Akte X - Staffel 2

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Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 25. Jul 2018 20:30

Weiter geht's mit der zweiten Staffel. Im Nachhinein erscheint die erste Staffel ein wenig wie ein Prolog, die Show nimmt erst mit der zweiten richtig Fahrt auf. Wie Demona schon im anderen Thread erwähnte, zwang die Schwangerschaft von Gillian Anderson die Produzenten und Autoren, Scully etwas aus dem Fokus zu nehmen und sowohl die Gesamthandlung als auch einige Randfiguren (insbesondere Skinner und den Raucher) weiterzuentwickeln. Der Show tat das sehr gut.

Mytharc-Episoden (kursiv die absolut unerlässlichen):

2X01: Little Green Men (Kontakt)
2X03: Blood (Blut)
2X04: Sleepless (Schlaflos)
2X05: Duane Barry (Unter Kontrolle)
2X06: Ascension (Seilbahn zu den Sternen)
2X08: One Breath (An der Grenze)

2X10: Red Museum (Rotes Museum)
2X16: Colony (Die Kolonie I)
2X17: End Game (Die Kolonie II)

2X18: Fearful Symmetry (Sophie)
2X22: F. Emasculata (Verseucht)
2X25: Anasazi (Anasazi)
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Jul 2018 19:22

Folge 1, Staffel 2: "Kontakt / Little Green Men"

(Kopie von SciFi Forum)


Die Auftaktfolge der zweiten Staffel, sie sollte offensichtlich auch dazu dienen, nochmal neue Zuschauer anzulocken, die die erste Staffel nicht kannten. Deshalb wohl wurde eine zugängliche Story gewählt. Die X-Akten sind geschlossen, Mulder und Scully wurden getrennt und Mulder hat man einen offenkundigen Straf-Job zugeteilt: Er muss windige Ganoven wie Scheckbetrüger abhören.

Die Story an sich ist leider ziemlich wirr. Mir erschließt sich überhaupt nicht, was die Aliens eigentlich in dem Observatorium wollten - Kontakt aufnehmen? Laut Deep Throat sind sie doch schon lange hier? Weswegen kommt das Signal nur an der einen Station an und wird von anderen nicht aufgefangen? Und völlig schleierhaft ist, warum sie zur Kontaktaufnahme die Voyager-Botschaft zurücksenden - warum senden sie überhaupt Botschaften über Radiosignale, wenn sie 24 Stunden später schon in der Tür stehen? Fragen über Fragen.

Aber eigentlich sehe ich die Episode ohnehin mehr als ein Charakterstück über Mulder. Der macht einen völlig weggetretenen Eindruck, als bekäme er nicht mehr mit, was um ihn herum vor sich geht, fühlt sich verfolgt und will Scully nur noch in dunklen Tiefgaragen treffen, und zweifelt an allem, inklusive der Entführung seiner Schwester durch Aliens. Seine Zweifel, ob alles, woran er geglaubt hat, eine Lüge war, fand ich sehr gut herübergebracht. Er will Beweise haben, und Senator Matheson (der früher schon erwähnte Unterstützer im Capitol) sorgt dafür, dass er sie bekommt, auch wenn das Alien am Ende außer ihm (und dem toten Jorge) keiner gesehen hat und das mitgenommene Tonband leer ist. Es reicht aus, Mulder seinen Glauben wiederzugeben.

Die Episode zeigt einmal mehr, wie sehr Mulder von Schuldgefühlen wegen des Tods seiner Schwester getrieben und gradezu zerfressen ist, und man kann sich schon fragen, ob die ganze Alien-Entführungsgeschichte nicht auf einem Verdrängungsmechanismus basiert. Es ist ja schon auffällig, dass immer, wenn etwas Übernatürliches passiert, Scully nicht anwesend ist. Die Ereignisse in "Erlenmeyer Flask" sprechen allerdings dagegen, dass alles nur Mulders Hirngespinst ist. Aber auch in dieser Episode ist er in der entscheidenden Szene wieder allein. Im Unterschied zur Entführungsszene mit seiner Schwester schafft er diesmal, rechtzeitig zur Waffe zu greifen, aber sie funktioniert nicht. Er hätte seine Schwester also ohnehin nicht retten können, auch wenn er damals nicht "versagt" hätte.

In dieser Episode wirkt er völlig von der Rolle, und es hat den Anschein, dass Scully die einzige ist, die ihn noch im Leben und bei geistiger Gesundheit hält. Wie sehr er sich an sie klammert, zeigt sich in seiner laienhaften "Autopsie" in der Beobachtungsstation und an Aussagen wie "they've taken you away from me" und am Ende "I still have you." Die Mühen und Gefahren, die Scully auf sich nimmt, um ihn zu finden, obwohl sie nicht mehr seine Kollegin ist, zeigen auch, wie viel er ihr inzwischen bedeutet. Sie glaubt an ihn, selbst wenn er selber es nicht mehr tut.

Neben der Mulder-Charakterstudie gibt es auch noch ein paar andere Dinge, die mir gut gefallen haben. Mulders Traum und die Szenen in der SETI-Station waren wieder fantastisch inszeniert. Man sieht zum ersten Mal ein Alien - zumindest einen Schattenriss davon. Großartig war auch die Szene in Skinners Büro. Nicht nur, dass Skinner den Raucher rauswarf - und der erst gar nicht realisierte, dass er gemeint war. Immerhin macht Skinners Ärger über die Überwachung von Mulder und Scully klar, dass er nicht gewillt ist, einfach die Marionette des Rauchers zu spielen. A propos Überwachung: Ganz witzig fand ich auch die Unfähigkeit von Scullys Verfolgern, besonders nach Mulders Aussage am Anfang, Scully würde es nicht merken, wenn sie verfolgt würde, weil diese Leute "die Besten" sind :grin:

Gut gefallen hat schließlich mir auch der philosophische Unterton der Episode, angefangen von Mulders Einführungs-Monolog, über die Szene in Mathesons Büro, und selbst Scully zeigte Anflüge davon in ihrem Autopsieunterricht. Schade, dass die Alienstory, die als Vehikel diente, so wirr war und die Mythologie nicht wirklich voranbrachte. Ich gebe trotzdem knapp fünf Tonbänder für die Episode.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Jul 2018 19:24

Folge 2, Staffel 2: "Der Parasit / The Host"

(Kopie von SciFi Forum)


Tja, Flukey ist zweifellos eines der X-Files-Kult-Monster (anscheinend gibt's sogar eine Flukey-Actionfigur), aber aufgrund des beträchtlichen Ekel-Faktors scheiden sich an der Folge trotzdem die Geister. Eigentlich nicht wirklich die typische Carter-Folge. (Der Darsteller von Flukey ist übrigens kein geringerer als Darin Morgan, Autor von Folgen wie "Der Zirkus", "Krieg der Koprophagen", "Das Wermonster" etc.)

Mulder wurde von Skinner auf einen Mordfall an einem Kanalisationsarbeiter angesetzt, worüber er sich fürchterlich aufregt. Da kommt er schonmal von seinem Tonbandgerät weg, und dann setzt man ihn auf einen Fall an, in dem er in der Kanalisation herumwaten darf! Bin sicher, dass Carter / der Leiter der Einrichtung ihn mit Absicht ohne Schutzkleidung da reinsteigen lassen haben, um sein "cooles Exterieur" ein bisschen zu ramponieren. Geschniegelte und gebügelte Typen kommen bei Beschäftigten in derartigen Berufen oft nicht so gut an. Jedenfalls empfindet Mulder das als reine Schikane und ist so sauer, dass er in eine Besprechung mit Skinner reinplatzt. Man beginnt zu ahnen, dass Skinner es mit Mulder nicht immer einfach hat. Mulder zieht ernsthaft in Erwägung, beim FBI aufzuhören. Scully gefällt diese Idee gar nicht und sie schafft es, sich durch die Hintertür in den Fall einzuklinken. Interessant dabei Mulders Aussage, der Hauptgrund, warum er bleibe, sei, dass die nicht wollen, dass er und Scully zusammenarbeiten. Auch gut gefallen hat mir die Szene, in der die beiden sich streiten, wie groß so ein Plattwurm werden kann und ob er für solche Bisswunden verantwortlich sein kann.

Flukey sorgt in der Tat für einige Absurditäten. Wiederholt wird angedeutet, dass man nicht recht weiß, ob man ihn jetzt als menschliches Monster oder als monströsen Menschen ansehen soll (Scully schien mir da sehr unentschlossen). Beispielsweise, dass man ihn in einem Krankenwagen transportiert (Flukey ist ein gewitzter Plattwurm, er entkommt und versteckt sich im Dixie-Klo, um wieder in die Kläranlage zu kommen). Oder auch gegen Ende der Episode, als es darum geht, wie der Fall prozesstechnisch zu behandeln ist und ob man Flukey in einer Irrenanstalt unterbringen kann.

Auf die richtige Spur gebracht werden die beiden von einem neuen Informanten im FBI, den man fürs erste nur am Telefon hört und der Scully eine Zeitung mit den wesentlichen Informationen unter der Tür durchschiebt. Dem ist offenbar sehr daran gelegen, dass die X-Akten wieder geöffnet werden, und Mulder bei der Stange bleibt. Zumindest was das letztere angeht, erreicht er sein Ziel, und Skinner muss am Ende zugeben, dass der Fall eigentlich eine X-Akte ist.

Etwas Carter-typische Philosophie gibts dann am Ende doch noch, als Scully den zu groß geratenen Plattwurm mit der Tschernobyl-Katastrophe in Verbindung bringt und meint, dass Flukey ein von Menschen gemachtes Monster sei.

Insgesamt eine sehr gute Episode mit einem bizarren Fall um ein gruseliges Monster, Mulder-und-Scully-Interaktion, einiges an Charakterentwicklung. Flukey ist eines der denkwürdigsten Monster der X-Akten, wenn auch nicht ganz auf dem Level von Tooms für meine Begriffe. Ich gebe fünf Dixie-Klos dafür.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 4. Aug 2018 17:55

Folge 3, Staffel 2: "Blut / Blood"

(Kopie von SciFi Forum)


Drei zertrümmerte Displays. Mulder hat immer noch schlechte Laune, der örtliche Polizist am Anfang, der ständig redete, ohne ein Antwort zu bekommen, tat mir schon leid. Immerhin war er gleich auf der richtigen Spur mit dem zertrümmerten Display im Aufzug, während Scully und die Lone Gunmen der Sache mit dem Pflanzenschutzmittel auf die Spur kommen.

Übermittlung von unterschwelligen Botschaften ist ja ein wiederkehrendes Thema bei den X-Akten, hatten wir schon in Conduit, kommt auch später nochmal wieder. Wie das allerdings hier zustande kam, war mir nicht ganz klar - waren es nur Halluzinationen und die Botschaften erschienen gar nicht auf dem Display? Waren es echte Botschaften, wie hackt man sich in eine Mikrowelle, in einen Taschenrechner? Und warum sieht die Botschaft nur einer, besonders in dem Lift? Die Szene am Schluß deutete ja eher drauf hin, dass es echte Botschaften waren. Unterstellt natürlich, es war nicht auch ein Hirngespinst von Mulder. Während es in der Küche so aussah, dass nur die Frau die Botschaft auf der Mikrowelle sah. Sehr eigenartig das Ganze. Richtig schlau werde ich nicht aus der Geschichte und kann auch nicht allzuviel mit ihr anfangen. :ka2:
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 4. Aug 2018 18:01

Folge 4, Staffel 2: "Schlaflos / Sleepless"

(Kopie von SciFi Forum)


"Sleepless" gefällt mir deutlich besser als "Blood". Ein Arzt setzt einen Notruf ab, seine Wohnung sei in Flammen, aber als die Feuerwehr ankommt, gibt es keine Anzeichen eines Brands. Später wird ein Vietnam-Veteran in seiner Wohnung tot aufgefunden. Die Opfer sind laut Autopsie an den Folgen von Verbrennungen bzw. Erschießung gestorben, ohne dass äußerlich Einschüsse oder Verbrennungszeichen zu sehen sind. Beide waren Teil eines Regierungsprogramms, das mittels Gehirnoperationen Supersoldaten hervorbringen sollte, die ohne Schlaf auskommen. Der Mörder ist einer dieser Supersoldaten, der sich auf einer Art pseudo-religiösen Mission sieht und alle an dem Programm Beteiligten töten will.

Erstmals wird in dieser Folge die Idee von Supersoldaten eingeführt, allerdings ohne Beteiligung Außerirdischer oder des Syndikats. Es ist offenbar ein Programm des Verteidigungsministeriums. Wieder einmal führt die Regierung an ihren Soldaten bewusst Experimente durch ohne Rücksicht auf deren Gesundheit oder irgendwelche Nachwirkungen. Ohne Schlaf existieren zu können bedeutet nicht nur dauernde Einsatzbereitschaft, sondern auch keine "Störungen" durch Alpträume etc. Aber die Unfähigkeit zu schlafen beraubt die Soldaten auch der Fähigkeit, die Erlebnisse im Traum aufzuarbeiten.

Für mich ist die Motivation und das ganze Experiment sehr viel nachvollziehbarer als die Geschichte in "Blood". Schon deshalb gefällt mir diese Episode besser. Hinzu kommt die Einführung zweier wichtiger wiederkehrender Figuren. Da ist zum einen Krycek, einer der zwielichtigsten Charaktere, der hier als Mulders neuer Partner eingeführt wird und mit seiner penetranten Einschleimerei gleich mal negativ auffällt. Ob Mulder tatsächlich auf Kryceks naive Art hereinfällt, ist mir nicht ganz klar. Jedenfalls hält er ihn erstmal aus den wichtigen Konversationen mit Scully heraus.

Der zweite neue Charakter ist X, Mulders neuer Informant und "Nachfolger" von Deep Throat. X hat zwar schon in "The Host" Scully die entscheidende Zeitung zukommen lassen, hier tritt er aber erstmals sichtbar auf. Er macht gleich mal klar, dass er nicht gewillt ist, wie Deep Throat zu enden. War Deep Throat zwar ebenfalls etwas zwielichtig, so erschien er doch immer freundlich und gutmütig. X dagegen ist völlig anders gestrickt, aggressiv und teilweise feindselig. Was seine Motive sind, bleibt völlig unklar. Er ist auch deutlich paranoider als Deep Throat das war. Wie sich herausstellt, nicht zu unrecht, denn Krycek hat bereits bemerkt, dass Mulder einen neuen Informanten hat.

Die Einführung von Krycek und X bringen zusätzliche Komplexität in die Gemengelage der Serie ein. Bei beiden weiß man nicht, woran man ist - auch wenn Kryceks Loyalitäten in dieser Folge klar zu sein scheinen: Er erstattet am Ende dem Raucher Bericht und bezeichnet dabei Scully als ein viel größeres Problem, als dieser beschrieben hatte. Krycek wurde bei Mulder eingeschleust, um den Job zu machen, der zu Beginn der Serie eigentlich Scully zugedacht war. m.E. eine der wichtigsten Entwicklungen zu Beginn der zweiten Staffel und in der Frühphase der Serie überhaupt. Robert Bowmans Regie und der Soundtrack gefallen mir auch sehr gut. Ich gebe gute vier Schlaftabletten dafür.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Aug 2018 18:31

Folge 5, Staffel 2: "Unter Kontrolle / Duane Barry"

(Kopie von SciFi Forum)


Von mir bekommt "Duane Barry" sechs Implantate. Zwar ist es eine typische Außerirdischen-Folge, sie bringt aber auch die Mythologie einen großen Schritt voran, leitet Scullys wichtigsten persönlichen Handlungsbogen ein und hat noch dazu eine spannende Entführungsgeschichte zu bieten.

Zum ersten Mal bekommt man ein klares Bild von den Außerirdischen und den Experimenten, die sie mit den Entführten anstellen. Die Rückblenden, in denen Barry Löcher in die Zähne gebohrt werden, sind schon gruselig, selbst wenn nicht ganz klar ist, ob sie nur in der Einbildung von Barry existieren. Denn wie schon Max ist auch Barry wieder so ein Entführter, der prädestiniert ist, als unglaubwürdig abgestempelt zu werden. Er wird als Entflohener aus einer Nervenklinik eingeführt, später stellt sich heraus, es gab einen Vorfall, bei dem ihm in den Kopf geschossen wurde. Vermutlich stand dieser Unfall (?) im Zusammenhang mit seiner ersten Entführung und er fing danach an, Geschichten über Aliens zu erzählen. Er ist offensichtlich psychotisch und es ist lange Zeit unklar, ob und was man von seiner Geschichte glauben kann. Eine gewisse Verwandtschaft mit Mulder ist nicht zu leugnen; man erfährt, dass er vor diesem Vorfall als mustergültiger FBI-Agent galt, bis mysteriöse Geschehnisse außerhalb seiner Kontrolle seine Karriere zerstörten.

Entsprechend ist auch Mulders Verhalten in der Entführungsszene stark persönlich geprägt, er will nicht nur die Geiseln freibekommen, sondern er nutzt die Situation, um mehr über die Aliens herauszubekommen. Inwieweit er Barrys Geschichte glaubt, ist unklar - auch nachdem ihn Scully von Barrys Kopfschuss erzählt. Unter anderem erzählt Barry auch, dass die Regierung und die Aliens im Geheimen zusammenarbeiten und auch das Militär verwickelt ist. Es wird also hier im Grunde das Syndikat eingeführt.

Am Ende stellt sich heraus, dass Barry ein echter Entführter ist, es werden Löcher in seinen Zähnen gefunden, die mit menschlicher Technik nicht gebohrt werden können, und Implantate, die mit einer Art Barcode ausgestattet sind (toll die Szene, in der Scully das Implantat über die Supermarktkasse zieht!). Bei allen Psychosen und Wahnvorstellungen hat Barrys Geschichte also einen realen Hintergrund. Toll auch der Cliffhanger, als Barry vor Scullys Fenster auftaucht, grade als sie Mulder die Sache mit dem Barcode mitteilen will.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Aug 2018 18:32

Folge 6, Staffel 2: "Seilbahn zu den Sternen / Ascension"

(Kopie von SciFi Forum)


Für "Ascension" gebe ich fünf Seilbahnkabinen. Die Episode gefällt mir sehr gut, aber nicht ganz so gut wie "Duane Barry".

Die Episode geht nahtlos dort weiter, wo "Duane Barry" aufhörte, nur am anderen Ende der Telefonleitung. Mulder kommt zu spät, um Scullys Entführung zu verhindern, wird danach - natürlich vergeblich - von der Suche nach ihr ausgeschlossen, und macht sich mit Krycek im Schlepp auf eigene Faust auf die Suche nach Scully. Krycek - der in der letzten Episode nur Kaffee holen durfte - hat den Auftrag, Mulder bei seiner Verfolgung von Scully aufzuhalten, und es gelingt ihm auch, wenn auch nur mit knapper Not. Krycek wird hier vom Spitzel zum Saboteur. Die Stunt-Szenen mit Mulder auf dem Dach der Seilbahn gehören zu den besten der ganzen Serie, wirklich haarsträubend, auch wenn man eigentlich weiß, dass ihm natürlich nichts passieren wird. Dank Kryceks Intervention kommt Mulder zu spät und kann Scully nicht mehr retten, für eine 90er Jahre Serie sehr ungewöhnlich.

Sehr gut gelungen fand ich auch wieder die Szenen mit den Experimenten an Scully und die Konfrontation des völlig aufgelösten Mulder mit Barry (in denen sehr deutlich wird, wie viel ihm inzwischen an Scully liegt). Auch nett war die Entwicklung der Figur Krycek, der offensichtlich ganz unten in der Syndikatshierarchie steht und auch da nicht viel mehr als der Kaffee-Boy ist - was ihn erkennbar frustriert.

Die Frage, wie Barry Scully überhaupt gefunden hat, ist berechtigt, und Mulder vermutet, jemand habe ihm Scullys Adresse gegeben. Dieser "Jemand" ist aller Wahrscheinlichkeit nach Krycek, unter Anweisung des Rauchers. Allem Anschein nach war die ganze Entführung von Scully arrangiert, die in "Sleepless" angekündigte Lösung des Problems Scully. Die Flugzeuge, die man am Ende sieht, sind auch keine außerirdischen UFOs wie das, das Barry zu Anfang von "Duane Barry" gesehen hat, sondern es sieht sehr nach irdischem Flugzeug aus. Scully wurde aller Wahrscheinlichkeit nach vom Syndikat entführt, auch wenn außerirdische Hilfe dabei war (in der Entführungsszene redete Mulder vom Zeitverlust). Am Ende, als Krycek einfach verschwindet, scheint das nicht nur Mulder klar zu sein, sondern auch Skinner, der daraufhin die X-Akten wieder öffnet. m.W. das erste Mal, dass sich Skinner hier klar auf Mulders Seite stellt.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 6. Sep 2018 22:27

Folge 7, Staffel 2: "Drei / 3"

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Ich kann mit "3" wirklich nichts anfangen, deshalb gibt es nur zwei Blutkonserven von mir. Es ist eine Füller-Episode, die eigentlich nur existiert, um Gillian Andersons Entbindung zu überbrücken.

Die X-Akten werden wieder geöffnet, die Szene, in der Mulder im Büro die Plastikverhüllungen entfernt und Scullys Akte öffnet, ist ganz nett. Der Kalender sagt, das Büro war für drei Monate geschlossen. Der ganze Fall scheint nur deshalb überhaupt zu existieren, um einem Mulder, der wegen Scullys Entführung völlig von der Rolle ist, Ablenkung in Form dieser Vampir-Frau zu verschaffen.

Die ganze Behandlung des Vampir-Themas finde ich nicht besonders gelungen. Ähnlich wie schon Gender Bender greift auch "3" die Aids-Thematik wieder auf, Motto "Sex ist gefährlich", hier vor allem auch im Zusammenhang mit blutigen Spielchen. Kristen Kilar ist ein Opfer, das letztlich aufgrund ihrer Geschichte mit einem brutalen Vater in die Sache hineingeraten ist. Genau die Richtige also für Mulders Beschützer-Komplex.

Konnte mir in Gender Bender noch die Inszenierung gefallen, so rettet diese "3" auch nicht mehr. Das Drehbuch leidet unter einer ähnlich wirren Story wie das über die Kindred-Kolonie; eigentlich soll es um "Vater, Sohn und Unheiligen Geist" gehen, aber Kristen ist letztlich nicht der Unheilige Geist, nach dem gesucht wird und für den man sie über fast die ganze Episode hält, sondern ein Opfer dieser Vampir-Dreieinigkeit. Der echte Unheilige Geist ist, wie sich herausstellt, eine andere Frau, über die man nichts erfährt und die man kaum zu sehen bekommt. Das alles kommt etwas wirr und unausgegoren herüber, inklusive der Auferstehung des "Sohnes", über die man auch nichts weiteres erfährt. Zum Abschluss findet Kristen einen Weg, den Vampir auszulöschen, ohne selber jemand anderen zu töten, indem sie sich selbst das Leben nimmt.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 6. Sep 2018 22:29

Folge 8, Staffel 2: "An der Grenze / One Breath"

(Kopie von SciFi Forum)


Wie ich sehe, falle ich hier total aus der Reihe, denn ich gebe sechs nicht benötigte Grabsteine für diese tolle Charakterfolge.

Mrs Scully hat schon den Grabstein bestellt, da taucht Scully plötzlich bewusstlos und in kritischem Zustand in einem Krankenhaus auf. Keiner weiß, wie sie da hin gekommen ist, geschweige denn, was ihr fehlt, was Mulder vollends in Rage bringt. In seiner Verzweiflung sucht er Freund und Feind auf, um an Informationen zu kommen, die Scully helfen könnten. Erst sucht er die Lone Gunmen auf (ich fand die Szene, als Frohike im Smoking und mit den Blumen im Krankenhaus auftauchte, rührend), die in Scullys Datenfiles Hinweise auf gentechische Experimente finden. Laut dem Kollegen auf http://www.eatthecorn.com wurden an Scully Hybridisierungsexperimente durchgeführt (Langley: …something as insidious as grafting a human into something… inhuman“). Die verzweigte DNA, die Langley und Co. auf den Charts sehen, sind die Überreste zugeführter außerirdischer oder hybrider DNA, die nach den Versuchen inaktiviert wurde und nun als toxischer Müll in Scullys Blut bleibt. Rat oder Hilfe haben sie für Mulder aber auch nicht.

X, mit dem Mulder dann in der Tiefgarage aneinandergerät, wirkte auf mich regelrecht panisch. Er verlangt von Mulder, Scully aufzugeben und hat sichtlich Angst, dass jemand ihm bzw. seiner Verbindung zu Mulder auf die Schliche kommt und er so endet wie Deep Throat. Er bezeichnet Mulder als "Schuljungen" und sein „Werkzeug“, das er nur benutzt, wenn er es braucht (braucht wozu? Immer noch ist rätselhaft, was Xs Motivation eigentlich ist). Die eiskalte Art, mit der er den Typen abknallt, der Scullys Blutprobe mitgenommen, hat, macht den Unterschied zwischen ihm und Deep Throat wieder einmal deutlich.

Nach einem fruchtlosen Besuch bei Skinner ist der nächste, mit dem Mulder zusammenrasselt, der Raucher (amüsante Szene kurz davor in Skinners Büro, als der Raucher das "bitte nicht Rauchen"-Schild ignoriert). Mulder ist da schon ganz nahe dran, zur dunklen Seite zu wechseln und den Raucher einfach zu erschießen. Der Raucher gibt mehr oder weniger zu, hinter Scullys Entführung zu stecken, und erklärt ihm, er glaube, dass er das Richtige tue. "Don't threaten me, Mulder, I've watched presidents die" - ein klassisches Akte-X-Zitat und eine fantastische Szene. Wie schon X macht der Raucher kryptische Andeutungen, was er alles weiß, das Mulder nicht weiß und die Welt nicht erfahren darf. Als Mulder dann beim FBI kündigen will, akzeptiert Skinner das nicht. Die Gespräche mit Skinner und davor mit Melissa machen klar, dass Mulders desolate Verfassung mindestens so sehr auf Schuldgefühle und Selbstvorwürfe und Selbsthass, Scullys Schicksal verursacht zu haben, wie auf den Verlust von Scully selber zurückzuführen ist.

Nach dem nicht durchgeführten Racheversuch am Raucher (bezeichnend, dass Mulder noch nicht einmal versucht, aus ihm herauszubekommen, wie Scully vielleicht zu helfen sein könnte - das Ganze ist wirklich ein ziemlicher Ego-Trip) bekommt er von X eine zweite "Chance", auf die dunkle Seite zu wechseln und an Scullys Entführern Rache zu nehmen (wieder charakteristisch, dass so Xs Vorstellung von Hilfe in dieser Situation aussieht). Bevor die von X zu Mulders Wohnung gelotsten Einbrecher dort ankommen, steht aber Scullys Schwester vor der Tür. Melissa, die im Krankenhaus mit ihrem Kristallpendel wie das Klischee einer typischen abgedrehten New-Age-Tusse wirkte, durchschaut hier völlig, was in Mulder vorgeht, und bringt ihn dazu, den "dunklen Ort" (die ausgeschalteten Lichter meinte sie damit nicht) zu verlassen und Scully an ihrem (vermeintlichen) Totenbett zu besuchen, um sich zu verabschieden. Als Mulder dann in sein verwüstetes Apartment zurückkommt, ist endgültig alles zuviel für ihn; der emotionale Gipfel der Episode, als er im Dunkeln weinend zu Boden sinkt. Tolle schauspielerische Leistung, wie überhaupt in der ganzen Episode, des angeblich "hölzernen" Duchovny.

Insgesamt eine tolle Episode, in der man viel über Mulder, X und auch den Raucher und Skinner erfährt. Viel Übersinnliches enthält die Episode nicht, aber erwähnenswert ist doch die mysteriöse Schwester Owens, Scullys Begleiterin in der Zwischenwelt, die nur sie allein auch im Krankenhaus sieht.
Es könnte sich dabei um eine der Walk-Ins handeln, der außerirdischen Beschützerrasse, die in Red Museum erstmals erwähnt wird und später in "Closure" im Zusammenhang mit dem Tod Samanthas.
Überhaupt hat mir die Inszenierung mit den verschiedenen Szenen im Zwischenreich (im Ruderboot, auf dem Tisch, wo sie ihren verstorbenen Vater trifft) sehr gut gefallen.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 6. Sep 2018 22:31

Folge 9, Staffel 2: "Der Vulkan / Firewalker"

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Ich gebe knappe vier Vulkan-Roboter für "Firewalker", eine Episode, die mMn etwas darunter leidet, dass nach den dramatischen Ereignissen im Dreiteiler um Scullys Entführung hier ziemlich abrupt und unvermittelt zur Tagesordnung übergegangen wird. Eigentlich sollte man meinen, dass Scullys Erlebnisse irgendeine Auswirkung haben, aber davon sieht man kaum etwas.

"Firewalker" hat vom Setting her viel Ähnlichkeit mit "Ice"; es geht um eine bisher unbekannte Lebensform, die Mitglieder eines irgendwo im Nirgendwo operierenden Forschungsteams infiziert, wer infiziert ist, weiß man nicht, und somit herrscht eine paranoide Atmosphäre. Wieder ist der auf den ersten Blick Verdächtige nicht das Problem. Auch der Einstieg mit den Aufzeichnungen erinnert bereits an "Ice". Leider reicht die Episode trotz einiger guter Inszenierungen, v.a. als Mulder Trepkos im Eingang zu dem Vulkan trifft, zu keinem Zeitpunkt wirklich an "Ice" heran.

Interessant ist hier die Idee der Silizium-Lebensform, die Trepkos glaubte, im Vulkan entdeckt zu haben, und die in der Science Fiction schon öfter aufgetaucht ist, beispielsweise mit der Horta in der Star Trek-Episode "The devil in the dark". Beide "Sciene"-Bücher zu den X-Akten - das von Jeanne Cavelos und das von Carters wissenschaftlicher Beraterin Simon setzen sich mit dieser Episode und der Frage, unter welchen Bedingungen solche Lebensformen existieren könnten und wie sie aussehen könnten, auseinander. Das Resultat ist in beiden Büchern, besonders plausibel ist die in dieser Folge gezeigte Variante nicht. Etwas Foreshadowing ist auch noch dabei.
Das Wachsen des Pilzes im menschlichen Wirt erinnerte mich an die später in der Serie auftauchenden "Embryonen" der Grauen.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 8. Sep 2018 19:11

Folge 10, Staffel 2: "Das Rote Museum / Red Museum"

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Für „Red Museum“ gibt es vier Spare-Ribs von mir. Mulder und Scully untersuchen eine Reihe von Entführungen Jugendlicher, die alle nach mehreren Stunden völlig verstört und nicht ansprechbar, in Unterwäsche und mit einem Schriftzug „He (oder She) Is One“ auf dem Rücken irgendwo in der Natur wieder auftauchen. Der örtliche Sheriff glaubt an Besetzung, wofür auch die Aussage eines der Jungen spricht, und hat eine vor einiger Zeit zugezogene New-Age-Sekte militanter Vegetarier, das Red Museum, im Verdacht, deren Anführer Botschaften aus einer anderen Welt channelt. Ebenfalls Verdacht erregt ein offenbar pädophiler Spanner.

Tatsächlich stellt sich der Fall als etwas ganz anderes heraus, der örtliche Arzt hat Kinder als Versuchsobjekte für Hybridisierungsexperimente verwendet, unter dem Vorwand, ihnen Vitaminspritzen zu verabreichen. Deep Throat hat in „The Erlenmeyer Flask“ solche Experimente erwähnt. Das außerirdische Material wurde sowohl den Kindern direkt gespritzt (wie die Affen in „Erlenmeyer Flask“ wurden die Kinder aggressiv), als auch Rindern injiziert, was dann über das Essen von Rindfleisch bei der örtlichen Bevölkerung ankam. Die Vegetarier-Sekte diente als Kontrollgruppe. Scully kommt der Angelegenheit auf die Spur, da sie sowohl die Purity Control-Verbindung in der Blutprobe als auch Deep Throats Mörder, hier damit beschäftigt, die Farmmitarbeiter zu töten, wiedererkennt.

Die Handlung ist etwas verwirrend mit den ganzen falschen Fährten - die Sekte, der pädophile Spanner, der für die Kinderentführungen verantwortlich ist, aber sonst mit der Sache nichts zu tun hat - und anscheinend zusammenhanglosen Ereignissen (was, wenn überhaupt etwas, hatte der Flugzeugabsturz mit allem zu tun?), und es werden wieder alle möglichen Themen angerissen. New Age Sekten, Wachstumshormone in der Fleischproduktion, Experimente an Kindern unter dem Vorwand von Impfungen. Insgesamt fand ich die Geschichte trotzdem unterhaltsam. Gefallen hat mir auch, dass keiner das war, was er zu sein schien, und speziell mit der Sekte nicht einfach dumpfe Klischees bedient wurden. Den Show-down im Schlachthaus fand ich auch sehr gut inszeniert.

Die Walk-Ins, als die Mulder die Sektenmitglieder identifiziert, sind eine außerirdische Bewahrer-Rasse, die Menschen in Not beistehen. Es wurde spekuliert, dass Schwester Owen aus „One Breath“ eine Walk-In war.
In jedem Fall tauchen die Walk-Ins später nochmal auf, in „Closure“, im Zusammenhang mit dem Tod von Samantha.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 8. Sep 2018 19:12

Folge 11, Staffel 2: "Excelsis Dei / Excelsis Dei"

(Kopie von SciFi Forum)


Maximal zwei chinesische Pilze. Diese Episode ist mMn eine der schwächsten überhaupt, das fängt an beim logisch wieder mal wirren Drehbuch, geht weiter mit Stereotypen über sadistische Pfleger, lüsterne greise Männer und weise Eingewanderte aus Fernost, und endet mit einer schwer verdaulichen Behandlung des Themas „Vergewaltigung“.

Eine Schwester in einem Altenpflegeheim behauptet, von einer unsichtbaren Entität vergewaltigt worden zu sein. Nicht nur die Heimleiterin und alle anderen Beteiligten, sondern auch der ansonsten in solchen Fragen sensible Mulder tut das als eine Masche ab, um aus einem ungeliebten Job herauszukommen, obwohl offensichtlich ist, dass der Schwester etwas zugestoßen ist. Einzig Scully nimmt sich des Falls an, den ihr Kollege am liebsten wie eine heiße Kartoffel fallen ließe (und sich im Übrigen zu keinem Zeitpunkt später für seine Fehleinschätzung entschuldigt oder sie auch nur eingesteht).

Die Heimbewohner, Alzheimerkranke, zeigen überraschende und unerklärliche Besserungen ihrer Symptome. Die weiteren Ermittlungen bringen ans Licht, dass ein kürzlich eingestellter Pfleger aus Fernost den Patienten eine aus Pilzen hergestellte Pflanzenarznei verabreicht, die sowohl die Alzheimer-Erkrankung bessert, als auch Geister von im Heim Verstorbenen sichtbar macht, welche dann an sadistischen Pflegern Rache üben.

Das ist alles ziemlich wirr. Es fängt schon damit an, dass Schwester Charters gleichzeitig den Heimbewohner Hal und eine unsichtbare Entität der Vergewaltigung beschuldigt. Das ergibt nur Sinn, wenn die Droge Hal auch die Fähigkeit verschafft, außerhalb seines Körpers aktiv zu werden und dabei auch noch charakteristisch zu riechen. Da frage ich mich, was die Pilze eigentlich noch alles können sollen -– sie bessern Alzheimer, verwandeln Greise in Superathleten, verleihen telekinetische Fähigkeiten, ermöglichen Astralreisen mit der außergewöhnlichen Note, dass der Astralkörper riecht, sie öffnen das Tor zur Anderswelt und ermöglichen die Kommunikation mit Geistern, und befähigen die Geister, ihre ehemaligen Pfleger zu ermorden.

Von dem ganzen logischen Wirrwarr mal abgesehen ärgert mich an der Episode so ziemlich alles. Die für mein Empfinden diffamierende Darstellung der Pfleger, an denen abgesehen vom "Weisen aus Fernost" samt und sonders kein gutes Haar gelassen wird (ich hatte und habe selber mehrere Angehörige, die in einem Pflegeheim waren oder sind, und konnte nirgends etwas Derartiges erkennen), die Klischees über lüsterne alte Männer, die junge Frauen betatschen und ihnen nachstellen, die Art und Weise, wie Schwester Charltons Aussagen abgestempelt werden, und schließlich auch der weise Orientale selber, der zwar Predigten über die Behandlung der Alten in einer Gesellschaft hält, in seiner Weisheit aber nicht auf die Idee kommt, dass es vielleicht keine so gute Idee ist, Demenzkranken Drogen mit starken psychokinetischen Eigenschaften zu verabreichen, die die Kommunikation mit Geistern ermöglichen, oder zumindest seine Tabletten so sicher zu verwahren, dass sie von den Patienten nicht eigenmächtig konsumiert werden können.

Also insgesamt finde ich das alles recht ärgerlich, allenfalls rettet wieder einmal die Inszenierung die Episode, wobei ich auch nicht weiß, was eigentlich die Episode mit Mulder und der Schwester im überfluteten Badezimmer sollte. Nur damit man eine Action-Szene hatte und Scully die beiden retten konnte?
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 8. Sep 2018 19:13

Folge 12, Staffel 2: "Böse geboren / Aubrey"

(Kopie von SciFi Forum)


Irgendwie hapert es ein bisschen mit der Logik in dieser Phase der X-Akten, denn in dieser Episode ist es auch wieder nicht allzu weit damit her. In Aubrey geschieht eine Serie von Morden, die erstaunliche Ähnlichkeiten zu einem 50 Jahre alten Fall aufweisen, der von einem der ersten Profiler, Sam Chaney, untersucht wurde. Das Skelett Chaneys wird von einer örtlichen Polizistin, B.J. Morrow, unter mysteriösen Umständen entdeckt. Die aus einer außerehelichen Affäre mit ihrem Vorgesetzten schwangere Morrow hat Visionen und präkognitive Träume, mit deren Hilfe sie einem über 70-jährigen früheren Gewalttäter, Harry Cokely, auf die Spur kommt. Es stellt sich heraus, dass Morrow Cokelys Enkelin ist, deren Vater das Produkt einer von Cokely begangenen Vergewaltigung ist. Morrow selbst ist für die neue Mordserie verantwortlich.

Mulder und Scully – besonders aber Mulder – vermutet eine genetische Verbindung zwischen Cokely und Morrow, aufgrund derer sich Cokelys mörderische Veranlagung in Morrow manifestiert. Das mutmaßliche Gen hat eine Generation übersprungen, so dass nicht Cokelys Sohn selber, sondern die Enkelin Morrow zur Mörderin wird. Mulder weist auf Resultate der Zwillingsforschung hin, die darauf hinweisen, dass Persönlichkeitseigenschaften zumindest teilweise vererbt werden können. Chris Carters wissenschaftliche Beraterin weist in ihrem Buch (allerdings im Zusammenhang mit einer anderen X-Files-Episode) auch auf solche Forschungsergebnisse hin.

Wenn man diese Hypothese als Möglichkeit annimmt, stellt sich für mich immer noch die Frage, weswegen Morrow erst zur Mörderin wurde, als sie schwanger wurde. War dann nicht Morrow selber, sondern das Ungeborene mörderisch? Dann verstehe ich nicht, weswegen sich die Bösartigkeit so früh manifestierte – man sollte eigentlich annehmen, dass das Gehirn des Fötus einigermaßen ausgebildet sein muss, bevor die Verhaltensmuster auftreten und die Kontrolle über die Mutter übernehmen können. Die Szene gegen Ende der Episode, als Morrow dann auf Mulder losgeht und sogar mit Cokelys Stimme spricht, deutet wiederum mehr auf eine Übernahme von Morrows Körper durch Cokely hin als auf ererbte Verhaltensmuster – der Spuk hört ja auch auf, als Cokely stirbt. Völlig unklar ist mir, was das Kollektive Unbewusste nach Jung, das Mulder erwähnt, mit all dem zu tun haben soll. Soweit ich weiß, geht es da um kollektive Erinnerungen, mit einer genetischen Verknüpfung hat das m.W. nichts zu tun.

Nichtsdestoweniger gefällt mir die Episode sehr viel besser als „Excelsis Dei“. Das Thema, das aufgegriffen wird, ist, auch wenn es etwas wirr behandelt wird und das Drehbuch einiges durcheinander bringt, interessant – was ist das Böse? Wie der ermordete Profiler zitiert wird: “One must wonder how these monsters are created. Did their home life mold them into creatures that must maim and kill, or are they demons from birth?” Die Handlung erinnert auch an die biblische Vorstellung von der Erbsünde.

Im Unterschied zu „Excelsis Dei“, wo ich zu keinem der Charaktere irgendeinen Draht bekam, finde ich hier sowohl Morrows Schicksal als auch das ihrer Großmutter berührend. Das liegt zum Teil an den sehr guten schauspielerischen Leistungen – vor allem Deborah Strang in der Rolle von Morrow fand ich in den verschiedenen Extremsituationen, die ihr Charakter zu durchleben hatte, sehr überzeugend - zum Teil aber auch am Drehbuch und der Geschichte selbst. Vor allem werden die Vergewaltigung und ihre Folgen thematisiert und dienen nicht nur als Vehikel, das dann in der Luft hängen gelassen wird. Über den Wirrwarr mit den vererbten Verhaltensmustern lässt das etwas hinwegsehen. Ich vergebe vier auf dem Feld vergrabene Skelette dafür.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 10. Sep 2018 22:47

Folge 13, Staffel 2: "Todestrieb / Irresistible"

(Kopie von SciFi Forum)


"Irresistible" erhält fünf ausgerupfte Fingernägel von mir. Mulder und Scully werden zu einem Fall von Leichenschändung gerufen, der weiblichen Leiche wurden Haare und Fingernägel entfernt. Als wenig später eine weitere ähnlich verstümmelte Leiche gefunden wird, vermutet Mulder, dass der Täter schon bald zu morden beginnen wird. Sein nächstes Opfer wird Scully selbst, die der Täter entführt.

„Irresistible“ ist die erste wirklich verstörende Episode, gerade weil sie keine lupenreine X-Akte ist, sondern Verbrecher wie Donald Pfaster auch ohne paranormale Einflüsse existieren können. Die Vermutung des örtlichen Sheriffs, Außerirdische hätten die Schändung zu verantworten, ist ein Hinweis auf die Unmenschlichkeit des Falls: Er kann sich nicht vorstellen, dass ein Mensch so eine Tat begehen kann.

„Irresistible“ ist vor allem ein sehr gelungenes Charakterstück über Scully, die große Probleme mit dem Fall hat. Nach ihrer Entführung wurde in der Serie bzw. von ihr selbst nicht wirklich aufgearbeitet, was ihr widerfahren ist, es blieb bei ein paar lapidaren Bemerkungen, dass sie besser gleich wieder arbeiten wolle. Scully wollte sich am liebsten gar nicht mit ihrer Entführung und dem, was mit ihr gemacht wurde, auseinandersetzen. Vor allem wollte sie vor Mulder keine Schwäche zeigen. Bei den drei vorhergehenden Fällen klappte das noch, aber Pfaster mit seiner Schändung weiblicher Leichen lässt ihr nun keine andere Wahl. Bei ihrem Besuch bei der FBI-Psychologin wird die Entführung endlich angesprochen - ein Unding, dass nach einem solchen Erlebnis nicht gleich ein Gespräch mit einem Psychologen fällig wird. Ihre Visionen, in denen Pfaster kurz als eine Art Dämon erscheint, könnten ein Hinweis auf seine wahre Natur sein, sie könnten aber auch bedeuten, dass Scully hier mit ihren eigenen Dämonen kämpft, oder dass sie mit dem Bild von ihrem Entführer als etwas Nicht-Menschlichem ihre Entführung unter mutmaßlicher Beteiligung Außerirdischer zu Beginn von Staffel 2 aufarbeitet.

So verletzbar wie in dieser Episode hat man Scully bisher in der Serie noch nicht gesehen. Sie geht von sich aus zur Psychologin und vertraut sich ihr an, nachdem sie Mulders Fragen aus dem Weg gegangen ist. Sie will sich auf keinen Fall in eine emotionale Abhängigkeit von ihrem Partner begeben, was auch ein Hinweis ist, an welchem Punkt diese Beziehung gerade ist. Nach ihrer abermaligen Entführung bricht die Schutzmauer aber endgültig zusammen und sie heult sich an Mulders Schulter wie ein verängstigtes Kind den ganzen Horror von der Seele.

Beide Darsteller, vor allem aber Anderson, finde ich in dieser Episode sehr überzeugend. Ebenso Nick Chinlund als Donald Pfaster, der das Monster in der biederen Verkleidung sehr glaubhaft verkörpert. Trotz der Biedermeier-Fassade hat Pfaster etwas Bedrohliches, Verstörendes an sich; er erinnert mich in dieser Hinsicht an Tooms. Die eiskalte Wohnung, die wie ein Leichenschauhaus dekoriert ist, passt zu diesem Eindruck. Auch die Regie macht hier einen großartigen Job. Dass Pfaster trotzdem so einfach in der Menge verschwinden kann und die Leute nichts Verdächtiges an ihm erkennen, ihn sogar Vertrauen erweckend finden, könnte mit einer Fähigkeit zur emotionalen Einflussnahme zu tun haben. Wie @irony oben schon schrieb, taucht Donald Pfaster später in der Serie wieder als Dämon auf. Außerdem erscheint er Scully mit vielen verschiedenen Gesichtern. Die Folge lässt die Interpretation offen; es könnte ein Hinweis auf paranormale Fähigkeiten sein, die ihm erlauben, in der Menge unterzutauchen, oder eine Metapher, dass hinter allen möglichen Gesichtern ein Donald Pfaster verborgen sein kann.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 11. Sep 2018 21:24

Folge 14, Staffel 2: "Satan / Die Hand die verletzt"

(Kopie von SciFi Forum)


Fünf vom Himmel fallende Kröten. Als in einer Nacht Teenager im Wald aus einem schwarzmagischen Buch rezitieren, beschwören sie ohne es zu wollen einen Dämon herbei, der eines der Kinder tötet. Der Sheriff, dem die seltsamen Umstände des Mords nicht geheuer sind, ruft Mulder und Scully herbei. Es stellt sich heraus, dass sich hinter der Lehrer-Eltern-Versammlung der örtlichen Highschool ein Satanistenkult verbirgt, der im Keller satanische Rituale praktiziert.

„Die Hand, die verletzt“ ist eine Mischung aus schwarzer Komödie und Horror, in der sich Akte X auch selbst parodiert. Schon die Prämisse – der Teufel bestraft eine Gruppe von Satanisten, weil sie nicht religiös genug sind – ist herrlich. Die Satanistengruppe hat vor sieben Generationen als eine Gruppe religiös Verfolgter begonnen, ist aber mittlerweile völlig zu Pseudo-Gläubigen, deren Glaube nur noch aus Lippenbekenntnissen besteht, degeneriert. Nicht nur werden Rituale, die ihnen nicht behagen, ausgelassen, sie bringen es nicht einmal fertig, ihre regelmäßigen Sitzungen abzuhalten. Ein Teilnehmer würde sie am liebsten ausfallen lassen, weil irgendein Sportevent auf dem Programm steht, der ihm offenbar wichtiger ist. Eine offensichtliche Parodie auf die Haltung zur Religion im zeitgenössischen Amerika (und nicht nur dort). Alles sucht nach einer okkultistischen Verschwörung (Schuld sind nach Auffassung des Sheriffs die Heavy-Metal-Bands), die Satanisten kommen aber nicht auf die Idee, dass sie selber die Verantwortlichen sind.

Auch sonst ist die Folge voll von parodistischen Elementen. Die Schule heißt Crowley High School (nach dem berüchtigten britischen Okkultisten), die Eltern-Lehrer-Versammlung hat ein Problem mit „Jesus Christ Superstar“, weil das nicht zur Schule passt, und vollends zum Schreien ist, dass sich die Satanisten bei „Grease“ am F-Wort stören. In der Beschwörungszeremonie der Kinder tauchen plötzlich Ratten auf, es regnet Kröten vom Himmel (eine der Szenen, die bei mir seit der Erstausstrahlung hängen geblieben sind) und das Wasser dreht sich verkehrt herum beim Abfließen. Der als Aushilfslehrerin fungierende Dämon, Mrs Paddock (benannt nach dem Krötendämon in Shakespeares Macbeth), sieht schon äußerlich teuflisch aus, hat ein blutiges Herz in der Schublade und lässt im Unterricht Schweine-Embryos sezieren, die noch lebendig zu sein scheinen. Die Geschichte des für satanische Rituale missbrauchten Mädchens fängt verstörend an, wird dann aber mit jedem Satz immer nur schlimmer und schlimmer, bis sie am Ende sämtliche Boulevard-Horrorstories über satanische Rituale enthält und völlig unglaubwürdig ist.

Als der Lehrer-Eltern-Versammlung klar wird, was vor sich geht, wenden sie sich dem Fundamentalismus zu. Sie wollen dem Teufel ein traditionelles Menschenopfer bringen, um ihn gnädig zu stimmen. Mulder und Scully sind die Ausersehenen. Der sich von der Sekte abwendende Ausbury wird von einer Schlange gefressen. Die Reue kommt offenbar zu spät, denn der Rest der Versammlung wird von Paddock getötet, die daraufhin spurlos verschwindet.

Gut gefallen hat mir, dass die Episode bei aller Mischung aus Klamauk und Horror auch nachdenkliche Töne hat. Vor allem in der Szene, in der Ausbury über die Heuchelei der Christen reflektiert, die seine Religion verachtet, um dann dazu zu kommen, was mit der Denkweise seiner Gruppe alles verkehrt ist. Den Drehbuchautoren ist auch hoch anzurechnen, dass die Episode klar macht, dass dieser Kult weder mit Wicca oder anderen heidnischen Religionen noch mit der Church of Satan etwas gemein hat.

Ungewöhnlich ist, dass Mulder und Scully die ganze Folge nur den Ereignissen hinterherlaufen und Paddock eigentlich die einzig Handelnde ist. Sinnbildlich die Szene, als Mulder und Scully an den Füßen durch die Schule gezogen werden. So hilflos hat man die beiden Helden der Serie bisher noch nicht gesehen.

Die Nachricht an der Tafel am Ende der Episode, „Goodbye, it’s been fun working with you“, ist übrigens ein In-Joke der Drehbuchautoren, Lords of Darkness Morgan & Wong, die nach dieser Episode die Serie vorläufig verlassen haben, um an ihrer eigenen Show „Space – Above and Beyond“ zu arbeiten.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 17. Sep 2018 12:26

Folge 15, Staffel 2: "Frische Knochen / Fresh Bones"

(Kopie von SciFi Forum)


Wieder mal so eine Episode, die mir schwerfällt zu bewerten. Mulder und Scully untersuchen den vermeintlichen Selbstmord eines Soldaten und finden am Ort des Geschehens ein Voodoo-Zeichen. Die Untersuchung führt zu einem Militärcamp, in dem Flüchtlinge aus Haiti untergebracht sind. Nach ein paar Irrwegen, die einen Voodoo-Priester im Camp, verschwundene Leichen, das Wiederauftauchen des totgeglaubten Soldaten als Zombie und ein mysteriöses Kind, das ebenfalls eigentlich für tot gehalten wurde, beinhalten, finden die Agenten heraus, dass Colonel Wharton, der das Camp leitet, der Schuldige ist.

Die Episode reißt mal wieder alle möglichen Themen an: Soldaten-Traumata und all ihre Folgen, Misshandlung von Flüchtlingen und die Fehlbesetzung der Campführung mit Militärpersonal, politisch-philosophische Überlegungen von X über die amerikanische Definition von Freiheit, und als paranormale Elemente die Voodoo-Thematik komplett mit zugehörigen Zombies sowie ein Kind, das als eine Art Schutzgeist agiert. Einen wirklichen Bezug zur Rahmenhandlung hat die Episode nicht, wenn man von X absieht, dessen Aussagen über die Vorgänge wieder ein schlechtes Licht auf das Militär werfen (so richtig verstanden habe ich nicht, weswegen X in dieser Folge auftaucht; es fällt aber auf, dass X hier zum zweiten Mal schon nach „Sleepless“ in einer Nicht-Arc-Episode auftaucht, in der es um traumatisierte Soldaten und dubiose Vorgänge beim Militär geht).

Wharton macht Voodoo für die Unruhen im Camp verantwortlich und versucht erst gar nicht, die Situation anders anzugehen. Die Flüchtlinge wollen nach Hause und der im Camp untergebrachte Voodoo-Priester will, so stellt es Wharton da, mit magischer Hilfe dieses Ziel erreichen. Tatsächlich ist er selbst der eigentlich Schuldige und missbraucht die Voodoo-Religion, um sich am Tod zweier unter seinem Kommando auf Haiti stationierter Soldaten zu rächen und Zeugen der Vorgänge aus dem Weg zu schaffen. Vom haitianischen Jungen dagegen wird Voodoo benutzt, um Scully zu schützen.

Scully sagt, Voodoo funktioniere nur, wenn die Opfer sich davor fürchten. Das Verhalten des totgeglaubten Soldaten und seiner Frau scheinen diese Aussage zu stützen, ebenso die Geschehnisse bei der Attacke auf Scully selbst, die den Spuk mithilfe des Talismans zum Verschwinden bringt. Leider bin ich, was Voodoo angeht, wirklich vollkommen blank und habe keine Ahnung, ob Scullys Aussage zutreffend sein könnte oder nicht.

Schleierhaft ist mir auch, wer oder was Chester letztlich war. Ein Walk-In, eine Art Schutzgeist wie Schwester Owen in „One Breath“? Dem widerspricht die Szene beim Essen im Fast Food-Restaurant (Geister essen nicht). Ein Zombie? Der Soldaten-Zombie hatte ein völlig anderes Erscheinen und Verhalten. War er gar nicht tot und wurde nur dafür gehalten? Wie kann er dann am Hafenkai spurlos verschwinden bzw. sich in eine schwarze Katze verwandeln?

Gut inszeniert fand ich vor allem die Horrorelemente (der Angriff auf Scully im Auto, die Szene am Ende, als der tote Priester wieder auftaucht und Wharton lebendig begraben wird). Insgesamt lässt mich die Episode aber etwas ratlos zurück. Ich gebe knapp vier Voodoosymbole dafür.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 20. Sep 2018 22:10

Folge 16, Staffel 2: "Die Kolonie I / Colony"

(Kopie von SciFi Forum)


Sechs außerirdische Skalpelle. Mulder und Scully untersuchen eine Serie von Todesfällen dreier Abtreibungsärzte, die völlig identisch aussehen. Ein angeblicher CIA-Agent behauptet, sie seien das Produkt genetischer Experimente der Sowjets und eingeschleust, um die amerikanische Gesellschaft zu infiltrieren. Nun versucht jemand, sie alle zu töten. Im Lauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass der CIA-Agent nicht ist, was er vorgibt zu sein, Scully stößt auf ein verlassenes Labor mit nicht-menschlichen Föten und eine vermeintliche Samantha Mulder taucht bei Mulders Eltern auf.

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll bei dieser Episode. Mit "Colony" wird endgültig ein Punkt erreicht, an dem die Anwesenheit von Aliens unbezweifelbar ist. Konnte man vorher noch die Geschehnisse anders erklären, so taucht hier ein Gestaltwandler auf, der in Terminator-Manier unterwegs ist und sich vor aller, inkl. Scullys, Augen als jemand beliebiges Anderes ausgibt (die Idee für den Kopfgeldjäger hatte David Duchovny). Er weiß genug über die Menschen, um eine plausible Lügengeschichte über die Sowjets und den kalten Krieg zu erzählen. Wie Dr Secare aus "The Erlenmeyer-Flask" blutet er grün, sein Blut ist toxisch und schon die Dämpfe sind für Menschen tödlich. Neu sind auch die geklonten Hybriden, die er verfolgt. Dass das keine "russischen Klone" sind, wird klar, als der erste "Gregor" getötet wird - auch er blutet grün und löst sich in einen giftigen Schleim auf, als er stirbt. Anders als der Kopfgeldjäger können diese Klone aber nicht ihre Gestalt wandeln. Der Kopfgeldjäger sagt zu einem von ihnen, ihr Plan werde nicht funktionieren, was heißt, die Aliens sind nicht nur hier, sie haben auch ein Ziel.

Abgesehen von dem Kick-Off für den außerirdischen Kolonisierungsplan ist "Colony" eine interessante Geschichte über Mulder und seine Familie. Bill Mulder hat sich völlig von seinem Sohn abgeschottet und will ihn selbst in dieser Situation nicht umarmen, sondern gibt ihm nur sehr förmlich die Hand. Mrs Mulder scheint ein emotionales Wrack zu sein, und mit allem, was passiert ist, völlig überfordert. Sie ist sich nicht ganz sicher, ob die Zurückgekehrte wirklich Samantha ist, und obwohl er ihr etwas anderes sagt, scheint auch Mulder nicht ganz sicher zu sein. Was ich mich frage, ist, ob Bill Mulder sich dessen sicher ist? Der Info-Dump, den Samantha da ablädt, ist etwas zu mundgerecht zubereitet - u.a. auch, dass sich Samantha ausgerechnet einer Regressionshypnose unterzogen hat, um an ihre verschütteten Erinnerungen heranzukommen.

Interessant war auch die Szene zuvor mit Scully und Mulder im X-Files-Büro, als es darum ging, wie weit sie bei der Suche nach der Wahrheit gehen dürfen. Schon früher hat Scully mit ihrer Entführung einen hohen Preis bezahlt (wie hoch, ist hier noch gar nicht klar) und jetzt ist ein FBI-Agent tot. Mulder sagt, jeder müsse seine eigene Linie ziehen, wie weit man gehen darf, und man fragt sich, wie weit Mulder eigentlich gehen würde. Scully bezweifelte auch schon früh die Geschichte des angeblichen CIA-Agenten, während Mulder da viel zu leichtgläubig war.

Abgesehen davon, dass "Colony" die Charakterentwicklung und Rahmenhandlung ein großes Stück weiter bringt, hat mir auch die Inszenierung der Folge selbst sehr gut gefallen. Der Einführungsmonolog von Mulder - die Szene spielt eigentlich am Ende der Folgeepisode "End Game" - klingt wie historischer Literatur nachempfunden. Bei der Recherche fand ich heraus, dass Chris Carters Lieblingsroman Mary Shelleys "Frankenstein" ist. Die Prämisse des Zweiteilers hat große Ähnlichkeit mit Shelleys Roman: Ein Mann fährt zum Nordpol und birgt dort den fast erfrorenen Dr Frankenstein, der in der Eiswüste nach dem Monster und wissenschaftlichen Erkenntnissen sucht. Die ganzen Szenen mit dem Gestaltwandler und den Klonen sind für damalige Verhältnisse sehr glaubhaft umgesetzt, und besonders die Szene im zerstörten Labor blieb mir im Gedächtnis. Schließlich ist das Ende ein absoluter Alptraum-Cliffhanger, als Scully den vermeintlichen Mulder im Motelzimmer entsetzt als den Gestaltwandler erkennt.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 21. Sep 2018 21:48

Folge 17, Staffel 2: "Die Kolonie II / End Game"

(Kopie von SciFi Forum)


Sechs inaktive Retroviren auch für diese tolle Folgeepisode. Nach einem Teaser mit einer Szene in der Arktis, als ein U-Boot den Befehl erhält, das abgestürzte UFO anzugreifen, geht es weiter mit Scully, die im Motel vom Kopfgeldjäger in Gestalt von Mulder gefangen genommen wird. Der Kopfgeldjäger will einen Austausch von Scully gegen Samantha arrangieren, der jedoch fehlschlägt: Samantha stürzt ebenso wie der Kopfgeldjäger von einer Brücke. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Samantha ebenso wie die Gregors ein Klon ist. Mulders Nachforschungen führen ihn zu weiteren Klonen und schließlich bei der Verfolgung bis in die Arktis, wo er das U-Boot findet, dass das UFO angreifen sollte, und den Kopfgeldjäger trifft. Der Beginn der Episode mit dem Angriffsbefehl auf das UFO stellt den Bezug zu E.B.E aus der ersten Season wieder her, als Deep Throat von der UN-Resolution 1013 erzählte, nach der bei einem UFO-Absturz jedes Alien zu exekutieren ist.

In der Episode erfährt man, wie ein Kopfgeldjäger getötet werden kann (nur an einem bestimmten Punkt im Nacken) und dass die Klone Alien-Mensch-Hybriden sind. Die Hybridisierung wird in Jeanne Cavelos Science-Buch ausführlich beschrieben, in Kurzfassung auch auf http://www.eatthecorn.com/eps/2X16_2X17.htm. Im Unterschied zu Dr Secare in "The Erlenmeyer Flask" können diese Hybriden nicht einfach erschossen werden und sie können telepathisch kommunizieren (Samantha kann den Kopfgeldjäger in jeder Gestalt erkennen). Ihr Blut ist giftig, aber nicht tödlich wie das Blut des Kopfgeldjägers. Es ist anzunehmen, dass der Kopfgeldjäger vom Syndikat geschickt wurde, um die Klone auszulöschen. Der Kopfgeldjäger hingegen ist ein Alien. Bei der Autopsie von Agt Weiss stellt sich heraus, dass dessen Tod durch ein Retrovirus unbekannten Ursprungs verursacht wurde, das bei Kälte inaktiv wird. Eine Information, die Mulder am Ende das Leben rettet.

Was die Charaktere angeht, beschäftigt sich die Episode weiter mit der Mulder-Familie. Bill Mulder wird in "Colony" im Halbschatten und eine Zigarette rauchend eingeführt; Ähnlichkeiten mit dem Raucher sind vermutlich nicht rein zufällig. War Bill Mulder schon in "Colony" unnahbar, so wird er hier regelrecht unausstehlich, als Mulder ihm den Verlust von Samantha gesteht (eine großartige Szene, von beiden exzellent gespielt). Als ob Mulder daran erinnert werden müsste, was der erneute Verlust von Samantha für seine Mutter bedeutet. Man muss sich wirklich nicht wundern, dass er in dieser Familien einen Schaden abbekommen hat. Wieder frage ich mich, inwieweit Bill Mulder über die wahre Natur von Samantha im Bilde ist. Interessant ist nämlich, dass Bill Mulder die Worte "your sister", als es um Samantha geht, nicht über die Lippen bringt: "Your sis.... Samantha".
Es könnte auch darauf hindeuten, dass Bill Mulder seine eigene Schuld auf seinen Sohn projiziert. Wie sich später in der Serie zeigt, musste Bill eine ganz ähnliche Entscheidung treffen wie hier sein Sohn, als er zwischen Fox und Samantha wählen musste. Überhaupt bringen die Autoren Mulder ein ums andere Mal in Situationen, in denen er ähnliche Entscheidungen wie sein Vater oder der Raucher - der ja sein wirklicher Vater ist - treffen muss.


Eine zentrale Rolle spielen auch Skinner und X. Skinner, der es mit Mulder wirklich nicht leicht hat, entscheidet sich hier, Mulder zu helfen, obwohl er keinerlei Informationen von diesem bekommt und Mulder bisher nicht wirklich viel getan hat, um sich blindes Vertrauen seitens Skinner zu verdienen. Nicht nur lässt er ihn, obwohl eigentlich unter Disziplinarmaßnahme stehend, sofort zu seinen Eltern gehen und stellt ihm Scharfschützen zur Verfügung, er schlägt sich sogar mit X herum. (Der notorisch missgelaunte X, mein absoluter Liebling unter Mulders Informanten und einer meiner Lieblings-Nebencharaktere, hat hier wieder eine herrliche Szene: "How was the Opera?" - "Wonderful. I've never slept better." :lol: ) Angesichts dessen, dass Mulder ihm bisher nur Ärger machte und jegliche Wertschätzung seinem Chef gegenüber vermissen lässt, ist das schon bemerkenswert. Skinner wirkt etwas wie ein Vater eines aufmüpfigen Jugendlichen auf mich: Er versucht Mulder zu disziplinieren, aber wenn es hart auf hart kommt, kann sich Mulder auf ihn verlassen. Eine Art Ersatz-Vater für seinen eigentlichen, mit dem anscheinend nicht allzuviel anzufangen ist.

In "Colony" und "Endgame" beginnt sich Mulders Charakterbogen immer deutlicher herauszukristallisieren. War er zu Anfang nur ein verspotteter Außenseiter, der wegen eines spinnerten Glaubens eine vielversprechende Karriere weggeworfen hat, so nimmt seine Suche nun klare Züge einer klassischen Queste an. Mulder reist buchstäblich ans Ende der Welt und riskiert sein Leben, um die Wahrheit über den Verbleib seiner Schwester herauszufinden. David Duchovny, der Input zu diesen und anderen Folgen leistete, ist, wie ich herausfand, ein Fan von Joseph Campbells "Heldenreise". Mulders Charakterbogen weist viele offensichtliche Elemente dieser klassischen Geschichte auf: Der Aufbruch ins Unbekannte, die Konfrontation mit dem Vater und die Vergebung, die Begegnung mit dem weiblichen Gegenstück, das Erweckungserlebnis etc. Die Suche nach Samantha ist eine Art heiliger Gral für ihn. Typisch ist, dass er am Ende wieder ohne Beweise da steht und auch der Kopfgeldjäger noch am Leben ist, aber dennoch war seine Reise erfolgreich, denn sie hat ihm seinen Glauben wieder gegeben, wie auch schon in "Little Green Men".

Scully wiederum ist auf ihrer eigenen Reise und auch sie hat, wie die Voiceovers zeigen, den Glauben an die Wissenschaft trotz aller unerklärlichen Ereignisse nicht verloren. Die von ihr initiierten wissenschaftlichen Untersuchungen sind es, die Mulder am Ende retten.

"End Game" ist nicht zuletzt auch großartig inszeniert und besonders die Szenen in der Arktis haben mehr Ähnlichkeit mit einem Kinofilm als mit einer TV-Show. Wie Drehbuchautor Spotnitz zu Protokoll gab, entstand dies eher unfreiwillig: Er war Neuling im TV-Bereich und ihm war nicht klar, welchen Grenzen TV-Shows im Hinblick auf Kosten- und Zeitbudget unterliegen. Wie Carter es ausdrückte: "This is where a certain amount of inexperience actually comes in handy. I'd say that we didn't know what we couldn't do."
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 15. Okt 2018 21:19

Folge 18, Staffel 2: "Sophie / Fearful Symmetry"

(Kopie von SciFi Forum)


Zwei unsichtbare Elefanten. Eine Spur der Verwüstung in einer Stadt und der Tod eines Bauarbeiters durch einen unsichtbaren Elefanten führen Mulder und Scully zu einem Zoo, in dem ein Angestellter Tiere misshandelt und seine Vorgesetzte um die Vormundschaft für eine Gorilla-Dame kämpft. Eine Organisation von militanten Zoogegnern versucht beides zu verhindern. Als weitere Tiere aus dem Zoo verschwinden, vermutet Mulder eine Entführung durch Außerirdische.

Also diese Episode ist wirklich abstrus. Es fängt ja recht eindrucksvoll an, mit der verwüsteten Innenstadt und dem plötzlich auf der Landstraße aus dem Nichts auftauchenden Elefanten. Auch die Szenen im Zoo mit dem unsichtbaren Tiger waren nicht schlecht inszeniert, und die Szene mit der Elefanten-Autopsie war skurril. Und die Idee an sich ist ja durchaus interessant.

Aber insgesamt - und es fällt auf, dass so etwas meistens in Episoden von Freelance-Autoren passiert - ergibt die ganze Geschichte doch nicht viel Sinn. Die Aliens wollten die Tiere für eine Art Arche Noah entführen? Warum müssen das Tiere aus einem Zoo sein - es wäre doch viel einfacher, Tiere aus der Wildnis dafür zu nehmen. Warum tauchen die Tiere unsichtbar und irgendwo ganz anders wieder auf? "An astrological variation, a trouble with the time-space continuum"? Was für ein hanebüchener Unsinn - was hat Astrologie damit zu tun? Und wieso machen Probleme mit dem Raum-Zeit-Kontinuum die Tiere temporär unsichtbar und lassen sie zur Unzeit wieder sichtbar werden? Manchmal muss man sich wirklich wundern, wie es Duchovny schafft, diesen Blödsinn von sich zu geben, ohne in Gelächter auszubrechen. Das mit der Entführung zum Zweck einer Arche Noah lasse ich ja mit viel gutem Willen noch angehen - auch wenn das irgendwie nicht zu dem passt, was wir sonst von den Aliens gesehen haben - aber "Probleme mit dem Raum-Zeit-Kontinuum", da wird es mir doch zu viel.

Neben dieser reichlich abstrusen Story hat mich auch wieder die holzschnittartige Darstellung der Gastcharaktere sehr gestört. Sowohl der WAO-Mensch als auch der Tierpfleger waren sehr eindimensional charakterisiert, die ganze Botschaft eher holzhammerartig (erinnerte alles ein wenig an "Darkness Falls" aus der ersten Staffel, der Mitarbeiter der Holzfirma vs. der Öko-Aktivist). Die Frage, ob das Gefangenhalten von Sophie durch Willa zu rechtfertigen ist, wird nie wirklich diskutiert.

Irgendwie scheint es, als habe man krampfhaft versucht, mit der Entführungsgeschichte das Ganze zur Mythologie der Show in Verbindung zu bringen. So wirklich gelungen ist das nicht. Mir erschließt sich nicht, warum die Aliens diese Arche Noah erschaffen sollten, oder warum sie dazu Tiere aus einem Zoo benutzen. Oder sind das andere Aliens - und wenn ja, was für welche? Das ist nach den "Kindred" das zweite Mal, dass irgendwie Aliens auftauchen, deren Motive reichlich rätselhaft sind und man danach nie wieder etwas davon hört.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 16. Okt 2018 19:41

Folge 19, Staffel 2: "Totenstille / Død Kalm"

(Kopie von SciFi Forum)


Mulder und Scully finden vor Norwegen ein Schiff vor, auf dem die Besatzung innerhalb von Stunden um Jahrzehnte gealtert zu sein scheint. Während Mulder geheime Experimente um Zeitreisen vermutet, theoretisiert Scully über freie Radikale. Auch Mulder und Scully zeigen schon bald starke Alterungssymptome, und da ihr angeheuertes Schiff gestohlen wird, ist auch kein Entkommen. Sie müssen unter Zeitdruck die Ursache finden.

Von der Anlage her ähnelt Død Kalm wieder den Episoden "Ice" und "Darkness Falls", die Agenten sind mit einer unbekannten Bedrohung irgendwo eingesperrt und haben es mit feindseligen Mitreisenden zu tun. Entsprechend klaustrophobisch ist die Atmosphäre, und die Mulder-Scully-Partnerschaft und Freundschaft wird durch die Wasserknappheit und Mulders rascheres Altern auf die Probe gestellt. Ähnliche Episoden mit rascher Alterung gab es auch schon in anderen Science Fiction-Serien, besonders in den diversen Star Trek-Serien fallen mir einige ein. Also sonderlich originell ist die Grundidee nicht, und das Make-up finde ich fürchterlich. Die Erklärung mit dem Trinkwasser hakt an allen Ecken und Enden; wenn die beiden letztlich nicht gealtert, sondern nur dehydriert waren, hätte Scully das doch auch irgendwann klar werden müssen? Und inwiefern hat kontaminierte Trinkwasser mit dem Alterungsprozess des Schiffes selber zu tun? Scully riss mit ihrer Meteoriten-Theorie an, aber mir war das nicht ganz klar; abgesehen davon haben sie diese Theorie doch ad acta gelegt? Zur Geschichte des Captains mit dem Zeitverlut und dem hellen Licht passte das alles auch ,nicht.

Was die Episode rettet, ist letztlich die Interaktion der Charaktere und die Art, wie sie mit der eigenen, in bedrohlichem Tempo näher rückenden Sterblichkeit umgehen. Mulder scheint sich damit schwerer zu tun, teilweise, weil der Prozess bei ihm schneller voranschreitet, während Scully gelassen bleibt und sich auf ihre Nachforschungen konzentriert. Scullys Haltung mag etwas mit ihren Erlebnissen in dieser Staffel zu tun haben, vor allem mit ihrer Entführung und Nahtodeserfahrung. “When they found me… I experienced something that I never told you about. Even now it’s hard to find the words. But there’s one thing I’m certain of. As certain as I am of this life, we have nothing to fear when it’s over.” Letztlich ist es Scullys Ruhe und Konzentration, sowie die gegenseitige Solidarität, die den beiden letztlich das Leben rettet. Kontrastiert wird das mit Trondheim, der sich mit seiner Selbstsüchtigkeit letztlich ins eigene Grab einsperrte. Dennoch schaffen es Drehbuch und Schauspieler, dass Trondheim nie zur Karikatur wird; man kann Trondheims Handeln, so ärgerlich es ist, immer irgendwie verstehen.

Sehr eindrucksvoll sind auch wieder die Bilder in der Episode, und Mark Snows gespenstischer Score. Die Art und Weise, wie Regisseur Bowman mit Licht und Schatten arbeitet, die Bilder vom Rettungsboot mit den toten Schiffbrüchigen und vom Geisterschiff im Nebel, die farbliche Visualisierung der Korrosion und des Verfalls könnten aus einem Kinofilm stammen. Sehr gut gefallen hat mir auch die Erzählung der Ragnarok-Legende, des nordischen Mythos vom Ende der Welt, der so gar nichts mit Armageddon und anderen Weltuntergangszenarien gemein hat. Ebenso Anekdoten wie die Geschichte des sterbenden Captains ... Diese Szenen mögen zu manchen Kommentaren über das "Dahindümpeln" der Episode geführt haben, mir hingegen hat grade diese Inszenierung sehr gut gefallen. Trotz der wieder mal holprigen Logik reicht es insgesamt für gute vier Geisterschiffe für diese ungewöhnliche Episode.
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Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » Gestern 19:03

Folge 20, Staffel 2: "Der Zirkus / Humbug"

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Der mysteriöse Tod eines Zirkuskünstlers führt Mulder und Scully zu einem Freak-Wanderzirkus voller bizarrer Teilnehmer. Die Untersuchung, um einen der Zirkusleute zu zitieren, "gestaltet sich schwierig", die Agenten irren zwischen allen möglichen falschen Fährten herum, von der Fidschi-Meerjungfrau bis zum Sheriff selber. Am Ende ist der Gesuchte der siamesische Zwilling des Säufers Leonhard, der einen neuen Wirt sucht, weil er nicht zusammen mit seinem Bruder sterben will.

Darin Morgan ist für mich ein Genie, der mit Sicherheit außergewöhnlichste Autor der X-Akten und einer der wichtigsten, auch wenn er in den ursprünglichen neun Staffeln nur vier Folgen verfasst hat. Humbug ist die erste, vielleicht nicht seine allerbeste, aber dennoch eine der besten Episoden der zweiten Staffel. Alle Darin Morgan-Episoden fallen in die Kategorie "Comedy", doch gleiten sie nie in simplen Klamauk und Effekthascherei ab. Sie sind außergewöhnlich durchdacht, bis in die einzelnen Dialogzeilen, und haben immer eine tiefere Botschaft, über die menschliche Gesellschaft und die Serie selbst. In Humbug nutzt er die Zirkusgesellschaft mit ihren Außenseitern für einen Kommentar zum Thema Erwartungen und Vorurteile. Gleich zu Beginn werden zwei Jungs im Swimmingpool von einer hässlichen, monströsen Kreatur überrascht - ein typischer X-Akten-Einstieg, meint man, nur um gleich darüber aufgeklärt zu werden, dass die Kreatur der Vater der Kinder ist, der wieder nur Momente später von einem unbekannten Mörder getötet wird. Schon hier stellt Morgan eine der Prämissen der Show auf den Kopf: Freaks und Mutanten sind in den X-Akten üblicherweise die Antagonisten, die unschuldige Opfer angreifen - nicht Familienväter, die selber ermordet werden. Im besten Fall sind sie bemitleidenswert, weil sie nicht nur Täter, sondern selber Opfer sind. "Imagine going through your whole life looking like this", sagt Scully beim Anblick des Aligator-Manns, ein Satz, der sie später auf die Füße fällt.

Mit Kommentaren über falsche Erwartungen geht es weiter, als Mulder und Scully im Hotel einchecken, mit einer Diskussion über Vorurteile wegen des äußeren Erscheinungsbilds mit dem kleinwüchsigen Hotelmanager. Mulder tappt gleich zweimal in die Falle, als er ihm erst das Hotelmanagement nicht zutraut, und ihn dann verdächtigt, unter Scullys Wohnwagen spannen zu wollen. Scully bemitleidet die Zirkusgesellschaft als Außenseiter und vermutet, sie hätten durch ihre Isolation Psychosen entwickelt. Dies ist eine gradezu grotesk fehlgeleitete Realitätswahrnehmung durch eine Agentin, deren Partner im Kellerbüro sitzt, "the FBI's most unwanted", den keiner ernst nimmt außer anderen Außenseitern, und der sein Geld mit der Jagd nach Außerirdischen verdient. Beide haben kein Leben außer ihrer Arbeit, und wohnen in Häusern ohne Kontakte zu ihren Nachbarn. Mulder und Scully scheinen sehr viel isolierter und von ihren Mitmenschen abgeschotteter als die Mitglieder dieser Zirkusgesellschaft, deren Beziehungsgefüge anscheinend ganz gut funktioniert.

Auch bei der Verfolgung des Sheriffs machen sich beide der Diskriminierung schuldig; das hauptsächliche, wenn nicht gar einzige Verdachtsmoment ist, dass der Sheriff früher selbst ein Freak war. Den beiden ist das sogar klar, sie machen aber dennoch unbeirrbar weiter und sich zum Deppen, als sie ertappt werden und sich mit der Exhumination einer Kartoffel herausreden müssen. Überhaupt, "the investigation isn't going too well" - Mulder verirrt sich im Labyrinth, Scully zahlt Gebühren für Extra-Beweismaterial in einer Geisterbahn und verfängt sich in einem Spiegelkabinett, später versucht sie sogar, einen Entfesslungskünstler mit Handschellen festzunehmen.

Durch die Episode werden immer wieder Kommentare zum Thema eingestreut, so sagt Lanny über seine aufgegebene Karriere im Zirkus, Mr Nutt habe ihn überzeugt, dass es würdelos sei, sein Geld damit zu verdienen, dass man für eine Deformation angestarrt wird - "So now I carry other people’s luggage". Ist das würdevoller? Ist er glücklicher damit? Als man ihn fragt, ob es weh tut, wenn sich Leonhard von ihm trennt, antwortet er: "It hurts not to be wanted."

Dr Blockheads abschließende Kommentare über das Normale und die Zukunft in einer welt genetisch optimierter Menschen - "Imagine going through your whole life looking like that!", sagt er zu Scully und deutet auf den in Superman-Pose dastehenden Mulder - reflektieren über den Niedergang seiner kleinen Gesellschaft. Es kommen keine neuen Freaks nach, es ist nicht mehr "politisch korrekt", Außenseiter anzustarren. Wieder fragt man sich, ob der normal aussehende, einem Idealbild nahekommende Mulder tatsächlich normaler oder glücklicher ist.

In einer anderen Inszenierung wäre das alles vielleicht oberlehrerhaft herüberbekommen, aber durch die surreale Handlung, die bizarren Charaktere und den schrägen Humor funktioniert die Episode. Sie kommt vielleicht nicht ganz an Morgans allerbeste Skripts heran, aber ich gebe trotzdem sechs Fidschi-Meerjungfrauen dafür.
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