Charakterdiskussion: Severus Snape

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Beitragvon Kola » 9. Jul 2008 20:54

nevermore hat geschrieben:Das braucht keinen großen Aufwand und nicht viel Platz; es hätte sogar schon allein eine Veränderung des Dialogs bei seinem Überlaufen zu Dumbledores, oder im Denkarium, genügt, aus der hervorgeht, dass Lily zwar eine wichtige Motivation war, dass er aber auch mit Voldemorts Geisteshaltung und seinen Zielen im Allgemeinen nicht klargekommen ist. Dass all dies nicht gemacht wurde, lässt für mich darauf schließen, dass ihr dieser Aspekt in Snapes Persönlichkeit eben auch nicht wichtig ist.

Tja, wie schon gesagt, aus meiner Sicht geht es daraus hervor, an mehreren Stellen, auch wenn es eher zwischen den Zeilen steht. Aber eine ausführliche Szene, z. B. ein Gespräch mit Harry, wäre natürlich toll gewesen, obwohl so ein Gespräch dem Charakter Snape widersprechen würde. Er ist zu stolz, um zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat. Deswegen gibt es vermutlich auch so eine Szene nicht und ich habe es auch nicht erwartet (wäre aber natürlich auch gerne vom Gegenteil überrascht worden).

nevermore hat geschrieben:Nun habe ich manchmal gradezu den Eindruck, man müsse sich entschuldigen, dass man ihr zugetraut hat, nochmal ein tolles Buch zu schreiben.

Nö, muss man nicht. Es ist bestimmt nicht ihr bestes Buch, es hat Längen, Logikfehler und mir persönlich ist es zu traurig. Ich habe schon lange nicht mehr so viel geheult wie bei diesem Buch, weil so viele Leute mehr oder weniger unnötig über die Klinge gesprungen sind. Dennoch finde ich, dass sie es im Ganzen gut hinbekommen hat und die Charaktere einigermaßen glaubhaft die Kurve kriegen. Bis auf LV, der war mir im siebten dann doch eine Spur zu dusselig. Da hatte ich Erwartungen, die nicht erfüllt wurden :wink:

nevermore hat geschrieben:Die Lesung, bei der Salman Rushdie anwesend war, war ein Beispiel für einen solchen Auftritt der Fans, die sich lautstark auf die Snape ist gut-Seite schlugen und auf die sie kopfschüttelnd reagierte

Das klingt dann doch ein wenig schräg. Dass Rushdie sich für Snape ins Zeug gelegt hat, habe ich mitbekommen, aber ich habe dazu kein Video gesehen.

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ihr das ganze Snape-Gefeiere auf den Nerv geht, weil es einfach ihren Plot kaputt macht. Da hat sie diesen Charakter mühevoll über Jahre hinweg als fieses Ekel aufgebaut, um ihn dann - Überraschung - im letzten Band als Guten zu präsentieren und diverse Fans ignorieren das einfach und finden ihn von vorne herein gut. Mich würde das glaube ich ziemlich nerven *lach*
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Beitragvon Mortianna » 9. Jul 2008 22:25

Ich habe ziemlich viel gelesen, aber die letzten Beiträge nicht mehr geschafft - muss mich gleich ausloggen. Aber eines wollte ich noch zu Snape schreiben.
Ich fand ja bisher immer, dass er in DH eine ziemliche Gratwanderung gemacht hat. Rickmans Interpretation zeigte für mich (vor allem im Labyrinth), dass Snape voll auf Dumbledores Seite stand. Und da passt meiner Meinung nach keine obsessive Liebe zu Lily hinzu. Bis dahin sah es so aus, als habe er sich für den richtigen, nicht für den leichten Weg aus freiem Willen entschieden. DH lehrt uns, meiner Meinung nach, dass Snape aus einer Traumatisierung heraus die Seite wechselte. Und damit eben nicht aus freiem Willen. Ich empfinde seine schon wahnhaft zu nennende Liebe zu Lily (so sehe ich sie) als krank. Nicht weil ich ihm keine Emotionen zugesetehen würde, nein, ich glaube sein emotionales Innenleben ist größer als das der anderen. Aber Lily war wie hier schon gesagt wurde seine Teenagerliebe, sie hat ihn nicht gewollt, sie hat mit James über die grauen Hosen gelacht und ihn mit gedemütigt, nachdem er nicht auf Knien für ihre Rettung gedankt hat, sondern sie stattdessen beschimpfte (ich habe es schon öfter geschrieben, er konnte gar nicht anders, er musste sein Gesicht wahren. Stellt euch vor ein 15jähriger Junge wird nur von den 'Feinden' in Ruhe gelassen, weil ein Mädchen sich für ihn einsetzt - damit ist der Selbstwert des Jungen endgültig dahin). Und auch Lily musste sich ein Lachen verkneifen. Dann rutscht Severus auf Knien vor ihr und bittet um Verzeihung und sie gewährt sie nicht einmal ansatzweise. Und diesem Mädchen, dass dann den Erzfeind kurze Zeit später wählt (was sich auch in der schlimmsten Erinnerung abzeichnete - hatte ich auch schon öfter erklärt - war völlig normals Verhalten eines 15jährigen Mädchens, das James wirklich hätte haben wollen). Nein, ich glaube nicht, dass Snape geweint hätte. Etwas anders ist das Gefühl von Schuld am Tod der alten Freundin und die Rachegedanken. Aber die waren dann schlecht rübergebracht.

Und deshalb - und um das jetzt zu schreiben, habe ich das alles oben erklärt... 8) glaube ich persönlich, dass die Autorin sich keine Rahmengedanken um ihre Charaktere gemacht hat. It'S all about Harry! Ja. Was Harry betraf war in ihrem Kopf. Die andern alle Statisten. Schade eben nur, oder Pech, dass sie sich selbstsändig gemacht haben. Darauf hätte sie reagieren können und ein gutes Buch liefern können. So hat sie an ihrem Plan festgehalten und ihn mit der Brechstange zu Ende geführt - und da war eben kein gutes - jedenfalls nicht für die Leser, die etwas Anspruch erwarteten. Wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung zu dem Buch.
Übringes gab es viele Charaktere, die sich selbständig gemacht haben, unter anderem die Riesen, die Elfen etc. Und die hätten alle etwas Besseres verdient gehabt - jedenfalls sehe ich das so.

So, genug geschwallt ihr Lieben und euch genug genervt... :-P
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Beitragvon nevermore » 10. Jul 2008 23:57

Kola hat geschrieben:Tja, wie schon gesagt, aus meiner Sicht geht es daraus hervor, an mehreren Stellen, auch wenn es eher zwischen den Zeilen steht. Aber eine ausführliche Szene, z. B. ein Gespräch mit Harry, wäre natürlich toll gewesen, obwohl so ein Gespräch dem Charakter Snape widersprechen würde. Er ist zu stolz, um zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat. Deswegen gibt es vermutlich auch so eine Szene nicht und ich habe es auch nicht erwartet (wäre aber natürlich auch gerne vom Gegenteil überrascht worden).


Ich meinte das weniger im Sinne von "ich habe ... laberrhabarber ... dies und das getan"; das wäre nicht in Snapes Charakter gewesen, da stimme ich zu. Schon gar nicht im Gespräch mit Harry. Es hätte viele andere Möglichkeiten geben; um nur ein paar zu nennen, die mir spontan einfallen: Denkariums-Szene aus Snapes Erinnerungen, in der seine Reaktion auf einem Todesser-Treffen oder bei einem Angriff auf Muggle deutlich wird, Bericht von Aberforth, dass Snape mit RAB zusammen versucht hat, Voldemort das Handwerk zu legen (eine meiner favorisierten Auflösungsvarianten, in der auch Narcissa Malfoy noch eine interessante Rolle hätte spielen können), Bericht von Dobby, der Zeuge einer gegen Voldemort gerichteten Aktion oder der Pläne dazu wurde.

Nö, muss man nicht. Es ist bestimmt nicht ihr bestes Buch, es hat Längen, Logikfehler und mir persönlich ist es zu traurig. Ich habe schon lange nicht mehr so viel geheult wie bei diesem Buch, weil so viele Leute mehr oder weniger unnötig über die Klinge gesprungen sind. Dennoch finde ich, dass sie es im Ganzen gut hinbekommen hat und die Charaktere einigermaßen glaubhaft die Kurve kriegen. Bis auf LV, der war mir im siebten dann doch eine Spur zu dusselig. Da hatte ich Erwartungen, die nicht erfüllt wurden :wink:


Don't get me started, was Voldemort in Band 7 betrifft... :rolleyes:

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass ihr das ganze Snape-Gefeiere auf den Nerv geht, weil es einfach ihren Plot kaputt macht. Da hat sie diesen Charakter mühevoll über Jahre hinweg als fieses Ekel aufgebaut, um ihn dann - Überraschung - im letzten Band als Guten zu präsentieren und diverse Fans ignorieren das einfach und finden ihn von vorne herein gut. Mich würde das glaube ich ziemlich nerven *lach*


ok, aber spätestens nach dem zweiten Lesen musste jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein, dass mit dem "bösen Snape" was nicht stimmt. Die Überraschung wäre für mich gewesen, hätte sich Snape als loyaler Todesser entpuppt.

Mortianna hat geschrieben:Aber Lily war wie hier schon gesagt wurde seine Teenagerliebe, sie hat ihn nicht gewollt, sie hat mit James über die grauen Hosen gelacht und ihn mit gedemütigt, nachdem er nicht auf Knien für ihre Rettung gedankt hat, sondern sie stattdessen beschimpfte (ich habe es schon öfter geschrieben, er konnte gar nicht anders, er musste sein Gesicht wahren. Stellt euch vor ein 15jähriger Junge wird nur von den 'Feinden' in Ruhe gelassen, weil ein Mädchen sich für ihn einsetzt - damit ist der Selbstwert des Jungen endgültig dahin). Und auch Lily musste sich ein Lachen verkneifen. Dann rutscht Severus auf Knien vor ihr und bittet um Verzeihung und sie gewährt sie nicht einmal ansatzweise. Und diesem Mädchen, dass dann den Erzfeind kurze Zeit später wählt (was sich auch in der schlimmsten Erinnerung abzeichnete - hatte ich auch schon öfter erklärt - war völlig normals Verhalten eines 15jährigen Mädchens, das James wirklich hätte haben wollen). Nein, ich glaube nicht, dass Snape geweint hätte.


Für mich ist auch Lily Potter nicht wirklich als das gutherzige Mädchen herübergekommen, als das sie vermutlich gedacht war. In der Szene wirkt sie auf mich gar nicht sympathisch, und ich konnte auch nie wirklich nachvollziehen, wie und inwiefern James Potter plötzlich von einem Bully zu einem guten Menschen geworden ist.

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Aber auch Harry wurde sehr stark auf einen Handlanger Dumbledores reduziert, ähnlich wie Snape. Im Endeffekt frage ich mich, ob nicht "all about Dumbledore" gewesen ist.
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Beitragvon Mortianna » 11. Jul 2008 07:33

Ich meinte damit auch mehr, dass für die Autorin nur das wichtig und ausgearbeitet war, was direkt mit Harry in Zusammenhang stand. Sie hat ihre Hintergrundgeschichte nicht wirklich parat gehabt. Und ich bin der Meinung, dass man das bei einem solch umfangreichen Werk haben muss. Sonst geht es so, wie es hier gegangen ist, die Charaktere entwickeln ein Eigenleben und passen nicht mehr in den engen Rahmen. Entweder muss man sie, wie JKR es getan hat, wieder dort hineinzwängen, koste es, was es wolle (Qualität z.B.) oder aber man muss die Geschichte ändern. Der SdW war kein Problem. Damit hätte Schluss sein können. Die Hintergrundgeschichte reichte aus. Voldemort tötete die Eltern des Helden, versucht es dann bei Harry, der meistert die Situation und Voldemort stirbt - hätte nur endgültig sein müssen! Keiner hätte mehr weiter gefragt. Es wäre ein abgeschlossenes nettes Kinderbuch gewesen. Dann aber weißt sie auf Probleme in ihrer magischen Welt hin, die es auch in der Realität gibt, wie gesagt, Hauselfen, Riesen, Schuld, Sühne usw. - und damit sprengte sie ihre eigene Rahmenhandlung und hat nicht reagiert. Vielleicht war sie einfach selbst damit überfordert. Es war seitweise starker Stoff....
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Beitragvon Kola » 11. Jul 2008 08:23

nevermore hat geschrieben:Denkariums-Szene aus Snapes Erinnerungen, in der seine Reaktion auf einem Todesser-Treffen oder bei einem Angriff auf Muggle deutlich wird, Bericht von Aberforth, dass Snape mit RAB zusammen versucht hat, Voldemort das Handwerk zu legen (eine meiner favorisierten Auflösungsvarianten, in der auch Narcissa Malfoy noch eine interessante Rolle hätte spielen können), Bericht von Dobby, der Zeuge einer gegen Voldemort gerichteten Aktion oder der Pläne dazu wurde.

Ach ja, es hätte schöne Szenen geben können... vor allem mit dem Denkarium. Ich glaube JKRs Hauptbeweis für Snapes Wandel zum Guten soll die Stelle sein, an der er Phineas Nigellus verbietet, das Wort 'Schlammblut' zu nutzen. Mager, aber die Frau verteilt nun mal nur magere Kost *seufz*

nevermore hat geschrieben:Don't get me started, was Voldemort in Band 7 betrifft... :rolleyes:

*grins* ja, das war nix :mrgreen:

nevermore hat geschrieben:ok, aber spätestens nach dem zweiten Lesen musste jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein, dass mit dem "bösen Snape" was nicht stimmt. Die Überraschung wäre für mich gewesen, hätte sich Snape als loyaler Todesser entpuppt.

*lach* sag das mal den Scharen von Antisnapes. Die waren bis zum bitteren Ende der Meinung, dass er böse ist, da halfen die besten Argumente nichts.

Mortianna hat geschrieben:Dann rutscht Severus auf Knien vor ihr und bittet um Verzeihung und sie gewährt sie nicht einmal ansatzweise.

Nett kam Lily für mich auch nicht rüber, gerade in Band sieben nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass Snape letztlich akzeptiert hat, dass Lily James heiratet und so weiter. Die Sache hat für ihn erst wieder Dynamik bekommen, als Lily plötzlich durch sein Verschulden tot war.

nevermore hat geschrieben:
Mortianna hat geschrieben:It'S all about Harry!

Aber auch Harry wurde sehr stark auf einen Handlanger Dumbledores reduziert, ähnlich wie Snape. Im Endeffekt frage ich mich, ob nicht "all about Dumbledore" gewesen ist.

*lol* Die Bücher hätten heißen sollen 'Dumbledore und der Stein der Weisen' usw. :mrgreen: Zum Glück bekommt AD auch gehörig sein Fett weg.
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Beitragvon Demona » 12. Jul 2008 11:53

Ich denke, dass es auch daher kommt, dass JKR eine sehr einseitige Betrachtungsweise von Menschen hat. Sie kann oder will nicht akzeptieren, dass Menschen nicht ein bestimmtes Schema gepresst werden können und wollen.
Vor allem Teenager machen bis sie erwachsen werden (falls das manchen je werden :mrgreen: ) eine ziemliche Wandlung bzw. Veränderung durch. Geprägt durch erfahren Lebensumstände etc. sind diese Änderungen eigentlich unausweichlich. Das hat sie m. E. nicht mit bedacht.
Für sie blieb Snape immer das unbeliebte, schmuddelige Kind, das auch noch die - ach so holde und liebliche Maid - Lily immer noch mit Blicken verschlang (und auszog) und sich anmaße, er könne die "Göttliche" für sich erobern. Welche Unverschämtheit von ihm! :base:
Da kommt bei ihr so dieser typisch englische Snobismus zu Tage.

Es hätte was tolles draus werden können, aber indem man Charaktere in ein - für sich geltendes - Schema F presst, macht es diese nicht unbedingt besser und im Falle von James und Lily beliebter.
"Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

"Wichtig ist nur, was du mit der Zeit anfängst, die dir in deinem Leben gegeben ist." (Gandalf zu Frodo in Moria, HdR- Die Gefährten)
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