrem verstorbenen Chef - von dem sich herausstellt, dass er nicht wie offiziell verlautbart Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde. Zwar fand ich die Hauptfigur etwas überzeichnet, aber die schauspielerische Leistung von Lisa Waltz in der Rolle der Lauren trägt viel zum Gelingen der Folge bei.

Lauren weiß selbst nicht, was mit ihr passiert - Mulder vermutet zuerst psychokinetische Fähigkeiten, bis er dahinter kommt, dass der verstorbene Howard Graves als Poltergeist hinter den unerklärlichen Vorgängen steckt. Scully hält Lauren lediglich für eine Komplizin, und in dieser Episode fand ich ihr Verhalten ziemlich ärgerlich. Erst ist sie die ganze Zeit über unnötig grob zu Lauren, obwohl ihre angebliche Komplizenschaft eine reine Vermutung ohne jegliche belastbaren Hinweise war, dann manipuliert sie sie, um den Fall aufzulösen. (Mulders Enttäuschung über dieses Verhalten stand ihm ins Gesicht geschrieben.) Reichlich arrogant fand ich auch ihr Auftreten gegenüber der Gerichtsmedizinerin, als es darum ging, ob Graves seinen Tod vorgetäuscht haben könnte. Die Autoren scheinen vermitteln zu wollen, dass diese Theorie nicht weniger absurd ist als die Vorstellung eines Poltergeists: "Do you know how difficult it is to fake your own death? Only one man has pulled it off - Elvis." Auch die Gerichtsmedizinerin lässt Scully eiskalt abblitzen: "Howard Graves is very dead." Für meinen Geschmack ist Scully mit ihren Zweifeln hier zu einfach davongekommen. Selbst wenn es einen lebenden Graves oder einen anderen Komplizen gäbe, wie will sie denn bitteschön die von innen zerquetschten Luftröhren erklären?

Insgesamt hat mir die Episode recht gut gefallen, auch wenn sie nicht sonderlich originell oder innovativ ist. Insbesondere wie schon erwähnt die schauspielerische Leistung von Lisa Waltz, und auch einige Szenen sind sehr schön inszeniert - so z.B. im Badezimmer, als Lauren das Blut in der Badewanne vorfindet. (Auch wenn es mit der Logik hier ein bisschen hapert - wie schafft es der Poltergeist, die Badewanne mit Blut zu füllen? Wo kam das Blut dafür her?)

Mulder sorgt mit seinen Sprüchen wieder für den nötigen Humor. Vor allem das "I would never lie" (mit samtiger Stimme :lol:) und Elvis waren herrlich. Scully kommt natürlich wieder zu spät, um den schwebenden Einbrecher noch zu sehen - diesmal war ein klemmender Autogurt verantwortlich - und ist am Ende bei der Poltergeist-Action ausgesperrt. Witzig war auch, dass während Scully den Fall lösen will, Mulder viel lieber Psi-Phänomene beweisen will. Schönen Nostalgiefaktor hatte die Folge auch wieder. Informationen werden auf Mikrofiches von Zeitungen gesucht, Fotos in der Dunkelkammer entwickelt, es gibt Audiokassetten und Floppy-Disks ... hach, das waren noch Zeiten :grin: Vier fliegende Briefbeschwerer von mir.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon Bernhard Nowak » 1. Dez 2018 14:31

Ich fand im Internet noch diese Besprechung hier: https://www.myfanbase.de/akte-x/episode ... s/?eid=261

Was mir an der Folge sehr gut gefallen hat, ist - neben der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Lisa Walz als Laureen - ist etwas, was in der Horror-Literatur ja häufig vorkommt: dass Untote keine Ruhe finden, ehe sie gerächt sind bzw. sie eine Aufgabe gelöst haben. Es handelt sich ja hier in der Tat mit dem Poltergeist um ein übernatürliches Phänomen - der Ermordete findet keine Ruhe, ehe seine Tat aufgeklärt und der Mörder - hier der neue Inhalber der Firma, der illegale Waffengeschäfte weiterhin ungestört betreiben will - überführt worden ist. Klar, es fehlt hier etwas an Tiefe der vorhergehenden, zum Teil sehr politischen Episoden und auf Wunsch des Senders Fox wird hier das Grundelement des Horrors - das Eindringen des als bedrohlich empfundenen Übernatürlichen in eine reale Welt (Skully besteht darauf, einen Fall "real" - mit Hilfe der Rationalität - zu lösen, Mulder hat hier aber mal wieder den richtigen "Riecher", was die Lösung des Falles betrifft) - aber als Horrofilm - dank der Leistung von Lisa Walz - wirklich gelungen. Für mich ein wunderbarer Höhepunkt derGerichtsmedizinerin, die die Leiche von Howard Graves identifiziert hat: "Howard Graves ist sehr sehr tot!" - wie kann man nur an der Realität des Falles zweifeln? Der entsprechende Blick der Frauspricht Bände. Und auch die Kaffeetasse, die immer wackelt, wenn Laureenvon der forschen Sekretärin angeschnautzt wird - zu Beginn und am Ende der Folge - ist einfach herrlich! Wie hier das Geister-Genre durchaus humorvoll " selbstironisch reflektiert wird - dies hat mir sehr gefallen.
Fazit: Nichts tiefgehend politisch- oder philosophisches (der politische Waffenhandel ist ja nur Auslöser, Katalysator der Handlung), aber durchaus eine Folge, die begreiflich macht, dass das Eindringen der Fantasy in die reale Welt - also das "Phantastische" als "Bedrohung" gesehen, sehr faszinierend sein kann. Und doe Vorstellung, dass Untote so lange keine Ruhe finden, bis ihr Unrecht "gerächt" wurde - für mich die Faszination der Geschichten von Edgar Allan Poe, einem Begründer des Unheimlichen - kommt hier voll zum Tragen.
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Re: Akte X - Staffel 1

Beitragvon nevermore » 2. Dez 2018 22:51

Folge 7, Staffel 1: "Die Maschine / Ghost in the Machine"

Drebuch: Alex Gansa & Howard Gordon
Regie: Jerrold Freedman



Mulder wird von einem ehemaligen Kollegen herbeigerufen, der den Tod des Geschäftsführers eines Software-Unternehmens untersuchen soll. Hauptverdächtiger ist der Firmengründer, dessen wichtigstes Projekt, ein intelligentes Programm, das ein ganzes Hochhaus im Stil eines Smart Home steuern kann, der Geschäftsführer einstellen wollte. Allerdings kommt es zu weiteren Todesfällen, nachdem der Firmengründer schon verhaftet wurde.

"Ghost in the Machine" hat unter X-Philes im Allgemeinen einen ziemlich schlechten Ruf, und aus dem Blickwinkel der heutigen Technologie wirkt die Folge natürlich auch recht antiquiert. Eine richtige X-Akte ist sie auch nicht, an der Technologie ist ja an sich nichts Übernatürliches. Es geht um eine künstliche Intelligenz, die tötet, um sich selbst zu schützen. Leider wird diese eigentlich interessante Idee nicht wirklich tiefergehend thematisiert - die Episode kommt eher technophob daher, als ähnlich wie in der neuen "Battlestar Galactica"-Serie tatsächlich die ethischen Fragen rund um das Thema "künstliche Intelligenz" zu thematisieren. (Gut, newBSG war auch 10 Jahre später.)

Wenn es ein tieferes Thema der Episode gibt, dann dreht es sich eher um die Konflikte, in denen der Firmengründer Brad Wilczek steckt. Wilczek, der etwas an Steve Jobs erinnert, ist der Prototyp eines Software-Pioniers - er hat die Firma in der Garage seiner Eltern gegründet und kommt ansonsten eher etwas hippie-artig daher: Er ist ein Jahr lang den Grateful Dead hinterher gereist und ist ein Fan fernöstlicher Philosophie. Ausgelöst wird das ganze Geschehen durch den Konflikt zwischen innovativem und visionärem Denken und wirtschaftlichen Zwängen: Der Geschäftsführer will das COS einstellen, weil es - zumindest kurzfristig gesehen - nicht profitabel ist. Wilczek regt dies auf, er ist eher der Visionär und langfristig denkende Stratege.

Weitaus problematischer ist der zweite Zwiespalt, in dem er steckt: Wilczek befürchtet, dass seine Erfindung in die Hände der Regierung gelangen und von dieser missbraucht werden könnte. "After the bomb was dropped on Hiroshima and Nagasaki, Robert Oppenheimer spent the rest of his life regretting he’d ever glimpsed an atom [...] He loved the work, Mr. Mulder. His mistake was in sharing it with an immoral government." Wilczek befürchtet, dass es ihm wie Oppenheimer geht, und geht deshalb lieber ins Gefängnis, als sein Wissen mit der Regierung zu teilen. (Es drängt sich hier die Frage auf, ob die Regierung irgendetwas mit dem Plan des Geschäftsführers zu tun hat, das COS aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zu beenden. Dafür spricht auch, dass die ganze Zeit ein Regierungsmaulwurf als Hausmeister im Gebäude von Eurisko beschäftigt war.) Wilzcek bezeichnet das Risiko, dass die Maschine weiter tötet, als das geringere Übel. Als Wilzcek letztlich genau das passiert, was er befürchtet hat, sagt Deep Throat Mulder, er hätte dies nicht verhindern können, ohne die Maschine überleben zu lassen. Wie der Cliffhanger am Ende suggeriert, ist die Maschine entgegen Deep Throats Beteuerungen nicht außer Gefecht - somit ist durch Mulders Eingreifen die schlimmstmögliche Kombination möglicher Ausgänge eingetreten. Seine Unfähigkeit, Kompromisse zu machen und seine Sorge um die Sicherheit anderer sind Charaktereigenschaften, die leicht auszunutzen sind durch jene, die solche Skrupel nicht haben.

Das COS ist offensichtlich vom Supercomputer HAL aus "2001: A Space Odysee" inspiriert. Schon der Name mit drei Buchstaben ist ähnlich, und die Frage des COS "What are you doing, Brad?", als Mulder die Diskette mit dem Virus einführt, erinnert an HALs "What are you doing Ryan? Don't do this to me Ryan!".

Eine Parallele zu "Squeeze" weist die Episode auch auf: Nach Scullys ehemaligem Kommilitonen Tom Colton taucht hier Mulders ehemaliger Kollege Jerry Lamana auf, und will diesen ebenso wie Colton Scully als Steigbügelhalter benutzen. Er ist noch schlimmer als Colton, er stiehlt Mulders Profil-Notizen aus dessen Büro und präsentiert sie als seine eigenen. Erstaunlicherweise macht Mulder das nicht publik, er scheint Jerry wirklich helfen zu wollen. Die Autoren verwenden in dieser frühen Phase einigen Aufwand dafür, Mulder als diesen genialen Außenseiter darzustellen, der zu Unrecht von seinen Kollegen verlacht wird.

Mit der ganzen Verwicklung des Verteidigungsministeriums hat "Ghost in the Machine" mehr mit dem Mytharc zu tun, als ich beim ersten Durchlauf dachte. Ich kann mich dennoch nicht so recht mit der Episode anfreunden, was vielleicht vor allem an der Umsetzung liegt. Für das antiquierte Erscheinen aus heutiger Sicht kann die Serie nichts, aber ein paar Dinge, wie z.B. dass man sich in Scullys abgeschalteten Computer hacken kann, waren schon ziemlich schräg. (In Interviews gaben die Autoren zu, nicht viel von Computertechnik zu verstehen - dann frage ich mich, warum man nicht, wie sonst auch, einen Berater holte.) Oder dass man Scully hier durch Jeffreys Röhren, Entschuldigung, Luftschächte, kriechen ließ. Ich habe auch nicht ganz verstanden, weswegen es in Mulders Profil hieß, dass der Anruf in der Toilette dazu diente, sicherzustellen, dass Drake in die Falle geht. In dem Waschraum waren doch Überwachungskameras, also wusste das System doch auch ohne den Anruf, dass Drake da drin war? Die Schlussfolgerung war aus Mulders Sicht zu dem Zeitpunkt, als er das Profil verfasste, logisch, aber mit dem Wissen, dass das COS der Mörder war, ergibt sie rückwirkend keinen Sinn. Ich finde die Folge jetzt nicht wirklich schlecht, aber begeistern kann sie mich auch nicht. Ich gebe gute drei Überwachungskameras dafür.
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