Lesezirkel "Der kleine Hobbit" von J.R.R. Tolkien

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Beitragvon nevermore » 26. Sep 2008 18:58

Bilbo soll jetzt also den Türöffner spielen. Thorin ist ein bisschen unverschämt, oder? Als ob Bilbo nicht inzwischen die Aufnahme in die illustren Zwerge-Kreise mehr als verdient hätte. Eigentlich ist doch Thorin der rechtmäßige Erbe. Nichtmal mit will einer – feiges Volk. Kann Tolkiens Rechtfertigungen da nicht ganz nachvollziehen.

Bilbo scheint jetzt erst klar zu werden, dass es mit dem Hineinkommen in den Berg allein nicht getan war. Der Drache wartet da auch noch – den hatte er wohl ganz vergessen, oder verdrängt :-D Diesmal bringt Tolkien den inneren Prozess von Bilbo und seine Wandlung sehr viel besser herüber, als in der Spinnenszene im Wald. Auch seine Fassungslosigkeit angesichts des Schatzes kommt sehr gut herüber.

So, und nun ist Smaug richtig wütend. Also irgendwie lässt der Plan insgesamt zu wünschen übrig. Was sie mit Smaug machen wollen, wie sie mit dem umgehen wollen, oder gar was das für andere für Konsequenzen haben könnte, haben sich wohl weder Zwerge noch Bilbo oder Gandalf überlegt.

Die Rätselkonversation mit Smaug finde ich erst ein bisschen albern, von Smaugs Seite her, der mir da etwas gar zu dämlich herüberkommt. Aber dann bringt Smaug die Sache auf den Punkt: Wie wollen sie eigentlich den Schatz da herausschaffen, selbst wenn sie mit Smaug fertigwerden sollten? Wirklich, Dumbledores Pläne waren ja wohldurchdacht gegen diesen. Und die Zwerge, die trotz aller Probleme keinen Gedanken daran verschwenden, wie sie aus der Sache herauskommen, sondern bloß den Schatz im Kopf haben, bekleckern sich auch nicht grade mit Ruhm.
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Beitragvon Demona » 26. Sep 2008 19:19

Ich denke mal, Gandalfs einzige Motivation war die Beseitigung des Drachens, damit von dort keine Gefahr mehr droht. Der Schatz war für ihn eher nebensächlich.

Da er auch Thorin als Herr vom Berg sah, ging er wohl davon aus, dass Thorin dort bleiben wollte und damit auch der Großteil des Schatzes, bis auf Bilbos Anteil.
Und sich darüber Gedanken zu machen, sah Thorin wohl nicht als seine Aufgabe an. M.E. haben sich die Zwerge überhaupt gar keine Gedanken darüber gemacht, wie der Berg und die Umgebung nach der jahrelangen Belagerung durch Smaug aussehen könnte. Sie waren ja auch ziemlich fassungslos über die Zerstörung und wie es da jetzt aussieht.
So, wie das für mich aussah, lebten da einige zu sehr in der Vergangenheit und hatten wohl nur ihren Schatz im Sinn. Es hieß ja auch mal, dass in dieser Beziehung die Zwerge sehr egoistisch und ichbezogen sein können und da zeigt sich auch mal wieder, das Gold den Charakter verdirbt.
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Beitragvon nevermore » 26. Sep 2008 19:24

Naja, in dem Fall verdirbt Gold nicht bloß den Charakter, sondern auch den Verstand. Man sollte doch meinen, dass sie sich überlegen, wie sie mit Smaug fertigwerden wollen und den Schatz transportieren? Zumindest Thorin, der ja aus den Erzählungen seines Großvaters am besten wissen sollte, wie gefährlich der Drache ist.
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Beitragvon Demona » 30. Sep 2008 02:10

Dann wollen wir mal weitermachen...

13. Kapitel - Nicht zu Hause


Da saßen sie nun in der Tiefe und es traute sich kaum einer zu rühren. Sie aßen, schliefen und wachten und nach Tagen, wie ihnen schien, hatten sie das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen.
Sie hatten mehr Angst davor, dass hinter der Stille noch was anderes steckt, konnten jedoch nicht länger im Tunnel verharren.
Leider ließ sich die geheime Tür nicht mehr öffnen, da der obere Stollen eingebrochen war. Nun hatten sie erst Recht das Gefühl in der Falle zu sitzen und finden an zu jammern.
Wieder einmal war es der Hobbit, der sie aufmunterte und ihnen klar machte, dass es keinen anderen Weg gibt, außer Richtung Drachenlager.
Diesmal war Thorin an seiner Seite und sie konnten von Glück sagen, dass der Drache ausgeflogen war, ansonsten hätte er die Zwerge durch ihr schnaufen und scharren schon von Weitem gehört.
Kurz vor dem Stollenende streifte sich Bilbo wieder den Ring über und landete aber, da er sich verschätzt hatte, kopfüber in der Halle.
Nichts war zu hören und und kein Lichtschimmer zu sehen. Als er dann schließlich doch den Kopf hob, da meinte er was Weißes schimmern zu sehen.
nac dem er mehrmals gerufen hatte und keine Antwort erhielt, stellte Bilbo fest, dass Smaug wohl ausgeflogen war. Schnell rief Bilbo nach Licht.

Nachdem sich die Zwerge von dem Schrecken erholten hatten, den Hobbit in die halle fallen zu sehen lauschten sie angestrengt. Sie bekamen erst nach einer Weile mit, wie Bilbo nach Licht rief. Bilbo nahm eine Fackel in Empfang und musste sich wieder alleine in die Halle begeben, da Thorin ihm höflich mitteilte, dass er immer noch offiziell der Meisterdieb und Kundschafter war.
Hin und wieder sahen die Zwerge einen Lichtschimmer erhaschen, wie er hin und her tanzte. Dann blieb er kurz stehen und bückte sich, jedoch wussten sie nicht warum.
Bilbo hatte den Arkenjuwel gefunden.
Wie von einem Zauber gezogen, berührte er ihn. Er konnte ihn nicht mit einer Hand umfassen und trotzdem schob er ihn sich in die Tasche.
Er redete sich damit raus, dass er nun wirklich ein Dieb war, aber es den Zwergen immer noch erzählen könnte. Außerdem hatte er ja Thorins Zusage, dass er sich aussuchen könne, was er wolle. Jedoch hatte er das unangenehme Gefühl, sich damit noch eine Menge Ärger einzuhandeln.
Bilbo wanderte bis zum Ende der Halle und kam bis zu den großen Toren und erhaschte dort einen frischen Luftzug.
Er konnte keine Spur des Drachen entdecken und wollte gerade umkehren, als etwas sein Gesicht streifte. Er schrie auf, weil die Fackel erlosch und er im Dunkeln stand.
Die Zwerge hörten seine Hilferufe und konnten sich keinen Reim drauf machen, da sie davon ausgingen, dass Bilbo nicht so schreien würde, wenn der Drache in der Nähe wäre.
Balin entschloss sich als Erster, dem Hobbit zu Hilfe zu eilen. Sie fanden ihn relativ schnell und Bilbo hatte sich auch wieder erholt, als er die Lichter sah. Das Ganze war ihm mittlerweile sehr peinlich.
Die Zwerge waren mittlerweile beim Anblick des Goldes in eine Art Rauschzustand verfallen und Bilbo wagte nun nicht mehr ihnen zu erzählen, dass er den Arkenjuwel gefunden hatte.
Nach und nach vergaßen die Zwerge ihre Angst und der Anblick des Schatzes lies sie sogar Smaug vergessen.
Kili und Fili hatten goldene Harfen gefunden und stimmten damit ein Lied an. Die anderen Zwerge waren jedoch so dem Schatz verfallen, dass sie ohne nachzudenken ihre Taschen füllten. Thorin nahm sich dabei nicht aus, aber er war dabei immer auf der Suche nach dem Arkenjuwel.
Nach und nach zogen die Zwerge die dort gefundenen Rüstungen an und versorgten sich mit Waffen. Thorin warf Bilbo seinen ersten Anteil zu und forderte ihn auf, dass silberne Kettenhemd anzuziehen. (Damals wusste Bilbo noch nicht, was für einen Schatz er damit von Thorin erhalten hatte.)
Bilbo fühlte sich großartig, aber gleichzeitig auch komisch und dachte bei sich, dass seine Leute zu Hause bestimmt einen Lachanfall bei seinem Anblick bekämen.
Es war wieder der Hobbit, der einen klaren Verstand behielt und die Zwerge aufforderte, nach einem Fluchtweg zu suchen. Denn ohne diesen, würden sie auch den Schatz nicht weg bekommen.

Thorin stimmt Bilbo diesmal ohne weitere Diskussionen zu und rief alle zusammen. Er führte sie durch die offenen Tore, die glänzenden neuen Rüstungen hatten sie unter ihren alten Mänteln versteckt, durch alte Durchgänge mit alten Wandschmuck, die durch Smaug verdreckt waren und stanken.
Sie stiegen Treppen hinauf, gingen durch weite hallende Gänge und erstiegen immer weitere Treppen. Da die Treppen nicht für kleine Hobbits gemacht waren, fühlte dieser, dass er dies nicht mehr lange durchhalten würde. Als dieser schon aufgeben wollte, zeigte sich ein Lichtschimmer und Thorin verkündigte mit einen Blick auf das Gewölbe, dass dies Thrors große Halle wäre und sie bald am Haupttor wären.
Sie durchschritten die große Halle, vorbei an zerstörten Tische, Stühlen und an Schädeln und Gebeinen. Sobald sie weitere Türen durchschritten hatten, wurde das Licht heller und sie hörten Wasser rauschen.
Thorin erklärte ihnen, dass dies der Ursprung des Eiligen Wassers wäre und es direkt zum Haupttor läuft.
An der Felswand entsprang an einer kleiner Öffnung klares Wasser, welches, das konnte man noch erkennen, in einen nicht natürlichen Ursprungs gehauenen Kanal lief. Direkt daneben verlief ein gepflasterter Pfad, den sie nun alle entlang eilten.
Kurz darauf sahen sie Tageslicht durch einen großen Torbogen hereinscheinen und wurden fast geblendet. Am Torbogen konnte sie noch Reste von Holz mit alten Schnitzereien entdecken.
Etwas Sonnenlicht schien auf die Steine der Torschwelle und Fledermäuse flatterten auf, da sie von den Fackeln geblendet waren.
Neben ihnen rauschte das Wasser brausend ins Tal und sie schauten geblendet hinab und sahen vor sich Dal.
Der frische Wind, der Bilbo kalt um die Nase strich und den drohenden Winter ankündigte machte ihn wieder munter und er stellte prakmatisch fest, dass er Hunger hatte und die Frühstückszeit bestimmt schon vorbei wäre. Auch wäre die Türschwelle einer Drachenbehausung bestimmt nicht der sicherste Ort, um eine Mahlzeit einzunehmen.
Balin schlug daraufhin einen passenderen Ort vor, den alten Ausguckposten auf der südwestlichen Seite des Berges.
Trotz des längeren Weges bis zum Aussichtspunkt und weiterer ermüdender Kletterei, die Bilbo nicht sonderlich begeisterte, machten sie sich mit einem vergnügten Throrin alsbald auf den Weg.
Auf Thorins Einwurf, dass der Hobbit sich nicht über seinen Palast lustig machen sollte und er erst mal sehen sollte, wie der aussieht, wenn er gereinigt wäre, entgegnete Bilbo nur seufzend, dass dies sicher erst nach Smaugs Tod geschehen würde.
Der Gedanke störte die Zwerge sehr und so sahen sie schnell ein, dass sie hier am Haupttor nur ein gutes Zeil boten und nicht sicher waren.

So stolperten sie mehr als sie gingen den Weg neben dem Fluss entlang und die Verwüstungen, die sie erblickten, ließen selbst Thorin seine Fröhlichkeit wieder verlieren. Die Brücke, die Balin erwähnt hatte, war auch verfallen. Zum Glück war der Fluss seicht und sie konnten ihn ohne große Schwierigkeiten überqueren. Bald darauf entdeckten sie einen alten Weg und gingen diesen weiter bis zu einen geschützten Einschnitt. dort machten sie kurz Rast und bekamen so endlich ihr Frühstück.
Danach gingen sie weiter und sie erreichten endlich den alten Bergpfad, der jedoch steil aufwärts führte. Nach weiterer mühsamer Kletterei erreihten sie schließlich die flache Stelle mit den offenen Stellen nach drei Seiten. Im Norden würde diese Stelle durch eine Felsmauer geschützt, in die so etwas wie eine türähnliche Öffnung gehauen war.
Balin erklärte ihnen, dass dies in alten Zeiten der Platz für die Wachposten gewesen war und die in den Fels gehauene Tür zu einer kleinen Halle führte, die als Wachraum gedient hatte. Solche Art von Wachtposten gab es früher mehrere um den Berg herum.
Balin erklärte, dass sie hier einigermaßen sicher waren und sie hofften, dass niemand sie gesehen hatte, wie sie hierher gingen.
Bilbo war dies erst einmal egal und er warf sich in der kleinen Halle auf den Boden. Einige der Zwerge taten es ihm nach und schliefen gleich ein. Andere hatten sich jedoch in der Nähe der Tür niedergelassen und stellten sich immer wieder die bange Frage, wo Smaug abgeblieben war. Im Osten und Westen konnten sie kein Zeichen erkennen. Im Süden jedoch hatte sich eine große Schar Vögel versammelt.
Erstaunt hatten die Zwerge die Ansammlung beobachtet, aber auch als die Sterne aufgingen hatten sie den Grund hierfür noch nicht heraus gefunden.


So, das wäre es zu diesem Kapitel.

Bilbo hat also den Arkenjuwel gefunden und erst einmal behalten.
Thorin machte ihm ein besonderes Geschenk, das Kettenhemd aus Mithril.
Die Zwerge können sich mit Waffen, Panzern und Kettenhemden neu ausstatten.
Des weiteren geraten sie in Goldrausch und nur der Hobbit kann sie wieder etwas zur Vernunft bringen.
Thorin fühlt sich schon als König vom Berg und mir scheint fast, dass Balin der einzig vernünftige und und vorausdenkende Zwerg von ihnen ist.
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Beitragvon nevermore » 1. Okt 2008 20:05

Die Zwerge sitzen immer noch im finstern ... und in der Not der Verzweiflung wird jetzt Bilbo buchstäblich (und nicht nur im Geiste) zum Führer. Hält allerdings nicht lang an. Sobald die geringste Alternative in Sicht ist, schicken sie wieder Bilbo alleine vor. Ich bleibe dabei, dass die Zwerge Feiglinge sind :mrgreen:

Das Akrenjuwel ist ja wieder fantastisch beschrieben. Und Bilbo lässt es mitgehen. Mal sehn ob sich der „Ärger“ damit auf die Zwerge beschränken wird.

Ja, Balin scheint der einzige zu sein, der etwas denkt und auch eine gewisse Verantwortung für Bilbo fühlt.

Biblo bekommt das Kettenhemd, das wir aus dem HdR kennen. Und so sehr er sich sonst verändert hat, was die Angelegenheit mit dem Essen betrifft, ist er der Alte geblieben :wink2:

Jetzt bin ich ja gespannt, wo Smaug hinverschwunden ist.
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Beitragvon Cellmorbasg » 1. Okt 2008 20:31

Die Sache mit dem Arkenjuwel ist sehr interessant.
Tolkien kann dem Leser hier die Zwerge ein bisschen verständlicher machen - mit ihrer Sucht nach Schätzen.
Selbst Bilbo einen bodenständigen Hobbit - der zudem in letzter Zeit bei glasklarem Verstand war- wird durch den Prunk verführt.

Außerdem bekommt Bilbo so ein schwerwiegendes Argument, das er brilliant einzusetzen weiß.
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Beitragvon Demona » 2. Okt 2008 12:37

Außerdem bekommt Bilbo so ein schwerwiegendes Argument, das er brilliant einzusetzen weiß.


Das Akrenjuwel ist ja wieder fantastisch beschrieben. Und Bilbo lässt es mitgehen. Mal sehn ob sich der ?Ärger? damit auf die Zwerge beschränken wird.


Dazu fällt mir nur der Spruch von Gandalf ein: "In einem Hobbit steckt oft mehr als man glaubt."

Jetzt bin ich ja gespannt, wo Smaug hinverschwunden ist.


Hmm, da dürfte es Andeutungen gegeben haben im vorherigen Kapitel.


Im Nachhinein kann man nur sagen, dass es eine gute Idee von Gandalf war, einen Hobbit mit auf die Reise zu schicken.
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Beitragvon nevermore » 12. Okt 2008 15:40

Wann gehts denn weiter, Demona? :bat:
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Beitragvon Demona » 12. Okt 2008 20:28

Und weiter im Text...

14. Kapitel - Feuer und Wasser



Während die zwerge mit dem Hobbit nach der Zerstörung der geheimen Tür in dem Gang ausharrten und erst einmal nicht weiter wussten, war Smaug voller Wut davon geflogen.
Und er hatte nichts gutes im Sinn. Durch das Gespräch mit Bilbo hatte er erfahren, dass die Zwerge Hilfe von den Menschen der Seestadt Esgaroth erhalten hatten. Die indes ahnten nichts Böses und hielten sich entweder in ihren Häusern auf oder waren unterwegs zum Abendspaziergang über die Kais. einige von ihnen liebten es, das Licht der Sterne auf dem Wasser des Sees spiegeln zu sehen.
Bei klaren Wetter konnten sie sogar die Gipfel des Einsamen Berges erkennen. Selten schauten sie jedoch in die Richtung, da ihnen der Anblick unheimlich war. Dieses mal war er auch nicht zu erkennen.

Heute jedoch sahen sie ein flüchtiges Glühen aus der Richtung des Einsamen Berges auftauchen und gleich wieder erlöschen. Die Wächter hatten das gleiche Glühen schon in der letzten Nacht bis zum Morgengrauen beobachten können. Während sie miteinander stritten, wer das Leuchten verursachte, die einen vermuteten den den König unter dem Berg, die anderen den Drachen und wieder andere warfen den Drachengläubigen Unglücksprphezeiung vor.
Plötzlich leuchtete ein helles Licht auf und das Ende des Sees begann wie gold zu glühen. Die Leute schrien vor Begeisterung auf und die, die in den Häusern geblieben waren kamen heraus gerannt und alle riefen vor Begeisterung nach dem König vom Berg und meinten, den Goldschatz schon vor sich zu sehen.
Nur ein Mann mit grimmiger Stimme rief dem Meister der Stadt zu, dass dies nur der Drache sein konnte und sie die Brücke abreißen und zu den Waffen greifen sollten. Im gleichen Augenblick ertönten warnende Trompetenrufe und die Freudenschreie verwandelten sich in Schreckensschreie. so hatten sie doch Glück im Unglück und der Drache traf sie nicht ganz unverbereitet.
Er flog sehr schnell und schon bald kam er in einem wahren Funkenregen näher. Es blieb ihnen noch etwas Zeit alle möglichen Gefäße der Stadt mit Wasser aufzufüllen und einige Leuten erkannten, dass sie sich die Prophezeiung ins Gegenteil verkehrt hatte.
Die Krieger griffen zu den Waffen, die Brücke zum Ufer wurde zerstört kurz bevor der Drache mit lauten Getöse heran nahte und sich das Wasser des Sees feuerrot kreuselte.
Smaug brach über sie herein und fühlte sich, als er die zerstörte Brücke, die zur Seestadt führte, zerstört sah, überlistet. Er konnte sich auch nicht in das kalte Wasser stürzen, denn der tiefe See hätte seine Feuerglut sofort gelöscht. Brüllend vor Wut kehrte er um und flog über die Stadt. Ein Pfeilhagel ergoß sich ihm entgegen, prallte an seinem Juwelenpanzer ab und so fielen die Pfeile brennend von Smaugs Feueratem zischend in den See. Das Zischen der Pfeile und die Trompetenrufe machten den Drachen blind vor Wut und Zorn. Jahrhunderlang hatte es niemand gewagt, ihm offen in einer Schlacht gegenüber zu treten und wenn Bard, so hieß der Mann mit der grimmigen Stimme die Krieger der Stadt nicht angeführt hätte, dann hätte es wohl auch niemand gewagt. Smaug in sein rasenden Wut dachte nur noch daran, die Stadt in Brand zu setzen und gab dadurch nicht acht, ob er den Kriegern nun seinen Schuppenpanzer den Menschen darbot oder nicht.
Die Strohdächer brannten und es nützte fast nichts, dass die Strohdächer der Stadt vor seiner Ankunft mit Wasser begossen worden waren. Zusätzlich zu seinem Feueratem schlug er mit seinem mächtigen Schwanz auf die Häuser ein und so stürzte die große Halle krachend zusammen. Das Feuer erfasste ein Haus nach dem anderen und kein Pfeil konnte den Drachen aufhalten.

Mittlerweile sprangen immer mehr Menschen der Inselstadt ins Wasser. Frauen und Kinder versuchten auf lastenschiffen zu Flüchten und selbst der Meister der Stadt war einer der Ersten der auf seinem goldenen boot hoffte sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen verfluchten die Zwerge, die sie noch vor ein paar Tagen mit den alten Liedern über die kommenden Zeiten begrüßt hatten.
Dies war auch genau Smaugs Absicht gewesen und so langsam bekam er auch richtig Spass daran, die Stadt zu zerstören. Sollten die Menschen doch auf ihren Booten über das Wasser fliehen, so machte die Jagd später nach ihnen doppelt so viel Vergnügen. Allerdings hatte er nicht bedacht, dass sich unter der Führung von Bard noch einige Bogenschützen in der brennenden Stadt versteckt. Anfangs hatten die Leute Bard wegen seiner dunklen Voraussagen verlacht, aber jetzt sahen sie in ihm ihre einzige Chance zur Rettung ihrer Stadt. Bard war auch nicht irgendjemand, nein der junge Mann war ein Nachkomme von Girion dem Fürsten von Dal, dessen Frau und Kind dem Drachen damals entkommen waren. Grimmig stand er da und verschoß mit seinem Eibenbogen fast alle seine Pfeile. Als das Feuer immer näher kam verließ ihn auch der Rest seiner Kameraden, aber Bard wollte nicht aufgeben.
Plötzlich bemerkte er neben sich einen Schatten und etwas ließ sich auf seiner Schulter nieder, die alte Drossel. Anfangs mehr als erstaunt, dass er deren Sprache verstand hörte er ihr aufmerksam zu. Furchtlos saße diese neben seinem Ohr und flüsterte ihm eine seltsame Nachricht zu. Er solle mit seinem letzten Schuß auf den Mond warten und auf die linke Seite von Smaugs Brust achten, wenn dieser über ihn kreise! Staundend hörte der junge Mann der Drossel zu und erfuhr so von ihr, was oben im Berg geschehen und besprochen worden war.
Als der Drache niedrig kreisend zurück flog und herankam spannte Bard seinen Bogen. Der Mond erhob sich und versilberte die Schwingen von Smaug. Er schoß noch tiefer herab und als er sich zur Seite neigte, da schimmerte seine Panzerseite silbern im Mondlicht bis auf einen stumpfen Fleck. Mit einem gesprochenen Gebet schoß Bard den Pfeil ab und mit einer Wucht traf er sein Ziel. so dass schwarze Pfeil mit Widerhaken, Schaft und Feder in der Brust des Drachen verschwand. Mit einem fürchterlichen Schrei schoß Smaug in die Höhe, überschlug sich mehrfach und krachte zu Tode getroffen mitten in die Stadt herab. Im Todeskampf schlug der Frache Esgaroth in Trümmer und der See brach herein. Zu hören war nur noch ein Zischen, ein aufschießender Wirbel und dann Stille. Es war das Ende von Smaug dem Drachen und von der Seestadt Esgaroth und der Held von allen war Bard, der Nachkomme vom Fürsten von Dal.

Während der Mond höher stieg konnte man in den zahlreichen Booten, die über den See trieben das Klagen der Menschen hören, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten. Ein viertel der Bevolkerung von Seestadt hatte durch den Überfall des Drachen sein Leben verloren, jedoch waren ihre Wälder, Weiden und Felder, das Vieh und ein Großteil der Boote heil geblieben. Der Drache war tod, jedoch hatten es die Überlebenden irgendwie noch nicht so richtig begriffen.
Sie sammelten sich am westlichen Ufer, jammerten über die Kälte und beklagten sich über den Meister, welcher als einer der Ersten die Stadt verlassen hatten. Sie wünschten, dass Bard, der mit seinem Meisterschuß den Drachen getötet hatte, überlebt hätte, dann hätten sie ihn in dem Augenblick zum König gemacht.
Doch Bard war nicht tot, triefend tauchte er im Dunkel der Nacht auf. Er war unter Wasser getaucht und hatte schwimmend Esgaroth verlassen. Der Meister war über sein Auftauchen nicht begeistert und versuchte den Menschen klar zu machen, dass es nie einen König sondern nur einen Fürsten gegeben hatte und das nie ein Krieger Meister von Seestadt geworden war.
Doch die Menschen wollten ihn nicht mehr und da Bard direkt neben ihm stand, traute er sich auch nicht, offen gegen ihn seine Meinung zu äußern und so erklärte er den Umstehenden, dass nicht er sondern die zwerge Schuld an all dem Elend, dass nun über sie herein gebrochen war, hätten. Dafür müssten sie nun Vergeltung zahlen und die Menschen von Seestadt hätten ein Recht für ihr herein gebrochenes Unglück einen Anteil am Zwergenschatz zu erhalten.
So zeigte sich nun, dass dieser Mann nicht ganz zu Unrecht zum Meister der Stadt ernannt worden war. So verstand er es geschickt, dass die Menschen ihren Wunsch nach einem neuen König vergaßen und somit Thorin und seine Gesellschaft zur Zielscheibe ihres Ärgers wurden.
Bard jedoch wandte wütend ein, dass wahrscheinlich die Zwerge die ersten waren, die im Feuer des Drachens umgekommen waren. Allerdings fiel ihm dabei ein, dass nun wahrscheinlich der Schatz jetzt ohne Eigentümer und Beschützer war. So fiel auch Bard in nachdenkliches Schweigen. Mit Hilfe des Schatzes konnte nicht nur Seestadt sondern auch Dal wieder aufgebaut werden.
Während Bard in der Nacht umherging hörte er viele Gespräche über den Schatz und wie die Menschen Schadenersatz für die Zerstörung durch den Drachen verlangten. Nicht alle hatten in der kalten nacht eine Behausung zur Übernachtung und so erkrankten und starben einige, die den Überfall des Drachen unverletzt überlebt hatten in der bitteren Kälte der Nacht.
Bard war währenddessen nicht untätig gewesen und hatte im Namen des Meisters um Hilfe beim Elbenkönig gebeten. In der Zwischenzeit forderte er seine Mitmenschen auf Vorbereitungen zum Schutz und zur Unterbringung zu treffen. Der Winter stand bevor und wenn sie keine Maßnahmen ergriffen würden noch mehr Menschen ums Leben kommen.
Die Boten von Bard waren auf ein herannahendes Heer vom Elbenkönig getroffen, da dieser Nachrichten über den Tod von Smaug von den Vögeln erhalten hatte. Er war eigentlich zum Einsamen Berg unterwegs, denn auch er hatte von Thorins märchenhaften Schatz gehört. Und die Schwärme der Vögel waren nicht wenige, denn die Aufregung unter den Lebewesen, die in und um das zerstörte Land des Drachen lebten waren nicht wenige.
Mittlerweile hatte Beorn in seiner Hütte davon erfahren und selbst die Orks in den Höhlen beratschlagten über ihr weiteres Vorgehen.
Die Krähen versammelten sich in Scharen über dem Heer des Elbenkönigs, denn sie dachten, dass nun ein Krieg bevorstünde, wie es ihn seit langem in dieser Gegend nicht mehr gegeben hat.
Der Elbenkönig änderte seine Richtung und schichte Schiffe mit Vorräten für die Menschen voraus. Am fünften Tag nach Smaugs Tod erreichten sie die Seeufer und sahen auf die Trümmer von Esgaroth.
Es wurden neue Verträge zwischen den Menschen und Elben getroffen. Während der Meister mit Frauen, Kindern, Alten und Kranken zurückblieben und mit einigen Handwerkern und geschickten Elben die neue Stadt weiter nordwärts planten, gingen die waffenfähigen Männer unter der Führung von Bard zusammen mit einem Teil des Heeres vom Elbenkönig in Richtung des Einsamen Berges.
So kam es, dass ein Elben- und ein Menschenheer am elften Tag nach dem Fall von Seestadt das Felsentor am Ende des Sees durchschritten und die von Smaug verwüsteten Länder erreichten.


Edit:
So, wie ich es überblickt habe, ist der Waldelbenkönig Thranduils, der Vater von Legolas.
Bard seine Nachkommen werden zwar im HdR nicht mehr namentlich genannt, tauchen aber zusammen mit dem König vom Berg in den Anhängen und m.E. Nachrichten aus Mittelerde wieder auf.
Der Tod von Smaug ist nicht nur ein herber Verlust für die Orks.
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Beitragvon nevermore » 13. Okt 2008 19:39

Ein kleines Zwischenspiel bei den Städtern, die mit zeitlicher Verzögerung doch noch kapiert haben, dass die Reise der Zwerge für sie eine Gefahr darstellt. Und Tolkiens Cassandra, Bard, erledigt den Drachen für Bilbo und seine Freunde, und will nach Dal zurückkehren. Und der Bürgermeister hetzt die Städter gegen die Zwerge auf. Und zu allem Überfluss hat es auch noch der Elbenkönig auf den Schatz abgesehen. Scheint, dass jetzt alles und jeder plötzlich zum Berg will. Mal sehen, was jetzt aus Thorins Besitzansprüchen wird.
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Beitragvon Demona » 14. Okt 2008 00:37

Hier finde ich auch sehr erstaunlich, dass auch Elben nicht frei vom Goldrausch sind.

Interessant ist auch, wenn der Angstfeind Nr. 1 erst einmal verschwunden ist, wie schnell man darauf kommt von denen Schadenersatz zu verlangen, die über den Schatz verfügen.
Genauso, wie man schnell einen abewesende Personen für das Leid, was einen widerfahren ist, verantwortlich zu machen, anstatt erst einmal bei sich selbt zu suchen. Wenn sie nicht so auf die alten Lieder und den Schatz abgefahren wären, dann hätten sie auch mal, nach gründlicher Überlegung, darauf kommen können, dass Smaug sich nicht ohne weiteres den Schatz heraus rücken würde. :argh02:

Wenn Bard nicht so überlegt gehandelt hätte, wäre keiner auf die Idee gekommen, bei den Elben um Hilfe zu bitten und sich - zumindest für den Anfang - erst einmal eine behelfsmäßge Unterkunft zu schaffen, damit man den hereinbrechenden Winter überlebt.
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Beitragvon nevermore » 14. Okt 2008 14:03

Îch blicke irgendwie noch nicht ganz mit dieser Vorgeschichte von Dahl und dem Einsamen Berg durch. Also Thorins Großvater war dort ein großes Tier im Zwergenvolk. Und Bards Vorfahren lebten Dahl. In welchem Verhältnis standen die beiden Völker? Und wie war das Verhältnis zu den Elben dort?
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Beitragvon Demona » 14. Okt 2008 16:42

Ja, das ist natürlich etwas verwirrend.

Zu Thorin Eichenschild - siehe Anhänge auf Seite 75 - er ist ein Nachkomme von Durin dem Unsterblichen. Durin I. letzte Ruhestätte ist in Moria an der Ostseite des Nebelgebirges. Anfangs lebten die Zwerge vorwiegend in Moria, aber im Dritten Zeitalter wurden die Herrscher von Moria getötet und die Zwergen flohen. Die meisten gingen nach Norden und Thorins Vorfahr ging zum Einsamen Berg, begann dort zu graben und wurde König unter dem Berg. Ein anderer Teil der Zwerge ging zu den Eisenbergen.
Zwischen dem Einsamen Berg und den Eisengebirge begann ein florierender Handel mit Waffen, Rüstungen etc. Dadurch erstarkten auch die Nordmenschen (Vorfahren von Bard) und sie drängten die Feinde nach Osten zurück.
Ein Teil der Elben lebte schon immer am Düsterwald und brachten den Bäumen auch das Sprechen bei.

Der Handel zwischen den Völkern florierte, auch wenn die Elben und die Zwerge sich nicht sehr gut verstanden. Aber die Zwerge hatten unter anderem auch Mithril und die Elben standen nun einmal auf schöne Dinge, die die Zwerge mit ihren Schätzen herstellten.

Um da die ganzen Zusammenhänge einigermaßen zu verstehen solltest du wirklich die Nachrichten aus Mittelerde und die Anhänge lesen.
Da Tolkien aber nie ganz mit seiner Geschichte fertig wurde (wie auch die von den Zwergen), ist manches etwas kompliziert.
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Beitragvon nevermore » 14. Okt 2008 16:51

Danke erstmal :) Mit "Verhältnisse" meinte ich die Beziehungen. Thorin behauptete ja, dass sein Großvater von den Nordmenschen hoch geachtet wurde. War das immer so, oder gab es da mal Ärger? Waren die beiden Völker so etwas wie Verbündete gegen den Drachen, oder haben sie mehr oder weniger nebeneinander her gelebt? Und die Elben, hatten die damals Kontakte zu diesen Völkern, und waren da die Beziehungen freundschaftlich, oder eher angespannt?
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Beitragvon Demona » 14. Okt 2008 17:17

Thorins Behauptung stimmte eigentlich soweit, da die Nordmenschen durch Waffen- und Rüstungsherstellung der Zwerge profitierten.
Die Zwerge lebten eh unter der Erde, die Menschen auf der Erde von Ackerbau und Viehzucht und die Elben in ihren Wäldern.
Sie trieben erfolgreich Handel und dadurch lebten alle nicht schlecht. Leider lockte der Schatz der Zwerge die Drachen an und durch deren Überfall verloren eigentlich alle, aber am meisten die Zwerge.

Zwischen den Zwergen und Elben gab es eigentlich immer Spannungen, da ihre Lebenswelten auch so unterschiedlich waren und die Zwerge durch ihren "Schatz" auch ziemlich geblendet waren und sozusagen Raubbau betrieben und mit ihren Grabungen immer tiefer gingen und dadurch auch sehr "alte" Lebewesen wieder zum Leben erweckten.
Die Elben sind eher sozusagen Naturvölker, die immer nur das namen, was sie zum Leben brauchten. Sie lebten - ähnlich wie die Indianer - im Einklang mit ihrer Umwelt.
Allerdings liebten beide Völker die schönen Dinge, was bei den Zwergen allerdings die sogenannten glänzenden Dinge betraf.
Es kam auch immer mal wieder zu Reibereien zwischen Elben und Zwergen, da Zwerge bekanntlich auch sehr stur und uneinsichtig sein können.

Sehr gut kannst das ja zwischen Gimli und Legolas erleben. Im Prinzip ist es eigentlich Unwissenheit und Ignoranz der Lebensart zwischen den beiden Völkern, die zu den Reibereien geführt haben.
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Beitragvon Cellmorbasg » 16. Okt 2008 18:39

Hm schon komisch dieser Einschub.
Ein ganzes Kapitel ohne Bilbo und die Zwerge.

Da frag ich mich schon: Warum? Was will uns der Autor damit sagen?

Geht nur mir das so oder findet ihr es auch ein bisschen sonderbar?
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Beitragvon Demona » 16. Okt 2008 19:44

Eigentlich nicht, da ja der Leser schon erfahren sollte, wo der Drachen abgeblieben ist und was vorgefallen sein kann während der Wartezeit der Zwerge und ihrer Schatzeinnahme.

Und eine Verbindung zu den Zwergen gab es eigentlich auch - die Drossel.

Für mich war dieses Kapitel plausibel.
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Beitragvon nevermore » 16. Okt 2008 20:08

Es ist das erste Kapitel, das nicht aus Bilbos Perspektive war. Das muss schon einen Grund haben - man wechselt ja nicht einfach mal so die Erzählperspektive.

Da ich den Rest des Buchs noch nicht kenne, kann ich darüber nur spekulieren. Informationen herüberbringen, die Bilbo nicht hatte, und zu dem Zeitpunkt auch nicht erfahren sollte, würde ich mal annehmen.
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Beitragvon Cellmorbasg » 16. Okt 2008 21:00

Aber warum darf der Leser hier schon erfahren, was Bilbo verwehrt bleibt?
Es würde letztlich genügen, wenn wir mit Bilbo über die Geschehnisse in Kenntnis gesetzt würden.

Aber sei's drum - Tolkien wird sich was dabei gedacht haben.

Ansonsten finde ich das Kapitel eigentlich ganz gut. Die Menschen rücken nochmal in den Fokus und sie verhalten sich auch irgendwie menschentypisch.

Vielleicht liegt hier der Sinn. Der Leser soll jetzt über die Motivation der Menschen zum Berg zu gehen, informiert werden - nicht erst, wenn sie vor der Tür stehen (ebenso die Elben, deren Absichten ja auch Erwähnng finden in diesem Kapitel).
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Beitragvon Demona » 16. Okt 2008 21:41

Und wir wissen jetzt auch, dass die Drossel nicht nur so auf dem Stein oben an der Geheimtür saß. Es zeigt auch, dass man bei Tolkien auf die Details achten sollte.
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Beitragvon Demona » 19. Okt 2008 15:04

Ich denke mal, wir können jetzt weiter machen, oder?


15. Kapitel - Die Wolken sammeln sich


Währenddessen hatten die Zwerge in der Nacht abwechselnd Wache gehalten, aber keinerlei Anzeichen von Gefahr erspähen können. Das einzige, was sie etwas irritierte waren die Vogelschwärme, die sich immer dichter sammelten.
Sie kamen von Süden geflogen und die Krähen veranstalteten dabei einen Riesenlärm. Thorin bemerkte als erste, dass sich da etwas merkwürdiges zusammen braute, da diese Vögel - Stare und Finken - schon längst in den Süden geflogen sein müssten. Die zahllosen Aaskrähen nahmen sie als Zeichen einer herannahenden Schlacht.
Bilbo war es dann, der die alte Drossel als erstes erspähte und als ob diese darauf gewartet hatte, flog sie heran und setzte sich direkt vor sie auf einen Stein und begann zu singen.Zwischendurch legte sie den Kopf schief, als ob sie lauschen würde und begann wieder zu singen.
Es war Balin, der meinte, dass es so klang, als wollte die alte Drossel ihnen etwas erzählen. Leider verstanden weder die Zwerge noch der Hobbit die Sprache der Drossel besonders gut. Balin entgegnete seufzend, dass er wünschte, der Vogel wäre ein Rabe, da er diese verstehe. Bilbo hatte gedacht, dass die Zwerge Raben nicht leiden können, aber da hatte er sich geirrt. Es waren die Krähen, die die Zwerge nicht mochten und die Krähen konnten auch die Zwerge nicht leiden.
Bei den Raben wäre dies anders, denn früher bestand Freundschaft zwischen ihnen und sie brachten zu Zeiten Thrors auch immer geheime Nachrichten. Dafür bekamen die Raben dann blitzende Gegenstände als Dank und diese liebten diese Dinge. Auch waren Raben sehr schlau, hatten ein gutes Gedächtnis, konnten sehr alt werden und überlieferten ihre Weisheit an ihre Nachkommen.
Balin erzählte weiter, dass früher in seiner Jugend auf der Anhöhe, die sie Rabenberg nannten, ein berühmtes Rabenpaar hauste, der alte Carc und seine Frau.
Er hatte seine Geschichte kaum beendet, als die alte Drossel mit einem schrillen Pfiff davonflog. Kurze Zeit später hörten sie Flügelschlagen und die Drossel kehrte mit einem alten, fast blinden Vogel zurück. Er konnte nur schwerfällig fliegen und hatte einen kahlen Kopf. Er schlug ein paarmal die Schwingen und hüpfte zu Thorin, um ihn zu begrüßen.
Der alte Rabe war niemand anders als Roäc, der Sohn von Carc und er war mittlerweile 153 Jahre alt. Er war jetzt der Herr der Bergraben und er erinnerte sich an den König der alten Zeiten. Roäc erzählte weiter, dass die meisten seines Volkes unterwegs waren, er aber schon zwei Neuigkeiten hätte, eine gute und eine weniger gute.
So erfuhren die Zwerge und Bilbo, dass Smaug tot war und zwar schon seit drei Nächten und die Vögel würden nach Dahl zurück. Die Zwerge fielen in laute Jubelrufe aus und beglückwünschten sich dazu, dass nun ohne irgendwelche Verluste den Schatz erobert hatten.
Es war Thorin, der die Gefährten zur Ruhe mahnte, um so von der weniger erfreulichen Nachricht zu erfahren.
Der alte Rabe sprach davon, dass nun alle vom Tod des Wächters des Schatzes gehört hatten und alle erinnerten sich wieder an die alten Geschichten über den Reichtum der Zwerge. Viele seien nun begierig auf den Schatz oder zumindest darauf, ihren Anteil daran zu erhalten. Die Menschen am See schimpften darüber, dass sie ihr Leid nur den Zwergen verdanken, da Smaug ihr Stadt vernichtet hat. Nun wollten alle ihren Anteil, ob die Zwerge nun tod waren oder nicht.
Roäc appellierte an die Klugheit von Thorin und gab ihm den Rat nicht dem Meister der Stadt sondern dem Drachentöter zu vertrauen.
Darüber geriet Thorin in Zorn und er bat den Raben Boten loszusenden, um darüber zu berichten, dass die Zwerge noch am Leben waren und niemals ihren Schatz teilen würden. Des weiteren bat er den Raben Boten zu seinen Verwandeten in den Bergen auszusenden, um ihnen über ihre gefährliche Lage zu berichten. Als erstes sollte jemand seinen Vetter Dain am Eisenberg benachrichtigen, damit dieser ihm zu Hilfe käme.
Thorin teilte allen mit, dass sie selber wieder zurück zum Berg müssten, da sie jetzt keine zeit mehr zu verlieren hätten. Allein der praktisch denkende Bilbo bemerkte nebenbei, dass sie auch wenig zu Essen hätten. Er hatte gedacht, mit dem Tode des Drachen wäre sein Abenteuer vorbei und würde fast alles von seinem Anteil hergeben, wenn es nicht zum Kampf käme.

Die Zwerge hatten noch einige Tage Zeit, um Ihre Vorbereitungen treffen zu können. Sie erkündeten erneut die Höhle und fanden so heraus, dass nur noch das Haupttor offen geblieben war. Sie mussten hart arbeiten, um den Haupteingang wieder zu befestigen und einen neuen Pfad anlegen, der ins Tal hinab führte. Während dieser Zeit brachten ihnen die Raben ständig Nachrichten und so erfuhren sie, dass sich der Elbenkönig erst einmal zum See gewandt hatte. Drei ihrer Ponys waren Smaug auch entkommen und Kili und Fili wurden ausgesandt, sie wieder einzufangen und auch die Reste ihrer dort noch lagernden Vorräte mitzubringen.
Mittlerweile waren vier Tage vergangen und sie hatten erfahren, dass sich die Heere der Menschen und Elben vereinigt hatten und auf den Berg zueilten. Die zwerge waren auch mit ihren Befestigungsmauern fertig und hatten einen Teil des Flusses verbreitet, sodass man ihn nur noch schwimmend überqueren konnte.
Kili und Fili kamen zurück, luden die Vorräte ab und schickten die Pons zu ihren Besitzern zurück. Es wurde wieder Nacht und sie sahen viele Lichter von Lagerfeuern und Fackeln in Dal aufflammen.
Balin war es, der sie auf das große Lager aufmerksam machte und das sie wohl im Schutz der Dämmerung ins Tal gekommen seien.
Die Zwerge verbrachten eine unruhige Nacht und im schwachen Morgenlicht erkannten sie, wie leute das Tal entlang zogen und herauf kletterten. Es waren Menschen vom See und sie waren kriegsmäßig bewaffnet und mehr als erstaunt, als sie eine breite Wasserfläche vor sich sahen und das Tor mit Quadern versperrt.
Thorin rief zu ihnen herab was sie hier wollten und noch dazu in Kriegskleidung. Er bakm darauf keine Antwort, da die Menschen etwas verwirrt wirkten und nicht genau wussten, was sie nun tun sollten. Sie verlgetn an diesem Tag nur noch ihr Lager, mitten zwischen die ausgreifenden Begflanken. Musik lang zu den Zwergen hinauf, der Duft von Waldblumen stieg zu ihnen herauf und sie hörten Elbenharfen.
Bilbo wünschte sich nicht sehnlicher, als dort unten zu sitzen, anstatt in der dunklen Festung. Auch die jüngeren unter den Zwergen wären den Leuten da unten lieber mit Freundschaft begegnet. Allein die finstere Mine von Thorin hielt sie alle davon ab.
Die Zwergen holten auch ihre Harfen hervor und fingen an zu singen. Thorin wurde wieder fröhlicher und rechnete sich aus, wie lange Dain wohl von den Eisenbergen bis zu ihnen bräuchte. Nur Bilbo war über Thorins kriegerische Worte nicht glücklich.
Am nächsten Morgen kam sehr früh eine Schar Speerträger über den Fluß und blieben dicht vor der Mauer des Eingangs stehen.
Wieder rief ihnen Thorin zu, was sie hier wollten und diesmal bekam er eine Antwort. Ein großer Mann mit grimmigen Gesichtsausdruck schritt nach vorn und antwortete Thorin. Er fragte ihn, warum die Zwerge sich wie Diebe in der Höhle verkriechen würden. Die Menschen hätten angenommen, dass sie hier niemanden mehr lebend antreffen würden und sie sehr froh darüber wären, dass der Reisegesellschaft nichts passiert war. Jetzt wäre es jedoch Zeit für Unterhandlungen.
Der Mann stellte sich als Bard und Töter des Drachen vor und somit hätte er Thorins Schatz befreit und ob dies Thorin nichts wert wäre. Des weiteren teilte er mit, dass er der rechtmäßige Erbe Girions von Dal wäre und sich bei Thorins Schatz auch so manches vom Reichtum von Dal und Seestadt. So wäre es nur recht und billig, dass Thorin diese Dinge zurück gab und sich an den Reperaturkosten von Esgaroth beteiligen würde. Die Menschen hätten ihnen schließlich auch geholfen und indirekt wäre Thorin an der Zerstörung der Stadt mit Schuld.
Bilbo fand die Forderung völlig in Ordnung, auch wenn seine Beteiligung am Tod des Drachen nicht erörtert wurde. Leider hatte der Hobbit nicht damit gerechnet, welche Macht das lange von Smaug gehütete Gold auf das zwergerische Herz ausrichten konnte. Thorin hatte viele Stunden bei dem Schatz zugebracht und die Begierde hatte ihn nun fest im Griff.
Thorin gab zu, dass die Güter und Hilfe der Menschen belohnt werden sollten, aber keineswegs hatte er die Absicht, die Zerstörung der Stadt durch Smaug zu bezahlen. Noch dazu, wo es ihm schien, dass ihm der Schatz mit Gewalt genommen werden sollte. Des weiteren warf er den Menschen vor, dass sie wohl kaum seiner Verwandschaft einen Anteil am Schatz gegeben hätten, wenn er und seine Leute hier tot aufgefunden worden wären.
Bard widersprach ihm nicht, entgegnete jedoch, dass Thorin und seine Gefährten ja am Leben wären und das gerade er mit seinem Reichtum Mitleid gegenüber den Bedürftigen haben müsste.
Thorin war damit überhaupt nicht einverstanden, noch dazu wo er sich durch die Anwesenheit des Elbenkönigs und seines Volkes persönlich beleidigt fühlte. Wenn Bard wirklich mit ihm verhandeln wolle, dann solle er den Elbenkönig und seine Leute heim zu seinen Wäldern schicken.
Bard war damit nicht einverstanden, da er den Elbenkönig als seinen Freund betrachtete. Schließlich hatte dieser ihm in der Not beigestanden und nachbarschaftliche Hilfe geleistet. Er würde Thorin Zeit geben, seinen Verstand zusammen zunehmen und in Ruhe über die Vorschläge nachzudenken.
Nach einigen Stunden kamen Bannerträger zurück und legten die Forderung von Bard dar. Dieser verlangte ein Zwölftel des Schatzes von Thorin. Mit einem Teil davon wollte er den Menschen von Seestadt helfen. Wolle Thorin jedoch Freundschaft und Ansehen von den Leuten in den Ländern draußen genießen, dass sollte er sich überlegen, welchen Teil er für den Wiederaufbau beitragen wolle.
Thorins Antwort darauf war ein Pfeil auf den Sprecher, der in dessen Schild stecken blieb. Die Menschen waren enttäuscht und entgegneten Thorin darauf, dass er sich ab sofort als belagert betrachten sollte.
Die Zwerge blieben allein zurück und so grimmig wie Thorin aussah, wagte auch keiner ihm zu widersprechen. Die meisten waren eh seiner Meinung, nur die jungen und Bilbo waren davon ausgenommen. Bilbo hatte mehr als genug von dem Berg und es gefiel ihm ganz und gar nicht, jetzt auch noch belagert zu werden.
Der ganze Berg stank seiner Meinung nach Drachen und etwas richtiges zu Essen gab es auch nicht mehr.

Edit:

Hier erfahren wir, dass zwischen den Raben und den Zwergen eine lange Freundschaft bestand und die Raben früher den zwergen als Kundschafter und Boten zur Seite standen.
Dieser Bund wurde erneuert und wieder waren die Raben für Thorin als Boten und Kundschafter unterwegs.
Thorin zuviel Zeit beim Schatz verbrachte und der Drachenzauber auch nach Smaugs Tod noch weiter bestand und große Auswirkungen auf Thorin hatte.
Bard fühlt sich, obwohl er der neue Fürst von Dal ist, immer noch Seestadt verpflichtet und will ihnen mit einem Teil seines Anteils vom Schatz helfen.
Zuletzt geändert von Demona am 20. Okt 2008 18:24, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitragvon nevermore » 19. Okt 2008 19:34

"Kein Gran unseres Goldes soll Dieben oder Gewalttätern zufallen" - von wem redet Thorin da? Komische Aussage, da Bilbo ja als "Meisterdieb" mitgenommen wurde. Inwiefern betrachtet er Menschen und Elben als "Diebe und Gewalttäter"? Immerhin haben die Menschen Thorins Besuch die Zerstörung ihrer Stadt zu "verdanken", und wer weiß, wie sie ohne Bards Hilfe Smaug entkommen wären. Könnte echt nicht sagen, dass mir die Zwerge besonders sympathisch sind. :typo_009:
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Beitragvon Cellmorbasg » 22. Okt 2008 22:34

Also Vögel scheinen wirklich ein sehr beliebtes Motiv von Tolkien zu sein.

Zu den Zwergen: Sie kommen wirklich nicht besonders sympathisch herüber. Eigentlich von Beginn an der Geschichte.
Wer das Gute sehen will, der kann suchen und wird finden, aber das ist schon eine Arbeit.
Wenn man bedenkt, dass es sich um ein Kinderbuch handelt, dann muss man wenigstens sagen, dass Tolkien die Zwerge in ein diffuses Licht taucht. Nicht böse, aber auch nicht immer mit der gutmütigsten Absicht in ihrem Handeln.

Zur Erklärung bietet Tolkien hier natürlich die Verlockung des Schatzes an. Es kommt aber aus meiner Sicht die Tatsache hinzu, dass wir eigentlich sehr wenig über die Zwerge erfahren, was ihre innersten Gedanken und Gefühle sind. So können wir sie nur, nach ihrem nicht immer hochmoralischen Handeln beurteilen.

Natürlich sind wir noch nicht am Ende des Buches, und es wird etwas geschehen, dass Thorin in ein viel besseres Licht rückt.
Aber restlos umkehren kann es diesen Eindruck:
Könnte echt nicht sagen, dass mir die Zwerge besonders sympathisch sind.

beim erwachsenen Leser vielleicht nicht. Bei Kindern schaut dies freilich anders aus. Die können die Zwerge am Ende des Buches wahrscheinlich klar zuteilen.


Ich hab im Moment übrigens kein Buch. In der Uni-bibliothek gibt es die Deutsche Ausgabe nur im Magazin - d.h. nicht zum ausleihen und ein Tag warten, bevor man es bekommt. Die Englischen Ausgaben (unglaublich aber war: ich wollte darauf zurückgreifen) sind im Moment verliehen.
Tja und für die Stadtbibliothek sind mir die Gebühren ehrlich gesagt zu hoch. Da kann ich das Buch auch gleich kaufen. Was wohl wirklich überlegenswert ist.
Wie dem auch sei, die Uni-bibliothek gab dafür was anderes her:
Eine Tolkien-Biografie von Tom Shippey und ein Buch über das Verfahren der Textbildung im Hobbit von Hannspeter Bauer.
Sobald ich Zeit gefunden habe darin zu lesen, kann ich vielleicht was interessantes dazu sagen.
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Beitragvon Demona » 23. Okt 2008 14:35

Cellmo hat Recht, sehr viel erfahren wir nicht über die Zwerge außer das sie gerne unter dem Berg leben und nach Schätzen graben und handwerklich sehr begabt sind.
Leider erfahren wir auch nicht allzuviel über den Drachenzauber. Anscheinend hat er doch eine große Auswirkung auf andere, wenn man mal betrachtet, dass er auch sehr große Auswirkungen auf Bilbo hatte. Und Hobbits lassen sich ja von äußeren Einflüssen nicht so leicht beeindrucken und verführen.

Man sollte hier eins bedenken, Thorin ist ein sehr stolzer Zwerg und legt sehr viel Wert auf seine Herkunft und Abstimmung. Nach langer Zeit gelingt es ihm sein Reich und den dazugehörigen Schatz zurück zu bekommen und was ist davon geblieben? Die alten Zeiten in Liedern zu besingen und versuchen, wieder so zu leben sind zweierlei Dinge.
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Beitragvon Cellmorbasg » 25. Okt 2008 14:40

So ich hab jetzt das Kapitel "I Der Hobbit" aus dem Buch "J.R.R. Tolkien Autor des Jahrhunderts" von Tom A. Shippey gelesen und möchte euch einen kurzen Überblick über die dortigen Aussagen geben:
- es wird gezeigt, dass Bilbo eine Person aus der Moderne ist - genauer aus der Bourgoisie, der wie ein Fremdkörper in der Welt von Mittelerde wirkt
- Bilbo soll für den Leser die Verbindung in diese fremde Welt sein
- Mittelerde ist eine Welt die auf alten Märchen und Sagen basiert und viele daraus bekannten Wesen enthält: Zwerge, Elfen, Orks, Trolle...
- zwischen diesen ganzen alten Sagen und Märchen bestehen keine Verbindungen, sondern jede steht für sich - indem Tolkien verschiedene Elemente herausgreift schafft er eine Welt in der diese ganzen alten Geschichten beheimatet sind und er gibt der bis dahin nebelhaften Märchenwelt ein Gesicht
- bei allem was Tolkien von woanders verwendet, ist es das philologische Fachwissen das ihn darauf bringt
- das Eingreifen des Erzählers gibt der Welt eine Tiefe und malt ein detailiertes und stimmiges Bild von der Märchenwelt
- in den Kapiteln 1-8 stellt Tolkien nacheinander die magischen Kreaturen vor (Zwerge und Zauberer, Trolle, Elben, Orks, Gollum, Warge und Adler, Beorn, Waldelben und Spinnen) - danach nur noch eine weitere ganz neue Figur: Smaug; die Kreaturen finden am Schluss fast alle zusammen um in den Verhandlungen um den Drachensschatz aneineander zu geraten.
- Bilbo wächst im Verlauf der Geschichte und wird den anderen Teilnehmern der Geschichte durch seinen moderen Mut überlegen - das erste Mal ist er ihnen überlegen, als er sich innerlich dazu entschließt zu den Orkhölen zurückzugehen und den Zwergen zu helfen; während die Zwerge (auch wenn Gandalf sie vermutlich umgestimmt hätte) nicht zurüch wollen um Bilbo zu retten
- die Rätsel von Gollum und Bilbo haben alle (teilweise: alte) literarische Quellen - obwohl Bilbo also ein Fremdkörper ist, wird er mehr und mehr in dieser Welt heimisch
- Tolkien bringt auch eigene Ideen ein: Gollum und die Spinnen
- in der alten Literatur gibt es nur drei Drachen (der Vernichter von Gott Thor, der Drachen den Beowulf tötet und Fafnir) - in der Hauptsache greift Tolkien auf Fafnir zurück - Fafnirs Gespräch mit Sigurd (und dessen Rätselrede) ist wahrscheinlich Vorlage für Bilbos Gespäch mit Smaug
- Smaug ist wie Bilbo ebenfalls ein Anachronismus in Mittelerde, Smaug spricht zunächst nicht so heroisch wie Beorn, Thorin, Thranduil, sondern wie ein moderner Engländer aus der Oberklasse -erst als Bilbo "Rache" erwähnt, wird Smaug heroischer als alles was der Leser zuvor gelesen hat: "... unter seinem Volk habe ich mich sattgefressen, wie der Wolf unter den Schafen..."
- Smaug gleicht also Bilbo, indem sie beide in beiden Welten zugleich stehen
- Sigurd trinkt vom Drachenblut und kann dann Vögel verstehen - Smaug wird letztlich dadurch getötet, dass Bard die Drossel versteht
- Bard ist in seinem Handeln ebenfalls modern, in dem er bei der Verteidigung der Seestadt vorgeht wie im 1. Weltkrieg gekämpft wurde
- es ist mit dem Verhältnis Schlacht des Mittelaltters und des 1. Weltkrieges wie mit dem Verhältnis Gollum und Bilbo - äußere Verschiedenheit, bei ähnlichen Zügen unter der Oberfläche - in Bard ist dieses Verhältnis der Schlachten vereinigt, in dem er am Ende den Drachen allein mit dem alten Pfeil tötet
- wichtigste Lektion des Hobbit: Kollision der Stile führt zu einer tieferen Erkenntnis ihrer Einheit
- so wie Gandalf einst Bilbos Begrüßung "Guten Morgen" ad absurdum führte - führt Bilbo die Begrüßungsformeln der Zwerge ad absurdum, als Thorin ihn beschimoft
- vieles ist nicht Kinderbuchtypisch: emotionale Tiefe, Thorins Ende, der Ausgang des Abenteuers - halbierter Sieg, Drachen-Krankheit, Beorns Brutalität, Unnachgiebigkeit der beiderseitigen Rechthaberei in der Konfrontation Thorins mit dem Elbenkönig, Bards finster-pedantische Redlichkeit, selbst Gandalfs gelegentliche Barschheit


Ich hoffe, dass das Ganze trotz der Kürze und des Durcheinander einigermaßen zu verstehen ist und ich Shippeys Gedanken nicht verfälscht habe.
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Beitragvon Demona » 25. Okt 2008 15:42

Sehr interessant, Cellmo.

Es ist allgemein bekannt, dass Tolkien in der Industrialisierung der Welt nicht als die beste Entwicklung in der Welt fand. Er sah darin die Vereinsamung, Machtmissbrauch und den Zerfall des alten Familien- und Gemeinschaftsbildes.
Tolkiens Studenten erzählten ja oft, dass ihr Professor besonders in den Pausen in seiner eigenen Welt lebte. Indem er Mittelerde erschuf, erschuf er sich sein Weltbild, wie er sie gerne gesehen hätte. Auch war er der Meinung, dass es keine guten Geschichten und Bücher für Kinder und Jugendliche gab. Zusammen mit seiner Herrenriege, zu der auch Lewis der Erschaffer von "König von Narnia" gehörte.

Was gibt es noch für Kapitel in dem Buch? Mal sehen, ob es das Buch auch in der Bücherei gibt.
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Beitragvon Cellmorbasg » 25. Okt 2008 18:44

Die Kapitel heißen im einzelnen:
Vorwort Autor des Jahrhunderts
I. Der Hobbit Rekonstruktion einer Welt
II. Der Herr der Ringe (1) Der Handlungsplan
III. Der Herr der Ringe (2) Auffassungen des Bösen
IV. Der Herr der Ringe (3) Die mythische Dimension
V. Das Silmarillion Die Herzenssache
VI. Die Kürzeren Werke Zweifel, Ängste, Autobiografien
Nachwort Die Nachfolger und die Kritiker

Außer Vorwort und 1. Kap habe ich die noch nicht gelesen - ich will erstmal in dieses andere Buch über die Textbildung reinschauen und dann warten noch viele Seiten Studiumlektüre auf mich.
Aber es ist lesenswert und liest sich auch sehr schnell.
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Beitragvon Demona » 26. Okt 2008 14:31

So, dann machen wir mal weiter...


16. Kapitel - Ein Dieb in der Nacht


Die nächsten Tage vergingen sehr langsam und die meisten Zwerge verbrachten ihre Zeit damit, den Schatz zu ordnen und aufzustapeln. Thorin sprach nur noch vom Arkenjuwel und bat alle darum, überall danach zu suchen.
Laut Thorin war der Arkenjuwel seines Vaters Thrains mehr Wert als ein ganzer Fluss aus Gold und er erklärte diesen Stein zu seinem ausschließlichen Eigentum.
Da bekam es unser Bilbo dann doch etwas mit der Angst zu tun und er überlegte, was wohl mit ihm passieren würde, wenn man den Juwel bei ihm finden würde. Bilbo hatte ihn in alte Lumpen eingewickelt und benutzte diese in der Nacht als Kopfkissen. Bilbo erwähnte es jedoch nicht und als seine Angst größer wurde, reifte ihm ein Plan heran.
Eines Tages brachten die Raben Nachricht davon, dass Dain mit ca. 500 Zwergen von den Eisenbergen hierher auf dem Weg war und nur noch zwei Tagesmärsche von Dal entfernt war. Dain rückte von Nordosten an.
Der alte Rabe bemerkte noch, dass Dain und sein Trupp den Berg nicht unbemerkt erreichen würden und somit wäre eine Schlacht unausweichlich. In der Schlacht könnten die Zwerge jedoch sicher nicht siegen, da die Belagerer in der Überzahl wären. Außerdem folge dem Zwergenheer der Winter mit Schnee auf den Fersen. Ohne Lebensmittel könnten die Zwerge einen Winter nicht überstehen und vom wem sollten sie diese erhalten, da sie mit den umliegenden Völkern im Clinch liegen. Somit wäre der Schatz doch ihr Tod, obwohl es keinen Drachen mehr gibt.
Thorin war zu einer Einlenkung jedoch nicht bereit. Seiner Meinung nach würden der Winter und Schnee den Menschen und Elben genauso viel schaden. Mit seinen Freunden hinter ihnen und dem Winter über ihnen würde somit leichter zu verhandeln sein.

Da beschloss Bilbo in der Nacht was zu unternehmen. Draußen war es dunkel und kein Mondlicht erhellte die Nacht. Aus einem Bündel in der Ecke der Halle holte er ein Seil hervor und dann wickelte er den Arkenjuwel in einen Lappen. Zu diesem Zeitpunkt hielt nur Bombur Wache und klagte über die Kälte und wünschte sich, dass sie auch so ein Feuer hätten wie die da unten. Der Zwerg hatte bis Mitternacht Dienst und war etwas sauer auf Thorin, aber er wagte es trotzdem nicht, sich gegen ihn aufzulehnen.
Bilbo bot ihm an seine Wache zu übernehmen, da er in dieser Nacht eh keinen Schlaf finden würde und seine Beine schon ganz steif von dem vielen Treppensteigen waren. Bombur nahm das Angebot begeistert an, den er war müde und hungrig. Er erkärte dem Hobbit noch, wo er liegen würde und Bilbo versprach ihm, ihn kurz vor Mitternacht zu wecken, damit er der nächsten Wache bescheid geben konnte.
Bombur war kaum verschwunden, da streifte sich Bilbo seinen Ring über, befestigte das Seil, giltt die Mauer herunter und war verschwunden. Bilbo hatte ungefähr 5 Stunden für sein Vorhaben Zeit und Bombur würde sicher fest schlafen, da dieser fest schlief und immer noch versuchte, seiner wunderbaren Träume vom Nachtwald einzufangen.
Es war immer noch sehr dunkel und als Bilbo den erst kürzlich angelegten Steig verlassen hatte betrat er unbekanntes Gebiet. Er gelangte endlich zu der Flussbiegung und wenn er das Lager erreichen wollte, musste er das Wasser überqueren. Obwohl der Fluss an der Stelle sehr seicht war, war es für den kleinen Hobbit dennoch nicht leicht. Er hatte es fast geschafft, als er auf einen Stein ausglitt und mit einem Klatscher in das kalte Wasser fiel. Bilbo hatte kaum zitternd und total durchnässt das Ufer erreicht, als die Elben auch schon mit brennenden Laternen nach der Ursache des Geräusches suchten.
Die Elben waren sich ziemlich sicher, dass dies kein Fisch gewesen sein konnte sondern nur ein Spion und waren der Überzeugung, dass es sich nur um das merkwürdige kleine Wesen, den Diener der Zwerge handeln konnte.
Dies nahm ihnen Bilbo grummelnd übel, aber er musste dabei heftig nießen und die Elben gingen rasch auf das Geräusch zu.
Bilbo streifte den Ring ab und sprang hinter einem Stein hervor. Trotz der Überraschung ergriffen ihn die Elben schnell und stellten lauter Fragen wer er sei, was er hier wolle und wie er durch die Postenkette gekommen war.
Bilbo war jedoch keineswegs bereit, diese zu beantworten und stellte sich nur vor und verlangte, zu Bard gebracht zu werden.
Auch wenn die Elben hierfür den Grund wissen wollten, war Bilbo nicht bereit, ihn diesen zu verraten. Er riet den Elben, ihn lieber zu ihren Anführern und ans Feuer zu bringen, wenn sie jemals wieder in ihre Wälder heimkehren wollten. Auch hatte er nur ein oder zwei Stunden für sein Anliegen Zeit.

Nachdem sich Bilbo vor 2 Stunden durch das Tor geschlichen hatte saß er an einem warmen Feuer und wurde vom Elbenkönig und Bard verwundert angestarrt. Ein Hobbit in einer Elbenrüstung und eingewickelt in eine alte Decke war wohl kein alltäglicher Anblick.
Bilbo sprach in seinem schönsten Geschäftston, als er den beiden Anführern erklärte, dass er über die ganze Angelgenheit sehr unglücklich war und überhaupt nicht damit einverstanden. Er wolle nur noch eins: nach Hause. Jedoch habe er an der Sache noch ein geschäftliches Interesse, da sich sein Anteil an dem Schatz auf ein Vierzehntel beläuft. Glücklicherweise verfüge er noch über den Brief, der ihm diesen Anteil zusagt.
Bilbo habe absolut nichts dagegegen, dass die anderen ihren Anteil erhalten und er dann vom Rest des Gewinns sein Vierzehntel beziehe. Allerdings wisse er, da er Thorin Eichenschild mittlerweile sehr gut kenne, dass dieser eher auf seinem Goldhaufen sitzen bleibe und verhungere, auch wenn die Meschen und Elben nicht abziehen.
Bard entgegnete daraufhin, dass er seinetwegen darauf sitzen bleiben könne, Narren verdienen halt nichts anderes.
Bilbo stimmte ihm zu, gab aber zu Bedenken, dass es auch für die Menschen und Elben nicht einfach sein würde, im Winter für Nachschub zu sorgen und die Belagerung aufrecht zu erhalten. Des weiteren seien noch andere Schwierigkeiten zu bedenken. Sie hätten sicher schon von Dain und den Zwergen des Eisenberges gehört.
Der König stimmte dem zu und fragte den Hobbit, was das denn mit ihnen zu tun hätte. Daraufhin erklärte ihm der Hobbit, dass Dain inzwischen weniger als zwei Tagesmärsche von ihnen entfernt ist sei und mindestens 500 grimmige Zwerge mit sich führe. Diese hätten in Sachen Kriegsführung auch eine Menge Erfahrung durch die schrecklichen Kriege zwischen Zwergen und Orks. Dies könnte zu ernsten Verwicklungen führen, wenn sie erst einmal hier sind.
Bard reagierte über diese Information recht grimmig und nannte den Hobbit einen Verräter an seinen Freunden.
Bilbo fuhr verängstigt zusammen und erläuterte ihm, dass er allen Beteiligten eigentlich nur Kummer ersparen und ihnen ein Angebot unterbreiten wolle.
Der Hobbit holte den Arkenjuwel hervor und entfernte die Lumpen, in die der Stein eingewickelt war.
Selbst der Elbenkönig, der an viel Schönheit gewöhnt, fühlte sich vom Licht des Arkenjuwels geblendet. Bard hingegen konnte nur staunend hinschauen und sagte kein Wort. Der STein sah aus wie eine Kugel, die mit Mondlicht gefüllt war und in einem Netz vor ihnen hinge.
Bilbo erläuterte den anderen, dass dies Throins Arkenjuwel wäre, das Herz des Berges und irgendwie auch das Herz von Thorin. Er schätzte ihn mehr als einen ganzen Fluss aus Gold. Bilbo wolle ihn ihnen geben, damit sie leichter mit Thorin Eichenschild verhandeln könnten.
Nicht ohne das ihm ein Schauder der Angst den Rücken herunter lief und mit einem Bedauern, dass er den Schatz hergeben müsste, gab er ihn an Bard weiter.
Verwundert fragte dieser, ob er denn Bilbo gehöre und dieser ihn so einfach hergeben könne.
Mit leichtem Zögern und Unwohlsein entgegnete der Hobbit, dass ihm dieser Stein wohl nicht so richtig gehören würde. Er sei jedoch bereit, für diesen Juwel auf seinen Anspruch zu verzichten. Ein Meisterdieb würde er von den anderen genannt werden, obwohl er sich selber nie als einer gefühlt hätte. Aber zumindest wäre er ein ehrlicher Meisterdieb, dass hoffe er zumindest. Bilbo wollte nun zurück zu den zwergen gehen und der Dinge harren, die nun auf ihn zu kämen. Gleichzeitig hoffe er, dass zumindest Bard und der Elbenkönig seine Absicht gut finden würden.
Der Elbenkönig blickte den kleinen Hobbit voller Verwunderung an und erklärte ihm, dass er es mehr als wert sei, die Rüstung eines Elbenprinzen zu tragen, als manch anderer. Er solle sich jedoch nicht wundern, wenn Thorin seine Tat anders als sie einschätzen würde. Deshalb böte er ihm an, dass er hier bei ihnen bleiben könne und er hier sehr willkommen wäre.
Bilbo bedankte sich mit einer Verbeugung, erklärte ihnen jedoch, dass er seine Freunde nicht im Stich lassen könne Außerdem hätte er Bobur versprochen, ihn um Mitternacht zu wecken. Aus diesem Gründen müsse er jetzt gehen.
Eine Eskorte geleitete ihn und überall wurde er mit derselben Ehrerbietung gegrüßt wie der Elbenkönig und Bard. Als sie weiter durchs Lager gingen, stand plötzlich ein alter Mann in einem dunklen Mantel auf und schritt ihnen entgegen.
Es war Gandalf und er klopfte Bilbo auf den Rücken und sagte freudig, dass er sehr stolz auf ihn wäre und das in ihm, Bilbo, doch immer noch mehr stecken würde, als einer annehmen würde.
Es war das erste Mal seit vielen Tagen, dass sich Bilbo richtig glücklich fühlte. Bilbo hatte jedoch keine Zeit mehr, Gandalf all die Fragen zu stellen, die sich ihm im Moment aufdrängten.
Der alte Zauberer erzählte ihm, dass sein Abenteuer nun wohl bald vorbei sei, obwohl ihm noch eine unerfreuliche Zeit bevorstehe. Es ginge da etwas vor sich, von dem noch nicht einmal die Raben Bescheid wüssten.
Nun doch leicht beunruhigt und verunsichert eilte Bilbo weiter. Er wurde zu einem sicheren Flussübergang gebracht und kam auch trocken rüber. Bilbo verabschiedete sich von den Elben und mit großer Müdigkeit stieg er vorsichtig zum Eingangstor hinauf.
Rechtzeitig vor Mitternacht erreichte er die Mauer, fand auch das Seil noch vor und kletter hinauf. Nachdem er das Tau aufgerollt und versteckt hatte, setzte er sich an die Mauer und dachte eine Weile angestrengt darüber nach, was jetzt wohl geschehen würde.
Er weckte um Mitternacht Bombur und wickelte sich in seine Schlafdecke. Den Dank des alten Zwerges überhörte er und fiel bald darauf in einen tiefen Schlummer. Er vergass seinen Kummer und Sorgen und träumte in dieser Nacht von Eiern und Schinken.

Edit:

Hier zeigt sich immer mehr, wie der kleine Hobbit über sich hinaus wächst. Obwohl er weiß, dass er sich damit eine Menge ärger einhandelt und er sogar auf seinen Anteil am Schatz verzichtet, geht er dieses Risiko ein. Trotz allen lässt er seine Freunde, die Zwerge nicht im Stich und kehrt zu ihnen zurück, gleich wohl was Thorin mit ihm anstellen wird, wenn er erfährt, was Bilbo getan hat.
Auch kehrt Gandalf wieder in die Geschichte zurück und erwähnt, dass ein Übel auf sie zukommt von dem noch nicht einmal die Raben wissen.
Hier stellt sich noch die Frage, ob Gandalf auch gerade erst bei den Elben und Menschen angekommen ist und ihnen noch nicht den Grund seines Auftauchens erklären konnte oder ob der Elbenkönig und Bard schon Bescheid wussten.

Auch steht mit dem alten Raben Thorin eigentlich ein weiser Ratgeber bei. Jedoch ist dieser immer noch nicht in der Lage, den Rat von ihm anzunehmen und weißt diesen somit wieder ab.
"Möge Gott sein zwischen Dir und dem Leid, an allen verlassenen Orten, die Du erreichen wirst." (ägyptischer Segensspruch "Babylon 5")

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Beitragvon Cellmorbasg » 26. Okt 2008 21:06

Da gehen die Zwerge und Bilbo durch unzälige Gefahren mit dem einem Ziel vor Augen - den Schatz zu erreichen auf dem Smaug sitzt.
Dann kommen sie an und es steht das unmögliche bevor - die Vernichtung Smaugs.
Eigentlich müsste man als Leser doch erwarten, dass er von einem unserer bekannten Gemeinschaft erledigt wird - vorzugsweise mit großem Anteil daran von Bilbo.
Den hat er auch, indem er die Schwachstelle des Drachen entdeckt.
Erledigt aber wird der Drache von Bard, einem uns völlig unbekannten Menschen.

Tja, wunderbar - Drachen erledigt, Schatz bei den Zwergen.
Doch dann kreiert Tolkien eine neue Gefahr. Die des Krieges zwischen eigentlich auf der gleichen Seite stehenden Völker.
Und nun bekommt er ihn. Unser kleiner Hobbit legt seinen großen Auftritt hin - und begeht seine Heldentat. Nicht seine erste - doch die wichtigste. Er allein auf einer Bühne, die er selbst bereitet hat, durch seine Gutmütigkeit und seinen Mut.

Schon irgendwie genial von Tolkien.


So ich hab jetzt ein bisschen in das Buch "Die Verfahren der Textbildung in J.R.R. Tolkiens The Hobbit" von Hannspeter Bauer reingelesen. Er behandelt dort auch einiges von dem, was Shippey behandelt nur ist es nicht ganz so leserfreundlich sondern eher wissenschaftlich angelegt.
Eine Information daraus möchte ich euch nicht vorentlhalten: Es geht um Gut und Böse und vor allem um die Zwerge.
Gut und Böse sind im Hobbit und in HdR klar getrennt, bemerkenswert sei jedoch, dass die Bösen grundsätzlich schlecht wären, während die Guten nicht immer grundsätzlich gut seien. Die Zwerge sind da ein Beispiel.
In einem Brief zieht Tolkien folgenden Vergleich:
I do think of the 'Dwarves' like Jews: at once native and alien in their habitations, speaking the languages of the country, but with an accent due to their own private tongue

Die Zwerge seien also ein Volk ohne Heimat, aber mit einer starken Verbindung zur eigenen Geschichte und Kultur, die jeden Einzelnen stärke.
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Beitragvon Demona » 26. Okt 2008 21:14

@ Cellmo

Die Zwerge seien also ein Volk ohne Heimat, aber mit einer starken Verbindung zur eigenen Geschichte und Kultur, die jeden Einzelnen stärke.


Stimmt irgendwie, wenn man es genau betrachtet. Die Heimat bringt den Zwergen ja nicht unbedingt Glück. Thorins Vater und Großvater nicht, den sie sterben wegen dem Schatz auf den die Drachen so versessen sind. Ob die alte Heimat Thorin Glück bringt werden wir noch erfahren.

Dain kommt von den Eisenbergen und verlässt somit sein Reich und seine Heimat. Ob er nach seiner Hilfestellung für Thorin zurück geht...

Von Balin wissen wir ja aus HdR, dass er später nach Moria geht und ihm diese Heimat auch kein Glück bringt. Moria wird von den Orks eingenommen und fast zerstört. Also bringt es ihm und seinen Gefährten definitiv kein Glück.
Man bekommt da irgendwie das Gefühl, dass es den Zwergen als heimatlose besser ergeht. Oder bringt ihnen Reichtum und Wohlstand kein Glück?
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