Akte X - Staffel 2

AbonnentenAbonnenten: 1
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 22

Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 25. Jul 2018 20:30

Weiter geht's mit der zweiten Staffel. Im Nachhinein erscheint die erste Staffel ein wenig wie ein Prolog, die Show nimmt erst mit der zweiten richtig Fahrt auf. Wie Demona schon im anderen Thread erwähnte, zwang die Schwangerschaft von Gillian Anderson die Produzenten und Autoren, Scully etwas aus dem Fokus zu nehmen und sowohl die Gesamthandlung als auch einige Randfiguren (insbesondere Skinner und den Raucher) weiterzuentwickeln. Der Show tat das sehr gut.

Mytharc-Episoden (kursiv die absolut unerlässlichen):

2X01: Little Green Men (Kontakt)
2X03: Blood (Blut)
2X04: Sleepless (Schlaflos)
2X05: Duane Barry (Unter Kontrolle)
2X06: Ascension (Seilbahn zu den Sternen)
2X08: One Breath (An der Grenze)

2X10: Red Museum (Rotes Museum)
2X16: Colony (Die Kolonie I)
2X17: End Game (Die Kolonie II)

2X18: Fearful Symmetry (Sophie)
2X22: F. Emasculata (Verseucht)
2X25: Anasazi (Anasazi)
Benutzeravatar
nevermore
Administrator
 
Beiträge: 3442
Registriert: 06.2008
Wohnort: Outback Stuttgart
Geschlecht: weiblich

Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Jul 2018 19:22

Folge 1, Staffel 2: "Kontakt / Little Green Men"

(Kopie von SciFi Forum)


Die Auftaktfolge der zweiten Staffel, sie sollte offensichtlich auch dazu dienen, nochmal neue Zuschauer anzulocken, die die erste Staffel nicht kannten. Deshalb wohl wurde eine zugängliche Story gewählt. Die X-Akten sind geschlossen, Mulder und Scully wurden getrennt und Mulder hat man einen offenkundigen Straf-Job zugeteilt: Er muss windige Ganoven wie Scheckbetrüger abhören.

Die Story an sich ist leider ziemlich wirr. Mir erschließt sich überhaupt nicht, was die Aliens eigentlich in dem Observatorium wollten - Kontakt aufnehmen? Laut Deep Throat sind sie doch schon lange hier? Weswegen kommt das Signal nur an der einen Station an und wird von anderen nicht aufgefangen? Und völlig schleierhaft ist, warum sie zur Kontaktaufnahme die Voyager-Botschaft zurücksenden - warum senden sie überhaupt Botschaften über Radiosignale, wenn sie 24 Stunden später schon in der Tür stehen? Fragen über Fragen.

Aber eigentlich sehe ich die Episode ohnehin mehr als ein Charakterstück über Mulder. Der macht einen völlig weggetretenen Eindruck, als bekäme er nicht mehr mit, was um ihn herum vor sich geht, fühlt sich verfolgt und will Scully nur noch in dunklen Tiefgaragen treffen, und zweifelt an allem, inklusive der Entführung seiner Schwester durch Aliens. Seine Zweifel, ob alles, woran er geglaubt hat, eine Lüge war, fand ich sehr gut herübergebracht. Er will Beweise haben, und Senator Matheson (der früher schon erwähnte Unterstützer im Capitol) sorgt dafür, dass er sie bekommt, auch wenn das Alien am Ende außer ihm (und dem toten Jorge) keiner gesehen hat und das mitgenommene Tonband leer ist. Es reicht aus, Mulder seinen Glauben wiederzugeben.

Die Episode zeigt einmal mehr, wie sehr Mulder von Schuldgefühlen wegen des Tods seiner Schwester getrieben und gradezu zerfressen ist, und man kann sich schon fragen, ob die ganze Alien-Entführungsgeschichte nicht auf einem Verdrängungsmechanismus basiert. Es ist ja schon auffällig, dass immer, wenn etwas Übernatürliches passiert, Scully nicht anwesend ist. Die Ereignisse in "Erlenmeyer Flask" sprechen allerdings dagegen, dass alles nur Mulders Hirngespinst ist. Aber auch in dieser Episode ist er in der entscheidenden Szene wieder allein. Im Unterschied zur Entführungsszene mit seiner Schwester schafft er diesmal, rechtzeitig zur Waffe zu greifen, aber sie funktioniert nicht. Er hätte seine Schwester also ohnehin nicht retten können, auch wenn er damals nicht "versagt" hätte.

In dieser Episode wirkt er völlig von der Rolle, und es hat den Anschein, dass Scully die einzige ist, die ihn noch im Leben und bei geistiger Gesundheit hält. Wie sehr er sich an sie klammert, zeigt sich in seiner laienhaften "Autopsie" in der Beobachtungsstation und an Aussagen wie "they've taken you away from me" und am Ende "I still have you." Die Mühen und Gefahren, die Scully auf sich nimmt, um ihn zu finden, obwohl sie nicht mehr seine Kollegin ist, zeigen auch, wie viel er ihr inzwischen bedeutet. Sie glaubt an ihn, selbst wenn er selber es nicht mehr tut.

Neben der Mulder-Charakterstudie gibt es auch noch ein paar andere Dinge, die mir gut gefallen haben. Mulders Traum und die Szenen in der SETI-Station waren wieder fantastisch inszeniert. Man sieht zum ersten Mal ein Alien - zumindest einen Schattenriss davon. Großartig war auch die Szene in Skinners Büro. Nicht nur, dass Skinner den Raucher rauswarf - und der erst gar nicht realisierte, dass er gemeint war. Immerhin macht Skinners Ärger über die Überwachung von Mulder und Scully klar, dass er nicht gewillt ist, einfach die Marionette des Rauchers zu spielen. A propos Überwachung: Ganz witzig fand ich auch die Unfähigkeit von Scullys Verfolgern, besonders nach Mulders Aussage am Anfang, Scully würde es nicht merken, wenn sie verfolgt würde, weil diese Leute "die Besten" sind :grin:

Gut gefallen hat schließlich mir auch der philosophische Unterton der Episode, angefangen von Mulders Einführungs-Monolog, über die Szene in Mathesons Büro, und selbst Scully zeigte Anflüge davon in ihrem Autopsieunterricht. Schade, dass die Alienstory, die als Vehikel diente, so wirr war und die Mythologie nicht wirklich voranbrachte. Ich gebe trotzdem knapp fünf Tonbänder für die Episode.
Benutzeravatar
nevermore
Administrator
 
Beiträge: 3442
Registriert: 06.2008
Wohnort: Outback Stuttgart
Geschlecht: weiblich

Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 29. Jul 2018 19:24

Folge 2, Staffel 2: "Der Parasit / The Host"

(Kopie von SciFi Forum)


Tja, Flukey ist zweifellos eines der X-Files-Kult-Monster (anscheinend gibt's sogar eine Flukey-Actionfigur), aber aufgrund des beträchtlichen Ekel-Faktors scheiden sich an der Folge trotzdem die Geister. Eigentlich nicht wirklich die typischer Carter-Folge. (Der Darsteller von Flukey ist übrigens kein geringerer als Darin Morgan, Autor von Folgen wie "Der Zirkus", "Krieg der Koprophagen", "Das Wermonster" etc.)

Mulder wurde von Skinner auf einen Mordfall an einem Kanalisationsarbeiter angesetzt, worüber er sich fürchterlich aufregt. Da kommt er schonmal von seinem Tonbandgerät weg, und dann setzt man ihn auf einen Fall an, in dem er in der Kanalisation herumwaten darf! Bin sicher, dass Carter / der Leiter der Einrichtung ihn mit Absicht ohne Schutzkleidung da reinsteigen lassen haben, um sein "cooles Exterieur" ein bisschen zu ramponieren. Geschniegelte und gebügelte Typen kommen bei Beschäftigten in derartigen Berufen oft nicht so gut an. Jedenfalls empfindet Mulder das als reine Schikane und ist so sauer, dass er in eine Besprechung mit Skinner reinplatzt. Man beginnt zu ahnen, dass Skinner es mit Mulder nicht immer einfach hat. Mulder zieht ernsthaft in Erwägung, beim FBI aufzuhören. Scully gefällt diese Idee gar nicht und sie schafft es, sich durch die Hintertür in den Fall einzuklinken. Interessant dabei Mulders Aussage, der Hauptgrund, warum er bleibe, sei, dass die nicht wollen, dass er und Scully zusammenarbeiten. Auch gut gefallen hat mir die Szene, in der die beiden sich streiten, wie groß so ein Plattwurm werden kann und ob er für solche Bisswunden verantwortlich sein kann.

Flukey sorgt in der Tat für einige Absurditäten. Wiederholt wird angedeutet, dass man nicht recht weiß, ob man ihn jetzt als menschliches Monster oder als monströsen Menschen ansehen soll (Scully schien mir da sehr unentschlossen). Beispielsweise, dass man ihn in einem Krankenwagen transportiert (Flukey ist ein gewitzter Plattwurm, er entkommt und versteckt sich im Dixie-Klo, um wieder in die Kläranlage zu kommen). Oder auch gegen Ende der Episode, als es darum geht, wie der Fall prozesstechnisch zu behandeln ist und ob man Flukey in einer Irrenanstalt unterbringen kann.

Auf die richtige Spur gebracht werden die beiden von einem neuen Informanten im FBI, den man fürs erste nur am Telefon hört und der Scully eine Zeitung mit den wesentlichen Informationen unter der Tür durchschiebt. Dem ist offenbar sehr daran gelegen, dass die X-Akten wieder geöffnet werden, und Mulder bei der Stange bleibt. Zumindest was das letztere angeht, erreicht er sein Ziel, und Skinner muss am Ende zugeben, dass der Fall eigentlich eine X-Akte ist.

Etwas Carter-typische Philosophie gibts dann am Ende doch noch, als Scully den zu groß geratenen Plattwurm mit der Tschernobyl-Katastrophe in Verbindung bringt und meint, dass Flukey ein von Menschen gemachtes Monster sei.

Insgesamt eine sehr gute Episode mit einem bizarren Fall um ein gruseliges Monster, Mulder-und-Scully-Interaktion, einiges an Charakterentwicklung. Flukey ist eines der denkwürdigsten Monster der X-Akten, wenn auch nicht ganz auf dem Level von Tooms für meine Begriffe. Ich gebe fünf Dixie-Klos dafür.
Benutzeravatar
nevermore
Administrator
 
Beiträge: 3442
Registriert: 06.2008
Wohnort: Outback Stuttgart
Geschlecht: weiblich

Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 4. Aug 2018 17:55

Folge 3, Staffel 2: "Blut / Blood"

(Kopie von SciFi Forum)


Drei zertrümmerte Displays. Mulder hat immer noch schlechte Laune, der örtliche Polizist am Anfang, der ständig redete, ohne ein Antwort zu bekommen, tat mir schon leid. Immerhin war er gleich auf der richtigen Spur mit dem zertrümmerten Display im Aufzug, während Scully und die Lone Gunmen der Sache mit dem Pflanzenschutzmittel auf die Spur kommen.

Übermittlung von unterschwelligen Botschaften ist ja ein wiederkehrendes Thema bei den X-Akten, hatten wir schon in Conduit, kommt auch später nochmal wieder. Wie das allerdings hier zustande kam, war mir nicht ganz klar - waren es nur Halluzinationen und die Botschaften erschienen gar nicht auf dem Display? Waren es echte Botschaften, wie hackt man sich in eine Mikrowelle, in einen Taschenrechner? Und warum sieht die Botschaft nur einer, besonders in dem Lift? Die Szene am Schluß deutete ja eher drauf hin, dass es echte Botschaften waren. Unterstellt natürlich, es war nicht auch ein Hirngespinst von Mulder. Während es in der Küche so aussah, dass nur die Frau die Botschaft auf der Mikrowelle sah. Sehr eigenartig das Ganze. Richtig schlau werde ich nicht aus der Geschichte und kann auch nicht allzuviel mit ihr anfangen. :ka2:
Benutzeravatar
nevermore
Administrator
 
Beiträge: 3442
Registriert: 06.2008
Wohnort: Outback Stuttgart
Geschlecht: weiblich

Re: Akte X - Staffel 2

Beitragvon nevermore » 4. Aug 2018 18:01

Folge 4, Staffel 2: "Schlaflos / Sleepless"

(Kopie von SciFi Forum)

"Sleepless" gefällt mir deutlich besser als "Blood". Ein Arzt setzt einen Notruf ab, seine Wohnung sei in Flammen, aber als die Feuerwehr ankommt, gibt es keine Anzeichen eines Brands. Später wird ein Vietnam-Veteran in seiner Wohnung tot aufgefunden. Die Opfer sind laut Autopsie an den Folgen von Verbrennungen bzw. Erschießung gestorben, ohne dass äußerlich Einschüsse oder Verbrennungszeichen zu sehen sind. Beide waren Teil eines Regierungsprogramms, das mittels Gehirnoperationen Supersoldaten hervorbringen sollte, die ohne Schlaf auskommen. Der Mörder ist einer dieser Supersoldaten, der sich auf einer Art pseudo-religiösen Mission sieht und alle an dem Programm Beteiligten töten will.

Erstmals wird in dieser Folge die Idee von Supersoldaten eingeführt, allerdings ohne Beteiligung Außerirdischer oder des Syndikats. Es ist offenbar ein Programm des Verteidigungsministeriums. Wieder einmal führt die Regierung an ihren Soldaten bewusst Experimente durch ohne Rücksicht auf deren Gesundheit oder irgendwelche Nachwirkungen. Ohne Schlaf existieren zu können bedeutet nicht nur dauernde Einsatzbereitschaft, sondern auch keine "Störungen" durch Alpträume etc. Aber die Unfähigkeit zu schlafen beraubt die Soldaten auch der Fähigkeit, die Erlebnisse im Traum aufzuarbeiten.

Für mich ist die Motivation und das ganze Experiment sehr viel nachvollziehbarer als die Geschichte in "Blood". Schon deshalb gefällt mir diese Episode besser. Hinzu kommt die Einführung zweier wichtiger wiederkehrender Figuren. Da ist zum einen Krycek, einer der zwielichtigsten Charaktere, der hier als Mulders neuer Partner eingeführt wird und mit seiner penetranten Einschleimerei gleich mal negativ auffällt. Ob Mulder tatsächlich auf Kryceks naive Art hereinfällt, ist mir nicht ganz klar. Jedenfalls hält er ihn erstmal aus den wichtigen Konversationen mit Scully heraus.

Der zweite neue Charakter ist X, Mulders neuer Informant und "Nachfolger" von Deep Throat. X hat zwar schon in "The Host" Scully die entscheidende Zeitung zukommen lassen, hier tritt er aber erstmals sichtbar auf. Er macht gleich mal klar, dass er nicht gewillt ist, wie Deep Throat zu enden. War Deep Throat zwar ebenfalls etwas zwielichtig, so erschien er doch immer freundlich und gutmütig. X dagegen ist völlig anders gestrickt, aggressiv und teilweise feindselig. Was seine Motive sind, bleibt völlig unklar. Er ist auch deutlich paranoider als Deep Throat das war. Wie sich herausstellt, nicht zu unrecht, denn Krycek hat bereits bemerkt, dass Mulder einen neuen Informanten hat.

Die Einführung von Krycek und X bringen zusätzliche Komplexität in die Gemengelage der Serie ein. Bei beiden weiß man nicht, woran man ist - auch wenn Kryckes Loyalitäten in dieser Folge klar zu sein scheinen. m.E. eine der wichtigsten Entwicklungen zu Beginn der zweiten Staffel und in der Frühphase der Serie überhaupt. Robert Bowmans Regie und der Soundtrack gefallen mir auch sehr gut. Ich gebe gute vier Schlaftabletten dafür.
Benutzeravatar
nevermore
Administrator
 
Beiträge: 3442
Registriert: 06.2008
Wohnort: Outback Stuttgart
Geschlecht: weiblich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron